Hallo Rosa Li,
das sind genau die Fragen, die aus dem ewigen Kreis rund um den Alkoholiker herausführen!
Denn es sind die Fragen, die mich zu MIR hinführen.
Was glaubt ihr wo eure Coabhängigkeit herstammt,für euch persönlich? -
Ich weiß nach vielen Jahren der Aufarbeitung, daß meine Abhängigkeiten erlernte Muster sind. In der Kindheit erlernte und verinnerlichte Beziehungsmuster.
Hattet ihr eine schlechte Kindheit,ein zerrüttetes Elternhaus? -
Ich bin Erwachsenes Kind einer Alkoholkranken Mutter, mein Vater hat mich 6uell mißbraucht. Ich habe Sucht- und Mißbrauchsstrukturen zutiefst verinnerlicht. Meine späteren Beziehungen waren immer in irgendeiner Art und Weise eine Wiederholung der so früh erlernten und verinnerlichten kranken Beziehungsmuster. Die Beziehung zu Mutter und Vater sind die ersten und tiefsten, die wir erleben. Sie werden zur Vorlage für unser späteres Handeln.
Warum lassen wir uns auf Männer ein die uns nicht gut tun? -
Ich docke unbewußt immer wieder bei Menschen an, die das ALTE Muster repräsentieren. Und: ich selber strahle Sucht- und Mißbrauchsmuster aus, also docken bei mir immer wieder Menschen an, die unbewußt genau das suchen. Das geschieht solange, bis ich mir der alten Muster bewußt werde und sie ausmiste. Und neue, gesunde Beziehungsweisen zu leben wage.
Ist es die Langeweile die einem ein "normaler" Mann vermittelt? -
Eine 'normale' Beziehung war für mich nicht lebbar, nicht wegen Langeweile, sondern weil ich nur angespannte Situationen kannte. Ich selber spürte mich nur dann, wenn action war. Das heißt, im Zusammensein mit einem 'normalen' Menschen spürte ich mich nicht mehr. Je gesünder ich selbst wurde, desto mehr 'Normalität' kann ich um mich herum zulassen und selbst leben.
Warum können wir nicht loslassen wenn es uns nicht mehr gut tut? -
Wir können das, aber nur schrittweise, indem wir uns dessen bewußt werden, was uns nicht gut tut. Und gleichzeitig bewußt werden, was uns gut tut. Und und das dann auch geben.
Mögt ihr euch selbst nicht? -
Inzwischen liebe ich mich. War ein langer Weg dahin.
Wurdet ihr allein gelassen? -
Ja, schon im Säuglingsalter kam ich ins Krankenhaus, alleine. Dann später immer wieder gab es oft jahrelange Lebensumstände des völligen seelischen verwahrlosen Lassens. Ich war über weite Strecken meiner Kindheit völlig alleingelassen. Ich habe ALLES versucht, um Bindung zu den kranken Eltern herzustellen, wo andere Kinder in der Pubertät immer wegwollten... Unerträglich das Gefühl des Alleingelassenwerdens und der Resonanzlosigkeit im Elternhaus. Ich habe ALLES gemacht, um sie zu erreichen. Auch das verinnerlichte ich und wiederholte es in meinen Beziehungen. Solange, bis ich das Muster durchschaute.
Habt ihr ein Trauma durchlebt? -
Ja, ich wurde 18 Jahre lang vom Vater 6uell mißbraucht. Ich lasse mich seit langem trauma- und körpertherapeutisch begleiten.
Warum quälen wir uns so? -
Ich bin gequält worden. Das habe ich verinnerlicht als Grundmuster. Ich konnte mir über viele Jahre absolut nicht vorstellen, daß es ein Leben außerhalb Sucht- und Mißbrauchstrukturen geben kann. Ein lebendiges, selbstbestimmtes, freies Leben war mir unvorstellbar.
Wir haben es in der Hand, hier und heute unsere Biographie selber weiterzuschreiben.
Danke für diesen Thread, er führt in die richtige Richtung, zu uns selbst.
Linde