hallo emmari,
willkommen hier im forum, schön, dass du hergefunden hast. hut ab vor dem, was du durchgesetzt und durchgezogen hast, das schaffen nicht viele. und instinktiv hst du das richtige gemacht: dich distanzieren, din eigenes leben leben, kontakt auf das nötigste beschränken.
in vielem deiner geschichte erkenne ich mich wieder. meine eltern (beide) sind/waren auch alkies, ich hab mich irgendwann auch distanziert, von beiden, über längere zeit, weil ich es zum einen einfach nicht mehr ausgehalten habe, und zum anderen, weil mir insbesondere mein vater phasenweise tierisch auf den geist gegangen ist. er wurde nämlich auch selbstmitleidig: "alle haben mich verlassen, du bist doch das einzige, was ich noch habe, hast du mich denn garnicht lieb, ich bin doch dein vater....". was habe ich das gehasst. irgendwann hab ich den kontakt dann für einige jahre komplett abgebrochen (wegen einer anderen sache), musste ihn dann aber nach dem tod meiner großmutter - seiner mutter - wieder treffen.
gern hab ich das nicht getan, aber im nachhinein bin ich froh, es stellte sich nämlich heraus, dass er an krebs erkrankt war. bis zu seinem tod hatten wir dann einen distanzierten kontakt. wir haben auch einmal alles aus der vergangenheit aufgerollt. er hat mich nicht verstanden, fand das alles nicht schlimm, aber er hat sich entschuldigt. als er dann gestorben ist war ich sehr froh, dass das nicht in unserer null-kontakt-zeit passiert ist. ich glaube, dann htte ich keinen frieden mit ihm machen können. deshalb weiss ich nicht, ob ein totaler kontaktabbruch, wenn dich dein vater "nur" nervt, aber dich nicht groß psychisch belastet, so gut ist. und das meine ich nicht aus dem grund heraus "er ist schliesslich dein vater", sondern aus dem puren selbstschutz heraus: kannst du in frieden leben, wenn ihr keinen kontakt mehr habt und er stirbt. ganz pragmatische überlegung. hört sich vielleicht herzlos an, aber was alkies ihren kindern durch ihre sucht und das nicht dagegen kämpfen antun, ist auch herzlos.
das schwanken zwischen hass un liebe kenn ich auch, allerding eher in bezug auf meine mutter, sie war mir immer näher als mein vater. wenn sie mal längere zeit nüchtern war, war sie mir eine supergute freundin, und ich war auch stolz auf sie und hab gerne zeit mit ihr verbracht. wenn sie wieder getrunken hat, hab ich mich vor ihr geekelt, und in den schlimmsten phasen des psychoterrors hab ich mir gewünscht, dass sie tot ist, damit all das ein ende hat, weil ich einfach hilflos war. da war ich aber noch kind. jetzt sehe ich sie viel distanzierter (bin aber auch schon ein paar jährchen älter als du). wenn sie betrunken anruft, lege ich auf. es nimmt mich mit, aber es bestimmt nicht mehr ständig meine gedanken. ich würde mich freuen, wenn sie dauerhaft trocken würde, aber die hoffnung hab ich aufgegeben. sie lebt ihr leben, ich meins. die beiden leben haben nichts mehr miteinander zu tun. ich kenne auch von ihr das selbstmitleid, das "alle sind schuld, mir gehts so schlecht". da schalte ich dann auf durchzug, argumentieren hat eh keinen sinn.
ja, und ob es ein spätes erwachen gibt? ich weiss nicht. ich denke schon, dass ich es in manchem schwerer habe im leben (vertrauen fassen, beziehungen, selbstbewusstsein....), aber soooo gravierend finde ich das nicht, ich hab mich damit arrangiert. und da du dich relativ abgeklärt anhörst und ich das gefühl habe, dass du die situation zwar nicht doll findest, sie dich aber auch nicht übermäßig belastet - eben weil du dich gut abgrenzt - sehe ich da nicht wirklich eine gefahr.
lieben gruß
lavendel