Beiträge von Pauli71

    Hi Spedi,

    danke für den Zuspruch - ist trotzdem nicht so toll, heute ist echt ein sch*** Tag, bringe nichts zusammen. Mir graut schon, wenn ich heimkomme, wie sie mich dann wohl ansieht....

    Wenigstens sind die Kids noch zu klein, um das alles zu verstehen.

    Gruß
    Pauli.

    PS: Heute trinke ich übrigens seit zwei Wochen nichts mehr - immerhin ein Anfang :)

    Hallo Forum,

    wie Ihr seht, bin ich immer noch da - gerade noch so...

    Nachdem ich mir wie angekündigt gestern meine Grube geschaufelt habe und die Kinder im Bett waren, habe ich mir ein Herz gefasst und habe mit meiner Holden geredet. Zuerst habe ich sie gefragt, was sie denkt, wieviel ich so im Durchschnitt trinke. Sie tippte dann auf ein, zwei Halbe am Abend, "so wie jeder halt". Als ich ihr erklärte, dass es eher so 7, 8 oder 9 waren, war sie ziemlich fassungslos. Sie konnte es nicht glauben, weil das Stereotyp des Alkoholiker an sich (wie es in ihrer Vorstellung besteht) rein optisch nicht auf mich passt. Im Laufe des Gesprächs versteifte sie sich darauf, dass das alles nur Stress sei und ich das in den Griff kriegen kann. Als ich dann erzählte, dass ich beim Arzt und der Beratung war und eine Therapie machen will, war sie erst ganz still und hat nur den Kopf geschüttelt. Sie meinte, da gingen doch nur Asoziale und Säufer hin und was ich denn da will. Sie würde da auf keinen Fall mitgehen...

    Naja, ihr seht schon, in welche Richtung das ganze lief. Sie blockt das Thema ziemlich ab und meint, ich übertreibe oder überreagiere.

    Vielleicht wird's besser, wenn sie sich eine Weile damit auseinandergesetzt hat. Heute Nacht habe ich auf alle Fälle kaum geschlafen und heute bin ich entsprechend drauf. Körperlich und geistig bin ich recht down.... hoffentlich geht der Tag bald 'rum

    Morgen bin ich beim Arzt und lasse meine Schilddrüse untersuchen - den Termin mit dem Therapeuten habe ich am Freitag, mal sehen, was der zu der ganzen Geschichte meint....


    Gruß
    Pauli

    Hallo Hartmut,

    ich verstehe schon, dass ich persönlich es für die Zukunft so sehen kann oder sollte. Was die Vergangenheit angeht, ist der unangenehme Effekt jedoch, dass meine Umgebung erkennt, dass ich vor allem in letzter Zeit total die Kontrolle verloren habe. Ich weiß nicht, wie es Euch geht - aber ich mache mir dabei schon Sorgen, wie die Leute (und das sind keine Trinker, sondern ganz "normale" Menschen, die ich weiter um mich haben will) in Zukunft mit mir umgehen, wenn sie das realisieren.

    Gruß
    Pauli.

    So Leute,

    ich war jetzt bei der Suchtberatung. Wie Ihr Euch denken könnte, war ich anfänglich ein bisschen gehemmt, aber der Berater war ganz ok und wir sind recht gut in's Gespräch gekommen. Hab' ihm nochmal meine Geschichte erzählt und die Ergebnisse der Ärztin mit ihm besprochen. Dann hat er mir erklärt, wie das nun weitergehen muss. Er erklärte mir die zwei grundsätzlichen Möglichkeiten der Therapie: stationär und ambulant und hat mir mir einen entsprechenden Beurteilungsbogen durchgearbeitet. Wir kamen überein, dass eine ambulante Behandlung bei mir grds. in Frage kommt, es folgen aber erst noch Gespräche mit einem richtigen Therapeuten. Ich hab' einen Haufen Material bekommen und muss nun klären, ob meine Krankenkasse das bezahlt - sonst wird's für mich teuer. Außerdem hat er mich auf ein paar SHGs hingewiesen, da gehe ich diese Woche noch hin. Im Gespräch hat er auch nochmal betont, dass es nicht anders geht, als dass ich meine Familie einweihe - vor allem deshalb weil die engere Familie mit in die Therapie eingebunden werden sollte.

    Auf der einen Seite bin ich jetzt erleichtert, weil ich eine Perspektive habe, bzw. weiß, welche Schritte nun folgen werden - auf der anderen Seite muss ich wirklich mit meiner Frau reden. Allein schon bei dem Gedanken wird mir flau :-|

    Naja, jetzt grabe ich erst noch den Garten um und warte bis sie heim kommt. Wenn Ihr morgen nichts von mir hört, schickt einen Suchtrupp los ;)

    Gruß
    Pauli.

    Hi Spedi,

    Dein Posting hat mich richtig gepackt ;) Was Du über die Lügerei gegenüber anderen aber auch mir selber schreibst, kann ich nur unterstreichen. Trotzdem wird's ein Gang nach Canossa.... vor allem, weil es bedeutet, das Image vom "alles-unter-Kontrolle-hab-Macher" einzureißen. Aber vielleicht ist das sowieso das beste, was ich tun kann...

    Noch einen schönen Tag.

    Pauli.

    Hallo....,

    vielen Dank für die freundliche Aufnahme. Vor dem Gespräch mit meiner Frau graut's mir ehrlich gesagt schon ziemlich - nicht weil ich mich schäme, sondern weil ich ihr damit nochmal was auflade. Der einzige Grunde, warum ich damit bis jetzt noch nicht zu ihr gegangen bin, ist dass ich sie nicht auch noch mit diesem Problem belasten will. Wird aber auf die Dauer nicht anders gehen.....

    Heut früh war ich wieder beim Arzt, die Blutwerte sind soweit in Ordnung, Leber ist unauffällig - allerdings habe ich wohl ein Problem mit der Schilddrüse. Ich konnte nicht mit der Ärztin selber reden, aber vielleicht weiß jemand von Euch, ob das mit dem Alk zu tun haben kann??

    Heute abend dann Gespräch in der Beratungsstelle - bin schon gespannt.

    Gruß
    Pauli.

    Hallo lumho,

    meine Frau hat keine Vorstellung, in welchem Umfang ich getrunken habe. Sie hat recht viel um die Ohren, sie weiß zwar, dass ich Bier trinke (bzw. getrunken habe), anscheinend hat sie sich aber nie Gedanken gemacht, wieviel. Sie selbst trinkt nicht. Als wir am Wochenende im Getränkemarkt waren, war sie nur erstaunt, dass ich kein Bier mitnahm. Wie ich damit weiter umgehen soll, weiß ich momentan nicht.

    Beruflich gibt's immer Stressfaktoren - habe seit ein paar Wochen einen neuen Auftraggeber, d.h. neue Ansprechpartner, Stress mit der Einarbeitung, Termine - habe eine zeitlang schlecht geschlafen, jetzt wird's besser.

    Meine Freizeit verbringe ich jetzt wieder mehr damit, den Garten auf Vordermann zu bringen, ansonsten lese ich viel, ein wenig Vereinssachen - die meiste Zeit bin ich aber mit meiner Family zusammen. Richtige Hobbies habe ich keine - vor ein paar Jahren hatte ich ein Motorrad, ist aber jetzt finanziell nicht drin.

    Wie es Therapie-mäßig weitergeht werde ich morgen sehen, wenn ich zur Suchtberatung gehe und mich informieren lasse. Offen ist auch noch, wer das bezahlt, bin als Freiberufler nicht rentenversichert. Eine stationäre Therapie würde allerdings mich und meine Familie finanziell sehr stark belasten (weil dann ja für lange Zeit mein ganzes Einkommen wegfällt) - ich hoffe, es gibt eine andere Möglichkeit.

    Danke für Dein Interesse.

    Pauli.

    Hallo Forum,

    nachdem ich mich nun knapp 2 Wochen im Vorstellungsbereich tummle, möchte ich mich nochmal öffentlich vorstellen (ich übernehme dazu Teile des Vorstellungsthreads - für die, die das schon gelesen haben).

    Ich bin 36 Jahre und seit ca. 6 Jahren Alkoholiker (wann ich die Grenze ziehen soll, weiß ich nicht). Ich bin verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Beruflich bin ich selbständig.

    Warum bin ich hier? Ich habe in den letzten zwei Jahren mehrmals versucht, mit dem Saufen aufzuhören, das ging immer mal wieder für ein paar Wochen gut, insgesamt aber hat sich über die Jahre mein "Konsum", oder eher Missbrauch immer mehr gesteigert. Es ist ein Punkt erreicht, an dem ich mein Problem weder vor meiner Familie, noch beruflich weiter verheimlichen kann. Entweder ich tue jetzt etwas, oder mein Leben geht den Bach runter.

    Ich habe lange und immer wieder darüber nachgedacht, warum ich trinke und bin zu dem Schluss gekommen, dass es richtig angefangen hat, als ich mit dem Hausbau Angstzustände entwickelt habe. Schlaflosigkeit, massiver Stress, körperliche Syntome des Stress (hatte monatelang Lidzucken und ähnliches), Zukunftsängste. Mein Heilmittel - wenigstens für ein paar Stunden - war der Kasten Bier (naja, nicht der ganze, aber...)

    Getrunken habe ich vorher auch schon, allerdings beschränkte es sich da auf die Wochenenden, in der Disco und mit Freunden. Nun war es jeden Tag und alleine. Nach dem Bau hoffte ich, alles würde sich stabilisieren - aber es kamen andere Sachen und ich kam nicht mehr zur Ruhe. Mehrfache Abstinenzversuche liefen teilweise wirklich gut an, warum ich jeweils wieder angefangen habe, kann ich nicht sagen.

    Die letzten Wochen war es nun so, dass mein Pensum in Regionen vorstieß, wo ich am nächsten Morgen z.B. auf keinen Fall hätte in's Büro fahren können. Ich hatte am folgenden Vormittag Besprechungen, bei denen ich mich im Nachhinein fragte, wie ich die überstehen konnte, ohne dass mich einer fragte, was los sei. Hauptgrund auzuhören ist aber, dass ich mir schäbig vorkomme, meine Familie zu belügen. Nicht verbal, aber dadurch, dass ich ständig heimlich ein paar Halbe aus dem Keller hole und mit der nächsten Ladung schnell die leeren Flasch mitnehmen, damit es niemand merkt. Oder dass ich unter irgendwelchen Vorwänden in den nächsten Ort fahre, um noch schnell beim Getränkemarkt einen neuen Kasten zu holen.

    Auch dass ich seit einiger Zeit dazu übergegangen war, nach der letzten Halbe vorsorglich ein entsprechendes Medikament einzuschmeißen, um den Brummschädel zu vermeiden, stimmte nicht gerade fröhlich. Was nehme ich denn in einem halben Jahr für Dope um hochzukommen?

    Mir wurde von den netten Leuten hier gleich am Anfang klar gemacht, dass ich als erstes zum Arzt muss - hat mir zwar nicht gefallen, bin aber hin.

    War da insgesamt gut 2 Stunden, das volle Programm mit Blut, Urin, EKG usw., dann 45 Min. Gespräch mit der Ärztin. Am Anfang ging's etwas holprig, weil ich nicht wusste, was ich sagen sollte, sie hatte das Thema aber gut im Griff und schob mich in die Richtung, in die sie mich haben wollte. Ja, nun - ich entgifte jetzt erst mal ambulant, weil ich bereits 10 Tage symptomfrei nicht trinke und mein Umfeld sozial stabil ist (sagt sie). Ich werde täglich bei ihr antanzen, jedes Mal wieder mit Blut usw. - für den Fall der Fälle hat sie mir Rezepte ausgestellt und eine Notfallnummer gegeben. Zur Suchtberatung geht's dann am Montag oder Dienstag....

    Selbsthilfegruppe gibt es lt. der Ärztin eine vor Ort, ich weiß aber nicht, ob ich da hin will. Das ist hier keine Großstadt, sondern nur so 25000 Einwohner, fühle mich unwohl wenn mich einer reingehen sieht.... Werde deshalb wohl 40 km weiter fahren. Das sehen wir aber dann bei der Suchtberatung.

    Ich war nach dem Termin ziemlich aufgewühlt, nach dem Gespräch bin ich ein paar Stunden rumgelaufen, ich weiß auch nicht.... Was habe ich mir da nur angetan? Wie blöd muss man sein, um sich selbst so rein zu reiten? F***k!

    Physisch geht's mir gut - außer dass ich ständig Appetit habe... Ist wohl so eine Art von Ersatzbefriedigung, was mir etwas Sorgen macht, denn eine Sucht durch eine andere zu ersetzen ist ja auch nicht gerade toll.

    So, das war's erst mal - ich hoffe, weiterhin Zuspruch und Hilfe hier zu finden, dank der teils auch deutlichen Worte im Vorstellungsbereich bin ich schon weiter, als ich je war. Ich weiß, ich habe gerade die ersten Tippelschritte gemacht, aber ich bin fest entschlossen, weiter zu kommen!

    Grüße

    Pauli.