Mein Vater, der Alkohol und ich

  • Hallo Morgaine,
    deine Worte: "Mein Vater war Alkoholiker. Er war ein einsamer, unglücklicher und verzweifelter Mensch. Er war aber auch mein Vater, der mich geliebt hat und viele Dinge für mich getan hat."
    Sind das nicht Gründe einem Menschen, seinem eigenen Vater, selbst für eine missratene Kindheit zu verzeihen.
    Es ist im Nachhinein nur eben traurig, dass man als Kind nicht in der Lage war, ihm zu helfen. Ich kenne das.
    Oder wofür und warum verspürst du Hass ?
    Sicherlich ist einem der Alkohol bedeutet näher, wenn er in der Familie immer im Vordergrund stand.
    Aber: Du schreibst, du bist seit über einem Jahr trocken, hast einen Sohn, den du liebst und das ist Grund genug, es besser zu machen und den Alkohol für immer aus deinem Leben zu streichen.
    Was spricht dagegen, du schaffst es. -
    LG., Freund.

  • Hallo Morgaine

    Hass, Liebe, Unverständnis, Angst, alles Gefühle, die du deinem Vater gegenüber nicht richtig einordnen kannst. Es war ganz sicher keine schöne Kindheit, die du hattest. Hast du auch schon mal überlegt, wie dein Vater sich in all den Jahren gefühlt hat. Nur weil er getrunken hat, trinken musste, hat er dich doch nicht weniger geliebt. Hat er es nur durch sein trinken nicht so zeigen können? Okay, du hast dich oft für ihn geschämt, aber wenn du ganz tief in dich hineinhörst, dann merkst du doch, dass du ihn im Grunde deines Herzens doch geliebt hast und immer noch liebst, sonst ergibt manches was du schreibst keinen Sinn.

    Vielleicht solltest du auch mal überlegen, ob er eine reelle Chance hatte, mit trinken aufzuhören, hat er diese Chance bekommen?. Nicht jeder hat das Glück, dass er zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Leute trifft, die ihm die richtige Hilfe anbieten. Du weißt selbst, wie schwer es ist, vom Alkohol wegzukommen. Weil er es nicht geschafft hat oder auch nicht versucht hat, ist jedenfalls kein Grund, ihn zu verurteilen. Was also bleibt, ist das Gefühl, vom Leben ungerecht behandelt worden zu sein. Bist du das tatsächlich? Wenn ja, kann dein Vater das dann nicht auch sagen?

    Lieben und auch nachdenklichen Gruß
    Henri

  • Hallo Morgaine

    Mit reelle Chance meine ich folgendes. Mir hat z.B. jemand den berühmten Tritt in den Hintern gegeben, sonst würde ich vermutlich heute noch trinken. Dann hatte ich Menschen, die mir geholfen haben. Für einen Alkoholiker ist es schwer von dieser „Gewohnheit“ Trinken wegzukommen, das wirst du bestätigen können. Hat dein Vater auch solche Leute gehabt? Vermutlich nicht, oder sie haben nicht mit genug Nachdruck mit ihm geredet oder, oder, oder. Finanziell hatte er auch keine so großen Sorgen. Warum sollte er also aufhören? Können wir wissen, was er gefühlt hat und wie ihm zumute war. Hat er überhaupt gemerkt, was er euch angetan hat?

    Ich habe eine Chance bekommen, hat er auch eine bekommen? Das habe ich damit gemeint.

    Lieben Gruß
    Henri

  • Hallo morgaine

    Wobei wir jetzt bei der Frage sind, was wäre wenn. Was wäre gewesen, wenn du als Kind mehr Zuneigung bekommen hättest? Was wäre gewesen, wenn dein Vater nicht getrunken hätte? Was wäre gewesen, wenn deine Mutter sich anders verhalten hätte? Ist es nicht reine Spekulation, wenn wir versuchen, diese Fragen zu beantworten.

    Es ist auch Spekulation, aber ich stelle die These einfach mal in den Raum. Durch deine Kindheit und das, was du damals erlebt hast, hat dazu beigetragen, dass du selbst vom Alkohol wieder weggekommen bist und deinem Sohn eine solche Kindheit erspart bleibt. Also war doch nicht alles so ohne Sinn?

    Versuche es, aus dieser Richtung zu sehen, vielleicht kannst du dann doch Frieden mit deiner Vergangenheit schließen, wünsche es dir von Herzen.

    Lieben Gruß
    Henri

  • Hallo morgaine

    Ohne Zweifel hätte deine Kindheit für dich besser laufen können, besser laufen müssen. Antworten, warum es nicht anders hätte sein können oder wer versagt hat, wirst du keine finden. Versuche aber zumindest, was deine Kindheit anbelangt ein schwarz-weißes Denken zu vermeiden. In allem Schlechten wirst du auch immer etwas Positives finden.

    Du wärst nicht die Persönlichkeit, die Morgaine von heute, wenn das nicht alles in der Kindheit passiert wäre. Bist du heute unglücklich? Ich glaube nicht. Versuche einfach für dich zu akzeptieren, dass du nichts daran ändern kannst. Wird nicht leicht sein, aber versuch es trotzdem.

    Lieben Gruß
    Henri

  • Hallo morgaine

    Mit "in allem Schlechten wirst du auch immer etwas Positives finden", meine ich, du hast in deiner Kindheit diese traurigen Erfahrungen gemacht. Das denke ich, hat dir geholfen, später selbst vom Alkohol wegzukommen, deinem Sohn das nicht das anzutun, was du selbst erlebt hast, also war etwas Positives dabei. Das hat mit Schönrederei nichts zu tun.

    Es wird auch nie das absolut Schlechte oder Gute geben, eine Steigerung ist immer möglich und es gibt auch ein Dazwischen Es gibt auch nicht den absolut besten Partner, was wäre das langweilig, wenn der ohne Fehler wäre.

    Lieben Gruß und wünsche dir ein schönes WE
    Henri

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