Mein Vater säuft sich um den Verstand

  • Hallo Sternenlicht und herzlich willkommen

    Verantwortlich ist er alleine für sich und nicht du oder sein Bruder. Du kannst zwar versuchen, ihn von seiner Abhängigkeit zu überzeugen, aber zwingen kannst du ihn zu nichts. Ihr habt bereits soviel versucht und es hat nichts bewirkt. Deshalb versuche zu akzeptieren, dass du ihm nicht helfen kannst und er auch keine Hilfe haben will. Das tut zwar weh, zuzusehen wie der eigene Vater seine Gesundheit ruiniert, andererseits musst du ihm auch zugestehen, sein Leben so zu gestalten wie er will.

    An dich musst du jetzt auch denken. Wenn es dich zu sehr belastet, wenn du mit ihm telefonierst, dann lass es sein und brich den Kontakt ab. Es macht keinen Sinn, dass du dich nervlich fertig machst und ihm letztendlich doch nicht hilfst.

    Viele Grüße
    Henri

  • Hallo Krokodil

    Bei der Alkoholkrankheit kommt es sowohl bei dem Abhängigen als auch bei seinen Bezugspersonen zu einer allmählichen Änderung des Verhaltens. Zuerst wird der Angehörige sich dagegen wehren, ihn als abhängig zu sehen. Er wird nach außen hin alles tun, das trinken zu vertuschen oder zumindest zu verharmlosen. Dabei bleibt es nicht aus, dass er immer mehr Verantwortung des Betroffenen übernimmt und das als selbstverständlich ansieht. Es entsteht nach und nach das so genannte Co-Verhalten. Er wird sein Leben immer mehr nach den Wünschen und Bedürfnissen des Abhängigen einrichten. Das Verhalten des Co wird genauso zwanghaft, wie das des Betroffenen. Das alles geschieht anfangs von beiden unbemerkt.

    Der Abhängige wird sich jetzt nur ändern können, wenn er wieder mit seinen ursprünglichen Aufgaben konfrontiert wird und er die Verantwortung für sich selbst übernehmen muss. Das ist aber jetzt nicht mehr möglich, weil auch die Bezugsperson das Problem unbewusst verdrängt und herunterspielt. Unweigerlich wird dieses Verhalten weitergehen, bis bei einem der beiden die Schmerzgrenze erreicht ist. Entweder hält der Abhängige es körperlich nicht länger aus oder der Co-abhängige hält es psychisch nicht mehr durch. Spätestens jetzt muss der Co sich mit der Krankheit befassen und er muss lernen, dass seine gut gemeinte Hilfe genau das Gegenteil von dem bewirkt, was er eigentlich will. Wenn jetzt von einer Trennung die Rede ist, dann wird damit die Voraussetzug geschaffen, dass der Abhängige seine Probleme sieht, selbst anpacken und lösen muss. Es ist gleichzeitig die Basis, um aus diesem Teufelskreis herauszukommen. Nun erst kann auch der Co ihm wieder behilflich sein, darf dabei aber nicht mehr in seine alten Verhaltensmuster fallen.

    Die Trennung ist also kein fallenlassen des Betroffenen, sondern ein „Helfen durch „Nichthilfe“. Wenn hier im Forum von Trennung die Rede ist, dann ist damit meistens auch nur eine zeitliche und/oder räumliche Trennung gemeint.

    Es kann allerdings keine Garantie geben, dass eine Trennung immer zum Erfolg führt. Deshalb kann auch niemand ein Vorwurf gemacht werden, der eine Trennung nicht in Betracht zieht. Wenn der Betroffene an den Folgen seines Trinkens stirbt, werden die Angehörigen sich immer vorwerfen, Fehler gemacht zu haben. Ob es durch ein anderes Verhalten nicht zu diesem Ende gekommen wäre, bleibt dabei aber immer reine Spekulation. Die Einsicht, machtlos gegen diese Krankheit gewesen zu sein hilft, sich selbst keine Vorwürfe zu machen, aber einen lieben Menschen an den Alkohol verloren zu haben, macht doch sehr traurig.

    Gruß Henri

  • Hallo kleines Krokodil

    In dem anderen Thread habe ich von dir und deinem Schicksal gelesen. Als erstes möchte ich dir mein Beileid zum Tode deines Vaters aussprechen.

    Für dich gab es keine Chance, deinem Vater zu helfen. Du hast alles dir mögliche getan und eine Trennung hätte nichts bewirkt, da gebe ich dir Recht. Es gibt keinen Grund, dass du dir Vorwürfe machen müsstest, im Gegenteil, du hast mehr getan, als gut für dich war. Es geht nicht nur darum, dem Abhängigen helfen zu wollen, sondern es besteht auch die Verpflichtung, an sich und seine eigene Gesundheit zu denken.

    Nochmal, du konntest nicht mehr für deinen Vater tun. Und, bleib so wie du bist, du bist in Ordnung.

    Wünsche dir alles Gute
    Henri

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