Ich darf mich vorstellen. Ich heiße Katrin und bin fast 28 Jahre alt. Ich bin kein großer Redner, gleichwohl ein großer Schriftführer. Die Welt aus meinen Augen ist anders, was nicht immer nur von Vorteil ist, aber in der logischen Konsequenz in jedem Fall nicht bedeuten kann, kennst du eine, kennst du alle. Ich bin einfach und ich bin schwierig. Ich bin schwierig einfach Ich. Mein Leben verläuft stets im Tiefgang. Jeder noch so kleine Schritt und jede noch so kleine Geste erlangt Bedeutung durch und im Handeln und Vollbringen. Ich folge stets dem Weg in die Schwerelosigkeit, hinaus aus der unerträglichen Leichtigkeit des Seins. Ich bin ein rastloser Müßiggänger und ausdauernder Täter. Manches Mal das Eine viel hartnäckiger und länger als das Andere. Manches Mal beides zeitgleich, was oft verwirrt, auch mich selbst.
Eine Religion existiert nicht für mich, dennoch trägt mich ein großer Glaube vorwärts. Ich glaube an Energien. An Ströme, die uns leiten und uns immer an den Ort und zu dem Menschen führen, um das zu bekommen, was wir brauchen. Was nicht zwangs-läufig das ist, was wir wollen, aber auch nicht unabänderlich nicht zusammen gehö-ren muss. Ich glaube an das unabwendbare Schicksal aber nicht an den unaus-weichlichen Weg. Ich glaube an die Kraft, die im Loslassen alles wieder zusammen führt, was zusammen gehört. Ich glaube an zwei Insel über der Wasseroberfläche, die viel tiefer als wir in das Wasser schauen können unter Liebenden ein zusammen-hängendes Herz bilden und gewichtige Geltung und Halt für beider Leben auf jeder seiner eigenen Insel erklären. Und ich glaube daran, denn ich bin stets suchend und nie findend obgleich ich niemals auf die Suche gehe und stets finde, gefunden wer-de.
Ich hatte eine Zeit, in der ich vierzehn Stück Metall in meinem Körper stechen ließ und diesen schmücken ebenso zwei gestochene Bilder, die sich jedoch nicht so ein-fach abziehen lassen wie Schmuck herausnehmbar ist. Geschenke, die im Schmerz entstanden, in der eigenen Gefühllosigkeit auf der Suche nach Frieden und nach mir selbst. Ich bin seit ich denken kann weggelaufen. Vor mir selbst, meiner eigenen Kraft, vor dem Leben. Ich betäubte mich viele Jahreszeiten mit Drogen, um den dunklen Augenblicken und Geistern zu entkommen, die in mir die Herrschaft über-nommen hatten. Ich ergab mich Männern, die mir nichts Gutes zu geben hatten und mir viel zu viel nahmen und flüchtete vor schönen Dingen, weil sie mir Tränen in die Augen drückten. Ich ging stets den schweren und steinigen Weg, weil mir das einzig als Richtig erschien. Weil das der einzige Pfad war, auf dem ich barfuss über Scher-ben laufend, wenigstens Irgendetwas fühlte, wenn es auch nur ein Negativ war.
An einem ganz bestimmten Punkt bin ich aufgewacht, erwacht aus einem langen Dornröschenschlaf und habe mich durch die Dornen der saftigen und welken Rosen gekämpft, um das Licht und das Leben zu erblicken. Ich habe vielen bösen Geistern in die Augen geschaut und habe sie angeschrien. Mein Herz war langsam sterbend, auch wenn es die ganze Zeit so rasend schnell schlug, wie ein mit Kerosin betanktes Auto auf einer dreispurigen Autobahn in der Nacht fahren kann. Als ich die Augen öffnete um zu sehen, was es zu sehen gab und nicht mehr jeden Tag aufs neue ei-nen Pinsel nahm, um mir mein Bild vom Leben und der Liebe zurecht zu malen, zu übermalen und zu verwischen, habe mich entschieden. Ich entschied mich für mich, für mein Leben, für meine dunklen Geister und für mein kraftvolles helles Wesen, ohne wie zuvor mit Angst und Panik im Nacken zu fliehen und in Abhängigkeiten zu Dingen und Menschen Schutz zu suchen.
In der Gegenwart treffe ich jeden Tag aufs Neue Entscheidungen. Ich entscheide mich jeden aufwachenden Morgen, das und in das Licht zu sehen, was mir nicht im-mer gelingt, aber ich versuche es mit bestem Wissen und Gewissen. Ich entscheide mich jeden aufwachenden Morgen bis zur schlafenden Nacht, möglichst unabhängig von den Energien anderer Geschöpfe ein unschuldiges Kind, eine unverfälschte Frau, ein starker Mann, ein heilsamer Mensch zu sein und mir selbst dabei in der Unendlichkeit gerecht zu werden.
In der Vergangenheit war ich stets unterernährt und abgemagert im Stillstand und Rückwärtsgang. Ich fühlte mich stets als Opfer, wenngleich ich nie erkannte, dass ich darin vielmehr Täter bin, als ich es selbst noch jetzt manchmal wahrhaben will. In der Gegenwart bin ich aktiver Täter, um im Probieren Mich und meine Grenzen kennen zu lernen. Ich will leben und vorwärts gehen, manchmal stehen bleiben und Schön-heit oder Ekel empfinden, um dann wieder langsam einen Schritt vor den anderen zu setzen. Ich will nicht abspringen und wegfliegen, ohne vorher wirklich festen Boden unter meinen Füssen gespürt zu haben.
In der Vergangenheit fühlte ich in mir nur eine große leere Blase an Emotionslosig-keit mir selbst und anderen Menschen gegenüber. Ich versteckte mich hinter jedem Trauma, dass ich fand, um für mich Entschuldigungen zu finden, dass es mir schlecht gehen und ich leiden darf. In der Gegenwart bin ich hungrig. Emotional Ess-lustig. Ich will Lieben. Ich will Lieben lassen. Ich will das Wunschbild beiseite legen und die wirkliche Harmonie, Zartheit, Anmut, Charme und auch die wirkliche Häss-lichkeit schmecken und anfassen. Und ich will in meiner Ganzheit gespürt und erlebt werden, in meinem Gut und meinem Böse. Ich will mich selbst nicht mehr übersehen.
In der Vergangenheit hatte ich das Anliegen, Jedermann gefallen zu wollen. Ich dreh-te und wendete mich mit Vorliebe und zeigte immer nur die Seite, die ich als die Schönere empfand. Ich verschleierte, legte meine Netze aus wie eine Spinne und wartete bis ein anderes Individuum in die Falle hinein tappte. Ich manipulierte, sagte stets jein, um keine Verantwortung übernehmen zu müssen, um nicht allein sein zu müssen, um mich irgendwo zu fühlen, um mich über Irgendjemand oder irgendetwas Anderes definieren zu können. Ich spielte ein Spiel, die Hauptrolle in meinem eige-nen Schauspiel. Ich war die Tochter, ich war die Freundin, ich war die Geliebte, ich war der Drogenkonsument, ich war die Erkrankte, ich war das Opfer.
In der Gegenwart will ich frei sein. Ich will Ich sein und Jedermann sich selbst sein lassen. Ich will mich ohne Taubheit in den Armen eines Menschen erleben und in Klarheit erlebt werden. Ich will ohne Abhängigkeit in welcher Form auch immer leben. Lieben, Lachen, Weinen, Wünschen, Träumen, Reizen, Naturtrieben folgen, Lust und Last spüren, Neigungen erleben, Abfälle entsorgen, Bewunderungen aussprechen, Strömungen folgen, Vorlieben finden, Aufgefangen werden und Auffangen ohne Ein-zufangen. Ich will jeden Tag aufs Neue loslassen und losgelassen werden. Ich will mich jeden Tag wiederfinden können, jeden Tag aufs Neue wieder gefunden werden. Ich will jeden Tag aufs Neue probieren und schmecken. Ich will lautlos und zugleich ohrenbetäubend sein. Ich will Ja und Nein sagen. Ich will keine Versteckspiele. Ich will ehrliche, offene und klare Fronten um zu entscheiden, ob ich Kämpfen will oder kampflos das Feld räume. Ich will keine Manipulation mehr, das Spiel, was ich zu genüge kenne und ein Meister darin bin, weil ich es perfektioniert habe. Ich will, dass es gut geht, aber nicht mehr für und um jeden Preis.
Um all das sein zu können und um all das tun zu können, bedarf es Menschen an meiner Seite. Begleitende Menschen gestalten das Leben mit, deshalb muss man immer ganz genau aufpassen, wen man als seinen Freund bezeichnet, wer einen begleiten darf und um wen man lieber einen Bogen machen sollte. Deshalb will ich Helden um mich herum. Ich mag Lehrer und Schüler. Ich mag Gleichgesinnte und Andersdenkende. Ich mag Gewinner und Verlierer. Ich mag Umarmende und Len-kende. Ich mag Stille und Revolutionäre. Ich mag Vordenker und Querdenker. Ich mag Menschen um mich, die wie ich den Drang verspüren, vorwärts gehen zu wol-len, auch mal Fehler zu machen und sie sich einzugestehen. Menschen, die glei-chermaßen Geben, was sie können und Nehmen, was sie brauchen. Menschen, die tanzen und lachen, aber auch ehrlich weinen können. Menschen die unter der Du-sche singen, auch wenn es völlig falsch klingt. Menschen, die sich selbst nicht immer zu ernst nehmen und auch mal über sich selbst lachen können. Menschen, die sich selbst sehen und auf eigenen Füssen gehen können. Ich mag Menschen, die sich selbst lieben oder es zumindest immer und immer wieder versuchen zu erlernen. Ich mag Menschen mit bestem Wissen und Gewissen und dem Herzen auf dem richtigen Fleck. Menschen, die in ihrer Opferrolle auch den eigenen Täter erkennen wollen. Menschen, die sich an Blumen auf der Wiese erfreuen können und nackt sonnenba-den, ohne sich über ihren eigenen Speck zu grämen oder sich über den Speck der anderen erfreuen oder ärgern. Menschen, die neu machen, wenn es ihnen nicht ge-fällt. Menschen, die für ihre Ideale und Vorstellungen bereit sind zu kämpfen und Menschen die auch mal kampflos aufgeben, wenn ein Kampf aussichtslos ist. Men-schen, die leben und lieben und loslassen. Menschen, die helfen und sich helfen las-sen. Menschen, die erkranken und wieder gesunden wollen. Menschen, die für ihr eigenes Tun eigene Verantwortung übernehmen. Menschen, die Wünsche und Träume haben und sich nicht zu klein fühlen, diese auch zu erreichen. Menschen die ein kleines Lächeln für sich selbst finden in der dunklen Depression. Menschen, sich selbst umarmen können, selbst wenn sie etwas in sich sehen, was ihnen nicht gefällt. Menschen, die ihre Aggressionen und Hilflosigkeiten an den Sandsack und nicht an anderen Menschen verteilen. Menschen, die lautstark in den Wald oder den Berg herunter schreien können. Menschen, die Stille und Frieden genauso genießen kön-nen wie Laut und Chaos. Menschen, die einen Schatz erkennen und ihn zu würdigen wissen. Menschen die Wege finden und keine Gründe.
Ich suche Helden, denn ich selbst will ein genau solcher sein. Wir lernen durch Nachahmung, Erfahrungen und Üben, also verschaffen wir uns diese Möglichkeiten und erkennen und nutzen sie. Probieren geht über Studieren.
In tiefer Verbundenheit
kk.