gelähmt beim zusehen des verfalls meines bruders

  • Moin Lotta,

    das hört sich ja wirklich schlimm und lebensbedrohend an.
    Ich gehe davon aus, dass dein Bruder volljährig ist und daher vom Gesetz für sein Leben selbst verantwortlich ist.
    Wie du es schilderst, sehe ich da die einzige Möglichkeit, dass er in einem Krankenhaus einen Entzug macht und dann möglichst schnell in eine Langzeittherapie wechselt. Leider ist es aber so, dass ohne die Einsicht und den absoluten Willen des Selbstbetroffenen es unmöglich ist, ihn dort hinzubringen und auch sicher zu sein, dass er dort bleibt.
    Da kann man wirklich nur mit der gesamten Familie versuchen, auf ihn positiv einzuwirken. Das kostet natürlich viel Kraft und man darf aber auch nicht verzweifeln, wenn man nicht das bewirkt, was man damit ja möchte. Der Alkoholismus ist eine heimtückische Krankheit, die dem Menschen jede Willenskraft nehmen kann.

    Ich wünsche dir (euch) viel Kraft, deinem Bruder die Augen zu öffnen.

    Gruß, Freund.

  • Hallo Lotta

    Ich kann mich Freund nur anschließen mit einer Ergänzung. Es geht nicht ganz genau aus deinem Beitrag hervor, wie schlimm die Entzugserscheinungen sind. Du schreibst, dass er wirr redet. Wenn das bei ihm früher nicht so deutlich war, dann solltest du den Notarzt rufen, denn dann kann es sich um den Anfang des gefürchteten Delir handeln. Aber, wenn er keine Hilfe will, dann wird nicht viel mehr passieren als früher, er kommt aus dem KH und fängt wieder an zu trinken. Ihr könnt nur versuchen, ihn davon zu überzeugen, dass er einsieht, dass es so nicht weitergehen kann. Wenn ihr damit nichts erreicht, werdet ihr nichts weiter machen können, denn zwingen könnt ihr ihn zu nichts.

    Lieben Gruß
    Henri

  • Hallo lotta

    Das ist doch eine sehr gute Mitteilung. Wenn er freiwillig weitermacht, es also für sich und nicht wegen euch macht, dann hat er den festen Willen sich zu ändern. Vor allem aber hat er sich eingestanden, abhängig zu sein. Das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen um trocken zu werden und auch zu bleiben. Zweites KH, da vermute ich, dass es sich um eine qualifizierte Entgiftung handelt, in der auch Gespräche mit Therapeuten stattfinden. Ein Therapieplatz steht selten so schnell zur Verfügung. Es kann sehr schnell gehen, kann aber auch ein paar Monate dauern. Das wird darauf ankommen, wie dringlich es gemacht wird und ob Therapieplätze in den Kliniken zur Verfügung stehen.

    Lieben Gruß
    Henri

  • Hallo lotta

    Eine Therapie wird bei der Bundesrentenversicherung(LVA, BfA, usw.) beantragt. Der Antrag wird in den meisten Fällen von der Suchtberatung gestellt oder seltener auch vom Gesundheitsamt. Die Suchtberatung fertigt dazu einen Sozialbericht an und fügt auch das Untersuchungsergebnis des Hausarztes bei. Im Fall deines Bruders könnte vielleicht auch eine Bescheinigung des KH ausreichen, wird dir aber die Suchtberatung mitteilen können, ebenso ob du schon einiges für deinen Bruder erledigen kannst. Ob es eine Möglichkeit gibt, deinem Bruder vorrangig einen Therapieplatz zu besorgen, kann ich auch nicht sagen. Es besteht die Möglichkeit, dass jemand seine Therapie nicht antritt und er dann kurzfristig von einem Tag zum anderen dafür einspringen könnte. Zwischen KH und Therapie gibt es aber auch die Möglichkeit, Gespräche mit einem Therapeuten der Suchtberatung zu führen, sodass er nicht ganz allein auf sich gestellt ist.

    Lieben Gruß
    Henri

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