Standhaft bleiben, wie habt Ihr das geschafft?

  • Hallo Roxy,
    ich hab auch immer gedacht: er hat sich so viel geleistet - wenn er mich auch noch betrügt, dann ist dass Fass voll. Und was war - hab ich ihm auch verziehen letztes Jahr... Er kam zurück, wir haben es noch einmal versucht (war so ca. seine 100. Chance)... Und: es wurde immer schlimmer mit der Sauferei...

    Er wird dir mit Sicherheit sagen, dass er dich braucht und dass er ohne dich nicht leben kann. Aber das heißt nicht, dass er deshalb mit dem Trinken aufhört! Sicherheit gibt dir dieses Leben, weil eine Veränderung immer Angst macht! Aber ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen: Halte durch, geh nicht zurück und sieh nach vorn! Such dir schnellestens eine eigene Wohnung! Du wirst den Absprung schaffen, und es wird dir besser gehen! Das mit dem Herz, das dauert sehr sehr lange! Hier darf man nicht auf sein Herz hören! Das wäre falsch! Mein Herz sagt mir trotz allem noch immer etwas anderes, aber meine Entscheidung für die Trennung bereuhe ich NICHT! Ich bin froh, dass ich mich durchgerungen habe, mein Leben mit unseren Kindern ohne ihn und besonders ohne SEIN Problem fortzusetzen! Anders geht es nicht!

  • Zitat von Elki


    Liebe Marjel,
    wie ist es dir bei der Gruppe ergangen, tut sie dir gut?
    Toll, dass du deine Kraft in etwas sinnvolles steckst!!
    LG
    Elke :D

    War bis jetzt 2 x da. Es tut gut, daß dort Menschen sind die ähnliches selbst erfahren haben. Hab den Eindruk, daß andere das nicht verstehen können.

    Schön ist auch, das dort nicht erlaubt ist Ratschläge zu erteilen, das tut hier manchmal ziemlich weh. Jeder wissen viele genau was der jeweils andere zu tun hat und sagt das auch, nur bei sich selbst weiß er das nicht.

  • Zitat von Roxy

    Warum ist es bloß so schwer das was man in der Theorie doch alles weiß auch in die Praxis umzusetzen?
    Ich weiß ja, dass ich gehen muss und als ich vor 2 Tagen auch noch erfahren musste, dass er mich während unserer Beziehung ständig betrogen hat, hab ich gedacht, dass ist das was ich noch gebraucht habe um endlich gehen zu können!
    Jetzt sitze ich seit 2 Tagen bei meinen Eltern und suche Entschuldigungen für sein Verhalten!
    Ich warte die ganze Zeit darauf, dass er anruft und mir sagt, dass er mich braucht und ohne mich nicht leben kann, wie sonst auch immer. (aber es ist Anfang des Monats, er hat noch Geld um in der Kneipe zu sitzen, sich zu besaufen und als armes Opfer zu sehen)
    Ich habe Angst, wieder zurückzugehen! Ich finde keine Wohnung und denke, je länger ich warte, meine Sachen aus unserer Wohnung zu holen, desto größer wird die Gefahr wieder zurückzugehen! Zurück in das Leben, das ich nicht will, das ich aber seit über 2 Jahren kenne und was mir irgendwie (so krank es auch ist) ein Stück Sicherheit, oder besser Gewissheit gibt, im Gegensatz zu dem Ungewissen was jetzt auf mich zukommt!
    Was muss bloß noch alles passieren, damit ich es nicht nur im Kopf begreife, sondern auch mit dem Herzen umsetzen kann???

    Mir geht es genau so, weiß, daß er sich seit unserer Trennung mit Internetbekanntschaften zum Sex verabredet und hänge trotzdem der Illusion nach, daß wir vielleicht eine Chance gahabt hätten.

  • Leider ist es ja nicht damit getan, daß der Partner aufhört. Als meiner ein paar Monate nichts getrunken hat war ich auch nicht zufriedener. Ihm ging es besser, mir nicht. Ich wußte nicht, wie ich vertrauen lernen sollte.

    Du hast recht Roxy, wir müssen es lernen, nicht nur im Kopf zu begreifen, soindern auch im Herzen.

    Ich habe bisher nur begriffen, daß es überhaupt nichts nutzt und nicht funktioniert, wenn er es für mich tut (der Rückfall hat ja nicht lange auf sich warten lassen) und es ebenso wenig nützt, wenn ich ihn verlasse, damit er zu Besinnung kommt und der Verlust ihn zur Umkehr bringt.

    Solange ich es "für Ihn" tue bin ich immer wieder rückfallgefährdet, lasse mich von den richtigen Worten einfangen und beginne wieder Hoffnung zu haben, bis ich wieder erkennen muß, daß keine Einsicht da ist. Ich muß lernen das Richtige für mich zu tun, auch wenn es bedeutet mich zu trennen.

    So wie wir im Moment sind passen wir perfekt zueinander. Ich mache mir einen Kopf um seine Probleme und werde langsam darüber verrückt und er macht sich was vor und immer so weiter, weil er Konsequenzen nicht zu befürchten hat. Es nützt also nichts, wenn sich nur einer von uns ändert.

  • Hallo Roxy, hallo Marjel,

    Zitat

    Ich denke auch immer, wir könnten so glücklich sein, wenn der Alkohol nicht wäre. bzw. wenn er eine Therapie machen würde. Wenn er erst mal gelernt hat, an seinem geringen Selbstwertgefühl zu arbeiten, dann hätte er es nicht mehr nötig, sich die Bestätigung bei anderen Frauen zu holen...
    Aber er will keine Therapie, meint er bekommt das so in den Griff. Geht unregelmäßig zur Suchtberatung, doch ändern tut sich nix. Und gemeldet hat er sich immer noch nicht...
    Das macht mich total wahnsinnig!


    So habe ich auch jahrelang gedacht! Aber diese Denkweise, die zerstört einen, denn man kommt immer wieder am gleichen Punkt an, und man dreht sich nur im Kreis! Ich habe es immer Teufelskreis genannt...

    Zitat

    Ich muß lernen das Richtige für mich zu tun, auch wenn es bedeutet mich zu trennen.


    Nehmt euer Leben selbst in die Hand! Das ist das aller wichtigste. Und macht es nicht von einem Menschen abhängig, der nicht anders kann, und der nur mit dem Alkohol verheiratet ist - mit sonst niemandem!

    Es ist ein langer, harter Weg, denn so einfach, wie man sich das vielleicht vorstellt ist das alles ganz und gar nicht! Aber wenn ihr an EUCH arbeitet und euch nicht mehr um die Dinge eures Partners "kümmert", dann wird das schon. Es wird euch besser gehen, ihr werdet sehen...

  • Bin lange nicht mehr dagewesen. Was ich bei AL Anon gelernt habe hat mir in den letzten Wochen sehr geholfen mich auf mich und nicht auf sein Trinken zu konzentrieren. Die ganze Situation hat sich entspannt. Nicht, daß er weniger Trinken würde, aber die quälenden Diskussionen und Streits hatten ein Ende.

    Er trinkt weiter heimlich. Ich fange keine Diskussionen an, denn das ändert ja nachweislich gar nichts.

    Aber eine Lösung ist das auch nicht. Letzte Woche hatte ich das Gefühl, jetzt ist er körperlich noch ein Stück weiter runtergekommen. morgens essen geht oft gar nicht. Ihm ist ständig übel und mußte sich letztens gleich morgens übergeben, was in letzter Zeit häufiger vorkommt.

    Ich finde es erstaunlich, daß er selbst seinen körperlichen Verfall gar nicht wahrnimmt, immer noch der Überzeugung ist, er sehe gesund aus.

    Das hat mich aus dem gerade mühsam etwas zurückgewonnenen Gleichgewicht gebracht. Ich finde es einfach furchtbar, das mitanzusehen.

    Schon wieder drehen sich meine Gedanken darum, ob es nicht an der Zeit ist einfach eine Kopfentscheidung zu treffen und zu gehen.

  • Hallo, bin nach langer zeit mal wieder da. Getrennt seit einigen Monaten, aber noch immer mitgenommen und verwirrt.

    Ich hoffe mit der Zeit gelingt es mir wirklich loszulassen.

    Es ist nach wie vor schwer, mich auf mich zu konzentrieren.

    Gibt es von Euch jemanden, der damit Erfahrung gemacht hat Drohungen des Ex-Partners mit Slebstmord, betteln und Erpressungsversuchen stand zu halten und etwas positives berichten kann?

  • Hallo meine Liebe. Ich habe deine story gelesen und glaubte (wieder einmal), ich hätte es schreiben können. Alles, alles war bei mir ähnlich. Ich liebe ihn noch immer, aber ich habe es so gemacht bisher:

    Nach allem, was ich erlebt habe, alle Versuche, wie auch immer, ihn vom Trinken wegzubringen, habe ich immer betont, daß er aufhören muss, sonst würden wir daran scheitern. Er hat alles ignoriert und auch immer diese Phasen durchlebt, Trinken-Bereuen-Wieder der Alte sein (super)-Motzen-Zurückrudern-NixEinsehen-Trinken..usw..

    Beim letzten Mal war ich wieder einmal am Ende, da habe ich ein letztes Mal gefleht, geweint, gebettelt, nicht zu fahren, kein Bier zu kaufen, alle Hilfe angeboten, nach Auswegen gesucht...er fuhr! Ich packte Tasche und bin bei den Eltern zu Kreuze gekrochen, ob ich eine Zeit unterkommen könnte. Das war am 04.12. Heute bin ich zum ersten Mal wieder in meiner! Wohnung. Ich warf ihn raus. Er ist jetzt irgendwo und muss von dort aus eine Wohnung suchen. Er bombadierte mich auch mit sms, Liebesschwüre, Vorwürfe, Beleidigungen, Selbstmorddrohungen. Ich weiß, ich bin noch nicht wirklich über den Berg. ER kann jede Minute hier reinschneien, mich bequatschen, hat noch alle Sachen hier! Ich finde am schlimmsten, wie furchtbar Liebe sein kann, und daß es euch allen genauso geht. Ich hoffte irgendwie immer, wir wären was Besonderes gewesen. :( Aber das hilft mir auch, nicht alleine sein. Ich weiß nicht, ob ich es ohne Selbsthilfegruppe für Co´s und ohne dieses Forum hier je geschafft hätte. Auf jeden Fall nicht ohne meine Freundinnen, ohne Eltern, ohne meine Schwester! Alle sind da. Denke daran, auch Verantwortung gegenüber diesen Menschen hast du, alle leiden unter der Sucht meines Partners, sehen, wie ich mich fertig mache und leide. Und auch nicht zuletzt Verantwortung für dich selbst, dein eigenes Leben! Und sogar Verantwortung für den Alkoholiker, denn trocken-lieben, das geht nicht. Ein Loslassen läßt wenigstens die Hoffnung offen, daß er irgendwann kapiert, für die nächste Partnerin! Ich denk an Dich!

  • Vielen Dank für Eure Antworten. Ja vom Kopf her ist das alles zu verstehen und trotzdem fällt es mir schwer, dass nicht so an mich heran zu lassen.

    Nicht, dass ich ernsthaft glaube, er bringt sich wirklich um. Aber es regt mich auf, dass mich dass noch immer aufregt und es trotz Trennung noch immer Bestandteil meines alltags ist und meine Lebensqualität beeinflusst. Loslassen ist nicht so einfach!

  • Habe das Gefühl einen Schritt weiter gekommen zu sein. Vielleicht ist nun der Bauch dem Kopf gefolgt und das hat, so scheint es mir, dazu geführt, dass ich ernst genommen werde. Sämtliche "Erpressungsversuche" haben aufgehört. Ich habe konsequent den Kontakt eingestellt, nachdem ich das angekündigt habe und halte mich daran.
    Dadurch ist endlich wieder Ruhe eingekehrt, die ich dringend brauche.

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