Was verstehe ich unter einer Langzeittherapie ?

  • Hallo Ihrs,


    wäre schön, wenn mir jemand erklären könnte, was genau eine Langzeittherapie bedeutet. Was dort so alles gemacht wird und was sie so bewirkt hat. War es die richtige Entscheidung dafür. Mir ist klar, dass das eigentlich jeder für sich entscheiden muss und jeder anders empfindet.


    Es ist im Gespräch, dass mein LG in eine Langzeittherapie von 18 Monaten gehen soll. Dort käme er dann in ein betreutes Wohnen.


    Er war schon mal für 11 Monate in einer kleinen betreuten Wohngemeinschaft.


    Grüßle
    Diandra

    Mögen alle meine Fehler sich auf ihre Plätze begeben und möglichst wenig Lärm dabei machen.


    Überwältigend was geschehen kann,
    wenn sich die Fingerspitzen zweier Menschen
    ganz leicht berühren,
    am richtigen Ort
    und zur rechten Zeit!

  • Hallo Diandra,


    ich habe keine Therapie gemacht und kann Dir darum aus eigenen Erfahrungen nichts berichten.
    Um das Thema richtig einzuordnen, damit es auch gefunden wird, habe ich es in den richtigen Bereich verschoben.

  • Hallo Diandra,


    ich kopier Dir mal ein paar Auszüge aus meiner HP hier rein; zur Langzeittherapie war ich bis April 2002....


    Die "Erfolgsquote" bei der reinen Entgiftung beträgt etwa 5 - 10 %. Kein Wunder, dass viele wieder rückfällig werden, weil es in den drei Wochen, die die Entgiftung dauert, einfach unmöglich ist, die ganze Tiefe der Psyche und die Gründe für die Abhängigkeit zu durchleuchten.


    Hierfür ist nun die EWB (Entwöhnungsbehandlung) gedacht, die in der Regel 16 Wochen dauert. Sie muß beim zuständigen Rententräger beantragt werden (LVA oder BfA, Knappschaft o.a.). Vorab empfiehlt es sich, eine Suchtberatung aufzusuchen, die einem dabei hilft und auch den nötigen Sozialbericht anfertigt.
    Viele werden jetzt vielleicht erschrecken und sagen "16 Wochen??? Viiiel zu lange!" Aber die Zeit ist einfach nötig, um sich richtig im Klaren darüber zu werden, warum man abhängig geworden ist, was die inneren Ursachen dafür sind - und um an diesen Ursachen zu arbeiten! Weiterhin wird in der EWB, die auch Reha genannt wird, daran gearbeitet, wieder ins normale Leben zurückzukehren und selbständig zu werden.


    Wer jetzt denkt, daß eine Reha eine Art Kur ist, in der man die Ärzte und Therapeuten "machen läßt", irrt gewaltig. Den größten Teil der Arbeit an sich macht man nämlich SELBST! Therapeuten und Psychologen "schubsen" einen in die richtige Richtung, sodass man selbst erkennt, was schief gelaufen ist - und das kann verdammt weh tun. Das hat etwas mit Tiefenpsychiologie zu tun, und mancher scheut sich, die "Leichen in seinem Keller" auszugraben. Menschen, die sich dagegen sperren, die nicht zulassen, daß in ihrer Seele herumgestochert wird, werden eher wieder rückfällig, das ist ein Fakt. Das Geheimnis einer erfolgreichen EWB besteht u.a. darin, mit den Therapeuten zusammenzuarbeiten. Das heisst auch mal, private Dinge zu erzählen, von denen man meint, dass sie niemanden etwas angehen. Keine Sorge, das Personal hat absolute Schweigepflicht! Noch mehr als Allgemeinmediziner sogar. Alkoholabhängige wurden aufgrund ihrer Krankheit ja nicht selten straffällig, und auch diese Dinge kann man in der Reha loswerden.


    Vielleicht verstehst Du jetzt ein wenig, warum etwa 3 Monate nötig sind.....aber es lohnt sich. Knapp die Hälfte der EWB-Klientel bleiben danach dauerhaft trocken!


    Mir selbst hat die Reha geholfen, über mich selbst nachzudenken und Verhaltens- und Denkweisen, die zur Abhängigkeit geführt haben, abzustellen bzw. zu ändern. Frag mich nicht, wie viele Nächte ich schlaflos dagelegen habe und mich über mich selber geärgert habe, weil ich so viel falsch gemacht hatte! Doch das "Tal der Tränen" muss sein, und es muss meiner Meinung nach auch weh tun. Jeder macht seine eigenen Erfahrungen und hat eine andere Vorgeschichte, klar. Doch um herauszufinden, was mit einem los ist (und wenn nötig ändern), ist die EWB das Richtige.


    Ich hoffe Dir etwas helfen zu können.....


    LG Ralf

  • Hallo Diandra,
    eine Langzeittherapie geht im Schnitt über einen Zeitraum von 16 Wochen.Hängt widerum von der Entscheidung Deiner LVA ab für welchen Zeitraum bewilligt wird.Mir wurden 16 Wochen bewilligt.Die Frage was alles dort geschieht,ist nicht ganz so einfach zu beantworten,da es von den verschiedenen Einrichtungen gehandhabt wird.Ich habe meine Therapie vor über 1,5 Jahren in Dortmund Aplerbeck durch gezogen.(dort hatte ich auch die Qualifizierte Entgiftung.)Der Tagesablauf war zwar straff durch organisiert aber nie so,dass es stressig wurde.2 mal die Woche hatten wir in einer großen Gruppe gespräche und dann 2 mal die Woche noch einmal in einer kleineren Gruppe.Pro Gruppe waren es ca.10 Abhängige.Gruppen gab es zwei.Weiter gab in der Woch Sport und Gymnastik.Nachmittags stand täglich Arbeitstherapie auf dem Plan.Hört sich etwas kritisch an,war aber voll cool.Ab 18.Uhr war dann freizeit,die jeder für sich selbst einteilen konnte.
    Das soll jetzt nur ein kleiner Überblick darüber sein.Die Frage was die Therapie gebracht hat ist einfach zu beantworten.Ich bereue keinen einzigen Tag davon.Ich glaube es war die wichtigste und die beste Entscheidung die ich in meinem Leben getroffen habe.
    Lg. Rene

  • Hallo fiftyniner,
    hallo rednaz,


    ich danke Euch für Eure Antworten. Damit habe ich schon einen kleinen Überblick gewonnen und 16 Wochen klingen auch nicht so erschreckend wie 18 Monate WG in einem Haus wo mein Partner ein "strukturiertes Leben" lernen soll. Sprich: Früh aufstehen, Frühstücken, gewisse Hausarbeiten erledigen, evtl. Einkäufe und dazwischen dann halt Gruppen besuchen und eine Therapie machen und sich mit Behörden usw. auseinandersetzen.
    Das sind alles Dinge, die er zu Hause immer gemacht hat. Wenn er das in der WG macht, heißt es zu lernen wie man sich den Tag einteilt. Wenn er das zu Hause macht, heißt es sie funktionieren ja nur noch wie ein Roboter. Es gibt so einige Dinge, die sich irgendwie widersprechen.
    Was mich aber wirklich ärgert ist einfach die Tatsache, dass obwohl Betreuer, Psychologe usw. genau wissen, dass wir daran arbeiten auch weiterhin eine Familie zu bleiben, sich niemand bemüht, wenigstens 1 x mit einem zu sprechen um zu sehen - mit wem haben wir es denn da überhaupt zu tun. Um es ganz krass auszudrücken, Familie ist schlecht - nur in der WG kann er wieder zufrieden werden.


    Fakt ist aber auch: In den beiden Häusern, die vorgeschlagen wurden ist die Rückfallquote nicht gerade gering. Somit erscheint mir dieses Konzept auch nicht gerade das "gelbe" vom Ei.


    Grüßle
    Diandra

    Mögen alle meine Fehler sich auf ihre Plätze begeben und möglichst wenig Lärm dabei machen.


    Überwältigend was geschehen kann,
    wenn sich die Fingerspitzen zweier Menschen
    ganz leicht berühren,
    am richtigen Ort
    und zur rechten Zeit!

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