Hallo zusammen,
ich habe jetzt seit 2 Tagen sehr viel in Eurem Forum gelesen und finde es klasse!
Ich bin hier gelandet, weil mein Mann meint, dass ich mir dochmal Hilfe von Betroffenen suchen sollte.
Am besten ich erzähle euch mal ein wenig von mir, damit Ihr Euch ein Bild machen könnt:
Ich bin 36 Jahre, verheiratet mit einem lieben Mann und wir haben einen 5-jährigen Sohn. Wir leben in sehr geordneten Verhältnissen und es geht uns gut.
Ich habe als Teenie schon immer mal gerne was getrunken (wenn ich auf Parties war), aber nie allzu viel - klar war man mal betrunken, aber unregelmäßig.
Ich bin dann vor einigen Jahren hierher zu meinem Mann gezogen, wir leben in einer Gegend, wo sehr viel Wein angebaut wird und auch gerne getrunken wird:-) Ich hab vor der Schwangerschaft eigentlich schon fast jeden Abend einen 1/2 Liter Weißwein getrunken. Während der Schwangerschaft dann gar nichts und auch während der Stillzeit nichts.
Vor ca. 3 Jahren fing es dann wieder langsam an. Immer abends, wenn unser Sohn im Bett lag, hab ich mir die erste Weinschorle eingeschenkt und so nebenbei bei Fernsehen oder wenn ich am PC saß, weitergetrunken.
Am Wochenende, wenn wir abends mit Freunden weggehen, trank ich auch immer Wein - da natürlich mehr, bis zu 1 Liter am Abend sag ich mal.
Naja, das letzte halbe Jahr hat es sich dann zugespitzt - ich hab mir immer gesagt, dass mir der Wein so gut schmeckt, aber mein Mann hat das Gefühl, dass es nicht nur der Geschmack ist (ich muss sagen, mein Mann trinkt höchstens 1 Gläschen, wenn wir weg sind zum Essen, sonst nie etwas), sondern dass ich es brauche. Denn wenn ich mal anfange (abends), dann kann ich einfach nicht mehr aufhören - d.h. nicht, dass ich wahllos in mich reinschütte, aber in ca. 4 Stunden abends trinke ich meistens fast 1 Liter Wein.
Das Schlimmste dabei ist, dass ich mich nicht besonders betrunken fühle und deshalb meine, dass das nächste Glas ja nix ausmacht. Wenn ich dann ins Bett gehe, merke ich schon, dass ich angetrunken bin und schlafe auch sofort ein (das war immer ein angenehmer Nebeneffekt dieses schnelle Einschlafen). Aber scheinbar verfalle ich dann in einen soooo tiefen Schlaf, dass ich echt nichts mehr mitbekomme die ersten Stunden des Schlafs. Ich bekomme nicht mit, wenn ich zur Toilette gehe, ich geistere im Haus umher und weiß morgens nichts mehr. Ich höre nicht, wenn mein Sohn nachts ruft - wie im Koma!!!
Mein Mann sagte mir das schon ein paar Mal und ich glaubte ihm nicht, aber er hats mit der Kamera aufgenommen und ich war schockiert.
Kennt das jemand von Euch?
Ich muss noch dazu sagen, dass ich morgens nie daran denke zu trinken, aber abends kommt dann einfach die Lust. Schon abhängig, oder?
Das komische ist, ich dachte nie daran, Alkoholikerin zu sein, hab mir unter Alkoholikern immer was anderes vorgestellt (Ihr wisst schon, totales Absacken, Penner usw.). Aber langsam bekomme ich Angst.
Ich weiß auch nicht, warum ich solche Lust zu trinken habe, mir gehts gut, habe eine gute Ehe, ein liebes Kind, keine Sorgen usw.
Mein Mann macht sich Sorgen und ich (besonders wegen nachts) mir auch.
Am Sonntag hab ich gesagt, dass eben nur eins hilft, wenigstens unter der Woche nix trinken. Hab ich Sonntag und Montag auch gemacht und hatte keine Entzugserscheinungen (hab gleichzeitig auch noch am Sonntag aufgehört zu rauchen - gut, ne?). Am Dienstag Abend hatte ich Lust auf ein Gläschen Wein - es wurden dann wieder mehr und ich geisterte wieder nachts herum.
Gestern hab ich dann nix getrunken.
Warum hab ich solche Lust und warum hab ich, wenn ich nichts trinke, keine Entzugserscheinungen, obwohl ich ja schon seit 3 Jahren JEDEN Abend trinke? Ist doch paradox, oder?
Danke fürs Lesen und ich hoffe auf ein paar Antworten von Euch!
Liebe Grüße
Tanja