Hallo ihr lieben,
Seit gestern habe ich einen neuen Nick.
Ich hatte plötzlich das Gefühl, es soll jetzt sein.
Diesem habe ich ganz spontan nachgegeben, ohne es erst einmal zu zerdenken.
Mir gehts sehr gut mit dieser Entscheidung, zeigt sie mir doch, das ich wieder spontan und nach Bauchgefühl handeln kann.
Ich bin als Lämmchen hier angekommen. Verletzt, gekränkt und gefangen in mir und in meinen Gedanken die nur um meinen Mann kreisten.
Ich sah mich als Opfer und hatte keine Ahnung, wie ich da raus kommen sollte.
Ich will nicht mehr in die Opferrolle, ich habe erkannt, das es einzig an mir liegt daran etwas zu ändern.
Mir wurde von vielen lieben Menschen hier geschrieben und gesagt, welche Fortschritte, sie an mir feststellen.
Darüber habe ich mich sehr gefreut, aber ich für mich, konnte sie nie so deutlich erkennen.
Das änderte sich, als ich meine Reha noch einmal an mir vorbeiziehen ließ schlagartig. Es war als ob der Nebel verflogen sei.
Ich konnte erkennen, was ich alles für mich geändert habe, ich konnte mich uneingeschränkt an meinem Erfolg freuen.
Die vielen Spaziergänge, mit langen Gesprächen, das abendliche Schwimmen, mit einem lieben Menschen, das Gefühl vertrauen zu können.
Er hat den häufigen Telefonterror meines Mannes mitbekommen, der mich fast keinem Tag verschont hat. Bis J. einfach abends mein Handy "ein kassiert " hat, weil ich es nicht schaffte, seine Anrufe zu ignorieren.
Ich hab mich noch nicht mal getraut, außerhalb der Therapien mein Handy im Zimmer zu lassen, dadurch war ich immer sehr angespannt, und von abschalten konnte keine Rede sein.
Mir wird gerade noch mal sehr deutlich, wie sehr ich mich aufgegeben habe, und mich habe kontrollieren lassen.
Ich war gefangen, und traute mich anfangs nicht etwas zu unternehmen, er hätte ja gerade dann anrufen können. Denn er rief natürlich immer zu unterschiedlichen Zeiten an.
Ich war nie sicher davor.
Ich erinnere mich an einen Samstagabend, an dem er anrief, um von mir die Nummer einer Versicherungspolice zu erfragen.
Die hatte ich ja auch dabei, ich reise ja nie ohne die Nummern meiner Versicherungen.
Dabei wußte er genau, das ich in ein Konzert wollte. Natürlich wurde daraus nichts, der Terror ging bis nachts um 2 Uhr, immer wenn ich dachte, jetzt ruft er sicher nicht mehr an, gings weiter.
Dann nahm ich dort zum ersten Mal an einer Angehörigengruppe teil, die mir Mut machte. Ich wollte alles umsetzen, wenn ich wieder zuhause war, und bin doch gleich wieder ins alte Fahrwasser geraten, wie vorher.
Der Gedanke, es ist doch nicht so schlimm, wie du es empfindest hat mich noch fast 2 Jahre begleitet.
Bin ich froh, das ich heute für ihn nicht mehr erreichbar bin. Heute brauche ich keinen, der mein Handy kassiert, das kann ich selbstständig abstellen.
Mein neuer Nick soll mich immer wieder daran erinnern, das die Sonne jeden morgen neu aufgeht, sich die Nebel immer wieder neu lichten, und das Leben neu erwacht.
Alexandra beschreibt dieses eindrucksvoll in ihrem Lied: Erstes Morgenrot
Jeder Tag eine neue Chance auf Leben.
Ich kann nur jedem Mut machen, sich auf den Weg zu machen.
lg Morgenrot