Wie soll ich mich verhalten?

  • Hallo oiseau,

    tut mir leid, nach deiner Euphorie jetzt wieder "Gedämpftes" zu hören. Aber vielleicht machtst du dir zu große Sorgen. Dein Mann hat sich ja auch ein Großes Paket aufgeladen. Ohne Alkohol, ohne Zigaretten und dann auch noch beruflichen Stress... Mein Mann raucht auch, und ich glaube, dass das Rauchen bei ihm eine noch größere Sucht darstellt als das Trinken. Das Rauchen nervt zwar, und ist ohne Zweifel sehr gesundheitsschädlich, aber die Menschen werden unter Nikotineinfluss nicht zu "anderen Menschen". D.h., wir sehen es nicht als Bedrohung an, es macht uns persönlich keine Angst. Dass dein Mann nun wieder zur Zigarette greift, ist vielleicht nur seine Art, mit dem momentanen Stress umzugehen. Aber ich kann dich verstehen, wenn er nun schon wieder anfängt zu rauchen, ist das Trinken auch nicht mehr weit??? Aber ich an deiner Stelle würde versuchen, das nicht überzubewerten, warte erst mal ab. Ich weiß, dass das "Nichtrauchen" meinem Mann noch schwerer fallen würde, als das momentane (hoffentlich immer währende) Nichttrinken.
    Ich drück dir die Daumen, dass es bei der gelegentlichen Zigartette bleibt.
    Lieben Gruß, bokins

  • Danke, bokins!

    Du nimmst mir im Moment ein bisschen die Angst! Ja, das stimmt schon: Der Verzicht auf das Rauchen ist für ihn wahrscheinlich noch schwerer als aufs Trinken! Und dass er sich viel aufgeladen hat hast du richtig erkannt.

    Also, ich will einen Gang runterschalten und gelassen bleiben. Morgen haben wir einen Ausflug vor!

    Liebe Grüße,

    Oiseau

  • Guten Abend Oiseau,
    es geht einfach nicht so ohne Sorgen??? Mann, wir sind schon ganz schön Co!
    Mein Mann ist auch schon immer Raucher gewesen, aber er hat gleich am Anfang vom Trockenwerden gesagt: Jetzt sauf ich nicht mehr und irgendwann pack ichs noch mit dem Rauchen.
    Letzteres steht also bei uns noch in weiter ferne, denn seit er nicht mehr trinkt, hat das Rauchpensum schon ein bisschen zugenommen. Aber da red ich ihm nicht rein, bin doch jeden Tag froh über seine Nüchternheit.

    Wahrscheinlich ist das Rauchenaufgeben viel schwieriger als die Trinkerei. Das Rauchen ist meiner Meinung nach nicht so recht eine "Krankheit", eher ein "körperllicher Tick", es gehört so dazu. Ich weiss nicht, wie ich es beschreiben soll.
    Auf jeden Fall mach dir nicht so viele Gedanken. Wenn er rauchen will, lass ihn. Solange ihr weiterhin so viele gemeinsame Aktivitäten macht, muss alles andere einfach gutgehen.
    Aber die SHG hilft dir ganz bestimmt. Mal mit anderen über deine Sorgen reden und dabei die Leute ansehen, ihre Meinung persönlich hören. Da kann man sich sehr gut austauschen.
    Also, bleib ruhig und ich wünsche euch viel Spaß auf euerem Ausflug :!:
    liebe Grüße, Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Liebe Gotti,

    ich danke dir ganz sehr für deine überzeugenden Worte. Sie haben mir sehr geholfen, mich wieder auf das Wesentliche zu besinnen und zu entspannen. Du hast ja Recht!!!

    Ich wünsche dir noch einen schönen Abend und - wie geschrieben - viel Glück bei deiner Therapie!

    Ganz liebe Grüße,

    Oiseau :lol:

  • Liebe Juliane,

    da ich deine Geschichte nicht so genau kenne, habe ich die Frage: Warum siehst du deinen Mann nicht regelmäßig? Wohnt ihr getrennt?

    Ich finde es interessant, was du schreibst: Du hast die Entscheidung getroffen, deinem Mann wieder zu vertrauen! Das ging mir auch schon durch den Kopf: Es ist eine Entscheidung, die man für sich treffen kann! Genau so wie es eine Entscheidung ist, nicht mehr zu trinken, nicht mehr zu rauchen usw. Also quasi: "meine Entscheidung gegen deine Ehrlichkeit" - wie ein Vertrag! Oder?
    Dieses Auf und Ab, von dem du sprichst, mache ich ja auch schon einige Jahre mit, wenn auch mit ansteigender "Dramatik" oder Schwere! Aber genau wie du habe ich auch beschlossen, mich nie wieder anlügen zu lassen!!!! Das muss ich ihm auch noch mal sagen: Wenn du einen Rückfall haben solltest, dann will ich es sofort wissen! Nicht erst, wenn ich von selbst darauf komme. Und ich will, dass du sofort bereit bist, wieder aktiv etwas gegen die Sucht zu tun. Ansonsten ist es nur Herumgeeiere und bringt nichts! Es macht uns Angehörige nur fertig!

    Das Rauchen ist mir da nicht so entscheidend, er raucht ja auch nie im Haus, und im Moment ist er noch standhaft. Aber ich habe ihn nicht unter Kontrolle, will ich auch gar nicht. Er muss es wollen, denn er muss es ja auch schaffen!!!

    Wenn du magst, erzähl mal von den kleinen Schritten in eurer Therapie, die ihr befolgen sollt. Viel Glück und immer große Gesprächsbereitschaft auf beiden Seiten wünsche ich euch von Herzen!

    Alles Liebe,

    Oiseau

    @ Gotti:
    Da ich im Moment krank bin und mein Mann noch beruflich viel Stress hat (ist aber fast "durch"), haben wir gemeinsam noch nicht wieder meditiert, aber ich allein schon ein paar Male, und manchmal kippe ich dabei fast vom Stuhl. Ich schlafe nicht ein, aber fast und bin nach 10 Minuten locker und gelöst und frisch! LG, Oiseau :o

  • Hallo Oiseau,
    geht es dir schon besser? Hoffe doch. Ich will mich auch mal wieder bei dir hier melden.
    Umgekehrt wäre ich sicher auch neidisch auf mich, wenn ich so mit meinem Mann reden kann und überhaupt. Aber ich bete und hoffe für dich und all die anderen, die noch immer nicht raus sind aus den Sorgen, dass es bald besser wird und so gut, wie bei uns.
    Ich kanns immer wieder noch nicht fassen. Da stehen wir früh auf - und! mein Mann sagt fröhlich "Guten Morgen".
    Gott, habe ich das vermisst.
    Vorhin war ich ja bei der ersten Therapiestunde. Ich denke, in ein, zwei Stunden werde ich einen kleinen Überblick zusammenbringen. Muss noch mal nachdenken.
    Liebe Grüße, Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Guten Tag, Gotti,

    so schöne Nachrichten von dir zu lesen macht Spaß! Jetzt merkst du erst richtig, was du alles so vermisst hast, nicht wahr?

    Hallo an alle, die mich lesen!

    Bei uns läuft alles soweit seinen Gang. Freundlich war mein Partner schon immer zu mir, also da ist nichts eigentlich Neues geschehen. Was anders ist, ist einfach, dass er mit seinen Problemen im Beruf gelassen und souverän umgeht, sich nicht runterziehen lässt und sich auch wieder sehr viel mit Lesen und geistigen Herausforderungen beschäftigt.

    Ihr werdet mich jetzt alle hauen, fürchte ich, ABER: mir fehlt dennoch etwas. Es ist schwer zu benennen, doch ich habe es versucht ihm begreiflich zu machen. Reaktion: Fast nur Schweigen!

    Es ist so: Eigentlich hatte ich mir erhofft, dass wir jetzt mehr miteinander reden können und eben gerade auch über unsere innersten Gefühle. Es klang so, als könne er das jetzt besser. Aber dem ist wohl doch nicht so, jedenfalls nicht mir gegenüber! Ich habe den Eindruck, dass das Thema Alkohol nun, da er ja schließlich die Kur gemacht hat und es ihm so gut geht, nicht mehr relevant ist, oder nicht mehr von ihm angesprochen wird. Ich hingegen finde, es wird immer ein Thema sein, auch in der trockenen Zeit. Ich dachte, wir wollten gemeinsam etwas tun um uns gegenseitig besser kennen zu lernen und vor allem das Vertrauen wieder aufzubauen.

    Er versteht nicht, was ich meine!!!

    Ich habe ihm gesagt, dass mein Vertrauen noch nicht wieder hergestellt ist und ich es gern mit ihm gemeinsam wieder aufbauen würde. (Zumal ich bis heute nicht eine einzige Entschuldigung von seiner Seite für all die Lügen und die wirklich schweren Zeiten erhalten habe...)

    "Ich kann mich doch nicht Tag und Nacht mit der Sucht beschäftigen", war seine Antwort. Und das war's.

    Ich schlug ihm dann erneut vor, eine SHG zu suchen, entweder jeder für sich oder wir gemeinsam, denn ich kann mir vorstellen, dass man da viel effektiver am gegenseitigen Verständnis arbeiten kann. Aber auch hier: Keine Reaktion.

    Nun will ich ja nicht immer "die keifende Zicke", wie ein Thread glaub ich, heißt, sein. Ich erkenne an, was er schon alles getan hat. Und ich weiß ja auch, dass ich nur von mir selbst etwas erwarten kann.

    Aber: Gibt es vielleicht noch ein Argument, das ich ihm gegenüber vertreten kann, das ihn evtl. eher zur Einsicht bringt?

    Ich muss dazu sagen: Ich rede selbst kaum über das Thema, weil ich mich nicht traue. Tu ich ihm Unrecht, wenn ich öfter davon anfange, oder soll ich den Armen in Ruhe lassen? Folge: Wir leben eigentlich so weiter wie bisher. Ich komme so oft ins Grübeln, ob das alles sein soll, ob ich damit umgehen kann für den Rest meines Lebens.

    Nach wie vor ist der Titel meines Threads aktuell... Leider. Ich würde eigentlich lieber schreiben: Ich weiß jetzt immer, wie ich mich verhalten soll. :(

    Liebe Grüße,

    Oiseau

  • Liebe Oiseau,
    bleib ruhig, warte ab.
    Bei uns ist auch nicht so, dass wir immerzu miteinander reden.
    War ja vorher auch nicht so. Gerade über Gefühle.
    Mir hat Heinrich geschrieben, ich soll Geduld haben. Habe sie auch, Oiseau.
    Hauen würde ich dich auf keinen Fall, denn ich weiss ja, was du meinst, aber - Unsere Männer müssen noch sehr viel selbst an sich arbeiten, noch sehr viel Veränderungen verarbeiten. Da können wir gar nicht reinblicken, genauso wenig, wie sie bei uns reinblicken.
    Wie lange haben wir die Sauferei ausgehalten? Da werden wir doch auch das bisschen Geduld aufbringen, bis sich ein harmonisches Eheleben einspielt.?
    Liebe Grüße und viele gute Stunden miteinander,
    wünscht dir Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Hallo liebe oiseau!

    Du erwartest von deinem mann entschuldigungen für seine saufzeit und was er dir in der zeit angetan hat.
    Ich möchte mal von den anfängen meiner zeit nach der thera berichten.

    Wenn ich nun glaubte, das nach der Therapie der Weg im Alltagsleben wie früher
    weiterlaufen würde, nur ohne Alkohol, so wurde ich eines besseren belehrt, denn
    da ja eine Veränderung in mir geschehen war, also nüchtern sein, hatte in mir aber
    noch nicht das nüchterne Denken begonnen. Denn ich musste meine Veränderung
    dem Umfeld anpassen und nicht das Umfeld bei mir, was mir am Anfang schwer fiel.
    Also machte ich noch über 1Jahr Ambulant weiter, was mich noch stabiler in
    meiner Abstinenz machte. Auch eine Selbsthilfegruppe suchte ich auf und fand eine,
    die meinen Ansprüchen entsprach und wo ich meine Krücken, die ich aus der
    Therapie mitbekam, hinstellte und wo sie Heute noch stehen. Jetzt da ich ja keinen Alk mehr zu mir nahm, begann ein neuer Abschnitt für mich, denn ich musste Lernen
    wie ich mit meinen Gefühlen umging, zu mir und zu anderen. Dabei bewundere
    ich heute noch meine Frau, das sie meine Unzufriedenheit, die ich mir, und ihr
    gegenüber hatte, Ertragen konnte. Um eine zufriedene Alkoholfreie Zukunft
    erreichen zu wollen, reichten mir meine regelmäßigen Gruppenbesuche nicht
    und besuchte mit meiner Frau im Jahr zwei Partnerschaftsseminare, das von
    einem Ehepaar geleitet wurde, die von Beruf Therapeuten sind. Dabei lernte
    ich, das man auch seine Mitmenschen akzeptieren sollte und auch deren Meinung
    respektieren muss. Was für mich wieder einmal schwierig war, da ich dachte
    was von meinem Ego abzugeben, also Schwäche zu zeigen. Es wurde aber das
    Gegenteil daraus, denn je mehr Akzeptanz ich zeigte, so bekam ich auch mehr
    Anerkennung. Nach 3Jahren bemerkte ich an mir eine Veränderung, die für
    mich positiv war, denn ich wurde ruhiger und meine innerlichen Spannungen
    waren fast verschwunden. Dadurch wurden auch die Spannungen, die noch in
    meiner Familie und in meinem Umfeld waren schwächer, so das ich auf dem
    richtigen Weg war, den zu meiner Gesundung. Nur kamen jetzt öfter von meiner Frau die Worte, das ich ein schwieriger Fall wäre, aber ich glaube, das es ihr so lieber ist, als wenn ich wieder in meinem früheren Fahrwasser kurven würde. Von jetzt an ging es mit mir Bergauf, welches ich auch an meinem Umfeld bemerkte,
    von welchem ich Wärme, Anerkennung ,Zuneigung usw. bekam.


    Kannst du jetzt ein bischen verstehen, was in einem alk vorgeht wenn er aus der thera nach hause kommt, himmelhochjauchzend und innerlich noch so schwach, weil seine gefühle achterbahn fahren, mit angst scham und schuldgefühlen.

    Ich musste alles erst wieder lernen und meine gefühle für mich zulassen. Als ich dieses konnte, war ich auch bereit mich über meine saufzeit unterhalten zu können.
    Den schalter von heut auf morgen umlegen geht leider nicht, so sehr es dir zu gönnen ist.

    Herzlichst heinrich

    Wünsche dir und deinem anhang ein frohes osterfest

    Der Mensch muss sich verändern wollen.
    Sonst ist jedes Bemühen sinnlos, jedes Wort zuviel und jede Anstrengung vergebens.

  • Liebe Gotti, lieber Heinrich,

    ihr seid wirklich lieb! Es tut gut, so viel Anteilnahme zu bekommen! Danke!

    Es stimmt schon, was du, Gotti, schreibst und was Heinrich auch wieder so eindrücklich schildert: Ich kann mich in einen Alkoholiker nicht hineinversetzen! Ich bin eigentlich ein empathischer Mensch, aber ich habe bei Alkoholikern wirklich Probleme mir ihre Gedanken- und Gefühlswelt vorzustellen. Kann man das lernen? Wer vermittelt einem das? Ja wohl nur der Alkoholiker selbst, oder? Also ist der einzige Weg der, dass er mit den Angehörigen, zumindestens aber mit dem Partner, reden muss. Woher soll ich das sonst alles wissen? Und genau das ist es, was mir vorschwebt und mir verlockend erscheint: Eine Partnerschaft, in der man zusammen wächst durch das Sich-Mitteilen! Wisst ihr, was ich meine? Aber wenn der Suchtkranke nicht will? Ja, da kann ich nichts machen, ich weiß. Höchstens immer mal wieder vorsichtig das Gespräch suchen. Ich komme genau hier an meine Grenzen: Das Um-den-heißen-Brei-Reden ist genau das, was es mir so schwer macht, mich auf eine gemeinsame Zukunft einzulassen. Ich ersehne eine wenigstens ansatzweise spirituelle Beziehung. Die kann man nur erreichen, wenn man redet! Sich mitteilt! Offen ist!
    Wie lange bin ich bereit darauf zu warten? Das ist es, darüber stolpere ich. So schön es auch ist mit dem Partner, so harmonisch und friedlich, fröhlich und schön: Es fehlt etwas ganz Entscheidendes.

    Ich stehe unter einem zusätzlichen "Druck", und ich muss wohl einfach noch abwarten, bis ich mich entscheiden kann: Mein Partner, den ich manchmal auch als meinen "Mann" bezeichne, will mich noch 2008 heiraten. Ich habe noch nicht JA gesagt!!!

    So viel hierzu!

    Ich bin dir, Heinrich, sehr dankbar, dass du aus deiner Sicht dazu beiträgst, dass ich, als nicht Alkoholabhängige, ein kleines bisschen in die Gefühls- und Gedankenwelt eines Alkoholikers blicken kann. Wenn dir noch mehr einfällt, was ich wissen sollte, nur zu: schreib, ich werde es zu würdigen wissen. Es hilft mir ganz immens. Bis ich eine SHG gefunden habe. (Bin momentan furchtbar erkältet und nur daheim.)

    Ein fröhliches Osterfest wünscht euch beiden und euren Partnern von Herzen

    Oiseau.

  • Hallo, Juliane,

    schön wieder von dir zu hören!

    Inzwischen habe ich auch mal deine Geschichte nachgelesen und bin nun ein bisschen besser informiert. Also, ich kann dich gut verstehen, dass du den Vertrauensverlust nur schwer wegstecken kannst. Da braucht es jetzt wirklich so eine bewusste "Entscheidung" zum erneuten Vertrauen! Ist bestimmt eine Gratwanderung für dich/euch, aber bestimmt auch eine spannende und knisternde Wiederannäherung, oder?

    Das mit den Ich-Botschaften beherzige ich meistens. Ich denke wirklich auch erst zehnmal darüber nach, was ich sagen will, bevor ich anfange zu reden. Nervt zuweilen ganz schön, aber ich sehe es ja ein! :roll:

    Wie viel Zeit habt ihr euch denn gegeben, um zu entscheiden wieder zusammen zu leben? Wovon hängt ein Erfolg ab? Ich meine, sicher weißt du ja nie, ob er dir alles erzählt. Auch in meinem Fall hängt ja eigentlich alles an diesem Vertrauen. Ist schwer, es wiederzufinden, auch wenn man sich entschieden hat, es zu versuchen.

    Also, weiterhin viel Glück beim Vertrauen - Finden (wie auch beim Ostereiersuchen)! :D

    Oiseau

  • Hallo Oiseau,

    ich melde mich auch mal wieder...
    Ich kenne die Gedanken und Gefühle nur zu gut. Seit mein Mann "trocken" ist, wird von seiner Seite auch nicht mehr darüber geredet, und zu meiner großen Sorge ist er schon 2x nicht zur SHG gegangen. Ich spüre, wie mein Misstrauen wächst, und kämpfe dagegen an. Aber ich beginne bereits wieder, an ihm zu schnuppern....Ich weiß nicht, ob das Nicht-Reden ein Zeichen für einen drohenden Rückfall ist, oder ob wirklich die Scham und die Umstellung, wie sie Heinrich so deutlich beschreibt eine Rolle spielt. Wir stecken ja nicht in ihren Köpfen. Auf jeden Fall ist bei uns nur der totale Alltag angesagt. Wir reden über Allgemeinheiten, und abends lesen wir, oder sehen fern. Wir reden momentan nicht nur nicht über das Thema Alkohol, wir reden momentan irgendwie so gar nicht über uns. Ich schiebe es darauf, dass mein Mann zuviel mit sich und der Überwindung seiner Sucht zu tun hat. Wobei ich grad so überlege, dass er beginnt, Gründe für die Sucht zu finden, und es vielleicht auf die leichte Schulter nimmt. Auch er hat mir gesagt: Ich kann doch nicht permanent von meiner Sucht sprechen. Das wollen wir doch auch nicht, oder? Wir wollen nur Nähe, gemeinsame Gedanken und Verständnis für den Anderen. Ja, ich glaube, wir müssen geduldiger sein, aber was passiert, wenn wir zu geduldig sind, und vielleicht entscheidende Entwicklungen nicht mitbekommen??
    Wenn uns die Beziehung zu entgleiten droht? Oder sind das wieder mal CO-Gedanken, und man sollte die Kirche im Dorf lassen. Haben wir gelernt zuviel kontrollieren zu wollen? Das ist es vielleicht, wir sollten auch einfach nur leben, und nicht alles zerreden. Ich habe hier im Forum schon viel gelesen, und manchmal merke ich, das viele Teilnehmer, gerade CO's alles haarklein zerfitzeln, Gedanken noch und nöcher zerrupfen, bis nur noch ein Gerippe von Gedanken da ist, mit dem man auch nichts mehr anfangen kann. Es werden Lösungen gesucht für Probleme, die noch gar nicht entstanden sind. Ich probier es einfach mal, ich lasse den Dingen ihren Lauf, und warte ab. was kann passieren? Schlimmstenfalls scheitert meine Beziehung, aber ich glaube, davon bin ich noch weit entfernt. Mein Vater sagte immer : ruhig Blut.
    Du siehst, ich bin auch ziemlich konfus momentan, suche Antworten, die es vielleicht nie geben wird.
    Lieben Gruß und frohe Ostertage, bokins

  • Hallo, bokins,

    komisch, ich hatte gestern viel an dich denken müssen und deinen Thread noch mal gesucht, weil ich so lange nichts mehr von dir gelesen hatte. Und da schreibst du mir. Schön. Danke. :)

    Ich wünsche dir frohe Ostern und schreibe in deinem Thread weiter.

    Oiseau

  • Guten Abend,

    hoffentlich hattet ihr auch alle einen fleißigen Osterhasen.

    Unser Ostersonntag war sehr bequem und gemütlich-geruhsam. Besonders für mich - denn bei uns hat heute der Mann gekocht! :lol:

    Ostereier gab es auch, und die Schokolade schmeckt mir sogar noch. (Nach den langen Fastenwochen...!)

    Und vorhin habe ich ein ausgiebiges Bad genommen und es mir gut gehen lassen.

    Ja, irgendwie ist der Alltag wieder eingekehrt - und mit ihm all die Angewohnheiten aus vor - klinischer :P Zeit! Allerdings liegt unsere, sagen wir mal Bequemlichkeit, daran, dass ich immer noch recht krank bin (Infekt) und mich schlecht fühle. Gerade mal ins Kino konnten wir gestern gehen.

    So lesen wir viel, trinken gemütlich Tee und schauen fern oder hören Musik. Ich würde gern auch mal reden, aber irgend wie klappt das nicht. Habe ich ja schon erzählt. Ich hänge ein bisschen durch, unsicher noch und - ach, ich weiß auch nicht. Ich will ja geduldig sein, aber ich denke, gerade wenn ich geduldig bin und wenig Initiative ergreife, dann vergeht so viel Zeit und schlechte Angewohnheiten schleichen sich durch die Hintertür wieder in unser Leben. Ich hoffe, mein Partner ergreift mal die Initiative für seine eigene Freizeitgestaltung und wartet nicht immer auf mich und meine Meinung. Das würde mich auch entlasten. (Ich tu ja auch was für mich, wenn ich gesund bin, zumindest.)

    Alkohol ist kein Thema im Moment. Er scheint gut zurecht zu kommen, und ich vermisse auch überhaupt nichts.

    Wenn wir nur endlich mal reden könnten!! Vielleicht hat jemand eine Idee, wie ich ein Gespräch anfangen könnte. Oder jemand kann mir erzählen, wie es bei ihm/ihr funktioniert hat. Bin für jede Anregung dankbar.

    Gute Nacht.

    Oiseau.

  • Hallo, liebe Oiseau,
    melde mich auch mal bei dir.
    Ja, dass miteinanderreden das ist so eine Sache. Wir haben da ja auch noch die größten Schwierigkeiten. Und Gefühle - um Gotteswillen, bloss nicht.
    Mein Mann hat, glaube ich, die größte Angst davor, dass er weich wird. Vielleicht sogar weint. - Das war im Besoffenen Zustand anders! Da konnte er leicht heulen. -
    Und das Aufraffen, mal was miteinander unternehmen, fällt ja so schwer.
    Oder ist da auch wieder Angst dabei? Vielleicht haben unsere Männer Angst, dass da wieder irgendwo was mit Alk. zu tun hat.?
    Wir müssen wirklich noch geduldiger sein. Mensch, wir haben es doch sooooo lange vorher ausgehalten!!! Und außerdem, dürfen wir uns nichts einreden, von wegen Rückfall oder so.
    Komm, lass dich stützen!
    Wir zwei - vier schaffen das! Mit Geduld und Liebe und Hoffnung und dem, der uns die Kraft dazu gibt!
    Noch einen schönen Ostermontag wünscht dir Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Hallo Oiseau,

    kommen gearde aus dem Osterurlaub zurück. Hatten im Sauerland doch tatsächlich reichlich Schnee... schön, dann sind die Hunde nicht so dreckig.
    Ich hatte auch gehofft, im Urlaub ein Gespräch zu finden, aber irgendwie hat es nicht geklappt. Im Gegenteil, ich hatte sogar das Empfinden, das wir uns aus dem Weg gegangen sind. Früher, als die Probleme mit dem Alkohol noch da waren, ja da war mein Mann unter Alkoholeinfluss auch "anhänglicher", nicht so selbständig... er macht jetzt irgedwie immer mehr sein Ding. Aber das habe ich mir ja auch gewünscht. Gespräche, fürchte ich , liegen bei uns in weiter Ferne. Aber manchmal glaube ich, dass Männer so gestrickt sind, das Problem existiert doch jetzt nicht mehr, also worüber willst du denn noch reden? Naja, abwarten. Lieben und auch ein wenig traurigen Gruß, bokins
    P.S.: Ich schreibe nicht mehr in meinem thread, weil ich mich irgenwie nachher schämte, soviel preisgegeben zu haben, ich war froh, als er immer weiter nach hinten rutschte. Komisch, ich weiß, manchmal bin ich ein Sonderling...

  • Hallo ihr alle,

    ich konnte mich einige Tage nicht melden, denn ich war hobbymäßig beschäftigt. Hat Spaß gemacht!

    Hier hat sich ja einiges Neues getan im Forum und ich werde einige Zeit brauchen, bis ich wieder auf dem neusten Stand bin. :shock:

    Naja, auch bei mir ergibt sich täglich ein bisschen mehr Neues und ich muss sagen: Es WIRD!!!!! Ich bin so zufrieden wie schon lange nicht mehr. Mein Partner ist seit über zwei Monaten trocken und ich habe ihn natürlich auch sehr dazu beglückwünscht und gesagt, wie stolz ich auf ihn bin und wie froh. Das hat ihn auch gefreut. Vor ein paar Tagen hatte ich eine Begegnung, die mir wieder sehr intensiv vor Augen führte (und vor die Nase :? ), was ich in meinem Leben auf gar keinen Fall mehr erleben will!!! Ich ging nämlich in einem Geschäft an einem Paar vorbei - und hatte plötzlich den ekelerregenden, starken Gestank von Alkohol in der Nase! Als ich mich umdrehte, sah ich einen älteren, gebeugten, sehr krank aussehenden Mann mit Frau. Sie war sehr gut drauf, während er sich kaum auf den Beinen halten konnte und dann von ihr im Auto gefahren wurde. Ich weiß natürlich nicht, ob die beiden ein Paar sind, aber der Anblick und Geruch haben mich so sehr an früher erinnert. Ich spürte einen fast nicht zu bezwingenden Brechreiz, es war wirklich sehr intensiv und nur negativ. Dabei tat mir der Mann sehr leid. Aber: Nein, das will ich nicht mehr, nie mehr erleben!!! Ich glaube, ihr versteht, was ich meine. Für die Angehörigen hoffe ich nur, dass sie sich genügend und effektiv Hilfe suchen können! Es ist soooo traurig, so etwas zu sehen!

    Zu Haus sprach ich meinen Partner darauf an. Daraus entwickelte sich ein langes, offenes Gespräch, wie schon lange nicht mehr. Schön! Vor allem zeigt er sich zunehmend bereit über das Thema auch wirklich zu reden, bestimmte Wörter in den Mund zu nehmen, anstatt sie zu umschreiben und und und... Es war wirklich der Anfang von einer neuen Zeit! Jetzt habe ich ein Buch gekauft, in dem ein trockener Alkoholiker über seine Krankheit schreibt und es ihm gezeigt und dann einfach mal so :lol: liegen gelassen! Ihr glaubt gar nicht, wie ich ihn dann, beim Heimkommen, vorfand! Er war kaum aus seiner Leseposition zu "wecken", immerzu am Schmökern. Und es entwickeln sich jetzt immer intensivere Gespräche. Er erzählt plötzlich aus seinem früheren Leben, nicht nur von allgemeinen Dingen wie Hobby und Beruf, sondern auch von seinen Beziehungen, seiner Familie usw. Ach, ist das schön! Ich bin soooo glücklich! Jetzt kann ich was mit ihm anfangen, jetzt komme ich ihm näher, lerne ihn kennen und verstehen und merke auch, wie meine Gefühle für ihn sich neu und stärker entwickeln können.

    Im Moment hat er absolut kein Bedürfnis etwas zu trinken. Er sagt sogar, er habe einen richtigen Ekel allein schon bei dem Gedanken an Alkohol. Wisst ihr, ob man so eine Aussage ernst nehmen darf? Gibt es das wirklich, dass jemand, der von einem Stoff abhängig ist/war Ekel dafür entwickelt? Jedenfalls reden wir jetzt auch endlich mal darüber, wie wir in Zukunft mit dem Thema im Freundes- und Verwandtenkreis umgehen wollen.

    Ich wünsche allen, die ähnliche Probleme haben wie ich so eine gute Zeit, wie wir sie gerade haben.

    So, jetzt lese ich noch ein bisschen und werde mich dann noch mal melden. Besonders Gotti und bokins und Juliane, ihr seid mir wichtig, weil ihr auch immer so viel Anteil nehmt!

    Bis dann ganz viele und herzlich-fröhliche Grüße ins Forum!

    Eure Oiseau :D

  • Hallo Oiseau,
    das klingt ja phantastisch, was du da schreibst :!::!::!:
    Ach, da krieg ich richtig Gänsehaut. Du redest mit deinem Mann! Ihr führt richtige Gespräche auch über Alkohol! und über Gefühle! Herzlichen Glückwunsch! Also stimmt es doch, dass man nur Geduld haben muss.
    Ich freue mich ganz sehr für dich, dass du auch mal wieder so richtig glücklich sein darfst.
    Freilich nehme ich Anteil an deinen und der anderen Sorgen. Sind es doch sehr oft meine eigenen. Aber schön ist es, wenn sich manche auch mal auflösen.
    Mit den Bierfahnen geht es mir genauso wie dir. Einfach nur Ekel. Und dann denke ich nach, dass derjenige hunderprozentig behaupten würde, er hätte kein Problem mit Alkohol. Sehr viele in meinem Bekanntenkreis trinken mehr als nötig. "Sind aber keine Alkoholiker". Vielleicht überspitze ich die Sache in der jetzigen Situation, aber wenn es doch so schwer ist, davon wegzukommen und zu bleiben, dann ist das doch ein ernstzunehmendes Thema. Ich hoffe ganz sehr, dass unsere Kinder sich niemals im Alk. verlieren.

    Muss jetzt noch ein bisschen Abendessen richten, vielleicht komme ich später noch mal ins Forum,
    Liebe Grüße, Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Liebe Gotti,

    lieb, dass du dich für mich freust. :oops:

    Dass viele Menschen zu viel trinken, es aber nie zugeben, ist wahr! Auch in unserem Bekannten- und Freundeskreis ist das so. Das eine Ehepaar weiß noch nichts vom Alkoholismus meines Partners. Bin gespannt, wie sie darauf reagieren werden, wenn wir es ihnen sagen. Der Freund ist ein Genusstrinker, trinkt gern und regelmäßig "guten" Rotwein, mag aber auch Bier und Schnaps, wenn das angeboten wird. Er ist auch immer dabei, andere zum Trinken zu überreden, und wenn man mal ablehnt, ist man ein "Milchbubi" oder "Weichei", oder mein Partner wird gefragt: "Darfst du nicht!??" (Da könnte ich sowieso richtig GEMEIN werden!!!) Ich habe für mich beschlossen, dass, wenn solche Sprüche noch mal kommen, auch wenn wir ihm alles erklärt haben, dann breche ich die Freundschaft sofort ab. Sonst platze ich am Ende noch! :twisted:

    Also, jetzt mach mal schön Abendbrot und lasst es euch schmecken.
    Bis demnächst in diesem Forum! :lol:

    Oiseau

  • Hallo Oiseau,

    habe mich auch doll gefreut über Deine euphorischen Worte! Ich hoffe nur ganz inständig, dass das auf immer so anhält! Kann ich von meiner Seite aus noch nicht so sagen. Aber es kommen vielleicht auch zu viele andere Probleme dazu. Jedenfalls freue ich mich sehr für dich, denn Du hast jetzt erreicht was Du wolltest, kannst Gespräche mit Deinem Partner führen, und weißt nun vielleicht auch, wie man ihn "zum reden" bringt. Überigens habe ich meinem Mann auch am Anfang ein Buch geschenkt, heißt so ähnlich wie "Jetzt ist es genug" oder so, wurde auch von einem trockenen Alkoholiker geschrieben und war sicherlich Anlass für den Übergang zur Trockenphase. Wünsche Euch noch ein schönes Rest-Wochenende, bokins

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