Ein Tag nach dem anderen. Genau. Ist das Kerzel an?
Du arbeitest im übertragenen Sinn an deinen Wurzeln... das korrespondiert vielleicht mit deinen Zähnen. Auch wenn sie fehlen, der Körper erinnert sich an sie. Und an die Umstände, die zu ihrem Verlust geführt haben. So isses jedenfalls bei mir.
Ich habe das Gefühl, daß sich bei dir verschiedene Zeitstufen der Angst mischen.
Da ist eine aktuelle Angst: was ist nun schon wieder los mit meinem Kiefer? Hab ich eine schlimme Erkrankung? Was kommt auf mich zu?
Und da ist eine alte Angst:
Zitat
Wenn ich Schmerzen habe, bin ich nicht mehr gesund, bin ich fehlerhaft, makelbehaftet, nicht perfekt. Ich glaube, das kommt ganz deutlich von meinen Eltern. Sie haben mir häufig ein Gefühl der totalen Aussichtslosigkeit vermittelt.
Dieses uralte Gefühl der totalen Aussichtslosigkeit, der Ausgegrenztheit, des "Falsch"-seins. Wenn ein Kind sowas vermittelt kriegt, ist ja klar, daß es völlig verängstigt reagiert und panisch wird! Kinder zwischen schwarz und weiß aufwachsen zu lassen ist grausam! Kinderwelt sollte doch bunt sein...
Jetzt ist jetzt.
Und es sieht so aus, als ob die alte kindliche Angst, Panik, Hoffnungslosigkeit usw. reaktiviert wird, wenn du heute aktuell in eine ähnliche Situation gerätst. Heute hast du Schmerzen im Kiefer. Und wie in der Zeitmaschine saust du in die vergleichbare alte Situation. Die Tür ist offen, und wie eine Flutwelle sausen die alten Gefühle herein und mischen sich mit den aktuellen Gefühlen. So kommt es mir vor. Und diese Mischung ist heftig und vor allem lähmend.
Ich frag mich inzwischen immer, wenn ich auf irgendwas außergewöhnlich heftig reagiere, ob da ein ALTES Gefühl aktiviert worden ist. Und dann versuche ich zu sortieren: was ist heute aktuell dran? und was ist eventuell ein altes Gefühl? Erinnere ich mich vielleicht an ein altes Gefühl...?
Weißt du, sich an alte Gefühle zu erinnern, kann evtl. schon triggern. Deswegen wühle ich auch nicht in den alten Gefühlen herum. Wenn die alten Gefühle hochkommen, dann ist das halt so. Aber man kann lernen kreativ damit umzugehen. Wir sind heute nicht mehr die Opfer. Ich registriere die alten Gefühle: "hallo alte Angst" und schaue dann, was mir JETZT gut tut. Ich gehe nicht in diese alte Angst rein! Sondern aktiviere meine Ressourcen. Was tut mir JETZT gut?!
Kannst du mal schauen, ob du Kontakt kriegst zu einem Anteil in dir drin, der da war VOR der alten Angst? Du hast es mal als Licht beschrieben.
Ich habe in mir das Bild eines Kerns, der in mir drin ist. Der heil ist. Der nix abgekriegt hat von all den vielen Verletzungen und Grenzüberschreitungen. Zu dem versuche ich immer wieder hinzuspüren.
Das mit dem Makel kenne ich sehr gut. Ein Reinigungsritual wäre vielleicht gut. Ein kleines Kind hat keinen Makel. Die Erwachsenen stülpen da ihren Mist über das Kind drüber. Und was macht man mit übergestülptem Mist? Abschütteln und duschen...
Grüße, Linde