Guten Morgen Oiseau und Karotte,
vielen, vielen Dank für euere guten Ideen 
Oiseau, du hast es wirklich sehr gut beschrieben, genauso fühle ich mich. Das mit dem Lob habe ich schon oft fabriziert. Mein Mann kann wirklich sehr gut Ordnung machen und einräumen und so. Wenn er "früher" mal gut drauf (!) war, hat er z.B. die Speisekammer auf Vordermann gebracht, da kam keiner mit.
Mit dem Einkaufen ist es halt auch so, dass er oft alleine geht, weil er Freischicht hat und ich auf Arbeit bin. Dafür bin ich ja sehr dankbar, dann muss ich nicht spät nachmittags oder abends los. Aber mit dem Einräumen bin ich einfach nicht so penibel.
Bloss danebenstehen finde ich aber auch peinlich.
Mit Plan B könnte ich mich anfreunden. Ihn alles erklären lassen und lernen. Das gefällt ihm bestimmt.
Ich habe mir schon Gedanken gemacht, ob er zu wenig Selbstbewusstsein hat, ob ich ihm zu selbständig erscheine. Wenn ich ihn hierbei um Rat und Erklärung bitte, wird das sein Selbstbewusstsein schon stärken.
Dass er sich um meine Gefühle kümmert -
Ja, schon. Ich kann nicht sagen, dass es ihm egal ist, ob ich glücklich oder traurig bin. Er sieht es mir auch gleich an, wenn ich verstimmt bin. Man kennt sich eben nach so langer Zeit.
Während der letzten 24 Jahre hat er es, glaube ich, nicht so wichtig genommen, auf meine Gefühle zu achten. Die Sucht war doch sehr oft vorrangig. Ich höre mich noch immer sagen:
Bitte trinke heute nicht so viel, oder bleib wenigstens bis ... nüchtern.
z.B. an meinen Geburtstagen.
Wie oft hat es nicht funktioniert.
Ach, war das gestern im Gegensatz dazu ein gemütliches Mittagessen mit meinen Eltern und meiner Schwester! Ganz ohne Alkoholstreß


Mein Mann war nüchtern lustig und entspannt.
Gestern Abend hatten wir noch ein Gespräch über Alkohol am Essen.
Mein Mann ist der festen Überzeugung, dass es ihm nichts ausmacht, wenn er aus Versehen z.B. eine Sosse mit Rotwein isst. Er geht darüber hinweg. Vorsätzlich würde er es natürlich nie tun. Er meint, dass er wahrscheinlich nicht so tief drin war, wie manch andere aus seiner Gruppe, die ja auf totalem Verzicht bestehen. Auch die Sache mit Essig und Apfelsaft ist für ihn kein Problem.
Andererseits kann er mich und meine Angst aber verstehen, dass ich jetzt nach den Jahren nicht so einfach "den Schalter umklipsen" kann.
Was mich am meisten betroffen hat, dass er noch ganz genau den Abend und meine Worte und Haltung an diesem bewussten Tag X schildern kann.
Gut, Alkis sind auch gute Schauspieler (höre ich da den "alten Spritkopf"), aber mich hat es gestern schon sehr berührt.
Vielleicht habe ich es deshalb so lange an seiner Seite ausgehalten.
Jetzt liegt es an mir, abzuwarten, ob sich etwas ändern wird, mich zu ändern oder ob sich seine verwirrte Gefühls - Empfindungs -welt ändert.
Aber ich habe euch alle hier, meine Therapeutin und meine Gebete, die mir helfen und mir Kraft geben, wieder "sonnige Zeiten" zu erleben.
Ganz lieben Dank, euere Gotti.