Hallo ihr lieben,
möchte euch ein wenig von meinem ersten Urlaub ohne meinen Mann, aber mit Tochter, ihrem LG und meiner kleinen Enkelin erzählen.
Die Hinfahrt habe ich geteilt, bin am Gründonnerstag bis HH gefahren, und habe dort bei einer Freundin übernachtet.
Wir haben einen schönen, langen Spaziergang durch den Hamburger Stadtpark gemacht, und am Planetarium in der Sonne gesessen.
Abends waren wir dann noch lecker essen.
Karfreitag bin ich dann weiter an die Nordsee gefahren, wo mich meine Tochter vom Zug abgeholt hat.
An diesem Tag plagte mich das schlechte Gewissen, meinen " armen " Mann zuhause gelassen zu haben.
Ich weiß, es klingt bescheuert und ist es sicher auch, vielleicht hätte ich mir für den ersten Urlaub alleine, eine andere Ecke an der Nordsee suchen sollen.
Wir waren schon sehr oft gemeinsam dort.
Ostersamstag hatte ich einen schönen Tag, mit ganz viel frischer Seeluft, am Wasser sitzen, in die Wellen schauen und nichts tun.
Am abend einen wunderschönen Sonnenuntergang, und dann Openair Gottedienst mit Osterfeuer.
Singen von Liedern, die ich schon seit ewiger Zeit kenne, und dann einfach die Gedanken laufen lassen.
Zum Abschluß sollte jeder seinem Nachbarn einen Wunsch mit nach Hause geben.
Mir wünschte eine wildfremde Person, das ich in allen Stürmen des Lebens, Ruhe in mir finden kann.
Ich war sprachlos, wie das mal wieder passte.
Der erste Ostertag war sehr entspannt. Wir haben morgens lange und ausgiebig gefrühstückt.
Danach bin ich lange mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Immer am Wasser entlang.
Da ich mich verfahren hatte, fand ich auf diese Weise ein ganz uriges Cafè.
Dort konnte ich schön in der Sonne sitzen, einen Cappuccino und ein Stück Friesentorte geniessen.
Zwischendurch kam ein Anruf meines Mannes, der meine Stimmung fast wieder zum kippen gebracht hätte, obwohl er nicht viel gesagt hat:
" Wünsche dir frohe Ostern, grüß unsere Tochter, und tschüss."
Das war der Anruf für mein schlechtes Gewissen, sollte auf diese Art mal wieder geweckt werden. Der Tonfall passte jedenfalls dazu.
Ist ihm aber nur vorrübergehend gelungen.
Am Abend war ich noch im Watt, herrlich kalt. Aber man bekommt ganz schnell wieder warme Füße hinterher.
Ostermontag morgen war ich einkaufen, und bin fündig geworden.
Habe tatsächlich Schuhe in meiner Größe bekommen, sogar wählen konnte ich.
Jetzt habe ich Schuhe für alle Gelegenheiten, zum Preis den ich sonst schon für ein Paar bezahlt habe, nur diesmal waren es vier paar
Nachmittags bin ich am Strand gelaufen, danach bin ich noch lange auf einer Bank sitzen geblieben,und hab einfach aufs Wasser gesehen.
Ich hätte nie gedacht, das mir das so gut tut.
Ich fühlte mich irgendwie weit weg, und ganz ruhig.
Es ist so vieles neu, was ich in diesen Tagen erlebt habe, oder ich sehe es mit anderen Augen.
Vieles habe ich früher wohl nicht wahrgenommen, weil meine Gedanken immer beim Alkoholkonsum meines Mannes waren.
Der hat hier immer Fahrradtouren gemacht, stundenlang, und kam meist angetrunken zurück.
In diesem Ort steckt ja viel Erinnerung an gemeinsame Urlaube, und erst jetzt in diesen Tagen ist mir aufgegangen, wie blauäugig ich doch war, und wie sehr ich ihm vertraut und geglaubt habe, weil ich daran glauben wollte, das alles gut werden könnte.
Dienstags war ich wieder sehr lange mit dem Fahrrad am Wasser unterwegs. Auf "meiner" schönen Bank bin ich dann richtig eingeschlafen. Solch eine Ruhe hab ich bisher nur sehr selten bei mir wahrnehmen können.
Weil ich mir gar nicht die Zeit genommen hätte, so lange
einfach nur auf einer Bank zu sitzen und nichts zu tun
Am Abend waren wir dann so als Abschluß für meine Tochter nochmal essen, sie mußten Mittwoch zurück.
Wir hatten von unserer Vermieterin ein Lokal empfohlen bekommen. Dort gab es Schnäppchenbüffett.
Bestellungen wurden aufgegeben, in dem man einen Flyer ausfüllte, und ihn in Tresennähe an eine Wäscheleine klammerte.
Das sah schon recht lustig aus.
Die Einrichtung war schon etwas gewöhnungsbedürftig und hatte einiges zu bieten,von Antiquitäten bis zum Kitsch.
Mit meiner Vermieterin habe ich mich auch mal lange unterhalten. Natürlich wurde nach meinem Mann gefragt, dafür kennen wir uns zulange.
Ich bin bei der Wahrheit geblieben, ich mag nicht mehr lügen und vertuschen.
Sie kann sich das alles kaum vorstellen, "er war doch immer so nett."
Sie hätte mir nie etwas angemerkt, wie es wirklich in mir aussieht.
Am Donnerstagnachmittag bin ich gut zuhause angekommen.
Der Abschied von dort oben ist mir, wie immer, sehr schwer gefallen.
Meine Vermieterin hat mir noch ganz viel Kraft gewünscht, und das bei ihr immer ein Zimmer für mich frei ist, wenn ich Luftveränderung brauche.
Daran werde ich sicher denken, wenn ich mal wieder an die Nordsee will.
lg Lämmchen