Hallo Manfred,
jetzt mußte ich aber doch grinsen:
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dass Du, Linde, in so relativ kurzer Zeit so viel erreichen konntest.
Ich kann mit dir und deinen 25 Jahren Therapie ganz gut mithalten! Angefangen hab ich mit vielen Jahren Verhaltenstherapie. Dann kamen z. T. parallel dazu 2x versuchsweise SHG, war damals aber nicht das Richtige für mich. Dann Körpertherapie (Atemtherapie n. Ilse Middendorf) bis zum heutigen Tag. Kunsttherapie eine zeitlang. Und wie gesagt die 2 Jahre Traumatherapie. Alles ist relativ, sagte schon Einstein... Ich habe alles angenommen, von dem ich merkte, daß es mir hilft. Wie lang das dauert? Völlig wurscht! grins
Ja, was ist seelisches Trauma?
Ich würde sagen eigentlich ALLES, was die menschlichen Belastungsgrenzen übersteigt. Egal ob das ein einmaliges Erlebnis ist oder ob man über einen längeren Zeitraum einer schlimmen Situation ausgesetzt ist. Wenn nicht die Möglichkeit besteht, das Geschehene für sich aufzuarbeiten, es in die eigene Biographie zu integrieren, sondern es in einem drin unbearbeitet "eingefroren" wird, dann ist man traumatisiert. In sogenannten 'Flashbacks' sauste ich gefühlsmäßig 1000x wie in einer Zeitmaschine aus der Ist-Zeit in die Vergangenheit hinab. Auslöser dafür waren oft Gerüche, Geräusche, bestimmte Dinge, Orte, Gesten.
Eine einmalige Gewalterfahrung kann evtl. genauso schwer verarbeitet werden, wie jahrelanger Mißbrauch, Vernachlässigung oder Demütigung. Wenn du dich näher informieren willst, schau mal bei w*k*ped*a unter "Trauma (Psychologie)". Diese Definition finde ich sehr gut. Und bei Luise Reddemann finden sich sehr gute Bücher. Mir hat das Lesen von Fachbüchern immer geholfen, hinter die Dinge zu kommen.
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Was könnte ich denn diesem Jungen heute mal Gutes tun?
Frag ihn einfach. Reddemann schreibt von der 'inneren Konferenz'. Wende ich sehr oft an. Bei mir sind es mehrere innere Kinder in verschiedenen Altersstufen, mit z. T. konträren Bedürfnissen. Außerdem kann man sich einen 'inneren Helfer' vorstellen.
Eines meiner inneren Kinder ist ein etwa 10jähriges Mädchen mit völlig roher, verbrannter Haut. Sie ist gut aufgehoben an einem ganz besonderen inneren Ort, den ich per Imagination für sie geschaffen habe: eine schöne Tropfsteinhöhle, kühl, feucht, wo ihre Haut nicht mehr brennt und sie keine Schmerzen mehr hat. Ihr innerer Helfer und der einzige Begleiter, den sie bei sich akzeptiert ist eine Fledermaus.
Vielleicht geht das hier zu weit? Es gibt ja hier im Forum einen Thread "Wie weit darf die Hilfe im Forum gehen?" oder so ähnlich.. Ich schreib hier nichts aus Büchern ab, es ist mein Weg, vielleicht kannst du dir ja was davon rauspicken. Für jeden ist der Weg anders.
Du merkst, daß sich Imagination (sich mit dem inneren Kind unterhalten, es an einen sicheren Ort bringen, es versorgen mit allem was es jetzt braucht) und Rituale (kleine Zeremonien, die man tatsächlich durchführt) irgendwie ähneln, man sie sogar kombinieren kann. Manchmal habe ich mich sogar von Träumen inspirieren lassen. Ich finde das ganze Thema total spannend. Wir Menschen haben das Bedürfnis, daß sich ein Erlebnis "rund" anfühlt, die Dinge zu einem guten Ende kommen. Mir ist es gelungen, auf die eben beschriebene Art, meine Traumatisierungen in meine Biographie zu integrieren. Es fühlt sich jetzt gut und rund an. - Merke gerade, wie erleichtert ich darüber bin.
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" Ich bin nicht schlimm, ich bin gut so und liebenswert."
Du bist genau richtig, so wie du bist. Wie du auf deinem Weg bist - bzw. deinem Fahradweg!
Bei mir ist's zu buckelig zum radeln, ich bin deswegen immer auf Wanderschaft. Hauptsache wir sind alle hier in Bewegung, UNSERER Bewegung auf UNSEREM Weg.
Bis denn, Linde