Hallo Aura,
Du fragtest mich gestern nach meiner Geschichte:
ZitatHe, Lilli wie lange hast du von der Erkenntnis bis zur erfolgreichen Trennung gebraucht; Ist deine "Lebensgeschichte" auch hier zu finden und wenn ja - unter welchen Titel; Bin nicht nicht so richtig "forentauglich";
Ich bin keine CO, sondern Alkoholikerin.
Aber ich trennte mich trotzdem im letzten Jahr, nachdem ich einige Jahre trocken war, Du siehst also, auch das ist kein Garant für einen weiteren gemeinsamen Weg.
Unsere Richtungen, in die wir marschierten, wurden zu unterschiedlich, bzw. hatte ich den Eindruck, das ich mich immer weiter entwickelte und mein damaliger Partner stehen blieb bzw. mir nicht mehr folgen konnte. Schuld hat hier niemand an irgend etwas und die Trennung verlief im Guten, wir sind weiterhin Freunde.
Falls Dich meine Geschichte trotzdem interessiert, ich schrieb sie mal für Dagmar auf, ich kopier das hier mal einfach rein, dann muß ich nicht noch einmal Alles aufschreiben, okay ?
Bei Nachfragen stehe ich gern zur Verfügung.
Dagmar fragte damals:
ZitatMich würde interessieren, liebe Lilly, wie Du es - bzw. ob - geschafft hast am Arbeitsplatz noch zu funktionieren. Kam da jemand auf Dich zu und hatte den Mut Dich anzusprechen. Unabhängig dessen dass dieser Mensch nichts bewirken konnte. Warst Du als Frau, die wir ja eigentlich eitel sind, noch um Deine äußerliche Erscheinung bedacht? Wie lange hast Du es geschafft, dem Umfeld Deine Sucht zu verheimlichen? Ging es langsam schleichend oder wie verlief das alles bei Dir?
Meine Antwort war folgendermaßen:
ZitatAlles anzeigenIch habe sehr lange funktioniert, ich würde meine Alkoholabhängigkeit mit ca. 15 Jahren berechnen. Erst war ich sicher nur psychsich abhängig, später dann auch körperlich, in den letzten 2-3 Jahren dann sehr stark, ich trank die letzten beiden Jahre täglich ca. ne ¾ Pulle Wodka. Ich hatte noch alles: einen Mann, eine liebe Tochter, einen schönen Beruf als Konstrukteurin, meine geliebten Katzen, Haus mit Garten, eigenes Auto etc. Bis zum Schluss. Richtig schlimm wurde es mit der Sauferei in den letzten beiden Jahren, da konnte ich ganz sicher nix mehr verheimlichen, aber davor sicher auch nicht mehr wirklich.
Ich hab mich körperlich halt kaputtgesoffen, meine Seele allerdings auch.
Ich rutschte schleichend in die Sucht, Alkohol war die Droge meiner Zeit, ich glaube, wir beide sind gleich alt, ich bin 46. Ich wurde mit 17 Mutter, später teilweise alleinerziehend, weil mein erster Mann und ich uns trennten. Später wurde ich die Geliebte eines verheirateten Mannes, die demütigende Situation, in die ich mich da begeben hatte, soff ich mir weg, wenn meine Tochter am WE bei ihrem Dad war. Und ich trank immer öfters aus Einsamkeit.Dann lernte ich meinen späteren Mann kennen und alles wurde erstmal besser, ich hatte die Hoffung, mit dem Alk Schluss machen zu können, aber es gelang mir nicht mehr. Und wir tranken auch oft gemeinsam, ich allerdings auch dann irgendwann noch zusätzlich heimlich. Er konnte aufhören zu trinken, wenn er wollte, ich nicht mehr. Die Partnerschft betrug insgesamt 17 Jahre.
Ich übte weiter meinen Beruf aus, aber irgendwie immer schlechter. Meine Kollegen haben sich sicher manchmal so ihren Teil gedacht…. geahnt haben es wohl viele… aber unsere Krankheit ist leider immer noch ein Tabu-Thema… ich hatte beinah nur männliche Kollegen, wurde gern gemocht, sie wollten mich nicht kränken…
Und ich war immer ordentlich gekleidet, und ich legte noch Wert auf mein Äußeres. Ich fiel wohl äußerlich nicht wirklich auf. Aber ne Fahne riecht man eh immer…Tja, wie lange konnte ich meine Sucht verheimlichen ? Das kann ich Dir nicht genau beantworten, es sprach mich nie jemand darauf an. Aber ich konnte es sicher viele Jahre verheimlichen.
Dann wurden aber meine Ausfälle am Arbeitsplatz immer häufiger, aber ich drehte das irgendwie immer wieder hin.
In meiner damaligen Firma hatten wir eine eigene Suchtberatung, aber dort hinzugehen, traute ich mich nicht, die Scham war zu groß.
An Schluss vegetierte ich nur noch so vor mich hin, verließ das Haus nur noch, um zur Arbeit zu gehen oder um Alk zu besorgen, ich trank sehr viel heimlich. Am WE dauerbreit war keine Ausnahme mehr. Schwere Panikattacken gesellten sich dazu, ich isolierte mich völlig, aus Angst und Scham. Und dauernd auf Entzug gekommen, meine Gedanken drehten sich nur noch darum, das unter Kontrolle zu bekommen, weil man dabei Todesängste aussteht.Dann kam mein körperlicher Totalzusammenbruch Himmelfahrt 2002, wo mein Mann den Notarzt rief, es folgte eine Entgiftung auf der Intensiv, wo die Ärzte mit mir um mein bisschen Leben kämpften. Ich war 3,5 Wochen im Krankenhaus und konnte danach trocken bleiben. Erst mit intensiver Betreuung meiner tollen Hausärztin, später fand ich dann hier ins Forum, ich war die ersten 3.5 jahre allein trocken, hatte keine SHG, würde ich aber niemaden so weiterempfehlen.