Mein Problem ist es, mich zu distanzieren. Ich kann den Kontakt zu ihm abbrechen. Aber ich müsste auch den Kontakt zu Mama abbrechen, um nichts mehr mitzubekommen. Das will ich eigentlich nicht. Wie kann ich hier einen Mittelweg finden?
Hallo Stephie,
das kenne ich sehr gut. Ich habe mal ca. 10 Jahre den Kontakt zum Elternhaus einschlafen lassen. Es hat sich vollkommen falsch angefühlt, vor allem an Feiertagen oder Geburtstagen. Es hat mich innerlich fast zerrissen. Es fiel mir unfaßbar schwer den Abstand aufrecht zu erhalten. Alles in mir drin schrie: Soooo schlimm ist es doch gar nicht...
Ich habe es durchgehalten, ich bekam (oder hatte vorher schon) Depression und PTBS und war wirklich ewig in psychotherapeutischer Behandlung.
Mit den Jahren ist aus dem äußeren Abstand ein innerer Abstand zu ihnen geworden. Ich kann inzwischen ganz gut bei mir bleiben, wenn ich mit ihnen zu tun habe. Denn das habe ich in der Zwischenzeit wieder. Sie sind sehr alt inzwischen.
Ich kann am besten Vormittags hingehen, ich halte die Kontakte sehr kurz, wenn ich Besorgungen abzuliefern habe stelle ich sie auch mal nur auf die Treppenstufe. Also unterm Strich schaue ich tagesabhängig, wie ich mich fühle.
Es gibt Tage, da kann ich gar nicht hin, obwohl ich gerne will. Dann gibts Tage, da bin ich zweimal dort, jeweils für wenige Minuten, aber herzlich.
Versuche deinen eigenen Weg zu finden. Es gibt nämlich nur dein eigenes richtig. Vergleichen mit anderen Familien bringt nichts. Nimm dich wichtig. Entscheide was für dich wann geht und was nicht. Du kommst und gehst wie es für dich passt und du rechtfertigst dich nicht. Ich sag oft: Ich hab noch was vor, tschühüüs. Fertig, das muß reichen.
Du kannst jeden einzelnen Tag für genau diesen einzelnen Tag entscheiden. Nix ist fix und fest für alle Zeiten.
Lieber Gruß, Linde