Hallo,
mein Name ist Anina und ich bin 24 Jahre alt.
Ich weis derzeit nicht weiter und muss daher irgendwo einmal alles los werden wo andere die eventuell das gleiche durchmachen mir vielleicht helfen koennen oder wissen, wie man sich verhalten soll in so einer Situation.
Bestimmt habt ihr alle diese ganzen Geschichten schon einmal gehoert, ich hoffe trotzdem das einige mir vielleicht antworten und was dazu sagen. Hier meine Geschichte:
Mein Vater ist seit Jahren Alkoholiker. Ich habe es aber erst vor einigen Jahren so wirklich mitbekommen. Weil er sich veraendert hat und meine Mum mit mir darueber geredet hat, weil sie jemanden brauchte.
Er hat damit vor etwa 17 Jahren angefangen. Damals laut meiner Mum hat er auch noch hartes Zeug getrunken (Whiskey etc). Das macht er seit ein paar Jahren nicht mehr. Er trinkt nur Wein, Sekt und Bier. Hauptsaechlich Sekt und Wein. Richtig schlimm auch gesundheitlich ist es seit knapp 3 Jahren. Er war seit dem auch um die 5-6 mal im Krankenhaus und hat auch schon bis an die 3 Monate geschafft trocken zu sein. Wenn er im Krankenhaus war, hat er geweint und realisiert was er tut und was er sich damit antut aber das ist wieder verschwunden nachdem er wieder angefangen hat. Beim letzten Krankenhausaufenthalt wurde ihm gesagt, das ihn nur noch eine Lebertransplantation rettet aber er dafuer mind. 9 Monate trocken sein muss, um eine Spenderleber zu bekommen. Das ist jetzt in etwa 6-7 Monate her.
Er hat es aber nicht geschafft, was ich auch schon vorher wusste. Er sagte damals zum Arzt er schafft es alleine trocken zu werden, aber alle haben ihm gesagt das er es nicht schaffen wird. Nun ja, jetzt trinkt er wieder seit knapp 3 Monaten, er faengt morgens damit an und es sind dann so ca. 3 Liter Sekt am Tag. Mal mehr mal weniger. Am Anfang der letzten drei Monate hat er es noch verheimlicht. Aber meine Mum hat es immer mit gekriegt aber fast nie etwas gesagt. Inzwischen ist es wieder so, dass er vor meiner Mum trinkt und vor uns Kindern nur manchmal.
Mein Vater denkt, es ist allein sein Problem und wir sollen uns alle (wir sind drei Kinder - 17, 21 und 24 -) um unser eigenes Leben kuemmern. Er sieht nicht was er uns damit antut und wie sehr wir darunter leiden.
Er wechselt staendig seine Aerzte weil jedesmal wenn ein Arzt ihm die Lage dalegt will er es nicht hoeren und sagt die haben keine Ahnung. Zudem sollte ich vielleicht auch noch erwaehnen das er erbbedingte Diabetis hat, was noch dazu kommt bezueglich der Arztbesuche. Mein Vater scheucht meine Mama zu jedem Arzt bezueglich seines Insolins, Rezepte abholen usw. Sie muss alles fuer ihn tun. Wenn meine Mama Termine vereinbart, nimmt mein Vater nie einen Termin wahr. Die meisten Aerzte wollen ihn schon garnicht mehr als Patient. Meine Mama versucht sich abzulenken, aber das klappt nicht wirklich. Sie ist nicht stark genug um zu gehen. Wenn mein Vater sehen wuerde wir sehr wir ihm alle helfen um alles ueber Wasser zu halten, wuerde er vielleicht ganz anders denken. Wenn meine Mama ihn drauf anspricht, dann wird er laut und aggressiv (nicht handgreiflich), er wechselt das Thema oder sie streiten sich lautstark oder er haut ab ueber Nacht und schlaeft in der Firma. Und am naechsten Tag ist fuer ihn alles so als waere nichts passiert und er wundert sich warum meine Mum so schlecht drauf ist und kaum redet. Er vergisst all die Sachen. Meine Mama nimmt alles so hin und versucht ihr Leben weiter zu leben, aber sie ist dadurch ziemlich uebellaunig und hat zu nichts mehr Lust und wenn ich dann mit ihr was machen will, dann wird mein Vater zum Kontrolleur, er will wissen wo wir sind, wann wir wieder kommen usw. Es ist so anstrengend... Dazu kommt noch, das mein Papa wenn er getrunken hat ab und an dann doch noch Beduerfnisse hat und bei meiner Mama ankommt und die abblockt, und dann denkt er sie haette einen anderen... Mir und meiner Mum hoert er schon garnicht mehr zu wenn wir ihn drauf ansprechen, Sprueche ignoriert er. Der einzige bei dem er ein bisschen zu hoert ist mein Bruder. Aber auch bei dem sagt er danach, er solle sich um sein Leben kuemmern.
Mein Vater ist nie betrunken, sein Koerper hat einen staetigen Alkoholpegel den er halten muss. Aber er lallt nicht und hat auch kein Problem mit seinem Gleichgewicht.
Er hat so oft Schmerzen, welche wir wissen von dem Alkoholkonsum kommen, seine Organe, sein Herz alles tut ihm weh. Er wendet das ab indem er sich staendig einredet, er haette was falsche gegessen oder falsch gelegen oder anderes. Sobald er nichts trinkt, hat er Schmerzen und dann trinkt er um die Schmerzen zu betaeuben, was auch gelingt aber dann ist er anders drauf und wundert sich wie wir reagieren.
Er nimmt viele Tabletten auch aufgrund der Diabetis, aber ein befreundeter Arzt sagte uns, dass einige der Medikamente nicht lange die Arbeit uebernehmen wuerden und er bald wieder an den Punkt kommen sollte das er von sich aus ins Krankenhaus geht. Auf diesen Punkt geb ich ehrlich zu warte ich schon so lange. Weil es so nicht weitergeht.
Viele Fragen sich jetzt vielleicht, wie das in seinem Job ist. Er ist kein Angesteller. Wir haben eine eigene Firma und er ist der Chef. Heisst er kommt und geht wann er will. Aber durch seinen Alkoholkonsum faehrt er die Firma gegen die Wand. Er ist unzuverlaessig, nimmt oefters keine Termine mehr war. Schiebt seinen Papierkram solange vor sich hin, dass die Kunden nicht laenger warten wollen und die Auftraege anderweitig vergeben. (Wir sind eine kleine Firma, Chef, ich im Buero die alles andere macht ausser was mein Vater nicht macht/kann und drei Angestellte die auf Montage sind.) Da mein Bruder noch nicht mit seiner Meisterschule fertig ist und keine Erfahrungen hat um komplett alle Arbeiten meines Vaters zu uebernehmen, habe ich die Befuerchtung das es nicht lange mehr weiter geht. Leider verlieren wir in letzter Zeit oefters Kunden weil mein Vater fuer die Kunden nicht erreichbar ist und ich ihn leider nicht ersetzen kann. Alle Angestellten wissen ueber die Situation Bescheid und helfen wo sie koennen, aber durch die Entscheidungskraft meines Vaters funktioniert eben nicht alles.
Ich arbeite in seiner Firma seit 4 Jahren. Da ich das nicht fuer immer machen wollte, habe ich mich letztes Jahr fuer einen anderen Job beworben und den auch bekommen aber aufgrund der Bitte meines Vaters nicht angenommen. Und ich bring es nicht uebers Herz in im Stich zu lassen, weil ich die Hoffnung habe das wir den Betrieb mit eintreten meines Bruder retten koennen.
Wenn wir Essen gehen zu besonderen Anlaessen oder so dann bestellt er uns allen auch immer alkoholische Getraenke und wir sagen, dass wir das nicht trinken und er ist dann schlecht gelaunt weil wir das nicht annehmen.
Ich trinke seit ein paar Monaten kein Alkohol mehr aus dem Grund ihm zu zeigen dass es auch ohne geht. Aber wie alles andere sieht er das auch nicht.
Derzeit leben wir alle nach meinem Dad. An erster Stelle kommt er.
Ich hab meinen Dad lieb ich wuerde alles fuer ihn tun, wenn er zur Vernunft kommen wuerde. Und er sieht das alles aber nicht.
Ich hab jetzt viel durcheinander geschrieben. Ich hoffe nicht zu viel.
Vielleicht hat ja jemand so eine aehnliche Situation und kann mir vlt Tipps geben, wie man meinen Vater ueberzeugen kann dass er ein Problem hat und er in eine mehrwoechige Therapie muss ansonsten lebt er nicht mehr lange.
Vielen Dank fuers Zuhoeren.
LG Anina
( Es ist alles ein ewiger Kreislauf )