Beiträge von Linde66

    Zitat

    Ich stelle mir diese Frage deshalb, weil ich mich in all den Schilderungen hier nirgends wiederfinden kann.

    Das liegt daran, daß sich hier Alkoholiker austauschen. In jedem einzelnen Beitrag streichst du heraus, wie anders du bist.

    Deine Sorge, hier bei uns im Alkoholikerforum stigmatisiert zu werden, wenn du dich als Alkoholikerin outest, sind unbegründet. Wir sind hier ganz normale Menschen. Also wo, wenn nicht hier in unserer Selbsthilfegruppe, könntest du dich outen, wenn du dich schon nicht in freier Wildbahn traust?

    All deine Ausbildungen machen es dir, so mein Eindruck, unnötig schwer.

    Unser Forum fährt seit sehr langer Zeit eine sehr klare Linie. Für die meisten ist das eine hilfreiche Orientierung nach all den Jahren im persönlichen Chaos - aber manche User arbeiten sich daran ab. Da wird die Qualität der Beiträge bewertet, da wird die Forenstruktur diskutiert usw. usw. Stattdessen könntest du einfach in Ruhe deine Trockenheitsarbeit machen.

    Veilleicht machst du mal eine Woche Pause hier und meldest dich, wenn du weißt, ob du Alkoholikerin bist und dazu auch stehst. Nicht in der Öffentlichkeit, sondern hier in der SHG und vor allem zu dir selbst.


    LG, Linde

    Hallo Alex, hallo alle,

    ich schleiche um den Thread herum merke ich die ganze Zeit.

    Lang, lang ist's her war ich mit einem Alkoholiker zusammen, der nach der Entgiftung in einer Langzeittherapie war. Wir kannten uns vorher schon, aber wirklich kennengelernt habe ich ihn erst nachdem ich die Beziehung beendet habe. Das ganze dauerte nur ein paar Wochen, GsD.

    Warum? Weil es LEBENSGEFÄHRLICH war. Was war ich begeistert von seinen Muckis und coolen Tatoos. :shock: Ich dumme Nuss. Erst als dann ein echtes Messer unter seinem Kopfkissen lag und nicht nur eines auf dem Arm tätowiert war, fing ich an mir Gedanken zu machen. Ich habe ihn erlebt, wie er mit seiner Mutter umgesprungen ist. Unfassbar arrogant, aggressiv und herabwürdigend. Er hat sie finanziell gemolken und ihr dafür noch Ohrfeigen verpasst, wenn es nicht genug Geld war. Das hat er mir ganz stolz erzählt, der tolle Hecht.

    Heute würde man Lovebombing sagen, damals fand ich es einfach übergriffig und "drüber", was er mir alles schenkte, für mich machte. Und was er meinte an Forderungen an mich daraus ableiten zu können. Er hat im Minutentakt meinen Anrufbeantworter zugetextet: "und wieder 30 Pfennig", manchmal fast 100 x am Tag.

    Dann begann das Stalking. Ich hatte in meinem Leben 2 Stalker. Er war der erste. Der zweite war ziemlich spooky, dieser erste aber war lebensgefährlich. Er hatte immer Messer dabei. Auch nachts unterm Kopfkissen. Falls er sich mal verteidigen muß oder falls Einbrecher kommen. Ich hatte damals einen Schäferhund, dem ich mehr vertraut habe als dem Irren neben mir im Bett. Der war zwar in einer Langzeitmaßnahme nach der Entgiftung, aber im Nachhinein gesehen hat er mit der Faust in der Tasche nur eine Saufpause gemacht, mehr nicht.

    Jedenfalls bin ich dann aus meiner eigenen Wohnung geflüchtet, ich Idiotin hatte ihm recht früh einen Schlüssel gegeben. Ich habe mich von ihm getrennt und war für 2 Wochen 400 km weiter bei einer Freundin. Damals gabs kein Handy.

    Als ich wieder nach Hause kam, hatte ich Todesangst. Vor meinem Haus war ein Stapel Sachen, meine Dinge, die ich bei ihm in seiner Wohnung hatte, Zahnbürste, Bücher, Klamotten. Die Sachen lagen auf einem Haufen vor meiner Tür. Die Nachbarn haben mir erzählt, daß er tagelang randaliert und rumgeschrien hat und sie die Polizei gerufen haben.

    Jedenfalls war er dann weg. Ich habe ihn nie wiedergesehen. Er war früher schon ein brutaler Schläger, ein Säufer, ein eifersüchtiger Stalker, einer der meint die Frau gehört ihm und weil er ja so toll ist, muß sie alles für ihn machen und ihm nach Belieben für jegliche Abartigkeiten zur Verfügung stehen.

    Wie alt war ich damals? Ich denke mal Mitte 20.

    Ich bin froh, daß ich damals nicht länger gewartet habe, sondern quasi sofort die Beziehung beendet habe, sonst würde ich heute vielleicht nicht mehr leben. Er hatte Ausstrahlung, tolle Lachfältchen. Woher hatte er die, frage ich mich gerade. Vom fiesen Grinsen, wenn er mal wieder jemanden fertig gemacht hat vermutlich.

    Ich war jung, dumm, hatte von Alk und Co keine Ahnung. Was mich erschüttert sind Frauen, die doppelt so alt sind wie ich damals oder sogar noch älter und Jahrzehnte in solchen toxischen Beziehungen verharren.

    Versucht so schnell es irgend geht den Absprung zu schaffen!! Es wird immer schlimmer, die Sauferei wird immer schlimmer, die Hemmschwellen sinken, die Aggressivität wird schlimmer - und ihr selber werdet vermeintlich immer kraftloser, mutloser, hilfloser. ABER: Die Energie sich zu trennen und den Absprung von einem Säufer zu schaffen ist ja da. Nur eben auf ihn fixiert. Wenn ihr den Fokus auf euch selber legt, dann ist die Energie da. Es ist machbar sich zu trennen. Auch wenn es einem wie ein Berg vorkommt oder man eingeredet bekommen hat, was für eine Versagerin man sei.

    Alles Quatsch.

    Wenn man in Lebensgefahr ist: Raus da!

    Auch wenn er "nur" säuft und ansonsten sooooo lieb ist: Es gibt andere Männer. An der Seite eines nassen Alkis verreckt die eigene Lebendigkeit. Will ich das? Nein. Also Hintern hoch, aktiv werden.

    LG, Linde

    Katzen sind ja eigentlich etwas weniger sensibel, aber war so ein Gedanke.

     

    Da habe ich gegenteilige Erfahrungen gemacht. Als von meinem alten, langjährigen Katzenpäarchen (beide kastriert) der Kater gestorben ist, hat die Kätzin so getrauert, nichts mehr gefressen und hat dermaßen abgebaut, daß ich sie 2 Wochen später auch einschläfern lassen musste. Die war vollkommen gebrochen und nichts hat sie mehr aus ihrer Trauer rausholen können. In der Intensität habe ich das selten erlebt.

    Ich hoffe, deiner Katze gehts inzwischen besser. Bei mir ist manchmal monatelang gar nichts mit den Tieren und dann brauchen gefühlt alle gleichzeitig den Tierarzt oder Hufschmied. :roll:

    Liebe Grüße, Linde

    Bei mir war die Wirkung auch erst nach 6 Wochen spürbar. Hab Geduld und besprich dich wöchentlich oder öfter mit deinem Arzt, wenn dir das seltsam vorkommt.

    Gartenarbeiten und den Haushalt machen finde ich super.

    Ein Tag nach dem anderen... bleib dran. :thumbup:

    Kannst du dich körperlich irgendwie auspowern daheim in der Wohnung? Zu einem youtube-Video irgendeine Gymnastik, hüpfen, irgendwelche Übungen? Mir hilft das sehr gut, wenn ich körperlich unruhig und nervös bin.

    Hallo Miga,

    hast du oder hast du nicht Kontakt aufgenommen?

    Seit Dienstag ist eine lange Zeit?

    Zitat

    Irgendwie fehlt ihm sehr ein Umfeld, welches ihm zu verstehen gibt, dass er wertvoll ist- um den Mut und die Kraft irgendwo in ihm drinnen wieder zu finden um einen neuen Schritt zu setzen.

    Hört sich an wie Mama und Papa - Ersatz sollen ihn betüddeln, bis er selber 82 Jahre ist...

    Und es hört sich an, wie wenn sich sein gesamtes Umfeld ihm gegenüber Co verhalten soll, damit es ihm gut geht.

    Niemand ist auf der Welt, um für einen anderen ein positives Umfeld zu sein. Man selber ist wie man ist. Einfach so da. Wenn es auf einen anderen postiv wirkt ist das schön. Aber es sollte keine "Aufgabe" sein. Solche Beziehungen sind mega anstrengend und haben Gefälle. Der eine ist der Patient, der andere der Retter.

    Wo ist da die Eigenverantwortung des Alkoholikers? Wo die Abgrenzung der Angehörigen?

    Er könnte selber aktiv nach einem positiven Umfeld suchen, statt die Erwartungshaltung zu haben, die anderen müssen sich für ihn anstrengen und es ihm schön und leicht machen.

    Lieber Gruß, Linde