Beiträge von Linde66

    Hallo @all, hallo Frozen Tears,

    Zitat

    Eine Chance geben würde bedeuten, dass DU es in der Hand hast. Hast Du aber nicht.

    Das sehe ich auch so.

    Wenn man sich hinstellt und sagt "ich geb dir/ihm noch eine Chance", dann beläßt man sich im Irrglauben, die Strippen in der Hand zu haben. Ich halte es für ausgeschlossen, überhaupt jemandem eine Chance geben zu können, völlig unabhängig davon, ob der andere Alkoholiker oder sonst was ist. Ein Arbeitgeber gibt auch keine Chancen, sondern er gibt einen Arbeitsplatz. Was der Arbeitnehmer daraus macht ist Seins...

    Gesetzt den Fall, ich habe jemandem eine Chance gegeben, sein Verhalten zu ändern, so wie ich das für "richtig" finde, das hat ja etwas mit Zeit zu tun, mit Lebenszeit. Was mache ich mit mir und meiner Zeit währenddessen? Ich warte. Bin im Stand by - Modus. Man muß sich aber mal klarmachen, daß es hier auch um MEINE Lebenszeit geht, die ich abgebe an jemand anderen. Wenn er dies oder das tut, DANN geht mein Leben erst weiter, bis dahin halte ich den Atem an. Das kann es doch nicht sein...

    Chance ist etwas, was man als solche begreifen und annehmen, aber nicht geben kann. Eine Chance wird zur Chance, indem man sie annimmt oder aber verstreichen läßt, weil man sie noch nicht leben kann.

    Eine Chance geben kann man nicht, das ist nur eine verklärende Umschreibung für die Tatsache, daß man sich selber auf Stand by schaltet und darauf wartet, daß der andere meinen Startknopf drückt, dadurch daß er das von mir erwartete Verhalten zeigt. Da ein Alkoholiker das in der Regel nicht tut, sondern weitersäuft, geht darüber das EIGENE Leben rum.

    Grüße, Linde

    Hallo ihr,

    danke für eure Beiträge! So langsam wird mir das Thema klarer.

    Wie ist das mit den EIGENEN Chancen? Was empfinde ich eigentlich als MEINE Chance? Kann das sein, daß ich eine Situation überhaupt nicht als Chance für mich wahrnehme? Und deswegen nicht ins Handeln komme?

    So im Nachhinein betrachtet waren es immer die Brüche in meiner Biographie, die zum Wendepunkt wurden. Oder eben nicht. Manchmal war es noch nicht so weit, um die Chance zu ergreifen. Aber was ist dieses ominöse "es", was noch nicht soweit war?

    Liebe Grüße, Linde

    Hallo Grazia,

    ein gutes Biotop für das Co-Muster ist noch der Arbeitsplatz, der Verein, die Familie... Hinschauen ist der Anfang. Ich finde es gut, daß du den Thread hier eröffnet hast.

    Das mit der fehlenden action kenne ich gut. Ich habe mich ja nur darüber gespürt. Ich konnte irgendwann die Leere leben, die Lücke. Ohne gleich wieder mit "Stoff" zu füllen. Mit der Zeit lebte sich mein Leben da rein. Ich kann mich jetzt auch in der Ruhe spüren, der Leichtigkeit. Hab Geduld.

    Lieber Gruß, Linde

    Ich gebe ihm nochmal eine Chance...

    Das war seine letzte Chance....

    Ich habe ihm schon so viele Chancen gegeben....

    Wenn er diese Chance nicht nutzt....

    Eine Chance bekommt er noch von mir....

    usw.


    Hallo beisammen,

    solche oder ähnliche Sätze tauchen immer wieder hier auf.

    Ich behaupte mal, daß das gar nicht geht, jemandem eine Chance zu geben. Ich als Mensch habe es nicht in meiner Hand, jemand anderem eine Chance zu geben. Das Leben selber bietet mir jeden Tag jede Menge Chancen, die ich annehmen oder nicht annehmen kann. Wie seht ihr das?

    Wie kann ich als Mensch einem anderen Menschen eine Chance geben? Wie soll das funktionieren? Welch anmaßende Haltung steht dahinter? Ist da tatsächlich so ein Machtgefälle? Die Chancengeberin/der Chancengeber ganz weit oben in der Machtposition, der/die Alkoholiker das Würmchen, dem nochmal zugestanden wird, sich in die richtige Richtung zu bewegen, sonst.... Ja was sonst eigentlich?? Ich geb dir eine Chance, wenn du die nicht nutzt, dann... was dann?

    Die Frage ist doch, ob ich selber die mir vom Leben geschenkten Chancen nutze oder mein Wohl und Wehe, meine Entscheidungen und meinen Weg vom Verhalten eines anderen abhängig mache.

    Nutzt ihr EURE Chancen oder wartet ihr mehr oder weniger bewegungslos darauf, daß der Alkoholiker sich bewegt?

    Gruß, Linde

    Hallo Emma,

    was meinst du mit "pflegerischer Konfrontation"? Und in dem Zusammenhang sprichst du von "gezielter Förderung". Wie meinst du das? Bist du seine Krankenschwester?

    Du sprichst von "diesem Mann" wie von einem Patienten, ist er das für dich? Suchst du dir einen alkoholkranken Patienten, um deine Co-Abhängigkeit auszuleben? Würde sich jemand, der die eigene Co-Abhängigkeit wirklich bearbeitet hat, sich jemals nochmal auf einen nassen Alkoholiker einlassen?


    LG, Linde

    Hallo Engel,

    Psychologen werden von den Krankenkassen bezahlt. Du bekommst eine Überweisung bei deinem Hausarzt und gibst die dann einfach ab, wenn du deinen Termin hast. Einfach herumtelefonieren und gegebenenfalls auf die Warteliste setzen lassen. Am Telefon hörst du schon, wessen Stimme dir symphatisch ist.

    Sind die Kaninchen ein Vorwand, nichts verändern zu müssen? Wie beim Psychologentermin: ohne Einsatz tut sich nichts und du wirst weiter unter der Situation leiden.

    Ich bin sicher, wenn du wirklich willst und etwas dafür tust, dann findet sich eine Lösung, auch für die Kaninchen. Denen gefällt es im übrigen in einer verqualmten Wohnung sicher auch nicht.

    Nimm dich wichtig und leg los! :wink:

    Lieber Gruß, Linde

    Dann nimm das Tempo raus. Kein Druck.

    Ich kann mir vorstellen, daß die Antworten hier reichlich Kopfkino auslösen.

    Du must gar nichts tun.

    Wenn es soweit ist, dann dann spürst du, was sich für dich richtig und machbar anfühlt.

    Bis dahin bleib in deiner Situation, bleib bei dir. Du schaust ja jetzt sehr aufmerksam hin. Das ist mehr, als viele andere in deiner Situation tun würden.

    Lieber Gruß, Linde

    Hallo hellren,

    du könntest ins Frauenhaus gehen bzw. dich dort beraten lassen. Du könntest für eine Zeit bei einer Freundin oder Verwandten unterkommen. Tel.-Nr. wechseln. Dich bei der Polizei beraten lassen.

    Viele Grüße, Linde

    Hallo Kailio,

    willkommen hier im Forum!

    So ungefähr sieht es bei meiner Mutter auch aus, sie trinkt mindestens 35 Jahre. Das ist auch nicht aufzuhalten, und wenn ich mich auf den Kopf stelle.

    "Tun" in dem Sinne sie vom Trinken wegzubekommen, geht nicht. Was ich tatsächlich tue ist, sie zu begleiten. Wie eine Tochter eine alte Mutter begleitet. Ich respektiere ihre Entscheidungen, auch die für den Alk. Die Ursachen ihrer Sucht liegen tief in ihrer Biographie vergraben, das weiß ich inzwischen, wir haben darüber geredet. Wenn sie betrunken ist, dann halte ich Abstand, wenn sie ansprechbar ist reden wir oder machen etwas zusammen, z. B. Brombeeren entsaften. Sie bringt mir gerade all ihre Küchentricks bei, ich sauge das auf wie ein Schwamm. Uns geht es beiden gut dabei. Dann gibt es wieder Tage, da geht nur Abstand, dann ist das halt so.

    Lieber Gruß, Linde

    Hallo empty,

    das meine ich. Bei mir gab und gibt es auch oft Zeiten, da paßt das Alte nicht mehr oder ist vorbei und das Neue ist noch nicht da oder noch nicht lebbar. Dann heißt es, die Lücke leben. Und nicht gleich wieder zumüllen mit einem Ersatz. Mit der Zeit merke ich dann immer, was jetzt WIRKLICH dran ist für mich.

    Lieber Gruß, Linde

    Hallo Elfi,

    ich wende mich den Dingen zu, die ich verändern kann. Ich therapiere nicht an anderen Leuten herum, sondern kümmere mich um mich. Außerdem engagiere ich mich ehrenamtlich. Vielleicht wäre das ja auch etwas für dich?

    Ich stelle es mir gerade mal umgekehrt vor, wenn du um mich herumsausen und mir ständig das Gefühl vermitteln würdest, an mir muß dringend herumgeschraubt werden, weil es mir gerade mal nicht gut geht. :shock: Es würde mich unter Druck setzen, wenn ich mitkriege, daß es dir schlecht geht, weil es mir nicht gut geht.

    Dir darf es gut gehen, auch wenn es mir schlecht geht! :wink:

    Hast du mal geschaut, ob dieses Muster vielleicht ein uraltes Muster ist, was bei dir schon als Kind "installiert" wurde? Vielleicht wäre das ein Ansatzpunkt.

    Lieber Gruß, Linde