Alkoholiker-Alkoholkrank...das schlimme Wort??

  • Hallo,
    lese hier oft, bin ich schon Alkoholiker, bin ich alkoholkrank?

    Diese Frage muss ja jeder für sich beantworten...darum geht es mir eigentlich hier nicht. Was mich besonders erstaunt, ist die Angst, zu sagen:Ich bin Alkoholiker !
    Und zwar deswegen, weil Alkolismus eine Krankheit ist, die jeden treffen kann. Man darf sich nicht dafür schämen! Und man muss anderen klarmachen, das es sich um eine chronische Erkrankung handelt. Ich hab noch nie gehört, das ein Diabetiker oder ein Rheumakranker seine Krankheit zu verheimlichen versucht. Alkoholiker sollten das auch nicht tun. Niemand soll damit hausieren gehen, wenn er es nicht will, Diabetiker sagen ja auch nicht zu Beginn eines Gesprächs: Ich bin der Hans und Diabetiker! Aber wenn man in die Situation kommt, wo man es besser sagen sollte, sollte man das dann auch tun.Das ist meine Meinung, denn ich glaube, nur so kann man auf lange Sicht eine Änderung in der Gesellschaft bezüglich des Alkoholismus bewirken.

    Liege ich hier jetzt vollkommen falsch? Wie seht ihr das so? Diese Frage geht wohl hauptsächlich an trockene Alkoholiker...aber auch an alle anderen die darauf antworten mögen.

    Die Lilly

  • Guten Morgen Lilly,

    ich sehe es auch so, dass es zunächst einmal das wichtigste ist, dass ich persönlich zu meiner Krankheit stehe.
    Wenn ich mir auch kein Schild um den Hals hänge, so wissen es viele "wichtige" Leute aus meinem Umfeld und schämen tue ich mich mit Sicherheit nicht mehr dafür.

    Auch wenn mein Arzt mich nun lange genug kennt und mich auch unterstützt hat sag ich immer, wenn er etwas aufschreibt: Denken Sie dran, dass ich Alkoholiker bin. Er schmunzelt da des öfteren, aber da kann man meiner Meinung nach gar nicht vorsichtig genug sein. In der Apotheke sagich es natürlich auch.

    Ansonsten reicht auch bei mir der Satz, ich trinke nicht !!

    Zitat

    Aber wenn man in die Situation kommt, wo man es besser sagen sollte, sollte man das dann auch tun

    Wie auch immer so eine Situation aussehen könnte, würde ich es ohne wenn und aber tun.

    Gruss Joachim

  • Hallo Lilly,

    also ich kann natürlich nur aus meiner jetzigen Sicht dazu Stellung beziehen. Ich bin heute, den 26 Tag "trocken".

    Also noch ein Youngster.
    Ich bin alkoholkrank, ja das weiß ich, also bin ich Alkoholikerin.

    Alkoholkrank, mit diesem Wort habe ich noch immer meine Probleme.
    Krank, ist für mich jeder, der nicht selbst verantwortlich ist dafür.
    Diabetiker, Herz, Krebs, us.w. -
    Gut, mittlerweile beginne ich auch den Begriff alkoholkrank zu akzeptieren. Aber ist das in unserer Gesellschaft so ? Das hat doch immer noch so einen "Hauch" von asozial, Penner, einfach "schwache Menschen", die man gerne auch heute noch ausgrenzt.

    Und da liegt nach meiner Meinung das Problem,keiner möchte zu dieser Gruppierung zählen.

    Das es heute mittlerweilen in "allen Schichten" vorkommt, wird gerne verschwiegen.

    Ich bin in einer SHG. Und noch heute, ist es mir peinlich wenn ich sage:
    Ich heiße Christel, ich bin Alkoholikerin. Ich würde immer noch am liebsten in einem Erdloch verschwinden.-

    Ich bin nicht mehr berufstätig, meine Mini-Familie besteht "nur" aus 2 Menschen, der Kontakt meistens telefonisch.
    Meine Tochter kennt meine Probl. aus der Vergangenheit, heute fragt sie schon lange nicht mehr nach. Sie lebt ihr eigenes Leben und ich meines. Warum soll ich sie damit belasten ?

    Ich bin ehrlich zu mir, und das reicht mir.

    Ich könnte mir vorstellen, daß jemand der schon "lange" trocken ist und lebt, offener damit umgeht. Ihn trägt schon eine gewisse Sicherheit, Abgeklärtheit und Gelassenheit, die uns "NEUEN" noch fehlt.

    Ich bin auf dem Weg.

    Liebe Grüße,
    rose1412

  • Hallo noch mal zurück,

    ich merk gerade, wie sehr mich das Thema beschäftigt.

    Ich habe demnächst wieder eine OP vor mir.

    Bei der letzten, sprach mich der Narkosearzt nach der OP an, ob ich Schmerzmedikamente nehmen würde, die ich bei dem Aufklärungsgespräch verschwiegen hätte.- Nein, habe ich nicht, gesagt aber, daß ich alkoholkrank bin, aber auch nicht.- Für die Narkose mußte deutlich höher dosiert werden.-
    Auch die Schmerzmedikamente nach der OP halfen in Normaldosierung nicht!
    Ja, so werde ich demnächst, zum ersten Mal "öffentlich" sagen: Ich bin alkoholkrank.

    Gr., rose1412

  • Hallo,

    noch eine kleine Anmerkung, weil ich denke, dass sie hier zum Thema passt.

    Ich persönlich habe in meinen Ausweisunterlagen so einen kleinen Notfallpass, für den Fall, dass ich einen Unfall haben sollte.
    Dort könnte ein Notarzt, so ich denn nicht in der Lage wäre es ihm selbst zu erzählen, sehen, dass ich Alkoholiker bin.

    Gruss Joachim

  • Zitat von Joachim

    Ich persönlich habe in meinen Ausweisunterlagen so einen kleinen Notfallpass, für den Fall, dass ich einen Unfall haben sollte.

    Das ist ja eine großartige Idee! Wo bekommt man diesen Paß? Ich habe immer Angst, dass mir mal was passiert und ich nicht sagen kann, dass ich Alkoholikerin bin.

    Ich habe inzwischen auch kein Problem damit zu sagen, dass ich Alkoholikerin bin. Zum Anfang war es mir selbst befremdlich. Nun nicht mehr. Hausieren gehen ich damit nicht. Warum auch?

  • Hallo Teufelchen,

    so einen "Pass" gab´s in der Suchtklinik.
    Erklär ich gern mal gesondert.
    Ich will hier aber nicht zu sehr von Lillys ursprünglicher Frage abweichen.

    Gruss Joachim

  • Zitat von rose1412

    Hallo Lilly,
    Gut, mittlerweile beginne ich auch den Begriff alkoholkrank zu akzeptieren. Aber ist das in unserer Gesellschaft so ? Das hat doch immer noch so einen "Hauch" von asozial, Penner, einfach "schwache Menschen", die man gerne auch heute noch ausgrenzt.

    Und da liegt nach meiner Meinung das Problem,keiner möchte zu dieser Gruppierung zählen.

    Das es heute mittlerweilen in "allen Schichten" vorkommt, wird gerne verschwiegen.

    Liebe Grüße,
    rose1412

    Ja, rose
    dieser Hauch von Penner oder asozial und schwach, der ärgert mich eigentlich besonders. Dabei gibt es Alkoholiker in allen Berufen und Gesellschaftsschichten. Das muss der "Gesellschaft" klar gemacht werden, finde ich. Ich zum Beispiel bin kein Penner oder asozial, habe zeitlebends gearbeitet als Konstrukteurin und gelte eigentlich als willensstark bis dickköpfig...und trotzdem bin ich abhängig geworden !
    Es kann jedem passieren...
    Ich lass mich nicht ausgrenzen,pöh, denk gar nicht dran...! Aber vor 2 oder 3 Jahren hab ich mich auch geschämt, das mir das passiert ist. Heute wehre ich mich dagegen und dieses Forum hier bestärkt mich darin.
    Außerdem überlege ich gerade, woher ich so einen Notfallpass bekomme oder ob man sich selber sowas anfertigt. Könnte man ja auch machen, eine Art Formular erstellen, in Folie einschweissen und in die Papiere reinlegen, das er unübersehbar ist. Ich werd sowas auf jeden Fall machen, da hab ich noch gar nicht so dran gedacht...das einem mal was passieren könnte und man kann nix mehr sagen. Böse Falle !

    Die Lilly

  • Hallo Lilly,

    dann doch noch kurz zu dem "Pass".
    Wir haben in der Klinik zwar so etwas bekommen, aber mit einem anderen Hintergrund.
    Ich hab mir das quasi selber "gebastelt".
    Also einen Zettel wo vorne drauf steht: Wichtige Information für den Arzt/Notarzt. Drinnen steht neben meinen persönlichen Daten und wer zu verständigen ist (incl. Tel.Nr) , dass ich trockener Alkoholiker bin. Ebenso die Daten meines Hausarztes und zusätzlich die Daten meiner Suchtberatungsstelle.
    Das habe ich immer bei meinen Ausweisunterlagen.
    Das mit dem Einschweissen lassen ist übrigens auch ne gute Idee. :wink:
    Ich hoffe, es nie zu brauchen, aber man kann ja nie vorsichtig genug sein !!

    LG Joachim

  • Hallo Joachim,
    ja, sowas fertige ich mir auch an, am WE .
    Dann hab ich Zeit und schreibe auch so die Daten auf, wie Du es gemacht ahst, Super-Idee !!!

    Die Lilly

  • Hallo henri,

    ich könnte mir vorstellen, dass es unter Umständen von Relevanz ist, wenn Medikamente verabreicht werden müssten. Spätestens im Krankenhaus sollte ein Arzt diese Information haben.
    Das lebensrettende Massnahmen Vorrang haben, davon gehe ich aus.
    Wie gesagt, ich hoffe nie in eine solche Sitution zu kommen, aber schaden kann es meiner Meinung nach zumindestens nicht.

    Gruss Joachim

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