hallo an alle!
ich bin neu hier und lese seit einigen wochen interessiert mit.
bislang habe ich bereits eine menge über co-abhängigkeit gelesen- teilweise sind die beiträge in diesem forum besser als in den büchern, die ich zu diesem thema las. auch besser als bei alanon- toll!
nun zu meiner geschichte.
ich bin alkoholikerin, höchstwahrscheinlich quartalstrinkerin, da ich immer wieder längere phasen absoluter nüchternheit einlege- letztes mal waren es knapp 10 monate, im vergangenen jahr.
ich bin auch co-alkoholikern, aus den allen bekannten gründen (kindheit und weiteres).
mein ex ist seit etwa 7 jahren hardcore-alkoholiker.
heisst, dass er täglich seine halbe bis eine kiste bier sowie eine halbe bis eine flasche schnaps braucht.
nach eineinhalb jahren ständigen kampfes mit meiner grossen liebe habe ich vor kurzer zeit endgültig den schlussstrich gezogen.
es tat höllisch weh, tuts noch immer.
ich _weiss_ , dass mein ex und ich alkoholkrank sind.
lediglich das stadium bzw. die bewertung ist unterschiedlich.
als wir vor eineinhalb jahren wieder einmal (wir waren öfter zusammen, getrennt, zusammen, getrennt usw.) zusammen kamen, meinte er, dass er nicht gut wäre für mich.
ich erwiderte, dass ich genau das gleiche von mir sagen kann:
ich bin nicht gut für ihn.
letztendlich hatten wir beide recht...
ich bin mit offenen augen in die co-abhängigkeit gerutscht (als hätte ich nicht schon genug sorgen!) und er hat sich das zu gern gefallen lassen.
den rest könnt ihr euch denken.
das komplette "programm alki" und ein grossteil des "programms co-alki".
angefangen mit den berühmten unzuverlässigkeiten über nächtliche überfallartige besuche in meiner wohnung, natürlich sturztrunken, obwohl er genau wusste, dass ich am nächsten tag arbeiten gehen musste und meinen schlaf brauchte.
ständiges anstossen im bett, wenn ich gerade eingeschlafen war:
"ich rede mit dir", bis ich sauer wurde und ihn an die luft setzte, was natürlich in seinen augen ein grosser fehler war.
dann die erpressungen:
"wenn du jetzt gehtst, brauchste nicht mehr wieder zu kommen"; "du flirtest durch die gegend- leck mich am ***, F***"; "wenn du jetzt arbeiten gehst und mich allein lässt, bringe ich mich um", also vom alleredelsten untersten laternenpfahl.
gewalttätige übergriffe, weil er sich betrunken selbst sehr gern reden hört, dann seiner verflossenen nachweint, wie sehr er sie doch geliebt habe, und wie sehr er sie zurück möchte; das ständige gerede über seine im laufe der jahrzehnte gestorbenen freunde "sie rufen mich, ich will sterben, stoss mir das messer ins herz..." und so weiter.
da ich während dieser zeit am we noch getrunken hatte (habe erst anfang märz vergangenen jahres wegen ihm aufgehört zu trinken) wehrte ich mich natürlich, und mehr als einmal trug er eine beule (ich aber auch) davon.
er warf mich flaschen nach, "befahl" mir, die scherben aufzusammeln, was ich _nicht_ tat, sondern leise seine wohnungstür hinter mir zuzog nach hause _rannte_...
grenzenloses selbstmitleid seinerseits, confabulationen (wernicke-encephalitis im anfangsstadium, wusste ich damals aber noch nicht); ständiges "worte im mund verdrehen"- natürlich bin ich an allem schuld, weil ich ihn nicht verstehe und ausserdem spielt er angetrunken stets auf eine meiner frühere berufstätigkeiten an, die nicht hierher gehört.
mich niedermachen hinter meinem rücken, gleichzeitig infantiles verhalten, dann aber sein schlechtes gewissen mir gegenüber mit verbalinjurien beruhigen und so weiter, und so fort.
der mann hat mich (fast) meine selbstständigkeit gekostet. weil ich seine versprechungen und tränen nur allzugern hörte und glaubte.
ich fühlte mich gross und stark an seiner seite. schliesslich war/bin ich alkoholikerin, habe mich aber trotz meiner krankheit aus der arbeitslosigkeit wieder in eine bescheidene selbstständigkeit hochgearbeitet- wie toll ich doch bin... ![]()
asche auf mein haupt:
ich kenne das alk-programm noch von früher, vor 17 jahren. eigentlich hätte ich es besser wissen müssen, aber er war ja so süüüss, wenn er nur angetrunken war. ausserdem hat er meine beiden letzten autos stets super auf vordermann gebracht, ohne dafür geld zu nehmen.
das sind die ausreden, die mein herz ständig entwickelte, wenn mein kopf mir sagte:
spinnst du, mädchen?
der kostet dich mehr als die autos, der kostet dich deine gesundheit, deine existenz und führt dich über den schmalen grad zwischen missbrauch von alk und sucht!
aber ich war ja soooo verliebt ![]()
eigentlich _wusste_ ich es vom verstand besser.
ach, das herz ist schwach...
auch ich war nicht gut für ihn.
durch mein relativ gesichertes einkommen gabs für ihn stets was zu essen, zigaretten oder tabak.
also konnte er nun sein gesamtes hartz-IV für alkohol ausgeben. er blieb tagelang weg, um, wenn er wieder kam, forderungen zu stellen und mich zu beschimpfen, als wäre ich diejenige gewesen, die "auf trebe" war.
er schlief bei seiner ex-freundin, vielleicht auch mit ihr, weiss ich nicht, und so weiter.
die drei oder vier "kalten entzüge", die ich als artige co-alkoholikerin bei ihm mitmachte, führten dazu, dass _ich_ zum notarzt rannte und d***** sowie c******* holte, was mir, wenn ich möchte, auch verschrieben wird.
wie dumm ich war!!
dann brannte seine wohnung teilweise ab, weil sein nachbar zündelte. das war am 24.12.06 gegen 17°° uhr.
wir sind, da wir bei ihm in der wohnung waren (immer getrennte wohnungen!), von der feuerwehr aus dem lichterloh abfackelnden dachgeschoss gerettet worden. eine halbe stunde später, und wir wären beide geschichte.
an diesem tag begann ich wieder zu trinken, mit ausnahme von eineinhalb wochen im januar.
er musste zwangsläufig bei mir wohnen, und es gab nichts alkoholisches bei mir zu trinken (ich hab nicht eingesehen, dass ich sein trinken weiterhin unterstützen sollte, da er bereits zu anfang des monats sein gesamtes geld sowie die miete für die z. Z. nicht bewohnbare wohnung mit seinen freunden vertrunken hatte).
er verschwand, meldete sich 6 tage lang nicht, um dann mit seiner ex, die er immer noch liebt, bei einer freundin, bei der ich ebenfalls zu gast war, aufzutauchen, mich beschimpfte und ich ging.
das war das ende.
was habe ich mir angetan?
warum habe ich mir so was angetan?
auf welche illusion bin ich hereingefallen?
darauf, dass ich "besser", "stärker", "weniger krank" bin als er?
ehe ich es vergesse:
seit 09.06 kümmerte ich mich verstärkt um meine gesundheitlichen belange. habe den schwerbehindertenausweis beantragt und auch bekommen; warum, gehört nicht hierher.
habe eine kur beantragt, die noch in der schwebe ist, aber die erforderlichen schritte sind eingeleitet.
das fand mein ex unmöglich.
verhöhnte meine erfolge, machte mich lächerlich. wie armselig ich doch wäre, auf so etwas wie einem schwerbehindertenausweis zu bestehen usw.
kurz danach kam ein jämmerliches "ich möchte mit dir alt werden- ich liebe dich doch, verlass mich nicht..."
was war das nun mit ihm und mir?
> hatte ich angst vor dem alleinsein (bin jetzt 46 jahre jung)?
> glaubte ich, dass ich so eine lange freundschaft (wir waren,bevor wir zusammen kamen, schon mehrere jahre sehr gute freunde und kollegen), die in eine beziehung mündete, nie wieder bekommen würde?
> das kann schon sein, aber brauche ich so was überhaupt (noch)?
so was brauche ich bestimmt nicht.
was anderes wird wohl auch nicht mehr kommen, aber lieber ein ende mit schrecken als ein schrecken ohne ende.
_ich_ bin jetzt wichtig.
liebe grüsse
p.s.:
klar hab ich ihn noch gern- insgesamt 11 jahre freundschaft wirft man nicht einfach weg.
es ist seine entscheidung, was er will oder nicht. ich will auf keinen fall, wenn ich aus der kur wieder komme, einen nassen alki neben mir.