hallo,
muss mir mal wieder ein bisschen von der seele schreiben. mein mann war in der klinik und hat einen dreiwöchigen entzug gemacht. das war 2010. letztes jahr im sommer hatte er einen rückfall, hat aber seine therapie und die ambulante reha weiter fortgesetzt. es folgten viele viele weitere rückfälle, große und kleine "ausrutscher", jede menge misstrauen und schließlich sein heimlicher abbruch der reha-maßnahme.
ich habe oft daran gedacht, ihn zu verlassen und mit unseren kindern einfach nochmal von vorn anzufangen. das kann ich aber nicht. er war nie gewalttätig oder sonderlich agressiv. wenn er getrunken hat, ist er lethargisch und müde und steht irgendwie neben sich. ich weiß, dass er auch jetzt wieder trinkt. zwar nicht mehr soviel wie zu seinen schlimmsten zeiten, aber immer mal wieder. und es sprechen mich auch immer wieder freunde oder familienangehörige darauf an, dass er nach alk gerochen hätte. das nervt. ich will mir den schuh einfach nicht mehr anziehen und habe allen gesagt, dass sie ihn bitte selbst und direkt ansprechen sollen, wenn sie einen verdacht haben. ich selber habe aufgrund einer erkrankung in früher kindheit keinen geruchssinn mehr. aber ich weiß es auch so. ich merke es an seinem verhalten wenn er getrunken hat und ich habe ihn auch das eine oder andere mal gesehen oder zumindest die spuren davon. ich habe ihn letztens darauf angesprochen und er hat es zugegeben. das schlimme fand ich auch garnicht das trinken an sich, sondern die heimlichtuerei und die lügen bzw. dieses zwanghafte bedürfnis, mich für blöd verkaufen zu wollen. was er mir schon für tolle geschichten aufgetischt hat, die gebrüder grimm wären blass vor neid geworden. es war seine entscheidung, offen mit seiner sucht umzugehen. also wissen alle von der familie und auch viele freunde bescheid. und, man kennt das ja, jeder fühlt sich plötzlich zum hobbydetektiv berufen und meint, mir etwas gutes zu tun, wenn er mir hinter vorgehaltener hand steckt, mein mann hätte "gerochen". ich will das nicht mehr. sollen sie es ihm direkt sagen, ich weiß es ohnehin. ich bin ja nicht bescheuert.
zuerst habe ich ihn immer verteidigt so nach dem motto: "das kann nicht sein. er macht ja die reha und da würde sofort auffliegen, wenn er wieder trinkt." "er ist seit ... trocken und das glaube ich ihm auch." ich hab das jetzt aufgegeben. ich sehe es nicht ein, jetzt auch noch mit diesen lügen anzufangen. nützt ja auch keinem was. die leute denken sich dann nur: "ach gott, die arme. er hintergeht sie die ganze zeit und sie glaubt ihm und verteidigt ihn auch noch." ich habe ein langes gespräch mit ihm geführt und ihm gesagt, dass ich ihm absolut garnichts mehr in dieser hinsicht glaube, dass ich weiß, dass er trinkt und, dass ich nicht mehr für ihn lügen werde. ich denke, das ist für alle beteiligten das beste. ich habe ihm auch gesagt, dass ich einen termin bei einer eheberatung machen werde. damit war er einverstanden. anders sehe ich auch keine chance für uns. das vetrauen liegt irgendwo auf dem müll und muss jetzt mühsam zusammengeflickt werden. ich liebe ihn und unsere kinder und ich will wieder ein normales leben führen. und ich glaube, so schaffen wir es auch. hoffentlich...