Ja Ihr Lieben,
Kaltblut sprach was interessantes an, die Partnerbeziehung. Wobei ich noch gar nicht so tiefsinnig denken kann.
Mir fiel auf das bereits ganz wenige Fakten dafür sorgten dass ich für einen Menschen eine Schublade aufmache. Ich habe die Schublade sogar "nur" über einen Gegenstand aufgemacht und nicht einmal den Menschen betrachtet. Das erschreckt mich sehr. Ich selber möchte nämlich auch nicht vorverurteilt werden.
Ich glaube Nancy, ich bin da nämlich tatsächlich mal in meine tiefsten dunklen Kammern gerutscht. Ich war nämlich dabei einen recht normalen Menschen in von mir ausgedachte Schubladen zu stecken.
Klasse einfach. Denn nun weiß ich was mir schadet, also habe ich das gleich mal auf den Menschen projeziert.
Wie früher aber habe gleich tausend Grüne gesucht warum dieser Mensch als Kontakt (nicht als Partner) nicht gut ist. Ach, fiel mir viel an Gründen ein.
Eines aber hatte ich übersehen, das tat später weh, als es mir auffiel: da war ein Mensch der mit mir in Kontakt treten wollte - ganz normal wie früher eben die Menschen, die ich ablehnte - und ich wollte wieder ebenso reagieren wie damals. Damit ich einen noch besseren Schutz habe wurde er gleich in Schubladen gepackt.
Ich habe mir also einen Schutzmechanismus gebaut, der einfacher ist als einen Menschen so zu nehmen wie er ist. Ich habe meine Sicht projeziert und keinesfalls das, was war.
Genau das "Beuteschema" welches Kaltblut anspricht finde ich ja so schlimm, welches ich hatte und drohte wieder anzuwenden. Nur jetzt noch um Nuancen gesteigert mit dem Wissen der letzten Beziehung.
Ich bin mit mir selber und meiner Vorveruteilung ziemlich ins Grübeln gekommen. Ich finde es unschön, einen Menschen schlecht zu reden, der nur positive Züge an den Tag gelegt hat. Genau wie vor zig Jahren viele anderen Menschen auch. Ich frage mich nämlich ob ich so was wie Panik bekomme wenn mir jemand "nah kommt" oder einfach versucht mehr als Small-Talk zu betreiben.
Denn es war wohl tatsächlich so, dass nur Bluffer in der Lage waren mir Aufmerksamkeit abzuverlangen und nicht normal redende Menschen.
Es hat für mich den Anschein, als ob ich das große Glück habe, meine alten Muster im Kontakt mit einem Menschen zu erkennen, der stabiler ist als ich selber bzw. meine Expartner oder auch nur Kumpels. Mit dem Gefühl falsch reagiert zu haben (egal auf was) war ich schon in meinem Teufelskreis angekommen es nun besser und richtiger zu machen.
Jetzt aber mit diesem Bewußtsein war es möglich ohne Fehler wieder "auszumerzen" einfach die Basis zu erweitern. Früher meinte ich immer wieder eine "neue" schaffen zu müssen, weil ich zuvor etwas "falsch" gemacht habe.
Egal, ob es Partner oder eine gewisse Art von Kumpels war, immer hatten diese Kontakte von Anfang an unheilbringend angefangen, wie eine Art von Besitz-/Machtkontakten die ein loslassen nicht mehr ermöglichen. Da ist der Nachbar, der beständig anruft oder vor meiner Türe steht das Beste Beispiel. Ich sage ich will alleine sein, und zwar für die nächste längere Zeit und genau nach zwei Tagen wird bereits wieder x-mal am Abend angerufen.
Ich bin sehr dankbar für diese Aha-Momente, die mich ganz schön Turbulenzen haben erkleben lassen. Auf der einen Seite ein Mensch, der klammert und mich überrennt, auch wenn es nur als Kumpel ist.
Auf der anderen Seite ein Neukontakt wo sehr wohl Kontakt, loslassen, wiedertreffen, erweitern möglich ist.
Zweimal also die nahezu identische Situation:
zwei Menschen suchen den Kontakt - ich reagiere mit Vorsicht. Während einer dieser Menschen fair regaiert, mir den Abstand belässt und einfach aufbaut bin ich sofort bereit Schubladen zu öffnen und mich zurückzuziehen, den Kontakt abzubrechen.
Während ich im anderen Fall ein halbes Jahr gebraucht habe um endlich überdeutlich zu werden daß ich diese ständige Nähe nicht sondern alleine sein möchte. Zwar kam auch diese Deutlichkeit nicht an und der nächst Schritt wäre wirklich die Unhöflichkeit, aber nun gut, wenn es sein muss, dann auch das.....
Ich war also schon wieder auf dem Besten Wege in alte Muster zu fallen. Und hier ging es nur um nichtsexuelle Kontakte. In einer Sache wo es um neue Partnerschaften ginge wäre der Verlauf identisch gewesen!
So aber hat dieser schmerzhafte Aha-Moment mich ziemlich durcheinander gewirbelt. Aber ich war in der Lage auf mein Bauchgefühl zu hören und klar zu bemerken wert mir gut tut und wer nicht.
Gibt es Zufälle oder gibt es keine, beide Geschenisse waren zeitgleich. Ich konnte/musste also sofort spüren wie es ist wenn jemand meine Grenze übertritt und wie es ist, wenn diese geachtet wird. Zeitgleich wohlgemerkt. Per Bauch zu spüren wie sich "Einengung" anfühlt, aber auch wie das "losgelassen und wiedertreffen".
Für mich ist so etwas krasser nicht denkbar, als in der gerade erlebten Form. Zu bemerken, wie ich mich von Kontakten, in denen ich mich nicht wohl fühle, schwer distanzieren kann, während ich andere, die mir gut tun, leichtfertig abschütteln möchte.
Es ist schön, liebe Nancy, wenn das eine oder andere von mir erlebte Dir helfen kann besser in Dich selber hineinzusehen. Vieles ist so unerklärlich und so von Mustern gesteuert, dass es fast zum heulen ist.
Übrigens konnte ich auch klar erkennen, dass egal ob Partnerschaft oder Kumpanei - die Konsequenz muss dabei sein. Nachbar und Expartner konnten mich immer irgendwann erweichen (dadurch dass wieder und erneut meine Grenzen verletzt wurden). Erst dann, wenn ich dem Gegenüber nicht mehr erlaube in meine Grenzzone zu kommen, kann ich missgefälliges abstellen.
Ich habe den Eindruck Nancy, nach meinen Turbulenzen, dass eine solche Öffnung tatsächlich von alleine kommt, stückchenweise. Ich habe gemerkt Schubladendenken - falsche Schublade - wertvollen Menschen abgekanzelt nun liegt es an mir zu zeigen, dass ich diesen Menschen als wertvoll empfinde.
Es geht bei mir nur um einen losen Kontakt, hat also absolut nichts mit Partnerschaft zu tun. Aber da dürfte man/frau doch am Besten lernen können.
Lieben Gruß von Dagmar