6Jahre Odyssee sind vorbei

  • Hallo Ihr,
    nachdem ich vor kurzem hier meine Situation mit einem Freund erklärt habe, möchte ich meine eigentliche Odysse erzählen.Habe viel mitgelesen hier und komme nun daran, meine 6Jahre mit meinem alkoholabhängigen Mann zu verarbeiten.
    Kennengelernt haben wir uns in einer Disko-natürlich war er betrunken.Ich dachte:*Na, daß ist ja heutzutage normal, daß in der Disko getrunken wird*.Schnell zogen wir zusammen, gingen am Wochenende los.In der Nacht, als wir uns kennenlernten, verlor er für ein Jahr seinen Führerschein,MPU und Schulden. Selbst da dachte ich noch, er hätte einfach Pech gehabt.Er trank ein JAhr lang nichts mehr.Alles war in Ordnung.Dann bekam er seinen Führerschein wieder-und der Alkohol kam zurück. Erst nur am Wochenende, dann immer öfter in der Woche.Mal eine Flasche Sekt, dann immer härtere Sachen.Wir sprachen viel darüber, wie sehr ich darunter gelitten habe, angst hatte.Er verharmloste es.Arbeitslosigkeit war die Folge.Ich ging dann alleine für den Lebensunterhalt arbeiten.Meine Kinder aus erster Ehe waren dann bei ihm. Es kamen Vorwürfe, ich würde ihn alleine lassen,denn ich hatte eine Ausbildung begonnen,mußte viel Arbeiten, lernen.Der Druck, das negative Gefühl in mir wurde immer stärker, daß er sich nicht mehr in den Griff bekommt.Es wurde immer offensichtlicher, daß sein Problem schon sehr lange bestand, aber seine Verleugnung, Bagatellisierung nahm auch zu.Schuldzuweisungen, Aggressionen, Handgreiflichkeiten wurden immer mehr.
    Das Schlimme war, daß wir, bevor es offensichtlich wurde, geheiratet hatten.Nach zwei Jahren wurden immer mehr Dinge klarer, seine Schulden, die er mir verheimlicht hatte, sein übersteigertes Bedürfnis nach Sex(0190er Nummern etc..), Eifersuchtswahn!!!
    Nach 4Jahren der totale Abstieg in die körperliche Gewalt. Er schlug mich, würgte mich vor meinem 3jährigem Sohn. Die Polizei nahm ihn mit aus der gemeinsamen Wohnung. Dann kam die angebliche Einsicht, angebliche Besuche in der Suchtberatung. Er wohnte in seiner eigenen Wohnung, arbeitet angeblich ganz hart an sich, nicht mehr zu trinken.Dann zog er nach einem halben JAhr wieder bei mir ein.Neue Hoffnung, die aber nur zwei Wochen anhielt.
    Ich war mittlerweile so co-abhängig, daß ich mein Selbstwertgefühl, mein Selbstvertrauen so weit gesunken war, daß ich mir die Vorwürfe von ihm, ich würde ihn dazu treiben, immer wieder trinken zu müssen, annahm. Meine seelische Verfassung hatte Auswirkung auf meine Arbeitsfähigkeit:Immer öfter krank,Erschöpfungszustände und immer mehr Ärger durch meine Fehler in der Ausbildung-Mobbing.Zuletzt kam der Abbruch der Ausbildung.
    Dann im JAhr 2005 endlich wieder Hoffnung.Mein Mann bekam die Chance auf einen tollen Job,seine Einsicht, an seinem Problem zu arbeiten, kam wieder.Der neue Job erforderte einen Umzug von Schleswig-Holstein nach Baden-Würrtemberg. Verlassen der Heimat, Kinder aus dem gewohnten Umfeld,große Freude und Hoffnung über die neue Chance.Wir waren dort sehr glücklich....Dachte ich! Er einen super Chef, der ihn sehr unterstütze, ich neuen Job(Ausbildung doch noch schaffen???), Kinder fühlten sich sehr wohl. Doch dann kam der totale Zusammenbruch!
    Er wurde noch eifersüchtiger, zerstörte neue Kontakte mit Morddrohungen, Beschimpfungen, weitere Schulden durch teure Handychats mit anderen Frauen.Dann kam ich in die psychiatrische Klinik!! Ausbildung endgültig abgebrochen, Verlust der neuen Freunde und keine Perspektive mehr.
    Dann drohte er mir wieder mit Mord-und ich wachte endlich auf!!! Innerhalb drei Tagen packte ich meine Sachen und zog zurück nach S-H.
    Dies alles ist jetzt ein halbes Jahr her.Der Schmerz, meine neue Heimat zu verlassen, den Kindern diesen Schmerz zuzufügen und unendliche viele neue Schulden durch seine Verantwortungslosigkeit haben mich fast um den Verstand gebracht. Schuldgefühle und Versagensgefühle machten mich echt fertig, aber jetzt langsam stellt sich das Gefühl ein, es richtig gemacht zu haben.Mein Leben muß nun wieder von vorne anfangen, aber alles ist besser, als so weiter zu leben. Die Kinder und ich haben viel Schmerz zu ertragen, aber sein Verhalten zeigt, daß er noch nicht am Tiefpunkt angelangt ist. Er sitzt jetzt bei einer neuen Frau, die das Gleiche erfährt.
    Das Gefühl, 6Jahre gekämpft zu haben,ohne die Hoffnung, daß er endlich zur Einsicht kommt,haben mich sehr gequält, aber die Hoffnung, jetzt endlich leben zu dürfen,ohne den Alkohol, läßt uns drei wieder lachen. Es ist schwer, die Schuldgefühle abzulegen, nicht eher eingegriffen zu haben, um meine Kinder zu schützen, aber langsam verspüre ich Stolz, es geschafft zu haben.
    Das Gefühl, was viele haben,einen geliebten Menschen verlassen zu müssen, kenne ich nur zu gut.Ich habe viel geweint, bin oft verzweifelt, aber ich spüre nun wieder Selbstwertgefühl, daß ich es wert bin, ein Leben zu führen, in dem man Schmerz, Verzweiflung und Ängste zulassen darf, spüren darf,ohne diese mit Alkohol zu betäuben. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man da durch kommt und wieder wirklich hoffen kann.

    Danke fürs Lesen. Ist ein bißchen länger geworden als ich wollte.


    Susa

  • Hallo Loverlygirl

    herzlich willkommen hier im Forum,hier bist Du genau richtig,viele haben eine ähnliche Geschichte...

    Deine Geschichte ähnelt meiner sehr und ich kann mich gut in Dich reinversetzen...

    Du kannst super Stolz auf Dich sein,das du es geschafft hast dich zu lösen,für Dich und die Kinder fängt das Leben jetzt erst richtig an,wichtig ist ,das ihr alle die Vergangenheit verarbeiten müsst und sich dann nur noch auf die Zukunft konzentrieren....
    Und Schuldgefühle,die Du wegen Deiner Kinder hast,kann ich verstehen,denn ich habe sie auch meinen Kindern gegenüber....Nur bringt es nichts,wir haben uns gelöst und versuchen doch jetzt den richtigen weg zu gehen und das ist doch das Entscheidende und wichtige....
    Ich bin mir sicher,das Du alles schaffst,was Du Dir vorgenommen hast,denn den wichtigsten schritt hast Du hinter Dir,also freu Dich auf Dein Leben,es wird sicher viiiieeeeeellll besser...

    liebe Grüße Elfe

    .....in Liebe loslassen....

  • Dir lieben Dank, Elfe67,

    ja, nach all dem Schmerz, ihn hinter uns zu lassen, der Angst, daß er daran zerbrechen wird, sind hinter uns. Er ist noch nicht so weit, und wir sind nicht mehr bereit, darauf zu warten.
    Langsam stellt sich neues Glück ein, aber nur langsam. Ich habe mittlerweile die Scheidung eingereicht, denn neben all dem Problem mit dem Alkohol hat er mich all die Jahre betrogen.Wir fangen jetzt endlich wieder an, Vertrauen *neu*zu erlernen und hoffe, daß ich all dies hinter mir lassen kann....loslassen kann. Denn selbst, wenn er es schaffen sollte, werde ich ihn nicht wieder haben wollen. dafür ist viel zu viel passiert.

    Ich danke Dir und wünsch auch Dir weiterhin viel Kraft, alles hinter sich zu lassen und neu zu beginnen und es fortzusetzen.

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