Ich für meinen Teil finde Wut und Enttäuschung gegen den Alkohol etwas ganz normales - auch wenn ich schon hören musste, dass viel Feindschaft und Sarkasmus in meinen Beiträgen steckt. Das drückt sich nunmal in Worten aus, die sich dann zumeist gegen den Kranken richten, weil er einfach das verkörpert wodurch es uns allen (Kranke und Co.) schlechter geht.
Trotz dem Wissen um die Krankheit gelingt es mir immer oft noch nicht vieles zu begreifen, was passiert.
Ja, der Alkoholismus ist eine Krankheit - das ist keine Frage - aber dennoch passieren im Rahmen dieser Krankheit durch den Alkohol Taten und Aktionen die durch die Herabsetzung der Hemmschwelle entstehen. Ich für meinen Teil muss sagen, sexuelle Übergriffe sind für mich ein Thema, durch welches bei mir sehr viel Wut entsteht besser gesagt entstand, denn nun ist das nicht mehr möglich. Ich denke nämlich, dass nur wenige Alkoholiker solche Dinge wirklich tun.
Meines Erachtens haben Menschen, die das tun, bereits zuvor - also vor den Alkoholikerzeiten - etwas in sich, dass nicht üblich ist. Dieses Ausleben mit dem Alkohol ist dann für mich ein Ausbruch der Persönlichkeit und nicht des Alkohols.
Ich denke mal ein Alkoholiker, der diese Zeilen liest könnte zuweilen schon erschreckt sein. Auf der anderen Seite lese ich viele ehrliche Zeilen von Alkoholikern, die selber sagen, wie unmöglich es quasi ist nass eine Beziehung zu leben. All jene, die trocken wurden, wissen unter Garantie, welche Wut und welche Enttäuschung im (Ex-)Partner ablaufen kann, je nach Verhaltensweise.
Wobei - Beziehung mit einem Trockenen - ich denke mal, wenn er/sie das aus ganzem Herzen ist, dann kann Menschen die Alkoholgeruch nicht mögen nichts besseres passieren! Denn ich denke, viele sind wirklich raus aus der Sucht - da ergänzt sich jemand der keinen Alkohol zu sich nimmt gut - aber die Co-Seiten dürfen eben nicht mehr vorhanden sein, da sehe ich mehr die Schwierigkeit. Vom Grundprinzip würde mir wohl nur ein trocknere Alkoholiker ermöglichen nicht mehr die elende Bierfahne riechen zu müssen. Da ich selber aber noch viel Co in mir habe, könnte eine solche Beziehung dann aber auch für alle beide schlecht verlaufen.
Ich denke, so was muss sich einfach zeigen durch Freundschaft und den Umgang mit den beiderseitigen Krankheitsseiten.
Lieben Gruß von Dagmar
p.s.s ich finde es wichtig - auch wenn ich jetzt eine aufs Dach kriege - die dinge so zu schreiben wie sie gefühlt werden. Nur so kann der Betreffende ver- und bearbeiten. Auch trockene Alkoholiker sind ja als Antworter willkommen und gerne nehmen doch die meisten von uns deren Antworten an, eben weil sie trocken sind und wissen was abläuft....
Es ist viel verlangt, einem Co, der selber für sein Leid sorgte, die richtige Einsicht in die Krankheit zu vermitteln und die Wut auf den Alk unter Kontrolle zu bringen - ich denke, es dauert Jahre bis der Schmerz und die Enttäuschung relativiert werden kann (wohl zumindest bei mir).
Lieben Gruß von Dagmar