Hallo, liebe Wegbegleiter,
Ich denke, es ist an der Zeit, mein verwaistes Tagebuch mal wieder zu aktualisieren........
Mir geht es gut, auch wenn ich hier im offenen Bereich - zugunsten des Tagebuchbereichs - nicht so präsent bin.
Für die Fastenzeit habe ich mir vorgenommen, den *hausgemachten* Stress weitestgehend zu reduzieren und mir mehr Ruhe zu gönnen. Da ich mich bereits seit längerem mit ZEN und Buddhismus beschäftige, beginne ich meinen Tag mit einer morgendlichen Meditation um 04.45 Uhr, bevor ich zur Arbeit fahre. Durch die tägliche Praxis fühle ich mich einerseits innerlich sehr ruhig und habe gleichzeitig das Gefühl, dass sehr viel Energie in mir fließt.
Mit der täglichen Meditation habe ich an die Erfahrungen an meinen Klosteraufenthalt über den Jahreswechsel angeknüpft und merke, dass dadurch einiges in Bewegung gekommen ist. Zusammen mit meinem Partner werde ich auch in diesem Jahr nochmal in Kloster gehen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die zunehmende Beschäftigung mit dem Buddhismus bei mir langfristig eine Änderung der Lebensgewohnheiten – besonders der Essgewohnheiten- nach sich ziehen. Ich bin ohnehin nicht so ein *eingefleischter* Fleischkonsument und werde sicher darauf verzichten können, wenn ein Fleischkonsum nicht mehr mit den veränderten Lebensgewohnheiten und einer veränderten Sicht der Dinge in Einklang zu bringen ist. Ich setze mich damit aber nicht unter Druck, sondern lasse es geschehen, dass auch hier die Dinge im Fluss sind.
Für mich habe ich hier Parallelen zur Alkoholabstinenz gezogen – die mit dem Weglassen des Suchtmittels verbundenen Veränderungen im Leben haben es auch hier immer wieder mit sich gebracht, mich von Menschen, Orten und Gewohnheiten zu trennen, wenn es sich nicht mehr stimmig angefühlt hat. Mit dem Loslassen des Alten haben sich dann öfter ganz neue Wege aufgetan, die nicht möglich gewesen wären, wenn ich in den alten Mustern geblieben wäre.
Da ist viel in Bewegung gekommen, nachdem ich mich vorwärts bewegt habe...
Im Zusammenhang mit der Mitmoderation meiner realen Angehörigengruppe hat mich momentan die Frage beschäftigt, inwieweit wir eventuell neue Leute *vergraulen*, wenn wir die Dinge zu deutlich beim Namen nennen. Die Gruppe besteht aus einem festen Stamm von Leuten, die schon länger kommen und ist gleichzeitig offen für alle, die noch ganz am Anfang sind und sich Hilfe suchen.
Auch hier im Forum habe ich schon öfter Beiträge von Leuten gelesen, die mit Befremden darauf reagiert haben, wenn in der realen Gruppe *Tacheles geredet* wird, wenn dies angebracht erscheint.
Grundsätzlich halte ich Ehrlichkeit und Deutlichkeit angesichts der Tragweite unserer Krankheit für angebracht und werde davon auch nicht abweichen. Sicherlich gibt es aber Möglichkeiten zu modifizieren, wie etwas gesagt wird.
Als ich hier vor mehr als einem Jahr anfing, im Forum zu lesen, haben mir die klaren, kompromisslosen und sicher für die Betroffenen nicht immer bequemen Beiträge von* Spedi* sehr weitergeholfen, der die Dinge kurz, knapp und ohne Schnörkel auf den Punkt brachte.
Auch wenn er inzwischen hier nicht mehr schreibt, lebt sein *Wer will findet Wege, wer nicht will, findet Gründe* als Synonym für Hintertürchen und andere geflügelte Worte im Forum weiter.
Sicherlich gibt es zwischen Samthandschuhen und der harten Tour viele Nuancen und es gilt, diese situationsbedingt einzusetzen. Ich hoffe, dass ich in dieser Hinsicht meinen Weg finde – die Praxis wird es wohl zeigen.
Mit der Anschaffung eines Autos hat sich meine persönliche Mobilität wieder erhöht und ich genieße diese Freiheit nach 8 autofreien Jahren.

Liebe Grüße -
Schattenspringerin, die sich freut, dass die Dinge im Fluss sind 