Ich denke mal, liebe Kathrin, wir wählen auch unsere Freunde "anders" aus. Mir ist sehr aufgefallen, dass ich mit den meisten Menschen aus dem Bekanntenkreis meines damaligen Partners nichts anfangen konnte. Klar, ich war weder ein Würfelfreund, noch fand ich alkoholisiertes Gelalle toll.
Komischerweise gab es in seinem entfernten Bekanntenkreis Menschen, mit denen er es nicht so hatte, die aber genau meine Sympathien bekamen. Komischerweise auch diejenigen, die sich ganz schnell von ihm abwendeten, bevor er sich von ihnen (wie von mir) abwendete.
Mein Freundeskreis ist total anders und es gab da niemals Gemeinsamkeiten bei uns. Ich würde mal sagen, keiner von uns fühlte sich wohl in der Gegenwarte des Freundeskreis der anderen.
Nun, mein Umzug lief wie geplant - meine Freunde waren da und das nicht nur ein bischen.
Das ist nämlich genau der Unterschied: sich alles sagen zu können, klar und respektvoll, das geht selten mit Alk.
Weißt Du Kathrin, dass Du dich von Deinem Vater abgrenzen konntest kann auch ein reiner Überlebensmechanismus sein, der Dir glücklicherweise mitgegeben wurde. Ich hatte ja mit meinem Hausarzt ein sehr langes Gespräch, da auch er im Suchtbereich über Jahre hinweg arbeitet. Auch er sagt ganz klar "abgrenzen" und zwar ganz schnell. Wobei er sich im Klaren ist wie schwer das für Angehörige ist. Ich war sehr erstaunt darüber, als er sagte ganz wenige Partner würden vom Alkoholkranken weg gehen. Ich erzählte ihm mein Schlamassel ja erst als ich bereits ausgezogen war.
Was er da so trocken über die Schattierungen der einzelnen Alkoholikergruppen sagte war schon erschreckend und dennoch sehr informativ und deutlich für mich. An was ich noch lange denken werde sind seine Worte "ich helfe einmal - aber dann war es das. Wohl ein Grund, warum Alkoholiker im Regelfall nie mehr als zwei Quartale bei mir sind" D. h. er lebt seine Gradlinigkeit aus, lässt sich nicht zum Co oder "Verarschten" wie er sagt machen sondern grenzt sich ab.
Schön, dass Dir das als Kind - unbewußt - möglich war. Nun gut, danach kam eine unglückliche Beziehung. Aber dafür jetzt die Chance zu lernen und vielleicht die weitere Zeit viel glücklicher zu verbringen, als hätte es die schreckliche Zeit der Dreierbeziehung mit dem Alk niemals gegeben.
Lieben Gruß von Dagmar
(die sich nur kurz aus der Umarmung lösen konnte)