Beiträge von bokins

    Hallo Oiseau,

    wenn mein Mann meint, auf meine Fragen oder Gesprächsversuche mit Schweigen antworten zu müssen, frage ich ihn einfach warum er schweigt. Warum er meint, mir auf meine Fragen keine Antwort geben zu müssen. Ich frage ja schließlich nicht nach dem Wetter. Meine Fragen machen schon Sinn und die Antwort ist für mich wichtig. Das versuche ich ihm dann auch klar zu machen. Aber dafür musst Du Deinen Partner auch sehr gut kennen. Und ihm sehr vertrauen ( das Vertrauen ist uns CO's ja oft abhanden gekommen). Mein Mann muss über eine Frage einfach öfter lange nachdenken, manchmal auch einen ganzen Tag. Und ich habe ihn dazu gebracht, mir wenigstens das als Antwort zu geben: Ich denke da jetzt in Ruhe drüber nach. Ich glaube und hoffe, ihm auf seinem Weg, durch meine Fragen und auch durch meine ebenso geduldigen Antworten auf seine Fragen, auch schon des öfteren Denkanstösse gegeben habe, die ihn ein Stück nach vorn gebracht haben. Eine Antwort ist sehr wichtig, und wenn sie nur lautet: Ich habe jetzt keine Zeit, aber ich habe Deine Frage verstanden. Quasi: ich melde mich dann bei dir wenn ich wieder Zeit habe. Ich vermeide überigens die Frage: Was denkst Du gerade. Will ich zwar immer wissen, aber ist für meinen Mann viel zu oberflächlich. Darauf kann er alles antworten, und meistens:nichts...


    Liebe Grüße und eine gute (erholsame) Nacht. bokins

    Liebe Oiseau,

    danke für die Blumen :oops: ! Du hast wirklich feine Antennen. Ich fühle mich manchmal super gut, dann könnte ich Bäume ausreißen, bin mutig und zu allem bereit, und dann wieder gibt es Tage, da komme ich überhaupt nicht klar, weder mit mir noch mit meinen Mitmenschen. Ich denke, dass es viel mit meiner Arbeit zu tun hat. Ich bin der Ernährer der Familie, ich bin der Zuhörer, der Manager,der"Gutmensch", für mich, meinen Mann, meinen Sohn und seit kurzem auch für meine Mutter. Wir sind vor einem Jahr in das Haus meiner Eltern gezogen, da mein Vater starb, und ich meine Mutter nicht allein lassen wollte.Wir haben quasi Hals über Kopf alles stehen und liegen lassen und sind 60 km entfernt in meinen früheren Heimatort gezogen. Unser Haus steht nun leer, und es findet sich momentan kein Mieter. Wir haben in unser Haus sehr viel Zeit und Herzblut investiert, und mein Mann hat alles allein gebaut bzw. restauriert. Trotzdem ist er ohne mit der Wimper zu zucken mitgekommen. Er hat mich immer unterstützt. Eben auch darin bilden wir eine Symbiose. Auch wenn ich jetzt oft paradoxerweise unter Heimweh leide, gibt er mir Trost. Die Vorstellung, meinen Mann nicht mehr an meiner Seite zu haben ,macht mich sehr traurig. Daher setzt ich auch alles daran, mit der Situation und mit seiner Krankheit, seinen Krankheiten, klar zu kommen. Und Gespräche gehören für mich entschieden dazu. Sperrt er sich dagegen, versuche ich einen Weg zu finden um an ihn heranzukommen. Wie gesagt, ich kann sehr hartnäckig sein. Aber ich bin eben auch manchmal mit anderen Problemen beschäftigt, sei es beruflicher Art (bin ja selbständig), oder mit meiner Mutter, die mit ihrer Trauer nicht recht klarkommt, oder mit unserem Sohn, wenn er in der Schule mal Probleme hat, mit mir selbst, meiner Trauer um meinen Vater, mein Heimweh und,und,und. Dann habe ich manchmal das Bedürfnis alles hinzuschmeissen, und an solchen Tagen bin ich halt nicht gut drauf. Ich schnappe mir dann meine Hunde und bin für eine Stunde einfach mal weg. Dann geht´s meistens wieder. Meine Stimmungsschwankungen liegen m.E. an anderen Dingen die mich belasten als an dem Verhältnis zu meinem Mann. Das ist eigentlich konstant in Ordnung, jetzt wo er trocken ist. Aber man muss trotzdem immer an sich selbst und den Beziehungen die einem wichtig sind, basteln. Mir fällt da halt nur die Kommunikation ein.
    Ich rede übrigens sehr oft mit meinem Mann direkt vor dem Einschlafen. Er kann dann nicht weglaufen, ihm Haus ist Ruhe, keiner ruft dazwischen, keine anderen Menschen lenken ab. Ich habe lieber eine schlaflose Nacht, um über ein gerade geführtes Gespräch nachzudenken, als über ein Gespräch, das nötig wäre zu führen. Ich kenn die nächtlichen Herzrasattacken, das plötzlich hellwach sein, nicht mehr schlafen können. Hatte ich oft genug, als mein Mann noch trank. Denn Gespräche waren dann sicher nicht mehr möglich. Nun nutze ich halt seinen klaren Kopf auch für meine Zwecke.

    Hoffe ich habe nicht zuviel getextet, lieben Gruß, bokins

    Hallo Oiseau,

    ich freue mich riesig Dir geholfen haben zu können. (Blöder Satz, hm). :lol: So ist es richtig, wir können uns durchaus mehr zutrauen !!

    Ich wurde auch so erzogen. Bloß niemandem zur Last fallen, es möglichst allen Recht machen, das hindert einen im Erwachsenenleben daran, Konflikte vernünftig lösen zu können. Ich stosse da auch immer an meine Grenze, die ich aber mit viel Herzklopfen und innerer Unruhe zu überwinden versuche. Dazu gehören eben auch die Gespräche, die ich mit meinem Mann suche, auch wenn er es nicht möchte.

    Du kannst gern in meinem Thread schreiben, ich habe selbst nicht geschrieben, weil ich mit Lesen und Antworten so beschäftigt war. Zudem fällt es mir immer irgendwie schwer, meine pesönlichen Belange verständlich darzustellen.

    lG, bokins

    Hallo Oiseau,

    nur noch kurz:
    Ich bin dahin gekommen, meinen Mann zu jeden Thema anzusprechen, und zwar, wenn es mir in den Kram passt. Klar ist er manchmal genervt und möchte nicht reden, aber ich kann verdammt hartnäckig sein. Bevor ich eine schlaflose Nacht verbingen muss, versuche ich zu klären was zu klären ist. Oft macht da ja der Ton die Musik. Und konfrontiere ich ihn mit meinen Ängsten, redet er auch schon mal aus schlechtem Gewissen mit mir, kann er auch einstecken, habe oft genug von ihm einstecken müssen. Ich packe ihn da nicht in Watte.
    Wenn die Zeit für ihn nicht günstig ist für ein Gespräch hat er sie günstig zu machen...für mich. Er ist dran mit der Rücksichtnahme.
    lG, bokins

    Hallo Oiseau,

    nicht schön zu lesen, was Du schreibst :? . Es stimmt, es gibt kein "Dazwischen", kein kontrolliertes Trinken. Ob seine Schwester den Akt schafft, war Sie wirklich Alkoholikerin? Oder hat sie nur mal gedacht zuviel zu trinken? Ich finde die Entscheidung sehr schwierig, denn wenn ich so überlege, habe ich auch lange Zeit ein oder zwei Glas Wein/Bier täglich getrunken, ohne von mir behaupten zu wollen, ich sei Alkoholikerin. Die AA´s sehen das anders. Da ist ja jeder schon Alkoholiker der gern Weißweintorten ist. O.K., die trockenen Alkoholiker werden mich jetzt stirnrunzelnd beäugen, klar. Es ist halt schwierig die Grenze zu ziehen. Aber eines ist uns gewiss: Unsere Männer sind Alkoholiker. Und das ist das Wichtigste. Hat seine Schwester denn eine SHG besucht, oder besucht sie noch eine? Weiß sie tatsächlich was es bedeutet ein Alkoholiker zu sein? Gib ihr das Buch zu lesen, was unsere Männer auch gelesen haben!! Versuch mit ihr zu reden, ohne dass Dein Mann dabei ist, sie darf das Alkoholproblem ihm gegenüber nicht verharmlosen, indem sie ihrem Bruder die Möglichkeit eines kontrollierbares Trinkens vorgaukelt ! Ich an Deiner Stelle würde alles daran setzen, die Gefahr nicht zuzulassen. Jetzt, wo ihr schon so weit seit. Klar, hier spricht wieder die typische CO-Abhängige, aber ich meine ja nicht, das Du dein schützendes Mäntelchen über ihn hängst, sondern das Du die Gefahr, die hier lauert ganz bewusst erkennst und versuchst zu bekämpfen. Dazu gehören dann vielleicht auch wieder ein paar sehr unangenehme Gespräche. Aber es geht hier um Dein Wohl. Du fühlst Dich nicht gut dabei, versuch das zu klären, auch wenn alle Beteiligten sich "auf den Schlips" getreten fühlen. Du musst Deine Ängste und Bedenken ihm gegenüber äußern. Frag ihn doch mal, was er, speziell nach der Lektüren des Buches, darüber denkt, dass seine Schwester manchmal trinkt.

    Bei Deinen Worten wurden meine Knie auch ganz schwach, denn ich habe die Situation auf mich übertragen. Das Abrutsschen meines Mannes in ein "ach, manchmal könnte ich vielleicht auch ein Gläschen" hatte ich zu oft. Das werde ich für mich nicht mehr zulassen.

    Ich drück Dich in Gedanken,Kopf hoch! bokins

    Hallo Oiseau,

    danke füe Deine wieder mal aufmunternden Worte! Du hast ja Recht, ausser hier im Forum erfahre ich keinen Austausch über meine Lage. Muss ich halt abends und am Wochendende ein paar Extraschichten einlegen...Ich bin ja eh ein kleiner Workaholic (wie meine Familie mich manchmal nennt), und siehst Du, schon wieder eine "Sucht"-parallele. Vielleicht sind wir CO`s ja auch alle tendenziell suchtgefährdet.
    Dir/Euch ein schönes Wochenende und viele entspannte Stunden! bokins

    Hallo Oiseau,

    ich hoffe, bei Dir läuft alles rund?! Habe länger nichts von Dir gelesen, fange schon an, mir ein bisschen Sorgen zu machen...

    Habe gerade in einem anderen Thread angemerkt, dass ich vielleicht schon ein wenig "Forumsüchtig" bin, ich schaue jeden Tag mal rein, auch mal länger, auch mal sehr lang.., und meine Arbeit leidet darunter, vielleicht ging es Dir ja auch so. Aber gerade wegen des Suchtverhaltens unserer Partner sind wir ja hier, komisch.
    Eine gute Nachricht habe ich, mein Mann hat eine gute Klinik empfohlen bekommen, und bekommt die Therapie auch von der Kasse bezahlt. Hoffe dass es bald anläuft, die Warterei ist zermürbend.

    lG bokins

    Hallo vergissmeinnicht,

    ich bin noch nicht so lange dabei wie Du, aber ich spüre auch bei mir ein bisschen "Suchtverhalten". Da hast Du vollkommen Recht. Ich sitze am Schreibtisch (berufsbedingt) muss arbeiten, viel arbeiten, und trotzdem schaue ich "mal eben" kurz ins Forum, was es so Neues gibt, das dauert manchmal aber schon mehr als eine Stunde. Es hilft ja auch, von anderen Betroffenen zu lesen, und Antworten zu bekommen, aber viel Zeit kostet mich das auch!!
    Irgendwann brauchen wir auch eine Therapie, "Forumsüchtig", weiß nur nicht wie das behandelt wird, ich kann ja schlecht meinen Internetzugang kündigen... :roll:
    lG, bokins

    Liebe Jenny, liebe Oiseau,

    ja, ich glaube ihr habt Recht. Wißt ihr, ich habe mich immer zurück genommen, auch schon als Kind in meiner Familie, da ich die jüngste von vielen Geschwistern bin. Ich wollte immer nur gefallen, und das hängt mir wahrscheinlich nach. Ich denke mal ganz intersiv darüber nach. Und mit der Erziehung Jenny, hast Du vollkommen Recht! Bloß niemandem zur Last fallen war immer die Devise...Ich denke mal ganz fest über alles nach.Danke für Eure Hilfe. Bokins

    Liebe Oiseau,

    mein Mann hat nichts dagegen, wenn ich hier (und es ist ja auch anonym) schreibe, darum geht es mir nicht. Es ist meine Einstellung dazu, die mir Sorgen macht. Ich schreibe hier Dinge, die ich ihm nicht sagen kann oder möchte. Und ich frage mich, ob das o.k. ist. Wir haben eigentlich keine Geheimnisse voreinander (hoffe ich :wink: ), nur der Alkohol stand uns immer im Wege. Jetzt öffne ich mich ein wenig, bei zugegeben fremden Menschen, und habe gleich ein schlechtes Gewissen. Ich frage mich halt, ob ich wirklich zu sehr CO bin, oder ob es an mir, meinem Charakter allgemein liegt..
    Mein Mann kennt das Forum auch, er käme auch schnell dahinter, wer ich bin, aber er sagte mir, das ihm diese Art der Therapie nicht gefällt, ihn nicht weiterbringen würde. Ich denke, er liest nicht, was ich schreibe. Und wenn, würde es zur Zerreissprobe? Dann habe ich mich wirklich lange Zeit getäuscht. Ich habe eben gerade eine Problem mit der Ehrlichkeit, denn ich hasse Lügen und Unwahrheiten, aber ihm nichts zu sagen ist ja keine Lüge...So bleibe ich Hin- und Hergerissen...
    LG bokins

    Hallo Oiseau,

    Bücher über dieses Thema, und auch über Depressionen, traumatische Erlebnisbewältigung etc. hat mein Mann schon eine ganze Menge. Manchmal reden wir auch darüber, aber er liest auch oft so hoch wissenschaftlich-psychologische Bücher, dass ich ihm nicht immer folgen kann, wenn ich die Bücher nicht selber lese. Und leider fehlt mir die Zeit dazu.. :oops:
    Ich finde es sehr schön dass es Dir/Euch gut geht! Bei uns ist im Moment ein ganz anderes Problem aufgetaucht: Mein Mann kann nicht in die Klinik, die er sich ausgesucht hat. Seine Krankenkasse hat bereits die 2. Klinik abgeleht, warum auch immer. Er ist momentan sehr niedergeschlagen. Meine Angst vor einem Rückfall wächst zusehends.
    Aber mich bauen Deine Wort immer auf, denn ich sehe, dass es doch zu einem guten Ende kommen kann. Wenn die ganzen "Altlasten" im Leben der Männer nicht wären :roll: ! Lieben Gruß und eine harmonische Woche wünsche ich Dir, bokins

    Hallo Oiseau,

    lieben Dank für Deine mitfühlenden Worte. Ja, vielleicht schäme ich mich, weil ich mir in dem Moment einen Spiegel unserer Partnerschaft vor Augen halte, umd merke, das es nicht so rund läuft wie ich möchte.

    Aber es ist verflixt, manchmal denke ich, es ist gar nichts, alles o.k. (siehe Titel :? ), und manchmal bin ich ganz verzweifelt, dann denke ich,mein ganzes Leben läuft aus der Bahn. Danke, dass Du mich für loyal hälst, aber ich denke manchmal, was würde mein Mann sagen, wenn er lesen könnte was ich schreibe. Also bin ich doch ihm gegenüber nicht ehrlich, oder feige, oder beides.
    Ich fühle mich manchmal wirklich allein gelassen, mein Mann kümmert sich um sich, ich kümmere mich um alles andere...naja, vielleicht tu ich ihm nun auch Unrecht, und ich habe heute sowieso etwas Frust in mir. Ich kam aus dem Urlaub, und mein Schreibtisch war bis oben hin gefüllt, meine Klienten haben mich sogar im Urlaub angerufen.
    :( Aber das mit dem Unrecht tun ist vielleicht auch wieder so eine CO-Schutzbehauptung. Keine Ahnung. Na ja, es geht immer irgendwie weiter. Bis dann mal, bokins

    Hallo Oiseau,

    habe mich auch doll gefreut über Deine euphorischen Worte! Ich hoffe nur ganz inständig, dass das auf immer so anhält! Kann ich von meiner Seite aus noch nicht so sagen. Aber es kommen vielleicht auch zu viele andere Probleme dazu. Jedenfalls freue ich mich sehr für dich, denn Du hast jetzt erreicht was Du wolltest, kannst Gespräche mit Deinem Partner führen, und weißt nun vielleicht auch, wie man ihn "zum reden" bringt. Überigens habe ich meinem Mann auch am Anfang ein Buch geschenkt, heißt so ähnlich wie "Jetzt ist es genug" oder so, wurde auch von einem trockenen Alkoholiker geschrieben und war sicherlich Anlass für den Übergang zur Trockenphase. Wünsche Euch noch ein schönes Rest-Wochenende, bokins

    Liebe Oiseau,
    habe gerade schon in deinem thread geschrieben bevor ich hier las, in meinem eigenen, den Grund schrieb ich dir ja.

    Ja, du hast Recht. Ich hänge den ganzen Tag mit meinem Mann zusammen, an eine Trennung ist irgendwie gar nicht zu denken, da meine ganzes Leben komplett aus den Fugen geraten würde. Die feinen Strukturen, die wir uns aufgebaut haben, zerbrächen auf einmal, und das würde auch meine berufliche Selbständigkeit aufs Spiel setzten. Es hängt viel mehr daran, als nur "sich mal zu trennen". Mein Mann wird demnächst in eine Klinik gehen, aber nicht um eine Therapie bzgl. seines Alkoholkonsums zu machen, sondern wegen einer besonderen Behandlung zur Überwindung seiner Depressionen. Sein Therapeut bringt den Alkoholmissbrauch in direkten Zusammenhang mit einem traumatischen Erlebnis. Das muss vordergründig behandelt werden, eine Therapie gegen seine Alkoholsucht würde sonst nichts bringen. Zumal der Therapaut auch noch nícht von Sucht, sondern "nur" von Missbrauch spricht. Aber Du hast auch in einem weiteren Punkt Recht, ich tue wenig für mich. Aber das hat auch wiederum einen einfachen Grund: Ich habe einfach keine Zeit. Ich arbeite ca. 9-10 Std. am Tag, mein Sohn, meine Hunde fordern ihren Teil,ist ja auch völlig o.k.
    Ich habe manchmal nicht mal die Zeit, hier zu schreiben, und merke, das andere Dinge liegen bleiben. Wir haben uns gerade ein paar Tage Osterurlaub gegönnt, wollten eigentlich bis Sonntag bleiben, und schon sitze ich wieder an meinem Schreibtisch... Aber seis drum. Es tut gut, weil ich sonst auch niemanden habe, mit dem ich über dieses Thema reden könnte. Es weiss ja niemand. Ich denke, das viele Paare, unabhängig davon, ob Sie sich lieben oder nicht, einfach in einer Symbiose verschmolzen sind, eine Trennung wird dann nur durchgezogen, wenn es wirklich nicht mehr anders geht. Ich hänge da eher in der "Geduldsschleife". Es geht ja noch, im Moment sehr gut, da ohne Alkohol, aber unsere Probleme sind ja nicht auf den Alkohol reduziert. Der Alltag greift Besitz von uns, das ein-oder andere Mal fragt man sich ob das alles war, das wird doch jedem so gehen, oder? Wenn wir dann wieder den "Aufhänger" Alkohol haben, nehmen unsere Probleme eine ganz andere Richtung an. Ich bin davon überzeugt, dass man viel tiefgründiger suchen muss, um auf die vielen Fragen, die auch hier im Forum gestellt werden, eine Antwort finden zu können. Wir sind nur alle mehr oder weniger zufällig hier gelandet. bokins

    Hallo Oiseau,

    kommen gearde aus dem Osterurlaub zurück. Hatten im Sauerland doch tatsächlich reichlich Schnee... schön, dann sind die Hunde nicht so dreckig.
    Ich hatte auch gehofft, im Urlaub ein Gespräch zu finden, aber irgendwie hat es nicht geklappt. Im Gegenteil, ich hatte sogar das Empfinden, das wir uns aus dem Weg gegangen sind. Früher, als die Probleme mit dem Alkohol noch da waren, ja da war mein Mann unter Alkoholeinfluss auch "anhänglicher", nicht so selbständig... er macht jetzt irgedwie immer mehr sein Ding. Aber das habe ich mir ja auch gewünscht. Gespräche, fürchte ich , liegen bei uns in weiter Ferne. Aber manchmal glaube ich, dass Männer so gestrickt sind, das Problem existiert doch jetzt nicht mehr, also worüber willst du denn noch reden? Naja, abwarten. Lieben und auch ein wenig traurigen Gruß, bokins
    P.S.: Ich schreibe nicht mehr in meinem thread, weil ich mich irgenwie nachher schämte, soviel preisgegeben zu haben, ich war froh, als er immer weiter nach hinten rutschte. Komisch, ich weiß, manchmal bin ich ein Sonderling...

    Hallo Oiseau,

    ich melde mich auch mal wieder...
    Ich kenne die Gedanken und Gefühle nur zu gut. Seit mein Mann "trocken" ist, wird von seiner Seite auch nicht mehr darüber geredet, und zu meiner großen Sorge ist er schon 2x nicht zur SHG gegangen. Ich spüre, wie mein Misstrauen wächst, und kämpfe dagegen an. Aber ich beginne bereits wieder, an ihm zu schnuppern....Ich weiß nicht, ob das Nicht-Reden ein Zeichen für einen drohenden Rückfall ist, oder ob wirklich die Scham und die Umstellung, wie sie Heinrich so deutlich beschreibt eine Rolle spielt. Wir stecken ja nicht in ihren Köpfen. Auf jeden Fall ist bei uns nur der totale Alltag angesagt. Wir reden über Allgemeinheiten, und abends lesen wir, oder sehen fern. Wir reden momentan nicht nur nicht über das Thema Alkohol, wir reden momentan irgendwie so gar nicht über uns. Ich schiebe es darauf, dass mein Mann zuviel mit sich und der Überwindung seiner Sucht zu tun hat. Wobei ich grad so überlege, dass er beginnt, Gründe für die Sucht zu finden, und es vielleicht auf die leichte Schulter nimmt. Auch er hat mir gesagt: Ich kann doch nicht permanent von meiner Sucht sprechen. Das wollen wir doch auch nicht, oder? Wir wollen nur Nähe, gemeinsame Gedanken und Verständnis für den Anderen. Ja, ich glaube, wir müssen geduldiger sein, aber was passiert, wenn wir zu geduldig sind, und vielleicht entscheidende Entwicklungen nicht mitbekommen??
    Wenn uns die Beziehung zu entgleiten droht? Oder sind das wieder mal CO-Gedanken, und man sollte die Kirche im Dorf lassen. Haben wir gelernt zuviel kontrollieren zu wollen? Das ist es vielleicht, wir sollten auch einfach nur leben, und nicht alles zerreden. Ich habe hier im Forum schon viel gelesen, und manchmal merke ich, das viele Teilnehmer, gerade CO's alles haarklein zerfitzeln, Gedanken noch und nöcher zerrupfen, bis nur noch ein Gerippe von Gedanken da ist, mit dem man auch nichts mehr anfangen kann. Es werden Lösungen gesucht für Probleme, die noch gar nicht entstanden sind. Ich probier es einfach mal, ich lasse den Dingen ihren Lauf, und warte ab. was kann passieren? Schlimmstenfalls scheitert meine Beziehung, aber ich glaube, davon bin ich noch weit entfernt. Mein Vater sagte immer : ruhig Blut.
    Du siehst, ich bin auch ziemlich konfus momentan, suche Antworten, die es vielleicht nie geben wird.
    Lieben Gruß und frohe Ostertage, bokins

    Hallo oiseau,

    tut mir leid, nach deiner Euphorie jetzt wieder "Gedämpftes" zu hören. Aber vielleicht machtst du dir zu große Sorgen. Dein Mann hat sich ja auch ein Großes Paket aufgeladen. Ohne Alkohol, ohne Zigaretten und dann auch noch beruflichen Stress... Mein Mann raucht auch, und ich glaube, dass das Rauchen bei ihm eine noch größere Sucht darstellt als das Trinken. Das Rauchen nervt zwar, und ist ohne Zweifel sehr gesundheitsschädlich, aber die Menschen werden unter Nikotineinfluss nicht zu "anderen Menschen". D.h., wir sehen es nicht als Bedrohung an, es macht uns persönlich keine Angst. Dass dein Mann nun wieder zur Zigarette greift, ist vielleicht nur seine Art, mit dem momentanen Stress umzugehen. Aber ich kann dich verstehen, wenn er nun schon wieder anfängt zu rauchen, ist das Trinken auch nicht mehr weit??? Aber ich an deiner Stelle würde versuchen, das nicht überzubewerten, warte erst mal ab. Ich weiß, dass das "Nichtrauchen" meinem Mann noch schwerer fallen würde, als das momentane (hoffentlich immer währende) Nichttrinken.
    Ich drück dir die Daumen, dass es bei der gelegentlichen Zigartette bleibt.
    Lieben Gruß, bokins

    Hallo Jenny,

    danke, habe mich wohl zu weit aus dem Fenster gelehnt, ich weiß nicht ob mir das gut tut. Ich bin froh über deinen Zuspruch, aber frage mich auch,
    ob ich hier weitermachen soll. Klar, man sollte sich immer treu bleiben, und daher musste ich auch eben meine Einstellung verteidigen. Wenn man dann vom Platz gestellt wird ist das schon hart. Aber ich hatte mich vielleicht auch etwas ungeschickt ausgedrückt..Bis später mal, bokins

    Hallo alle,

    vielen Dank für eure Antworten. Habe viel darüber nachgedacht, und bin im Moment einfach noch zu frisch verwirrt, um zu begreifen, das alles gut werden wird.. habe mich auch gerade dummerweise in einem anderen threat zu Wort gemeldet, und bin dort hässlich auf die Nase gefallen. Muss mich erst sammeln, und überlegen, was ich wann und wen schreiben kann.
    Oiseau, ich hatte schon zu Beginn gemerkt, dass wir irgendwie ähnliche Erlebnisse/Wellenlängen haben, und du hast Recht, ich muss mich freuen, aber ich kann es vielleicht auch noch nicht so ganz glauben. Lieb von euch allen, bokins :(

    So, nun ist es so weit, ich eröffne mal mein eigenes "Thema".
    Ich habe seit Wochen hier gelesen, habe mich bei Oiseau eingemischt, wurde auch mal gebeten, meine "Geschichte" zu erzählen, und musste erst seeeehr lange darüber nachdenken. Weil ich eigentlich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Oftmals schreibt man ja in einer akuten Notsituation, in der man dringend Rat und Hilfe benötigt. Das habe ich im Moment hinter mir. Die Notsituationen hatte ich oft ... Mein Mann ist, nunmehr seit 2 Monaten, bekennender Alkoholiker. Vorher war er Quartalssäufer. Wobei das Quartal vor über 10 Jahren auch noch aus 3 Monaten bestand. Vor einem halben Jahr zählten die Quartale dann nur noch ein paar Tage. Erschwerend kommen bei meinem Mann Depressionen und traumatische Kindheitserlebnisse hinzu. Ich habe im Forum schon mehrmas betont, dass ich meinen Mann sehr liebe, und das hat auch nichts mit Co-Abhängigkeit zu tun. Wir sind den ganzen Tag zusammen und gehen uns trotzdem nicht auf die Nerven, Das will schon was heißen. Vor 5 Jahren begannen schleichend die Depressionen meines Mannes, und in Verbindung mit Alkohol kamen die ersten "Aussetzter". Ich war total schockiert. Er schwor nichts getrunken zu haben, und sagte mir gleichzeitig, dass in ihm 2 Personen leben. Er weinte und ich mit ihm, Sekunden später sah er mich an und fragte warum um alles in der Welt ich denn weinen würde. Dann wieder verkrampfte er sich, und fing abermals hemmungslos an zu heulen. Ich verstand nichts mehr und hatte nur noch Panik. Er zog dann seine Jacke an,leinte unseren Hund an und sagte, er brauche dringend frische Luft, damit verschwand er in den vor unserer Tür liegenden dunkelen Wald. Ich geriet nach einer Weile in noch größere Panik , wusste aber nicht was ich tun sollte, da unser damals 4-jähriger Sohn im Bett lag. Hin und Her gerissen habe ich Fingernägelkauend gewartet. Er kam nach ca. 2 Stunden völlig durchnässt wieder und sagte, er habe jemanden getroffen, der unseren Hund erschiessen wollte. Ich war wirklich panisch. Mit viel Überredungskunst habe ich ihn ins Bett verfrachten können, selbst aber kein Auge zugemacht. Das ein zuviel an Alkohol im Spiel war, wollte mir damals nicht in den Sinn.
    Er konnte sich am nächsten Tag an nichts mehr erinnern, aber wir tranken, aus Vorsicht ( :roll: ), über 3 Monate keinen Alkohol mehr. Dann hatten wir ja bewiesen, es auch ohne den Stoff aushalten zu können, und ich gönnte mir abends wieder mein Gläschen Sekt. Mein Mann trank ein Glas Bier, danach alkoholfreies Bier, ich glaubte es zumindest. Die Fahne riecht nach einem Glas Bier genauso wie nach einer Kiste Bier. Es kam heimlich Wodka dazu. Eines Tages fand ich in der Garage ein paar leere Flaschen davon. Ich stellte ihn zur Rede und er sagte, ja er habe ein Problem, er wäre doch immer so schlecht drauf, und der Alkohol helfe ihm etwas darüber hinweg. Wir versuchten "kontrolliert" zu trinken, und ich betone WIR. Ich nahm ihm das Versprechen ab, mir sofort zu sagen, wenn er heimlich trinkt. Ich weiß, das klingt völlig schwachsinnig. War es auch. Er hat es mir natürlich nicht gesagt. Und wieder die Leiter rauf, bis zu einem nächsten Absturz, immer wieder mit der Beteuerung doch nur 1 Flasche Bier getrunken zu haben, ehrlich! Ich wusste manchmal nicht, was ich glauben sollte und wollte. Mal schob ich es auf die Depressionen, mal auf die Medikamentation, mal auf meine übertriebene Angst. Ich roch abends an ihm, die Fahne kam natürlich immer vom alkoholfreien Bier, du weißt Schatz, der Hopfen.. Ich Schaf... :oops:
    Zuletzt konnte ich mir auch nichts mehr vorlügen. Nur er tat es noch. Ich kenne jeden Winkel unseres Hauses, weil ich schon überall nach leeren Flaschen gesucht habe. Ich wurde Weltmeister im zählen von vollen und lerren Flaschen in Bierkästen. Ich litt regelrecht unter einem Kontrollzwang. O.K. spätestens jetzt schrillen eure Alarmglocken, Co-abhängiger kann man doch wohl nicht sein!!Aber die Konsequenzen, die den "leidenden" Co-Abhängigen geraten werden zu ziehen, weigere ich mich anzunehmen.Ich werde meinen Mann nicht verlassen, ich leide nicht unter ihm, sondern mit ihm. Er ist nie böse gewesen unter Alkoholeinfluss, nur ein wenig unberechenbar was seinen"geistigen" Zustand angeht. Sprich, er redete oft wirres Zeug. Das machte mir Angst. Ich habe mal auf einer 45 minütigen Fahrt nach Hause über das Handy versucht ihm auszureden, dass er schizophren sei...Gut, ich will euch nicht langweilen mit weiteren Eskapaden meines Mannes, Fakt ist, dass er nun endlich Einsicht gezeigt hat, er besucht eine SHG und will eine Therapie machen. Und nun komme ich daher, und fange an, an seiner Alkoholsucht ein wenig zu zweifeln, was ich ihm natürlich nicht sage! Kann man das kapieren??? Ich habe mich jahrelang gesorgt um ihn, Alkohol war oft (nicht immer!!) mein Hauptproblem, und nun kümmert er sich um sich selbst, zeigt Initiative und ich?? Ich fühle mich irgendwie von dem zu schnellen Zug überrollt. Das Leben ist plötzlich so einfach, die Ängste, die hinter mir liegen, so schwach, die damals empfundenen aufkeimenden Panikanfälle erscheinen hysterisch. Bin ich jetzt völlig durchgeknallt ? Reitet mich ein :twisted: ?
    Vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass ich mich nicht so schnell umgewöhnen kann. Ich habe hier Geduld gepredigt, die muss ich jetzt wohl in erster Linie mit mir haben. Was meint ihr?
    Ich hoffe euch mir meinen "Lapallien" nicht gelangweilt zu habe, bokins
    Überigens, ich greife mal vor: nein, es ist nicht alles palletti, nur weil ich nicht unter dem Verhalten meines Mannes übermäßig und verlassenswürdig leide.... und ich mache auch schon eine Menge für mich, denke an meine Bedürfnisse ...