Hallo Alex, hallo alle,
ich schleiche um den Thread herum merke ich die ganze Zeit.
Lang, lang ist's her war ich mit einem Alkoholiker zusammen, der nach der Entgiftung in einer Langzeittherapie war. Wir kannten uns vorher schon, aber wirklich kennengelernt habe ich ihn erst nachdem ich die Beziehung beendet habe. Das ganze dauerte nur ein paar Wochen, GsD.
Warum? Weil es LEBENSGEFÄHRLICH war. Was war ich begeistert von seinen Muckis und coolen Tatoos.
Ich dumme Nuss. Erst als dann ein echtes Messer unter seinem Kopfkissen lag und nicht nur eines auf dem Arm tätowiert war, fing ich an mir Gedanken zu machen. Ich habe ihn erlebt, wie er mit seiner Mutter umgesprungen ist. Unfassbar arrogant, aggressiv und herabwürdigend. Er hat sie finanziell gemolken und ihr dafür noch Ohrfeigen verpasst, wenn es nicht genug Geld war. Das hat er mir ganz stolz erzählt, der tolle Hecht.
Heute würde man Lovebombing sagen, damals fand ich es einfach übergriffig und "drüber", was er mir alles schenkte, für mich machte. Und was er meinte an Forderungen an mich daraus ableiten zu können. Er hat im Minutentakt meinen Anrufbeantworter zugetextet: "und wieder 30 Pfennig", manchmal fast 100 x am Tag.
Dann begann das Stalking. Ich hatte in meinem Leben 2 Stalker. Er war der erste. Der zweite war ziemlich spooky, dieser erste aber war lebensgefährlich. Er hatte immer Messer dabei. Auch nachts unterm Kopfkissen. Falls er sich mal verteidigen muß oder falls Einbrecher kommen. Ich hatte damals einen Schäferhund, dem ich mehr vertraut habe als dem Irren neben mir im Bett. Der war zwar in einer Langzeitmaßnahme nach der Entgiftung, aber im Nachhinein gesehen hat er mit der Faust in der Tasche nur eine Saufpause gemacht, mehr nicht.
Jedenfalls bin ich dann aus meiner eigenen Wohnung geflüchtet, ich Idiotin hatte ihm recht früh einen Schlüssel gegeben. Ich habe mich von ihm getrennt und war für 2 Wochen 400 km weiter bei einer Freundin. Damals gabs kein Handy.
Als ich wieder nach Hause kam, hatte ich Todesangst. Vor meinem Haus war ein Stapel Sachen, meine Dinge, die ich bei ihm in seiner Wohnung hatte, Zahnbürste, Bücher, Klamotten. Die Sachen lagen auf einem Haufen vor meiner Tür. Die Nachbarn haben mir erzählt, daß er tagelang randaliert und rumgeschrien hat und sie die Polizei gerufen haben.
Jedenfalls war er dann weg. Ich habe ihn nie wiedergesehen. Er war früher schon ein brutaler Schläger, ein Säufer, ein eifersüchtiger Stalker, einer der meint die Frau gehört ihm und weil er ja so toll ist, muß sie alles für ihn machen und ihm nach Belieben für jegliche Abartigkeiten zur Verfügung stehen.
Wie alt war ich damals? Ich denke mal Mitte 20.
Ich bin froh, daß ich damals nicht länger gewartet habe, sondern quasi sofort die Beziehung beendet habe, sonst würde ich heute vielleicht nicht mehr leben. Er hatte Ausstrahlung, tolle Lachfältchen. Woher hatte er die, frage ich mich gerade. Vom fiesen Grinsen, wenn er mal wieder jemanden fertig gemacht hat vermutlich.
Ich war jung, dumm, hatte von Alk und Co keine Ahnung. Was mich erschüttert sind Frauen, die doppelt so alt sind wie ich damals oder sogar noch älter und Jahrzehnte in solchen toxischen Beziehungen verharren.
Versucht so schnell es irgend geht den Absprung zu schaffen!! Es wird immer schlimmer, die Sauferei wird immer schlimmer, die Hemmschwellen sinken, die Aggressivität wird schlimmer - und ihr selber werdet vermeintlich immer kraftloser, mutloser, hilfloser. ABER: Die Energie sich zu trennen und den Absprung von einem Säufer zu schaffen ist ja da. Nur eben auf ihn fixiert. Wenn ihr den Fokus auf euch selber legt, dann ist die Energie da. Es ist machbar sich zu trennen. Auch wenn es einem wie ein Berg vorkommt oder man eingeredet bekommen hat, was für eine Versagerin man sei.
Alles Quatsch.
Wenn man in Lebensgefahr ist: Raus da!
Auch wenn er "nur" säuft und ansonsten sooooo lieb ist: Es gibt andere Männer. An der Seite eines nassen Alkis verreckt die eigene Lebendigkeit. Will ich das? Nein. Also Hintern hoch, aktiv werden.
LG, Linde