Vorstellung Gitta

  • Hallo, nachdem ich hier im Forum schon einige Zeit lese, möchte ich mich nun auch gerne vorstellen.
    Ich bin alkoholabhänig, habe seit dem 12.12.06 keinen Alkohol mehr getrunken und möchte dies auch nie wieder tun.
    Schon während meiner Jugendzeit hatte ich einen sehr problematischen Umgang mit Alkohol. Meine Schwester, die ebenfalls alkoholabhängig ist, und ich tranken regelmäßig und viel, oft jeder 2 Flaschen Wein pro Tag. Mein Vater war Alkoholiker, meine Mutter schwer depressiv.
    In den darauffolgenden über 20 Jahren hatte ich Phasen, wo ich mal mehr, mal weniger trank. Länger als eine Woche war ich allerdings nie abstinent.
    Vor 2 Jahren wurde jedoch mein Alkoholkonsum vor dem Hintergrund einer katastrophalen, selbstzerstörerischen Beziehung zu einem Mann immer stärker. Ich wusste tief im Inneren, dass dieser Mann mir nicht gut tat, mich menschlich und finanziell betrog und ausbeutete. Anstatt mich aber von ihm zu trennen, soff ich mir immer mehr meine Gefühle weg. Ich hatte trotz allem Angst, ihn zu verlieren, Angst vor Einsamkeit.
    Ab August letzten Jahres war ich schließlich nur noch ein Wrack. Ich soff eine Flasche Vodka und mehr pro Tag, lag nachts mit unerträglichen Angstgefühlen im Bett, behielt kaum mehr Essen im Magen und hatte häufig Suizidgedanken.
    Tja, und am 12.12.06 entschied ich mich für das Leben und gegen den langsamen Suizid. Ich habe einen kalten Entzug gemacht, weil ich mir zu der Zeit über die Gefahren noch nicht im Klaren war. Gott sei Dank ist es gut gegangen.
    Ich fühle mich inzwischen so, als hätte ich mir am 12.12. selbst ein neues Leben geschenkt. Zwar stehe ich noch am Anfang, vieles ist neu und ungewohnt, viele Hürden sind zu bewältigen, aber ich möchte auf meinen klaren Kopf nie wieder verzichten.
    Die Beziehung zu dem Mann habe ich übrigens auch am 12.12. beendet. Er akzeptiert dies allerdings noch nicht. Klar, es tut ja auch weh, wenn sich die Sklavin plötzlich verselbständigt.
    Das Forum hat mir bisher sehr geholfen und dafür bin ich allen sehr dankbar.

    Liebe Grüße
    Gitta

  • Hallo Gitta und herzlich willkommen


    Bereits jetzt nach nunmehr genau 6 Wochen merkst du, dass es sich lohnt, nüchtern zu bleiben. Aber es ist erst der Anfang und dieses Gefühl wird sich mit der zeit noch verstärken. Es ist ein neues Leben, das du begonnen hast und dieser Entschluss wird dir nie leidtun.

    Lieben Gruß
    Henri

  • Hallo Lischen,

    ich habe wohl in meinem Vorstellungsbeitrag wichtige Dinge vergessen zu schreiben. Es sollte halt recht kurz werden.

    Zunächst habe ich die vergangenen 6 Wochen durchaus nicht so erfolgreich alleine geschafft. Ich habe ein mal pro Woche therapeutische Unterstützung und halte dies auch für sehr wichtig.
    Zum anderen rate ich dir dringend von einem kalten Entzug ab. Kalter Entzug bedeutet, entziehen ohne ärztliche Kontrolle und Medikamente. Das kann sehr gefährlich werden, z.B. kann der Kreislauf zusammenbrechen, du kannst sogar sterben. Bei mir ist es gut verlaufen, hätte aber durchaus auch anders sein können. Also mache einen Entzug bitte nur unter ärztlicher Kontrolle.

    Ich habe keine Kinder, leider. Fühlte mich zur Mutter nie tauglich. Und ich hatte auch nie den passenden Partner.
    Eine Frau braucht nicht Sklavin eines Mannes zu sein, das wird mir inzwischen immer bewusster. Durch meinen Alkoholkonsum war mein Selbstwertgefühl mitunter so gering, dass ich mich aus dieser Beziehung gar nicht lösen konnte.
    Obwohl ich noch ein "Frischling" in puncto Trockenheit bin, bin ich mir inzwischen aber wieder etwas wert.

    Liebe Grüße
    Gitta

  • Hallo Gitta

    Sicherlich ist am Anfang noch alles schwer und ungewohnt.
    Und der Eigenantrieb und die Überwindung sich ggf. mit Konflikten oder auch unangenehmeren Situationen wieder nüchtern auseinandersetzen zu müssen, ist sicherlich auch schwierig.
    Das spüre ich immer noch bei mir selber, mein letzter Rückfall liegt gerade mal erst knapp 4 Monate zurück.
    Aber einen wesentlichen und richtigen Schritt hast du ja bereits durchgezogen. Nämlich die Trennung von dem Mann, der dir - wie du es in deinem Vorstellungsbeitrag beschreibst - heute ganz bestimmt nicht gut tun würde.
    Erhalte und pflege dir die Werte, die du selbst von dir empfindest !!
    Alles Gute dabei, und lieber Gruß von HEIKO

  • Hallo zusammen,

    zunächst möchte ich mich über die nette Aufnahme hier im Forum bedanken. Gerne nehme ich eure Hilfe an.

    Als ich mir vorhin meinen gestrigen Vorstellungsbeitrag durchlas, fiel mir auf, dass er den Anschein erwecken könnte, als seien die letzten 6 Wochen für mich recht gradlinig verlaufen. Das sind sie keinesfalls.
    Ich hatte immer wieder Gedanken Alkohol zu trinken. Vor allem in solchen Momenten, in denen mir meine derzeit recht schwierige finanzielle Lebenssituation durch den Kopf ging. Ich bin seit Juli arbeitslos, habe zwar einen guten Beruf erlernt, aber auf dem Arbeitsmarkt nur begrenzte Chancen. Die einzige Möglichkeit bestände darin, eine Arbeit anzunehmen, die vom Verdienst her weit unter dem liegt, was ich bisher hatte. Ich muss es aber wohl tun, wenn ich in absehbarer Zeit nichts Besseres finde.
    Erschwerend hinzukommt, dass ich das gute finanzielle Polster, was ich mir während der letzten Jahre angelegt habe, meinem Ex geliehen habe. Das ist mitlerweile 11/2 Jahre her, in denen er keine Anstalten zur Rückzahlung machte. Wird er auch nicht, er hat sich da gut abgesichert.
    Tja, wenn ich an all das denke, packt mich immer wieder grenzenlose Wut. Mitlerweile kriege ich diese Wut schon einigermaßen in den Griff, habe aber manchmal Angst davor, dass sie mich irgendwann doch mal wieder zum Alkohol greifen lassen könnte.

    Ich habe halt Probleme und unangenehme Gefühle so viele Jahre meines Lebens mit Alkohol verdrängt. Da ist ein Umlernen mühsam.
    Aber ich will es schaffen, ich will mein weiteres Leben ohne Alkohol führen.

    Liebe Grüße
    Gitta

  • Hallo Annika,

    danke für Deine liebe Begrüßung.

    Die Sache mit der eigenen Wertschätzung war für mich immer ein großes Problem. Rückblickend habe ich eigentlich immer nur versucht, andere Menschen glücklich zu machen, mich selbst dabei vergessen. Speziell war das in der Beziehung zu meiner Mutter so. Schon als Kind habe ich als eine Art Partnerersart für sie fungiert. Die Beziehungen zu Männern verliefen ähnlich. Immer hatte ich problematische Männer, für die ich die Kastanien aus dem Feuer geholt habe. Ich weiss sicherlich, dass dies auch nicht uneigennützig war, dadurch erhielt ich ja meine Selbstbestätigung.
    Ich stehe jetzt an einem Punkt, wo ich mich selbst erst mal kennenlernen muss. Meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Ich will in meinem weiteren Leben mehr sein als nur eine gut funktionierende Maschine. Und ich weiss, dass ich das nur schaffen kann, wenn ich keinen Alkohol mehr trinke.

    Liebe Grüße
    Gitta

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