Hallo,
ich halte mich für eine knochentrockene Co.
2008 habe ich mich als EKA hier angemeldet und über die Zeit begriffen, daß ich von Kleinkind an die Co-Verhaltensweisen tief verinnerlicht habe. Ich war extrem-Co, nur habe ich mein Verhalten nie an einem Alkoholiker "angewendet", sondern woanders.
Eine Beziehung mit einem Süchtigen war und ist für mich ausgeschlossen. Bin ich damit nicht automatisch davor gefeit, meine verinnerlichte Helferitis und Co-Strukturen auszuleben? Nein, denn ich habe sie extremst am Arbeitsplatz und im Verein ausgelebt. So Leute wie mich, die sich für den Betrieb oder die gute Sache vollkommen aufgeopfert haben, sind dort gerne gesehen. Bei mir ging das bis hin zu völligen Selbstaufgabe. Ich habe mich nur noch "gut" gefühlt, wenn ich helfen und retten und machen und tun konnte.
Bis hin zum Burnout und zur Berufsunfähigkeit und Frührente. Klar, da kamen auch noch andere Sachen zusammen damals, aber das Co-Verhalten war ein großer Anteil an meinem Zusammenbruch.
Nun wurde ich ja irgendwann hier Moderatorin. Wir lesen alle Beiträge, manchmal 200 und mehr am Tag. Ich habe ein Elefantengedächtnis, schnelle Auffassungsgabe und wer weiß was sonst noch für EKA-Eigenschaften. Als EKA war es überlebensnotwendig, schnell Stimmungen und Zustände erfassen zu können, schnell reagieren zu können usw. usw. Das kommt mir als Moderatorin einerseits zugute, andererseits kann es eine Falle sein.
Die Co-Falle nämlich. Als Moderatorin wäre es ein Leichtes, hier zur Forums-Co zu mutieren. Hier melden sich täglich neue Leute an, die ich retten könnte, denen ich auf die Sprünge helfen könnte. Aber ich mache es nicht. Ich kann gut bei mir bleiben und kann den Menschen die Verantwortung für ihre Selbsthilfe überlassen. Das war ein Lernprozeß. Wenn ich als Moderatorin über die Jahre auch nur den Hauch einer Ahnung von Co-Verhalten an den Tag legte, bekam ich eins auf die Mütze - und bin dankbar dafür.
Von wem bekam ich eins auf die Mütze? Von Hartmut, dem Threadersteller, der gerne unbequeme Fragen stellt und von dem ich so viel gelernt habe. Danke an der Stelle.
LG, Linde