Hallo Uli,
erstmal herzlich willkommen hier im Forum.
Ich kann Deine Sorgen und Deinen Wunsch, dass Dein Vater die beste Hilfe bekommt um trocken zu werden verstehen. Mir geht es mit meiner Mutter nicht anders, sie tut mir auch immer nicht „genug“ um trocken zu werden. Da sie es nach wie vor nicht ist, fühle ich mich natürlich irgendwie immer bestätigt.
Doch die Sache ist die, es ist ihre Sache, es ist ihr Leben, sie muss zusehen, wie sie klarkommt. Es ist nicht mein Leben, ich habe mich um meines zu kümmern, sie sich um ihres. Sie ist erwachsen und für sich selbst verantwortlich, sie muss tun oder auch lassen, was sie für richtig hält. Es ist nicht meine Aufgabe für ihr Leben zu sorgen. Es ist nicht meine Aufgabe ihr die „richtige“ Therapie, den „richtigen“ Weg zum trocken werden zu zeigen. Es ist an ihr ihren Weg zu suchen und hoffentlich auch zu finden, denn sie ist abhängig, nicht ich.
Genauso ist es mit Deinem Vater, es ist sein Leben und es liegt in seiner Verantwortung etwas gegen seine Krankheit zu tun oder auch nicht. Er ist beim Arzt gewesen, im Krankenhaus, bei der Suchtberatung, die nächste Station wäre dann eine Selbsthilfegruppe, was ihm auch vorgeschlagen wurde. Das ist schon eine ganze Menge, was er da bis jetzt für sich getan hat. Wenn er das alles richtig nutzt kann das der Weg in die Trockenheit für ihn sein. Doch es liegt allein bei ihm, an seinem Willen trocken zu werden, die ihm gegebenen Möglichkeiten zu nutzen.
Es ist eine Sache was man Deinem Vater oder Deinen Eltern erzählt hat, bei der Suchtberatung oder auch was die Ärzte ihm gesagt haben. Es ist eine Sache was Dein Vater dem Hausarzt oder den Ärzten im Krankenhaus erzählt hat, doch eine andere Sache ist was davon Dir berichtet wird. Ob nichts dabei rum kommt, nun das wird erst die Zeit zeigen.
Natürlich ist es wichtig, dass er ehrlich ist, doch die Ärzte kennen auch ihre Pappenheimer und Blutergebnisse sagen schon eine ganze Menge, da mach’ Dir mal keine Sorgen. Es gibt „Sauffaktoren“ bei den Leberwerten die eindeutig sind. Vertraue den Ärzten, dass sie Deinen Vater nicht nach Hause lassen, wenn ein Krampfanfall oder Leberkollaps drohen könnte. Immerhin scheint er ja auch schon ein paar Wochen trocken zu sein.
Geh mal davon aus, dass Dir nicht alles erzählt wurde und das muss auch nicht, es gibt nun mal Dinge die man auch seinen Kindern nicht erzählen möchte. Auch wenn Dein Vater Alkoholiker ist und Du Dir als Kind Sorgen um sein Leben machst, er hat auch eine Privatsphäre, die er nach eigenem Gutdünken wahren möchte. Manche Dinge gehen uns Kinder einfach nichts an, wir erzählen unseren Eltern schließlich auch nicht alles.
Wenn Dein Vater eine Therapie möchte, ob nun ambulant oder auch stationär, dann muss er danach fragen. Wenn das sein Wunsch ist, wird er das sicherlich auch tun, aber nur wenn es sein Wunsch ist. Sonst hätte das auch alles keinen Sinn.
Eine Therapie muss auch nicht unbedingt sein, um trocken zu werden. Es gibt hier im Forum Menschen die es ohne und nur mit Hilfe dieses Forums als SHG geschafft habe und ich kenne auch aus meiner realen Gruppe Fälle in denen es die Partner von Angehörigen ohne Therapie geschafft haben. Nur ohne Unterstützung klappt es nicht, doch die Unterstützung muss nicht automatische Therapie bedeuten, dass kann auch „nur“ SHG bedeuten. Diese Entscheidung ob mit oder ohne Therapie liegt beim Alkoholiker selbst.
Ich kann Deine Sorgen verstehen, Dein ungutes Gefühl, die Angst um das Leben Deines Vaters, mit geht das mit meiner Mutter nicht anders. Ich kann auch Deinen Wunsch nachvollziehen alles unter Kontrolle haben zu wollen, damit es auch „richtig“ gemacht wird. Doch es ist sein Leben, er ist dafür verantwortlich, nicht Du. Entweder er tut etwas oder niemand. Du kannst nichts tun. Er ganz allein hat es in der Hand, etwas gegen seine Krankheit zu unternehmen. Wenn er die Chancen nutzen will die sich im bieten, wird er sie sehen und zugreifen. Wenn er will……
So schwer es auch fällt, da heißt es loslassen und Deinen Vater machen lassen. Er ist erwachsen und kein hilfloses Kind mehr. Jetzt heißt es einfach abwarten und schauen, was passiert. Niemand nimmt Alkoholismus auf die leichte Schulter weder Ärzte noch die Suchtberatung. Aber sie können auch nur soweit helfen, wie der Betroffene es selber zulässt.
Du hast nur Einfluss auf Dein Leben und um Dein Leben solltest Du Dich auch kümmern. Verschwende Deine Kraft nicht für Dinge auf die Du keinen Einfluss hast, sein Trinken, sondern nutze sie, damit es Dir gut geht.
Schaff’ ein bisschen Abstand zwischen Euch, ein wenig mehr Luft zum atmen für alle.
Gruß
Skye