Beiträge von Linde66

    Hallo liebe gatita!

    Hier ist Weihnachten! Und bei dir ist Ostern? Oder Sommer? Oder Regenzeit?

    Fühl dich um die halbe Erdkugel herum ganz doll gedrückt!!! Vielleicht hast du so ein wunderbares kitschig grellbuntes Kultplastikweihnachtsbäumchen, wie es früher alle Omas hatten... Und vielleicht mümmelst du gerade so etwas ähnliches wie Weihnachstbraten... Vielleicht trifft sich die deutsche Gemeinde und ihr feiert ein wenig...

    Wie auch immer, hab eine schöne Zeit. Ich wünsch mir für dich, daß du wieder zu deiner inneren Ruhe findest. Du hast alles in dir drin, nur isses bissel durcheinandergequirlt... Das klärt sich wieder!

    Alles, alles Liebe für dich!

    Linde

    Hi Manfred,

    das Strahlen, das gerade beim Lesen deiner Zeilen über mein Gesicht gegangen ist, kann locker mit der Weihnachtsbeleuchtung hier mithalten!

    Hey, ich freu mich riesig für dich, du hörst dich gut an. Heute ist heute und heute ist Harfenmusik dran. Und Februar ist noch lange hin. Gratulier lieber mir im Februar, ich freu mich dann einfach so, und nicht erst dann, wenn du Seelen-Klimmzüge machst... Das Leben kann so einfach sein, wenn man gewisse Sachen einfach wegläßt.

    Ich wünsche euch einen wunderschönen Abend!

    Liebe Grüße von Linde

    Guten Morgen Manfred!

    Ich weiß ja nun, daß du wochenends und Feiertags meistens nicht am PC zu finden bist.

    Aber vielleicht machst du ja heute eine Ausnahme und schaust mal hier vorbei.

    Ich schicke dir ganz liebe Grüße von hier aus dem Süden hoch in den Norden. Herbert Grönemeyer, dein Kerzel und der Lichterbaum und die Tanne vor der Tür, die Schafe und der kleine Fluß - es gibt so viel, was einem gut tut. Laß es dir gut gehen. Weil immer was geht. Manchmal nur bissel, aber das kann ja mehr werden!

    Schreib hier, wann immer dir danach ist.

    Linde

    Alpenrose, du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich vorhin über deine lieben Worte gefreut habe. Vielen Dank dafür.

    Ich war sehr erschöpft vorhin. Das Schreiben im Tagebuchbereich entlastet und klärt mich. Ich spüre deutlich den Unterschied, über Dinge/Gefühle zu reden oder wirklich in die Gefühle reinzugehen. Ich habe da für mich einen guten Weg gefunden. Ich kann mich öffnen.

    Und als ich vorhin aus dem geschlossenen hierher kam, da guckte ich so: :shock: ! Wer schreibt mir jetzt um diese Uhrzeit?! Und hab mich einfach riesig gefreut.

    Das Gedicht über Lichtmess ist schön. Ich liebe die Natur, liebe es, ihre Veränderungen zu beobachten. Alles hat seine Zeit und seine Wichtigkeit. Wenn der Winter nicht wäre, mit seiner Ruhe und Stille und dem Rückzug, dann hätten die Pflanzen keine Kraft für den nächsten Frühling.

    Ich wünsche dir auch eine wunderschöne trockene friedvolle Zeit. Hellwach mit allen Sinnen die Natur genießen, das Essen auskosten und das Jahr ausklingen lassen. Was für ein Jahr! Nicht wahr?!

    Alles Liebe, Linde

    Worte

    Hier wandern die Wörter.

    Hier wird ein Wort in die Freiheit des www entlassen und dann steht es erstmal da. Dann wird es von irgendjemand anderem mit auf die Reise genommen. Es begleitet ihn ein Stück weit. Ein anderer nimmt sich dann das Wort und so geht das immer weiter.

    Daran sieht man, daß es DOCH wichtig ist, wenn in China ein Sack Reis umfällt...

    Man weiß ja nie, was am anderen Ende der Welt dabei herauskommt. :wink:

    Mir gefällt das.

    Linde

    Hallo!

    Meine letzte Beziehung ist paar Jahre her und ich war dermaßen co.! Er war, wie ich selbst, von sexuellem Mißbrauch in der Kindheit betroffen. Er war sexsüchtig, und einiges andere mehr. Anfangs war es noch eine schöne Beziehung, die aber immer mehr in Schräglage geriet. Ich machte mich zu seiner Therapeutin, er sich zu meinem Patient. Schlimm.

    Da ich ausgehungert war nach Wärme, Zärtlichkeit, Körperkontakt hat er mich nur 'antippen' müssen... Zum Schluß hat er mich dann sexuell mißbraucht, da bin ich endlich aufgewacht. Und habe mich im alten Film wiedergefunden. Die Konstellation war wie in meiner Kindheit. Einer faßt mich an und ich bin nicht mehr ich selbst...

    Zum Glück konnte ich das alles beenden. Ich bin regelrecht aufgewacht und hab lange an mir gearbeitet. War ein wichtiges Thema in meiner Therapie. Ich weiß es ja nicht, aber ich finde, eine Beziehung könnte mir mittlerweile gelingen. Wäre schön. Die Zukunft wird es zeigen. Mir fallen jedenfalls die Knöpfchen deutlich auf, auf die ich früher angesprungen wäre.

    Gruß, Linde

    Ich möchte dir bissel was zum Schmökern untern Weihnachtsbaum legen:

    'Um die Kindheit betrogen' und 'Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit', beides von Janet G. Woititz. Kannst du hier unten auf der Seite bei ama*on.de anklicken. Dort wirst du sehr vieles finden, was dir dabei hilft diese "typischen" EK-Muster einordnen zu können. Vieles was du beschreibst sehe ich bei mir, kannst du aber hier in vielen Threads auch wiederfinden. Du bist damit nicht alleine. Und wenn das "Ding" mal einen Namen hat, dann kann man auch damit umgehen! Und Handlungsalternativen finden. Diese Muster sind zwar hartnäckig, aber Hinschauen und Einordnen ist der 1. Schritt.

    Das mit dem ganz persönlichen Tiefpunkt habe ich mit ManfredSch schon versucht herauszufinden. Bei mir war es so, daß ich diesen Tiefpunkt einfach hatte. Ich habe ihn weder haben wollen, schon gar nicht so extrem, noch habe ich gezielt danach gesucht... Es war halt so. Und dann wurde mir bewußt, wie gerne ich doch eigentlich lebe. Und wie enorm wichtig es ist, genau jetzt in dieser Sekunde die Verantwortung für mein Leben in die Hand zu nehmen und alle Hilfe anzunehmen, die ich finden konnte.

    Abgesehen davon HAST du dich ja schon aufgerappelt, wie du schreibst. Schließlich bist du HIER! :wink: Einfach weiterschreiben... Machst du eigentlich eine Gesprächstherapie oder so etwas? Es gibt auch SelbstHilfeGruppen für EK...

    Gruß, Linde

    Hallo Mel,

    schön, daß du dich gemeldet hast.

    Nicht einfach, die Situation jetzt. Ihr seid alle mehr oder weniger plötzlich mit der Krankheit Alkoholismus mitten in eurer Familie konfrontiert worden. Die Tatsache, daß im Umfeld der Familie diese Erkrankung ebenso vorhanden ist, kann man ja vielleicht besser wegstecken. Aber der eigene Vater?

    Wie gesagt, es ist sein Leben, seine Krankheit, es wird seine Entscheidung sein, wie er weiterverfahren will. Ihr könnt ihn nicht beeinflussen. Wenn ihr stundenlang auf ihn einredet z. B., dann macht er euch zuliebe vielleicht eine mehr oder weniger lange Trinkpause. Aber eine stabile Trockenheit sieht anders aus. Die gelingt nur, wenn der Wunsch nach einem trockenen Leben aus ihm selbst heraus kommt.

    Ein Alkoholiker braucht dafür seinen ganz persönlichen Tiefpunkt. Das mag bei deinem Vater genau heute sein, wo er sich entlarvt im Krankenhaus wiedergefunden hat... Weißt du, es ist nämlich eine Chance, so ein persönlicher Tiefpunkt. Es kann DER Wendepunkt in seinem Leben sein.

    Manche müssen aber erst ihr Haus versaufen, ihre Beziehung muß kaputt gehen, der Führerschein weg, Überschuldung, Einsamkeit... usw. Wenn das alles zusammenkommt, erst dann sind sie vielleicht bereit, Hilfe anzunehmen.

    Das was er sich und euch erschaffen hat, das wird weg sein, wenn er weitertrinkt. Und wenn er trocken wird, dann hat es für ihn vielleicht eine andere Bedeutung. Und er verzichtet sehr gerne auf seinen wunderschönen großzügigen Weinkeller...

    Zermartere dir nicht das Hirn mit solchen Gedanken: warum haben wir es nicht schon früher bemerkt? hätten wir es verhindern können? Und über die 2 Gesichter des Alkoholikers kannst du wenn du magst im Thread von Roa nachlesen. Du bist nicht alleine mit deinen Fragen. Wir EK schlagen uns alle mit ähnlichen Sachen herum.

    Nein, ihr hättet es nicht verhindern können. Wenn er trinken will, dann tut er das. Egal was IHR wollt, sagt, fleht, bettelt... Die Sucht ist stärker als jedes Argument.

    Lies vielleicht mal hier: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…bhaenigkeit.php

    Vielleicht hilft dir das beim Sortieren deiner Gedanken.

    Unternimmst du was mit deinen Kindern heute? Ich wünsche euch jedenfalls einen schönen 4. Advent.

    Linde

    Hallo Mel!

    Erst mal herzlich Willkommen hier im Forum.

    Du fragst, was ihr jetzt tun könnt. Leider ist es so, daß ihr nichts tun könnt. Der Alkoholiker hat eine tödlich verlaufende Krankheit, die aber durchaus zum Stillstand gebracht werden kann - wenn der Alkoholiker dies selbst will, Hilfe annimmt und an seiner Trockenheit arbeitet.

    Als Familienangehöriger kann man nichts tun. Ich weiß das aus leidvoller Erfahrung.

    Zum Glück ist dein Vater jetzt im Krankenhaus. Ein kalter Entzug daheim, ohne ärztliche Begleitung kann schlimme Folgen haben. Dein Vater ist jetzt erst mal versorgt. Die Ärzte können ihn beraten, welche Schritte möglich sind, wenn die Entgiftung abgeschlossen ist. Vielleicht nutzt dein Vater die Zeit im Krankenhaus für sich. Wenn er die Lungenentzündung soweit überstanden haben wird, dann kann er sich mit seinem Alkoholismus befassen und sich entscheiden, wie er weiterleben möchte.

    Ihr könnt ihn begleiten, wenn er den Weg in die Trockenheit gehen will. Ihr solltet ihm nichts abnehmen. Und seine Entscheidung akzeptieren.

    Ich wünsch mir für euch, daß er die Kurve kriegt. Aber trocken werden - wenn überhaupt - kann er nur für sich selber, nicht für euch.

    Was mich jetzt interessiert: wie geht es dir? Heute abend?

    Liebe Grüße, Linde

    Lieber Manfred,

    schön, daß du dich gemeldet hast. Und vor allem, daß es dir bissel besser geht. Bei den Alkoholikern schreiben sie in den Threads oft vom persönlichen Tiefpunkt. Wenn dieser erreicht ist, dann nimmt der eine jede Hilfe an, nur damit er nicht länger trinken muß. Und langsam aber sicher nimmt er sein Leben in die Hand. Und ein anderer bleibt an seinem persönlichen Tiefpunkt unten liegen, säuft weiter, und vegetiert vor sich hin bis zum Ende.

    Ich habe mich mal gefragt, ob es bei uns EK auch sowas wie einen persönlichen Tiefpunkt gibt. Und ich habe die Frage mit Ja beantwortet. Bei mir war es so. Tiefste Depression über mehrere Jahre, mal mehr mal weniger tief. Schwarze Gedanken, alles grau in grau. Suchtstruktur. Völliger Rückzug. Nur noch funktionieren in der Öffentlichkeit, daheim nur noch dahinvegetieren. Einstellen der einfachsten Tätigkeiten wie duschen, kochen, aufräumen.

    Und nur noch weinen. Und ab und zu wüten. Und auch mal böse auf die anderen sein, die sooo glücklich sind. Selbstmordphantasien stundenlang, tagelang, wochenlang. Der persönliche Tiefpunkt war erreicht. Und dann nahm ich alles an, was sich bot. Ich fragte um Hilfe. Ich nahm Antidepressiva. Nahm wieder Therapiestunden. Nur nicht weiter auf dem Boden rumkriechen...

    Selbstmordphantasien kamen bei mir daher, daß mir mein Leben aus der Hand geglitten war. Ich konnte mir nicht vorstellen, mein Leben in die Hände zu nehmen und zu leben. Einfacher war es mir vorzustellen, es zu beenden! Ein irrationaler Versuch, wieder handlungsfähig zu werden. Handeln ja, aber nicht Richtung "Leben leben", sondern Richtung "Leben beenden".

    Zitat

    Meine Freundin, die an Alkohol und Bulimie verstorben ist, sprach immer von Rückfällen. Das passt bei mir oft auch. In einem Moment fühle ich mich schon sehr weit genesen und stark und frage mich, was denn eigentlich so schlimm ist und dann passiert es wieder. Die alten Narben schmerzen, die Depression und Angst ist wieder schlimm und ich denke, es hört nie auf usw. Und danach schäme ich mich. Das hat mich schon immer fasziniert, diese Scham danach. Wie bei manchem Alkoholikern. Mir ist es dann den Freunden gegenüber, die ES mitbekommen haben, saupeinlich, wie ich drauf war.

    Aber mir hilft es, es als Behinderung anzusehen. Ich muss mich so nicht immer so abstrampeln, damit ich mich bloß als gesund empfinde. Nein, bin ich nicht und werde ich wohl auch nie sein. Macht auch nichts,-- eigentlich. Einschränkungen sind da und ich lerne und lerne und lerne, damit und danach zu leben.
    Und es gibt ja wirklich Krücken.

    Ich freue mich für dich, daß du eine Krücke bereit bist anzunehmen, die Medikamente. Ich habe dir ja schon geschrieben, daß ich da auch ultraskeptisch und vorsichtig bin. Aber wie gesagt, ich habe sie paar Monate genommen, es war ein leichtes Antidepressivum, die eine kleine Nebenwirkung nahm ich in Kauf (Müdigkeit). Die Grübeleien hörten nach wenigen Tagen auf. Und ich war wieder zugänglich für Gesprächstherapie. Und vor allem: ich konnte wiede meinen Notfallkoffer auspacken und Dinge tun, die mir gut taten und mich stabilisierten. Ich wurde langsam wieder handlungsfähig.

    Es tut mir sehr leid, daß du deine Freundin verloren hast. Wie schlimm das für dich gewesen sein muß kann ich mir gar nicht vorstellen.

    Ich habe in meinem Leben schon so viele Schmerzen erlitten. Ich möchte keine Schmerzen mehr haben. Deswegen gehe ich beim leisesten Schmerz zur Zahnärztin und lasse mir immer Spritzen geben. Und ansonsten lebe ich gesund, damit ich nicht krank werde.

    Schmerzen vorbeugen bzw. lindern, das geht. Aber Leid verhindern? Ich glaube nicht, daß wir das Leid aus unserem Leben heraushalten können. Das Leid kommt, will gelebt und erlitten werden, und dann geht es wieder. Es ist in der Welt, damit wir daran wachsen können. Weil immer was geht!

    Ich wäre nicht die, die ich heute bin, wenn ich nicht durch die Hölle des Leids gegangen wäre. Und heute bin ich froh, daß ich so tief fühlen kann. Genau so leidensfähig wie ich bin, bin ich auch liebensfähig, genußfähig, freu-fähig (das Wort gibt's nicht, grins). Ich bin lebendig, weil ich beide Pole des Lebens leben kann.

    Ich drück dich.

    Liebe Grüße von Linde

    Hi,

    na, das hört sich doch prima an! Ihr habt miteinander geredet, die leidige Papierarbeit aufgeteilt. Immer wieder reden, immer wieder neu aufteilen, das entwickelt sich ja und mit der Zeit wird es vielleicht einfacher und geht einem leichter von der Hand.

    Ob es für sowas Kurse gibt? Weiß nicht genau... Was es gibt sind sogenannte Lohnsteuerhilfe-Vereine. Die haben in jeder Stadt Anlaufstellen. Könnte mir vorstellen, daß die einem weiterhelfen können.

    Gruß, Linde

    Hallo Manfred!

    Wenn ich das bei dir lese mit dem Gedankenkarussel und den langen Grübelphasen, dann kommt mir das alles von mir bekannt vor. Ich hab Stunden, Tage, Wochen damit zugebracht mir Gedanken zu machen: was wäre wenn?!

    Statt mich damit zu befassen: was ist jetzt dran?!

    Mir kam es irgendwann bei mir mal so vor, als mache ich mit mir selber so eine Art Ablenkungsmanöver oder Übersprungshandlung. Da bringe ich Stunde um Stunde damit zu, mich mit der Zukunft zu befassen, die ich eh nicht vorhersehen kann. Statt jetzt und hier mein Leben zu leben. "Werde ich diese Schmerzen für immer haben?" Tja. Eigentlich kann man so einen Gedanken einfach weglassen, denn die Frage ist definitiv nicht zu beantworten. Oder? Die Frage könnte konstruktiver lauten: was kann ich jetzt und hier tun, damit es mir besser geht und ich mich wohlfühle?

    Mir hat in den allerschlimmsten Phasen meiner Grübeldepression, wo ich nur noch schwarzes Gedankenkarussel dachte, eine medikamentöse Unterstützung geholfen. Ich habe das Antidepressiva inzwischen längst wieder abgesetzt, aber in der Zeit hat es mich gut unterstützt. Ich war erst total dagegen. Aber irgendwann war ich so unten, daß ich zusätzlich zur Gesprächstherapie u. Körpertherapie eine leichte medikamentöse Behandlung angenommen habe. Wie gesagt, mir hat das geholfen, kann für jemand anders ganz anders sein.

    Wie läuft's bei dir inzwischen?

    Liebe Grüße,

    Linde

    Zitat

    Aber du scheinst es ja irgendwie geschafft zu haben.

    jou, und ich frag mich aber grad WIE?? und am Ende des Weges angekommen bin ich sicher auch noch nicht...

    Also, dein Thema ist so, daß ich glaube ich damit bissel schwanger gehen muß. Es tauchen einige Fragen bei mir selber auf. Und paar Ideen-Fragmente.

    Die alten Muster. Irgendwann erst mal als ALT entlarvt. Sie waren vielleicht mal für irgendetwas gut in meiner Herkunftsfamilie. Und heute passen sie nicht mehr auf mein erwachsenes Leben. Also heißt es Loslassen. Weglassen. Und vor allem: die Lücke aushalten. Das Alte paßt nicht mehr, aber für sich selber hat man noch keine alltagstauglichen neuen Handlungsalternativen entwickelt.

    Einfach weiter weglassen. Und schauen, was in die Lücke an individuellen, aktuellen, erwachsenen Handlungsalternativen hineinwächst.

    Dann: es ansprechen und sich helfen lassen. Bei dir vielleicht durch deinen Mann. Wenn du dieses und jenes jetzt nicht hinkriegst, dann kannst du ihm anbieten, dafür das und das zu übernehmen. Dann hättet ihr das geregelt und der Druck wäre von dir runter.

    Eine Idee hab ich so für mich, wo diese Handlungsblockade überhaupt herkommen würde: wir haben nie erfahren, daß es sich lohnt, eine Handlung zuende zu führen. Wie oft wurden wir mittendrin unterbrochen? Wie selten wurden wir für ein erreichtes Ziel gelobt? Tja. Und wenn wir aus uns heraus mal was zuende brachten, dann wurde das mit Mißachtung bestraft. Meine Eltern zeigten mir gegenüber ein grandioses Desinteresse. Die wissen bis heute nicht, daß ich Abitur habe, welche Bücher ich lese und so weiter.

    1000 mal wurden uns wichtige Dinge zerstört: ein Familienfest, ein Ausflug, ein Geburtstag, das Mittagessen, das abendliche Fernsehen, egal was. Nie haben wir erfahren, wie es ist, in aller Ruhe, mit Aufmerksamkeit u. mit Erfolgserlebnis am Schluß etwas von a bis z zuende zu bringen. Und du und ich, wir wundern uns, warum uns nichts gelingen will? Mir geht es so, daß ich den Haushalt usw. soweit im Griff habe. Aber ich habe ein Problem mit Papier. Die wirklich wichtigen Sachen wie Steuer, Rente... liegen bei mir stapelweise.

    Ich danke dir, daß du dieses Thema hier reingebracht hast. Ich schätze mal, das wird mich noch eine Weile beschäftigen.

    Ich denke, meine Blockade, die wichtigen Papierstapel überhaupt anzugehen kommt daher: Ich habe erlernt, daß es sich nicht lohnt überhaupt anzufangen. Warum sollte ich es also tun?

    Meine heutige Antwort: aus Eigenverantwortung und aus Selbstachtung.

    Erst mal liebe Grüße, Linde

    Hallo @, hi Strickmütze,

    was du da beschreibst heißt bei mir "Alkoholikerfamilen-Umdreh-Mechanismus". Das Wort hab ich selbst erfunden, steht so in keinem Buch.

    Was ich damit meine ist folgendes: in der alkoholkranken Familie werden die Kinder von früh an darauf getrimmt, Verantwortung zu übernehmen. Sie kriegen vermittelt, das sie "zuständig" sind, die Familie zu schützen, den Laden aufrecht zu erhalten, den schönen Schein zu wahren, dafür zu sorgen, daß alle zufrieden sind... usw.

    In einer suchtstrukturfreien Famile gibt es die elterliche Sorge. Hier kümmern sich die Eltern um die Kinder. Hier übernehmen die Eltern die Verantwortung für die Familie.

    Bei uns wurde das umgedreht. Und diese Programmierung funktioniert zum Teil heute noch... sich verantwortlich fühlen, alle glücklich machen wollen, es jedem Recht machen wollen... Mit der Folge, daß wir schier zusammenbrechen unter der Last, die wir uns aufladen.

    Jetzt fällt mir doch ein Buch ein, du hattest ja in deinem Thread gefragt: "Um die Kindheit betrogen" v. Janet Woititz. Da geht es um uns EK.

    Liebe Grüße,

    Linde