So, nun ist es so weit, ich eröffne mal mein eigenes "Thema".
Ich habe seit Wochen hier gelesen, habe mich bei Oiseau eingemischt, wurde auch mal gebeten, meine "Geschichte" zu erzählen, und musste erst seeeehr lange darüber nachdenken. Weil ich eigentlich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Oftmals schreibt man ja in einer akuten Notsituation, in der man dringend Rat und Hilfe benötigt. Das habe ich im Moment hinter mir. Die Notsituationen hatte ich oft ... Mein Mann ist, nunmehr seit 2 Monaten, bekennender Alkoholiker. Vorher war er Quartalssäufer. Wobei das Quartal vor über 10 Jahren auch noch aus 3 Monaten bestand. Vor einem halben Jahr zählten die Quartale dann nur noch ein paar Tage. Erschwerend kommen bei meinem Mann Depressionen und traumatische Kindheitserlebnisse hinzu. Ich habe im Forum schon mehrmas betont, dass ich meinen Mann sehr liebe, und das hat auch nichts mit Co-Abhängigkeit zu tun. Wir sind den ganzen Tag zusammen und gehen uns trotzdem nicht auf die Nerven, Das will schon was heißen. Vor 5 Jahren begannen schleichend die Depressionen meines Mannes, und in Verbindung mit Alkohol kamen die ersten "Aussetzter". Ich war total schockiert. Er schwor nichts getrunken zu haben, und sagte mir gleichzeitig, dass in ihm 2 Personen leben. Er weinte und ich mit ihm, Sekunden später sah er mich an und fragte warum um alles in der Welt ich denn weinen würde. Dann wieder verkrampfte er sich, und fing abermals hemmungslos an zu heulen. Ich verstand nichts mehr und hatte nur noch Panik. Er zog dann seine Jacke an,leinte unseren Hund an und sagte, er brauche dringend frische Luft, damit verschwand er in den vor unserer Tür liegenden dunkelen Wald. Ich geriet nach einer Weile in noch größere Panik , wusste aber nicht was ich tun sollte, da unser damals 4-jähriger Sohn im Bett lag. Hin und Her gerissen habe ich Fingernägelkauend gewartet. Er kam nach ca. 2 Stunden völlig durchnässt wieder und sagte, er habe jemanden getroffen, der unseren Hund erschiessen wollte. Ich war wirklich panisch. Mit viel Überredungskunst habe ich ihn ins Bett verfrachten können, selbst aber kein Auge zugemacht. Das ein zuviel an Alkohol im Spiel war, wollte mir damals nicht in den Sinn.
Er konnte sich am nächsten Tag an nichts mehr erinnern, aber wir tranken, aus Vorsicht (
), über 3 Monate keinen Alkohol mehr. Dann hatten wir ja bewiesen, es auch ohne den Stoff aushalten zu können, und ich gönnte mir abends wieder mein Gläschen Sekt. Mein Mann trank ein Glas Bier, danach alkoholfreies Bier, ich glaubte es zumindest. Die Fahne riecht nach einem Glas Bier genauso wie nach einer Kiste Bier. Es kam heimlich Wodka dazu. Eines Tages fand ich in der Garage ein paar leere Flaschen davon. Ich stellte ihn zur Rede und er sagte, ja er habe ein Problem, er wäre doch immer so schlecht drauf, und der Alkohol helfe ihm etwas darüber hinweg. Wir versuchten "kontrolliert" zu trinken, und ich betone WIR. Ich nahm ihm das Versprechen ab, mir sofort zu sagen, wenn er heimlich trinkt. Ich weiß, das klingt völlig schwachsinnig. War es auch. Er hat es mir natürlich nicht gesagt. Und wieder die Leiter rauf, bis zu einem nächsten Absturz, immer wieder mit der Beteuerung doch nur 1 Flasche Bier getrunken zu haben, ehrlich! Ich wusste manchmal nicht, was ich glauben sollte und wollte. Mal schob ich es auf die Depressionen, mal auf die Medikamentation, mal auf meine übertriebene Angst. Ich roch abends an ihm, die Fahne kam natürlich immer vom alkoholfreien Bier, du weißt Schatz, der Hopfen.. Ich Schaf...
Zuletzt konnte ich mir auch nichts mehr vorlügen. Nur er tat es noch. Ich kenne jeden Winkel unseres Hauses, weil ich schon überall nach leeren Flaschen gesucht habe. Ich wurde Weltmeister im zählen von vollen und lerren Flaschen in Bierkästen. Ich litt regelrecht unter einem Kontrollzwang. O.K. spätestens jetzt schrillen eure Alarmglocken, Co-abhängiger kann man doch wohl nicht sein!!Aber die Konsequenzen, die den "leidenden" Co-Abhängigen geraten werden zu ziehen, weigere ich mich anzunehmen.Ich werde meinen Mann nicht verlassen, ich leide nicht unter ihm, sondern mit ihm. Er ist nie böse gewesen unter Alkoholeinfluss, nur ein wenig unberechenbar was seinen"geistigen" Zustand angeht. Sprich, er redete oft wirres Zeug. Das machte mir Angst. Ich habe mal auf einer 45 minütigen Fahrt nach Hause über das Handy versucht ihm auszureden, dass er schizophren sei...Gut, ich will euch nicht langweilen mit weiteren Eskapaden meines Mannes, Fakt ist, dass er nun endlich Einsicht gezeigt hat, er besucht eine SHG und will eine Therapie machen. Und nun komme ich daher, und fange an, an seiner Alkoholsucht ein wenig zu zweifeln, was ich ihm natürlich nicht sage! Kann man das kapieren??? Ich habe mich jahrelang gesorgt um ihn, Alkohol war oft (nicht immer!!) mein Hauptproblem, und nun kümmert er sich um sich selbst, zeigt Initiative und ich?? Ich fühle mich irgendwie von dem zu schnellen Zug überrollt. Das Leben ist plötzlich so einfach, die Ängste, die hinter mir liegen, so schwach, die damals empfundenen aufkeimenden Panikanfälle erscheinen hysterisch. Bin ich jetzt völlig durchgeknallt ? Reitet mich ein
?
Vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass ich mich nicht so schnell umgewöhnen kann. Ich habe hier Geduld gepredigt, die muss ich jetzt wohl in erster Linie mit mir haben. Was meint ihr?
Ich hoffe euch mir meinen "Lapallien" nicht gelangweilt zu habe, bokins
Überigens, ich greife mal vor: nein, es ist nicht alles palletti, nur weil ich nicht unter dem Verhalten meines Mannes übermäßig und verlassenswürdig leide.... und ich mache auch schon eine Menge für mich, denke an meine Bedürfnisse ...