Ich befürchte ein kleines bischen, dass das mit dem zu Tode saufen damit zusammenhängt wie das Umfeld reagiert. Je mehr Helferlein um den Kranken aktiv sind, desto eher bleiben auch gesundheitliche Folgen erspart - natürlich auch die Chance einer Erkenntniss und Bekämpfung der Sucht.
Ich weiß aus meinen Zeiten im Pflegeheim, dass Alkoholiker auch alt werden können, ob der Zustand dann jedoch immer der schönste ist, das wage ich so zu bezweifeln nach all dem, was ich gesehen habe. Ich denke, bei Deinen Beispielen wird der Spiegel gehalten und den Leuten geht es "soweit gut".... Sofern man das sagen kann wenn man die üblichen Beiwirkungen betrachtet.
Ja, Liebe Andrea, es gab Zeiten, da hatte ich große Angst dass er durchdreht, weil er eine Zeit lang sehr aggresiv mir gegenüber war. Ich ging mit Handy und der Notrufnummer ins Bett, war mit Jogginganzug bekleidet und die Nachbarin hatte immer eine Hintertüre offen, damit ich auch nachts zu ihr kann, wenn etwas passiert.
Hier haben sich seit meiner Abgrenzung, klaren Linien und sehr deutlichen - aber nur einmaligen! - Aussagen die Fronten gehörig verändert.
Es ist keinerlei Krankheitseinsicht zu finden - das ist gleich geblieben.....
Er "reißt sich den HIntern auf" um mich zurück zu gewinnen. D. h. er bemüht sich Hobbies bzw. Interessen (wie meine Liebe zu Pflanzen) im Außengarten zu aktivieren, um dadurch eine Bindung an mich zu behalten. Es erscheint mir auch so, als wäre diese extreme, vermehrte Energie ein Teil von ihm, der so versucht gegen die Sucht anzukämpfen (im Prinzip ergebnislos, aber eben ein weiterer Versucht).
Derzeit sorgt dieses "Hintern aufreißen" auch dafür, dass er versucht seinen bürokratischen Mist in Ordnung zu bringen.
Derzeit, das kann sich aber von heute auf morgen ändern!, muss ich keine Angst haben weil er kämpft wie der Weltmeister - gleichzeitig eben auch bemerken muss, dass ich bei meinen Umzugsplänen bleibe, dass meine für mich gestellten Zukunftsziele weiterhin realisiert werden, unabhängig davon, was er tut.
Weißt Du, liebe Andrea, ich habe ich meinem Fall sehr wohl den Eindruck, dass alkoholkranken Menschen klar ist, dass sie gegen soziale Formen verstoßen und anderen Menschen weh tun. Je nach eigener Verfassung reagieren sie wohl mit Wut, oder Trauer, Sentimentalität oder dem Versuch zu beweisen, dass "man doch nicht so schlecht ist". Sie haben, so denke ich, Gefühle wir wir nüchternen - nur spüren sie diese nicht so wie wir, schätze ich.
Mein direkter und offener Weg ließ meinem Gegenstück keine andere Wahl als entweder das Verhalten umzustellen oder sich gleich an die Wand zu trinken. Es ist noch keine Einsicht da, da müssen wir uns nichts vormachen! Hilfe von fachkundiger Seite scheint auszuscheiden, denke ich! Aber das Bewußtsein dass es so nicht geht, wie das die letzten Monate lief, das scheint sich etwas zu wandeln.
Eine weitere Wandlung wird sich nach meinem Auszug in einigen Wochen ergeben. Egal, ob so oder so - ich bin dann geschützt im eigenen Haus und kann mich dann ganz abgrenzen - oder aber Freizeit mit ihm verbringen, das obliegt dann seiner Verfassung, Laune und meinem Interesse. Aber ich kann dann entscheiden.
Ich sehe in den Veränderungen keine massgebliche Besserung, liebe Andrea und betrachte es auch nicht als Ansatz für eine bessere Zukunft. Aber ich sehe, dass mein direkter Weg ein Umdenken bzw. überhaupt ein Nachdenken bewirkt hat. Denn eines hat er geblickt: er kann mir so viel Wut wie er will entgegensenden, es berühert mich nicht. Ich schließe die Türe und er ist alleine mit seiner Wut (die zumeist gegen ihn selber ist).
Ja, er hat einen Scherbenhaufen vor sich - einen, den er selber zerschlagen hat. Einen, von dem er jeden Moment merkt wie er größer wird. Meine Teller sind eingepackt, er hat nun eine sehr kleine Küchenausstattung. Es fehl ihm schon an Auflaufformen ect.
Meine Bettwäsche ist umfangreich, im Gegensatz zu seiner, somit Probleme die Betten neu zu beziehen wenn nicht gleich die alte Garnitur gewaschen und getrocknet wird.
Möbel gibt es hier im Hause nachher nur noch sehr wenige. Vorhänge keine... Keine Dinge, die ihn berühern - aber Dinge, die er subtil spüren wird.
Nur dieses abgrenzen und loslassen hat es mir erlaubt stark zu sein (dabei muss ich den Menschen nicht in den Hintern treten oder "ver"lassen) und mich zu leben. Ihn loszulassen und seinem Schicksal zu überlassen. Es liegt an ihm das spüren zu wollen oder zu können oder wieder abzustürzen. Einfach seine Entscheidung...
Aber wir werden sehen, wie sich die nächsten Wochen noch entwickeln.
Lieben Gruß von Dagmar