Neu hier

  • Hallo,

    erst mal ein neues gesundes frohes neues Jahr, es kann nur besser werden. Auch ich bin erst seit einiger Zeit in diesem Forum, es hat mir sehr geholfen.

    Ich hatte vor vielen Jahren einen guten Freund, der trank, dem ging es so wie Eurem Freund und mir ging es wohl so wie Euch. Ich könnte Dir seitenweise schildern, wie oft und lange seine Mutter und ich ihn durch Entzüge und Therapien begleitet haben und ihm immer zur Seite standen, seine Tiere versorgten etc...., er mir zusätzlich oft nachts den Schlaf raubte durch betrunkene Anrufe, er würde sich jetzt umbringen usw.....Ich war immer für ihn da. Rief die Polizei, Rettungswagen, holte nachts seine Katze zu mir, die er eh nicht mehr versorgen konnte.... Als ich den Kontakt nach langer Zeit zu ihm für immer abbrach, da ich mit meinen Kräften am Ende war (ich war damals alleinerziehend, mein Sohn war gerade ein paar Monate alt, ich hätte auch ohne Kind irgendwann den Kontakt abgebrochen, es hätte aber wahrscheinlich länger gedauert), machte seine Mutter mir schwere Vorwürfe: "war wohl doch nicht so eine gute Freundschaft....wie kannst Du ihn hängen lassen.....er hat doch niemand.....jetzt trinkt er erst recht....." (Was er doch eh schon tat). Seine Mutter unterstützt ihn heute immer noch auf die gleiche Weise, sie zahlt im die Miete und gibt ihm sonst noch Geld, wenn er pleite ist, sie kümmert sich und regelt alles, weil er nicht in der Lage ist......TOLL! Weiter so! Er trinkt immer noch bis zum Abwinken. Sie rettet ihn stets vor dem "großen Absturz", sie sorgt dafür, dass er nicht auf die Nase fällt, wo ihm die Augen aufgehen könnten, um sich vielleicht von unten nach oben aufzurappeln. Nein, sie tut wirklich alles, was eine gute Mutter tun kann, um ihrem Sohn vorm Verderben zu schützen. Solange sie da ist, wird er nie aufhören zu trinken. Ein ewiger Teufelskreis.

    Ich hoffe, mein Text kommt nicht hart bei Dir an, aber nach den Erfahrungen, die ich in letzter Zeit machen mußte, (siehe meine Beiträge, wenn Du möchtest), habe ich das dringende Bedürfnis, die ganze Welt wach zu rütteln, wenn es manchmal auch sehr direkt rüberkommt.

    Mich würde interessieren, was Du, liebes 4-blättriges Kleeblatt damit genau meinst:

    "Leider hat er es nicht geschafft, ein Hilfeangebot unserer Seits rechtzeitig anzunehmen, die Hemmschwelle war dann wohl doch noch zu hoch. Ob wohl er weiß, dass wir (mein Mann und ich) die Alkoholsucht als Krankheit verstehen."

    Wie sah Euer Hilfsangebot genau aus?
    Wie genau habt Ihr Euren Freund vor dem "nächsten großen Absturz retten können" - was spielte sich genau ab? Wie habt Ihr ihn gerettet?

    Mich interessiert das nicht aus Neugier, sondern inhaltlich läßt es für mich einige Fragen offen, um mir ein genaueres Bild der Situation zu machen, deshalb würde ich das gerne wissen, sonst wirkt es geheimnisvoll und unklar.

    Also, ich wünsche Dir viel Mut und Kraft, nicht nur im neuen Jahr, liebe Grüße Angelina1

  • Herzlich Willkommen hier und alles Gute für das neue Jahr!!
    Eine Aussage, die hilft: "Man kann sich nur selber helfen!Man kann sich auch nur selber ändern!"
    Ich denke, Angelina hat schon richtig geschrieben, was nötig ist.. So lange andere Dinge regeln, kann er weitersaufen.. Wenn sie wirklich rauswollen aus der Sch**** müssen manche erst einmal alles verlieren..:-( traurig aber wahr..
    Wohlwollende Hilfen verlängern den Leidensweg auf beiden Seiten unnötig....
    LG Tihaso

    co-abhängig...Sich auf den Weg machen - egal wie schwer er ist!!!

  • Guten Morgen,
    ich finde es gut, dass Du nun etwas deutlicher auf das Problem eingegangen bist. Zwar ist es verständlich, wenn Ihr Eurem Freund anbietet, für ihn da zu sein, wenn er jemanden zum Reden braucht. Dennoch glaube ich, dass das keine echte Lösung ist. Denn Ihr tut mehr, als nur reden. Genauer hingeschaut, haltet Ihr Ihn genauso davon ab, sich weiterhin in professionelle Hilfe zu begeben und sich eine SHG zu suchen, wo er nach wie vor regelmäßig hingeht und dort redet und dort mit Gleichbetroffenen oder Profis lernt auf Dauer mit seinen Problemen umzugehen und innerlich zu wachsen. Ihr rennt genauso hin und holt ihn ab, bewahrt ihn vor "Abstürzen" oder was weiß ich, so wie ich es früher auch gemacht habe, oder meines früherern Freundes Mutter es tut. Ob er Euch per Telefon oder E-Mail ruft spielt keine Rolle. Ihr holt ihn zu Euch nach Hause, um ihn vorrübergehend vor sich selbst zu schützen. So wie ich früher den Rettungswagen gerufen habe......nur seit Ihr halt der Rettungsdienst. Du schreibst: "Es wurden sehr lange Tage und noch längere Nächte".... genau! - Ihr seid immer für ihn da, Ihr fangt ihn auf, hört Euch alles an, opfert Euch auf. Und alles geht so weiter. Bis zum nächsten Mal.

    Du schreibst: "..."
    "Es gibt keinen Menschen, der keinen "Makel" hat." und "er durfte fast 2 Wochen an meinem Makel teilhaben und mich in einer Krisensituation kennenlernen" - Na prima, dann ist ja alles okay. Ich hab ein Makel - Du hast ein Makel, Du hast ne Krise - ich hab ne Krise, was ist schon dabei? Ist doch ganz normal. Jeder hat ein Makel oder Krisen, also halten wir zusammen und bleiben unter uns. (Was schon wieder die Frage stellt, um welchen Makel handelt es sich bei Dir, bist Du auch suchtkrank?)

    Und dass Dein Freund keine eigenen Möbel mehr hat usw. und was noch alles "verloren" hat sagt gar nichts. Deiner Meinung nach, kann man doch gar nicht mehr verlieren. Aber bei Deinem Freund scheint es anders zu sein. Sein Leidensdruck ist nicht Dein Leidensdruck und die Grenze SEINES Leidensdrucks ist wahrscheinlich nicht die gleiche wie bei Dir.

    Dass Du oder Ihr beruflich mit solchen Themen auch zu tun hast, ist im privaten Bereich, fiinde ich, eigentlich nur in soweit interessant, als dass Du ihm Adressen oder Vereine in seinem Umfeld nennen könntest, wo er sich dauerhaft hinwenden kann, um aus seinem Dilemma herausfinden zu können. Ich habe die Erfahrung gemacht (bin selbst ein "Profi" mit früherem Helfersyndrom), dass man sich oft erst recht berufen fühlt, etwas tun zu müssen, aber im privaten Bereich mehr kaputt macht, als wirklich helfen zu können, weil man glaubt, selbst im Topf herumrühren zu müssen sich aber nicht abgrenzen kann. Da braucht man selbst Hilfe, um zu lernen, dass Arbeit Arbeit und Privat Privat ist und im Sinne Aller auseinanderzuhalten. - Das einzige was hier sinnvoll und hilfreich wäre, wären Adressen, die Du empfehlen kannst, wird es angenommen ist gut, wenn nicht, dann halt nicht. - das liegt an ihm ganz alleine, daran kannst Du nichts ändern.

    So, jetzt hol ich mir mal einen Kaffee, einen schönen produktiven Tag wünscht Euch Angelina

  • Servus Kleeblatt,

    Zitat

    Unser Freund hatte alles vor Jahren verloren. Wohnung, Möbel, Geld, Job, Familie und seine Oma. Kann man noch mehr verlieren?

    Ja, "man" kann. Nämlich sein letztes bisschen Selbstachtung.

    Kleeblatt, bei allem Respekt vor Deinen Zielen: den Weg dorthin finde ich persönlich bedenklich. Mir kommt das schon zu übergriffig vor, diese Art der Hilfe. Angelina1 hat es sehr schön geschrieben:

    Zitat

    Da braucht man selbst Hilfe, um zu lernen, dass Arbeit Arbeit und Privat Privat ist und im Sinne Aller auseinanderzuhalten. - Das einzige was hier sinnvoll und hilfreich wäre, wären Adressen, die Du empfehlen kannst, wird es angenommen ist gut, wenn nicht, dann halt nicht. - das liegt an ihm ganz alleine, daran kannst Du nichts ändern.

    ICH saufe, also muss ICH mich um MEIN Wohlbefinden SELBER kümmern. Das Handwerkszeug dazu habe ich ja in einer Therapie lernen können.
    Gehe ich denn regelmäßig in eine SHG? Wenn nein: Warum nicht? Wenn ja: warum fängt mich die nicht auf - will ich das womöglich gar nicht?

    Du siehst, viele Fragen, die nur er sich selbst beantworten kann. Vorausgesetzt, er will sich die entsprechenden Fragen überhaupt stellen.


    LG
    Spedi

    P.S.: Ich schreib' Dir das als mal aus meiner Sicht - der Sicht eines Alkoholikers.

  • Hy Spedi,
    wollte Dir mal sagen, dass ich es extrem toll von Dir finde, immer mal wieder was ins Co-Forum zu schreiben, bin schon oft über Deine Beiträge gestolpert, die ich sehr hilfreich finde und treffend die Seite beleuchten, die eben für Co' s oft ein ewiges Rätsel darstellen.
    Weiter so! :idea: liebe Grüße Angelina

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