Ich glaube, nun geht es richtig bergab mit meinem Vater.....

  • Hallo zusammen,

    mein Vater baut körperlich wie auch geistig immer mehr ab....
    Gestern ist er früher von der Arbeit nach Hause, weil er Schmerzen hatte (in der Nierengegend). Er "litt" dann noch ne Weile vor sich hin, bis meine Mutter ihn zum Notdienst gefahren hatte. Der tippte auf Nierenstein und schrieb eine Überweisung ins KKH zum Ultraschall. Dies lehnte er - natürlich - ab, denn schließlich wollten ihn die Ärzte bei seinem Zusammenbruch vor 3 Jahren gleich da behalten, weil sie logischerweise merkten, was mit ihm los ist.
    Sein Blutdruck beim Notdienst war bei 194 zu 107 - "aus Angst", wie meine Mutter meinte.
    Wie mein Vater allein in diesem Jahr abgebaut hat, hat er die letzten Jahre nicht zusammengefasst. Er faselt irgendein wirres Zeug vor sich her, hat immense Gedächtnislücken und bringt manchmal die einfachsten Worte nicht mehr zustande....sie fallen ihm einfach nicht mehr ein.
    Nun beobachte ich schon seit einiger Zeit, dass er an Samstagen und Sonntagen (also, wenn er nicht arbeitet) sehr viel schläft. Diese Beobachtungen habe ich zuletzt bei meinem Opa gemacht, wenn wir sonntags zu meinen Großeltern sind, dann ist er sehr schnell im Bett verschwunden.....und es dauerte nicht lange, und es war vorbei.

    Die letzten 3 Jahre sind wir in der Adventszeit auch immer an einem Sonntag zusammen zu nem etwa 1 Stunde entfernten Weihnachtsmarkt gefahren.....meine Mutter sprach ihn kürzlich drauf an, wann wir denn dorthin fahren wollten...seine Antwort: "Ach, da waren wir doch schon so oft. Da haben wir doch schon alles gesehen." Pure Ausreden, nur weil er es nicht mehr schafft, denke ich. Auch wenn er unter der Woche viel Auto fährt. Ja, ich weiß, ist unverantwortlich unsererseits, dass wir dem keinen Riegel vorschieben, aber was sollen wir denn bitte machen? Anzeigen? Chef informieren? Ist ne Zwicklage...

    Jedenfalls denke ich, dass er im Prinzip in den letzten Zügen lebt. Kein Wunder 80 bis 100 Zigaretten, ca. 25 kleine Magenbitter und etwa 8 bis 12 Flaschen Bier - alles an einem Tag...ich denke, da kann man die beste Gene haben, im Endeffekt nutzen sie nichts.
    Seit diesem Jahr häufen sich Symptome, die wir nicht genau herleiten können. Plötzlicher Zusammenbruch ohne jede Vorwarnung (direkt nach nem Kneipenbesuch), sich stetig mehrende Gedächtnislücken, plötzliches Nasenbluten, Taubheitsgefühl in Fingern und Beinen und jetzt das mit den Nieren. Sind das alles Folgen des Alkoholmißbrauchs oder steckt da schon eine durch den Alkoholkonsum hervorgerufene Krankheit dahinter?

    Letzt hatte meine Mutter nochmals den Versuch unternommen, ihn drauf anzusprechen, mit ihm über sein Problem zu reden.....da stellte er seine Ohren auf Durchzug und kippte das nächste Bier hinein.

    Also, ich denke, es besteht keinerlei Hoffnung mehr für ihn. Daran ist er aber selbst schuld, und ich weiß nicht, ob ich im Falle eines Falles Tränen der Trauer oder der Erleichterung weinen werde... .

  • Liebe Kerstin,

    ich weiß, es ist erschütternd, dem Verfall eines geliebten Menschen tatenlos zusehen zu müssen! Es schleicht sich ein, unmerklich am Anfang. Über die Jahre kommen jedoch mehr und mehr "Gebrechen" dazu.

    Ich weiß, dass ich mehr Tränen der Erleichterung weinen werde, wenn es soweit ist. Letzte Tage kam ich zu meinem Vater, sah ihn schlafend im Bett liegen und habe gedacht: "Lieber Gott - sieh zu, dass er die Augen nicht mehr öffnet! Das ist doch kein Leben mehr"

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft!

    Liebe Grüße

    Aileen

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