Hallo ihr lieben,
will mal wieder erzählen, was sich inzwischen so alles getan hat.
Es geht mir weiterhin gut, mit Höhen und Tiefen. Aber die positive Grundstimmung ist geblieben.
Ende Juli konnte ich mit jemanden aus des Forums eine sehr schöne Radtour geniessen.
Es tut mir gut, das ich wieder rausgehe, und mein Denken in andere Bahnen gelenkt habe.
Aufpassen muß ich auf die "Mitleidsschiene".
Da kann er mich immer noch packen, das läßt mich nicht kalt.
Wenn er sich als der "arme Mann" präsentiert, für den niemand Verständnis hat, dann wird es für mich brandgefährlich und es fällt mir schwer, bei mir zu bleiben und mich abzugrenzen. Da muß ich sehr darauf achten, das ich nicht in meine altbekannte schützen wollen Rolle gerate.
Dann versuche ich immer, in die Rolle eines neutralen Beobachters zu kommen. Stelle mir die Frage, wie würde er jetzt in diesem Moment auf eine neutrale Person wirken, die ihn von außen und als unbeteiligter beobachten könnte.
Diese neutrale Person würde ihm sagen : Nimm endlich dein Leben in deine Hand, und hör auf, die Verantwortung dafür anderen in die Schuhe zu schieben.
Spreche ich diese Worte dann aus, habe ich das Gefühl neben mir zu stehen, so als ob es nicht meine Worte sind, und ich komme mir dabei sehr kalt vor.
Seinen Schmerz über gewisse Dinge kann ich durchaus nachvollziehen, und er ist auch berechtigt.
Aber er hat doch die gleichen Chancen wie ich, und kann einen ersten Schritt gehen, und sich Hilfe holen.
In der Situation fühle ich mich mit meinem Verhalten nicht besonders gut, aber wenn ich später mich und mein Verhalten noch einmal reflektiere, kommt mein Gefühl, das ich mich schützen darf, und nicht schützen muß, zurück.
Ich habe eine Traumatherapie begonnen, um alte Dinge aufzuarbeiten, die sich immer mehr als Knackpunkt herauskristalisierten.
Ich spüre, das mich meine Veränderungen und die Arbeit an mir auch Kraft kosten, und ich häufiger müde werde.
Mir dann Ruhe zu gönnen, ist noch etwas ungewohnt, und fällt mir nicht ganz leicht.
Nach 2 Jahren schlafen auf einer Couch habe ich mir endlich mein Reich wohnlich gemacht, jetzt fühle ich mich dort so richtig wohl.
Nachdem sich mein Mann, im Suff, auf seinem Geburtstag massiv daneben benommen hatte, habe ich es geschafft, nicht wie früher zu handeln, und mich für sein Benehmen zu entschuldigen.
Bevor sich dieser Gedanke festsetzen konnte, es tun zu müssen, hab ich mich abgelenkt, und etwas für mich getan.
Das war eindeutig seins, und nicht mein Problem.
Nach diesem Tag konnte ich das erste Mal öffentlich, vor meiner Ursprungsfamilie, sagen : "Ich will hier weg. "
Ein Thema waren auch meine Lügen.
ch habe für ihn andere Menschen, die mir nahe standen / stehen belogen, nicht böswillig, ich dachte, ich müßte ihn schützen.
Ich habe meine Kinder belogen, bzw. ihnen auf Fragen, was denn mit ihrem Papa sein, nicht ehrlich geantwortet.
Habe alles daran gesetzt, ihnen eine Welt vorzugaukeln, die es nicht mehr gab.
Mit jedem Tag wiurde mir mehr bewußt, wie ich ihre Wahrnehmungen manipuliert habe, mit meinen Aussagen.
Ich habe genau dass mit ihnen gemacht, was er mit mir getan hat. Mir meine Wahrnehmungen genommen, bzw. sie zerredet.
Ich will das nicht entschuldigen, aber ich frage mich, ob ich es zu dieser Zeit gebraucht habe, um mich selbst zu schützen?
Das tat in diesem Moment sehr weh, denn ich weiß doch eigentlich am besten was aus Kindern werden kann, deren Wahrnehmungen nicht ernst genommen werden.
Tief verunsicherte Erwachsene. Ich kann nur hoffen, das ich damit nicht
allzuviel zerstört habe.
Mitte Oktober war ich im Urlaub an der Nordsee. Ich hatte tolles Wetter, und habe es genossen, das zu tun, was ich wollte.
Von diesem Urlaub möchte ich euch ein paar zeilen hierlassen:
Mit mir alleine sein,
ist heute gar keine Pein.
Zu sehen was am Meeresgrund,
lauter Schätze, klein und rund.
Muscheln in allen Farben,
Wattwürmer die dort graben.
Gedanken schweifen, mit den Schiffen in die Ferne,
schwere nahmen sie mit, ich gab sie ihnen gerne.
Nicht zu wissen, wie der nächste Schritt wird sein,
trägt der Wattboden, oder sink ich ein?
Ihn trotzdem riskieren,
im Vertrauen, mir wird nichts passieren.
Vertrauen in mich wird wachsen,
ob ich wandere oder raste.
Wahrnehmen, was das Leben hält für mich bereit,
macht mein Herz so weit.
lg Morgenrot