Beiträge von espoir

    Ihr Lieben!
    Vielen Dank für eure prompte Reaktionen!
    Ja, die Caritas oder irgendeine andere Familienberatungsstelle hatte ich mir auch schon überlegt. Mein Therapeut hatte mich heute nur noch einmal darauf hingewiesen, dass ich unbedingt darauf achten soll, dass das schon ein "richtiger" Psychologe machen sollte, weil angeblich sehr viel Unfug damit getrieben werde. Ähnlich wie bei den Heilpraktikern könne es eben auch in der Familientherapie Leute geben, die nicht wirklich vom Fach seien, sondern bestenfalls einige Lehrgänge besucht haben.
    Naja, ich weiß es nicht. Ich möchte weder meinen Therapeuten anzweifeln, noch diesen Leuten zu nahe treten. Last not least muss ja auch die Chemie stimmen. Immerhin geht es ja ein bisschen um was. Ich werde nachher mit meinem Mann sprechen, was der denn dazu meint. Und 'ne Nacht darüber schlafen.

    Und jetzt gehe ich mal in die Küche, denn nicht nur mein Kopf ist leer, sondern auch mein Magen! :D Vielleicht treffen wir uns ja später noch!

    LG
    espoir

    Liebe Rowi,

    na du kriegst es aber auch knüppeldick, was? :(
    Ich bin zwar selber momentan nicht so ganz auf der Höhe, möchte dir aber trotzdem einen lieben Gruß da lassen und dir 'ne ordentliche Portion Kraft rüberschicken!

    Alles Liebe dir
    espoir

    Meine liebe Backmaus - und natürlich auch alle anderen :D ,

    ja, du hast völlig Recht, ich halte mich schon wieder ziemlich zurück mit dem Schreiben, aber ich bin tatsächlich täglich hier, oftmals nur kurz, um die neuesten Beiträge zu überfliegen.

    Ich weiß selber nicht so genau, warum ich euch nicht einfach erzähle, was ich so erlebe und wie es mir geht. Früher war es für mich ja auch ok, einfach nur mal kurz "Hallo" in die Runde zu werfen, hier und da ein Pläuschchen zu halten und notfalls einfach später noch einmal hereinzuschauen, wenn vielleicht gerade keiner da ist. Seit meinem Beinahe-Rückfall Mitte August bin ich irgendwie "leiser" geworden, ich weiß nicht, ob ihr versteht, was ich meine. Ich war ja nie laut und poltrig, habe nie irgendwielche Threads aufgemischt oder so, aber ich merke selber, dass es schwer in mir arbeitet und mich das doch mehr beschäftigt, als ursprünglich vermutet.

    Natürlich ist mein Thema Nr. 1 immer noch meine Partnerschaft. Als ich in meinem Chiemsee-Posting geschrieben habe, dass ich mich darauf einrichte, "es mir irgendwie in meiner Ehe einzurichten", war das Resignation pur. Und unter dem Einfluss diesen drückenden Gefühls habe ich mich noch nicht einmal schlecht gefühlt, ganz im Gegenteil, es hatte eher was von Aufbruchstimmung. Auf zu neuen Ufern! Seit ich nicht mehr trinke, habe ich mich selber schon ganz gehörig verändert und in vielen Bereichen meines Lebens klar Schiff gemacht. Ich bin meistens sogar recht zufrieden mit mir und meiner kleinen Welt.

    Aber im Zusammenhang mit meiner Beziehung ertappe ich mich, dass ich so ein merkwürdiges Zögern und Zaudern an mir beobachte. Ich mag da nicht mit so einer "Augen zu und durch"-Einstellung herangehen. Je konkreter ich mir vornehme, meinen eigen Weg zu gehen und meinen Mann notfalls hinter mir zu lassen, desto größer wird diese stumme Verzweiflung, dieser krampfartige Schmerz, von dem ich nicht sagen kann, ob er mehr mein Herz oder doch mehr meine Magengegend quält. Je mehr ich mir tapfer vornehme, mich innerlich zu verabschieden, desto lauter schreit da irgendso eine Stimme im hintersten Winkel meiner Seele, dass das nicht gut gehen kann. Ich weiß, dass ich zäh bin, ich kann sehr wohl die Zähne zusammenbeißen und durchhalten, aber nun hatte ich mir doch eigentlich vorgenommen, diesen Mist in meiner Ehe nicht mehr hinzunehmen. Ich kann meinen Mann nicht ändern, ich kann nur mich ändern, also los espoir, den Hintern hoch! Und genau das ist der Punkt, an dem ich auf der Stelle trete.

    Vor ein paar Tagen kam er dann das erste Mal seit ungezählten Wochen um 19 Uhr nach Hause. Er war völlig verblüfft, wie schön das ist, noch bei Tageslicht unterwegs zu sein, Menschen auf der Straße zu sehen, Fahrradfahrer, Busse, beleuchtete Geschäfte, in denen durchaus noch Kundenverkehr herrscht. Was mache ich mit so einem Menschen? Dem ich mehrfach gesagt habe, dass er ja nicht nur unsere Ehe killt, sondern auch sich selbst? Sich selbst vom Leben abkapselt und mit Aggressionen reagiert, wenn ich ihn lediglich darauf hinweise, dass irgendetwas repariert oder ersetzt oder erledigt werden muss? Jeder Hinweis auf irgendwas, das früher einmal unser "Zusammenleben" ausgemacht hat, scheint ihm nun eine Bedrohung geworden zu sein. Ja, da war mal was. Aber das ist schon lange her. Und es wäre doch schön, wenn er sich um solche Dinge nicht mehr kümmern müsste...

    Na jedenfalls hat er dann am Wochenende darüber nachgedacht, dass es so wohl tatsächlich nicht mehr weitergehen kann. Und dann kam der Begriff "Paartherapie" ins Gespräch. Da sitzen wir nun beide wie der Ochs vorm Berg. Keine Ahnung, wie wir das Projekt in Angriff nehmen können. An wen wendet man sich da? Gelbe Seiten wohl eher nicht.

    Ich war heute bei meinem Therapeuten und habe ihn genau da drauf angesprochen, aber er konnte mir so ad hoc nun auch nicht weiterhelfen. Er hat gesagt, er würde sich im Rahmen unseres Klinikums umsehen, ob er da jemanden wüsste, der sich nun auch in der Paartherapie auskennt. Er selber ist nun einmal auf Sucht spezialisiert kann das nicht so einfach übernehmen. Wir waren uns auch beide einig, dass das vielleicht gar nicht so schlau ist, wir kennen uns nun schon so lange, er hat vieles nur aus meiner Perspektive gehört, und irgendwie finde ich, dass mein Mann verdient hat, von einer "neutralen" Person gehört zu werden und nicht von jemanden, der schon so viel von ihm weiß.

    Schwierig.
    Immerhin habe ich erkannt, dass meinen Mann und mich vielleicht gar nicht einmal so viel trennt. Das mit seiner Arbeit, nun, das lässt sich nicht wegdiskutieren, da muss er in seinem eigen, aber auch in unserem Interesse dringend was verändern. Aber ich meine auch eher unseren Umgang miteinander. Ich kann ja nur von mir reden, aber ich weiß z.B., dass ich oftmals auf bestimmte Dinge sehr stark reagiere. Und das muss dann nicht einmal was mit der betreffenden Sache zu tun haben. Versteht ihr, was ich meine? Da spielt sich in Nanosekunden irgendetwas ab, so schnell, da hast du gar keine Chance, auch nur ansatzweise mit dem Kopf darauf zu reagieren - und nötigenfalls korrigierend einzugreifen - und schwupps, schon ist wieder irgendeine Missstimmung da.

    Vor ein paar Wochen habe ich schon einmal in Caros Thread über Wut geschrieben. Immerhin habe ich erkannt, dass das ein ganz großes Thema bei mir ist, diese permanente, unterdrückte Wut, die sich natürlich unterschiedlich zeigt. Es ist ja nicht so, dass ich dauernd nur rumtobe, ach Quatsch, aber ich habe oft Phasen der Ungeduld, der Gereiztheit, oder auch mein Hang zum Sarkasmus. Der kommt doch auch nicht von ungefähr.

    Andererseits habe ich einen Punkt erreicht, an dem ich nicht immer nur Sachbücher über meine verschiedenen Baustellen lesen möchte. Dieses Wissen mag ja schön und gut sein, und bekanntlich lese ich ja wirklich gerne, aber irgendwie habe ich das Gefühl, ich möchte jetzt auch endlich mal machen. Ich möchte gar nicht mehr so sehr theoretisch wissen, wo denn nun der ganze Mist herkommt, ich möchte endlich lernen, damit auch umzugehen. Im Job gelingt es mir schon ganz ganz gut. Wenn ich mit Fremden zusammen bin, kann ich allen Ernstes meine Gefühle thematisieren, z.B. habe ich schon gesagt "Ich weiß nicht, aber langsam werde ich sauer!" oder "Boah ey, das stresst mich jetzt total!" Aber zu Hause? Fehlanzeige.

    Vielleicht habe ich's ja auch gesagt und mein Mann hat nur nicht reagiert, und dann lösche ich an der Stelle die Erinnerung daran, dass ich's sehr wohl gesagt habe, weil nämlich, sonst müsste ich ja reagieren und darauf bestehen, dass er sich irgendwie zu meiner Gefühlslage äußert. Aber wer besteht schon gerne bei einem überarbeiteten Mann ausgerechnet zwischen 22 Uhr und Mitternacht oder dann wieder zwischen 6 und 7 Uhr morgens auf ein Feedback? Ich hab's jedenfalls aufgegeben.

    Tja, was soll nun die Paartherapie bringen?
    Ich wünschte, sie würde uns zeigen, wo wir nur aneinander vorbeischwafeln, anstatt richtig miteinander zu sprechen. Und wo wir auch ruhig einmal miteinander schweigen können, ohne die Angst, der andere könnte das missverstehen. Lernt man das da? Ich hoffe sehr, denn wie du - Backmaus - schon richtig geschrieben hast, allein kann ich das nicht schultern. Deshalb bin ich wohl auch so verspannt. Ich habe seit Wochen irre Schmerzen, als hätte ich dauernd Muskelkater. Morgens komme ich kaum aus dem Bett, im Laufe des Tages geht's dann wieder, und abends sinke ich erschöpft in die Kissen, als hätte ich im Steinbruch gearbeitet...

    So, das war jetzt erst einmal wieder sehr viel und leider auch noch "unsortiert", ich habe mir das jetzt alles einfach mal von der Seele geschrieben. Vielleicht mag mir ja noch jemand seine eigenen Erfahrungen erzählen? Das Posting von Backmaus hat jedenfalls schon 'ne ganze Menge ausgelöst an Gedanken. Aber merke: Too much analysis leads to paralysis! :wink:

    Euch allen einen schönen friedlichen Abend!
    Alles Liebe
    espoir

    Liebe Susi,

    heute mag ich dir auch mal wieder ein paar Zeilen dalassen! :wink:
    Wie geht es dir denn inzwischen?

    Ich habe nach wie vor den Eindruck, dass dir ein verstärkter Austausch mit Gleichgesinnten (vielleicht trifft's auch Betroffene besser?) fehlt, obwohl du ja immer schreibst, dass du dich ja gerade dann, wenn's dir nicht so gut geht, nicht so besonders öffnen kannst. Das ist ja wirklich ein ganz übler Teufelskreis! :(
    Wann ist denn dein nächster Termin bei deiner Therapeutin? Weiß sie von deinen "Sprech-Blockaden"? Ich grübel ja auch schon eine ganze Weile, wie ich mich denn an deiner Stelle verhalten würde, aber mir fällt einfach nichts ein. :( Leider bin ich vom Wesen her ganz anders, ich spreche eher zu viel als zu wenig, von daher kenne ich das Gefühl nicht, sich so stark zurückziehen zu wollen.

    Deshalb kann ich dir auch jetzt keine guten Gedankenschubser rüberschicken, ich kann dir nur wünschen, dass du endlich die Kraft findest, ausschließlich an dich und deine Abstinenz zu denken, und notfalls die nötigen Schritte einzuleiten. Ich glaube dir gerne, dass du bei manchen Sachen einfach Angst hast. Viele Denk- und Verhaltensmuster sind so stark eingeübt und verinnerlicht, dass es zunächst unmöglich erscheint, sie zu überwinden und zu durchbrechen.
    Aber du hast ja sicherlich schon längst erkannt, dass es so, wie bisher, ja nun auch nicht weitergehen kann.

    Alles Liebe dir weiterhin
    espoir

    Liebe rowi,

    ich habe jetzt erst in Backmaus' Thread gelesen, wie es dir in den letzten Tagen ergangen ist. Ich möchte aber ihren Thread nicht missbrauchen, um an dich zu schreiben, deshalb habe ich deinen alten "offenen" Thread noch einmal ausgebuddelt.
    Genau wie in meinem letzten Posting hier kann ich dir nur noch einmal danken für deinen Mut und deine Offenheit. Es hat mich tief berührt von deinen Gedanken und deinen - vor allem - schlechten Gefühlen zu lesen. Wie du ja weißt, bin ich vor etwa 5 Wochen auch nur haarscharf einem Rückfall entgangen, seitdem habe ich mich aber wieder einigermaßen stabilisieren können. Du offensichtlich nicht. :(
    Umso mehr würde es mich interessieren, was du inzwischen unternommen hast, um deine "firewall" wasserdicht zu machen. Schreibst du "nur" in deinem Tagebuch, oder hast du auch im RL Schritte unternommen, du weißt schon, in Richtung SHG und so? Ich respektiere deinen Wunsch, eher im geschlossenen Bereich zu schreiben, aber über eine kurze Rückmeldung würde ich mich doch sehr freuen!

    Alles Liebe dir weiterhin
    espoir

    Liebe Backmaus,

    dein Beitrag gestern hat mich ganz schön nachdenklich gemacht.
    Ich habe ihn auch meinem Mann gezeigt und er hat sogar ein zustimmendes "Mmmhhh" von sich gegeben.
    Bitte sieh's mir nach, wenn ich mich jetzt nur so kurz melde, wie wollen gleich noch ein bisschen raus, aber ich melde mich später noch einmal, ja? Ich wollte dir ja auch nur eben sagen, dass ich sehr wohl über deine Worte nachgedacht habe!

    Dir - und natürlich auch allen anderen - wünsche ich noch einen schönen Sonntag! :D

    Alles Liebe
    espoir

    Zitat von Backmaus

    Bei mir nix Neues ausser mein "Kleiner" hat das andere Geschlecht "entdeckt"!
    Leute,jetzt wird's ernst!;-)

    Nee, ne?
    Hat der's gut! In dem Alter geht ja man ja doch noch etwas weniger "kopflastig" an die Sache ran. Soll er mal bloß genießen, ernst wird es dann noch früh genug.
    Wie geht's dir denn dabei? Hand auf's Herz - bist du eifersüchtig? :wink:

    LG
    espoir

    Hallo Pia,

    Mensch, bin ich froh, dass du nicht angesäuert bist, dass ich bei dir so ungeniert geklaut habe! :D Aber das mit deiner Geschichte geht mir total ans Herz, eben weil ich mich so sehr in dir wiederfinde. Und du hast völlig Recht - unsere Partnerschaft ist ja quasi der Spiegel unseres Selbst, also wenn es mir gut geht, kann ich mich auch entsprechend einbringen. Und wenn der "Draht" zu mir selber hochgradig gestört ist, schlägt sich das auch auf die Partnerschaft nieder.

    Simis Fragen an dich haben mich ganz schön angepiekst, das muss ich wirklich sagen! Bin ich zu bequem, tabula rasa zu machen? Möchte ich mich absichern? Will ich ihn in die Pflicht nehmen? Mann, Mann, Mann, das sind ganz schön fiese Fragen! :?

    Du siehst, liebe Pia, wir sind wirklich nicht allein, und wer weiß, wie viele Menschen noch (egal, ob Mann oder Frau) in derselben Misere wie wir stecken... Also nicht gleich aufgeben!

    Dir auch alles Liebe
    espoir

    Meine liebe Backmaus,
    boah, ist das lieb von dir! :oops:
    Ich weiß, dass ich in den letzten Tagen wieder hartnäckig geschwiegen habe, und wie so oft ist der Hintergrund einfach der, dass ich wieder mal ziemlich unglücklich über die weitere Entwicklung in meiner Ehe-Krise bin. Dabei bin ich in erster Linie enttäuscht von mir selber, denn ich habe ja noch in meinem etwas längeren Posting nach dem Chiemsee davon geredet, dass ich mir etwas einfallen lassen muss, wie ich denn weiterlebe.
    Die Scheidung habe ich ausgeschlossen, und das sehe ich heute noch so, aber ganz so tough, wie ich mir das erhofft hatte in der Umsetzung meiner Unabhängigkeitsbestrebungen, bin ich dann wohl doch nicht. Ich mache immer noch dieselben Fehler, erlebe immer noch dieselben Situationen, reagiere nach wie vor falsch, bin dann natürlich prompt verletzt... und keinen Schritt weiter.

    Um so mehr traf mich der Schlag, als ich diese Diskussion zwischen Simi und Pia mitverfolgt habe - die beiden unterhalten sich über Pia's Ehe, als sei es meine. :shock: Ich habe mal die (für mich) wichtigsten Passagen hier reinkopiert:

    Einfach unglaublich!
    Selbst, wenn ich den Begriff "Unterwürfigkeit" durch "extreme Anpassungsfähigkeit" ersetzen würde, bleibt die Aussage im Kern doch dieselbe... *kopfschüttel*

    Von diesem Kopfkino mal abgesehen, geht es mir aber weitestgehend gut. Im Job läuft's, Gott sei Dank habe ich eine eher ruhige Woche hinter mir. Gesundheitlich ist auch alles OK, lediglich kann ich diese lästigen Chiemgauer Urlaubspfunde noch nicht loswerden... :roll:
    Ich hoffe, bei dir ist soweit auch alles - halbwegs - in Ordnung?

    Alles Liebe dir
    espoir

    Liebe Backmaus,

    mir wird's grad ganz warm ums Herz, weil ich deine offenen Worte so entwaffnend finde. Viel zu selten gehst du mal so aus dir heraus, dass ich hinter deinem Nick auch den Menschen sehen kann, die Frau, die erst jetzt schrittweise lernt, auf ihre Bedürfnisse hinzuweisen, anstatt sie hinunterzuspülen.
    Ich finde überhaupt nicht, dass du dich ausgekotzt hast, sondern deine Gedanken haben mich ganz arg berührt!
    Schön, dass es dich gibt!

    Alles Liebe dir
    espoir

    Zitat von Ette

    Ich habe grad so beim Lesen für mich festgestellt, dass ich Wut zum einen als Energiefresser betrachte und zum Anderen als Vehikel für andere Gefühle. Wenn ich wütend werde, versuche ich zu gucken, was dahintersteckt. Machtlosigkeit, Abwertung durch Andere, Angst, Trauer, Ungerechtigkeit, Handlungsunfähigkeit sind die Gefühle, die ich bisher hinter meiner Wut gefunden habe.
    [...]
    Dabei habe ich gemerkt, dass auch oft die Wut auf mich selbst eine Rolle spielt. Wut darüber, dass ich das, was sich hinter der Wut versteckt, nicht leben kann oder meine, nicht leben zu dürfen. Oder aber ganz einfach auch nicht spüren will. Meine eigene Hilflosigkeit, meine Machtlosigkeit, die Tatsache, dass mich Abwertung durch andere Menschen so anpackt.
    [...]
    Vielleicht verkleidet sich deine Wut, wenn du als Kind „gedeckelt“ aufgewachsen bist. Wut und Aggression kann sich meines Erachtens auch hinter dem Bemühen der Kontrolle verstecken. Sie kann ganz subtil daherkommen. Übernimmt die Herrschaft durch Leiden. Wird versteckt hinter: Ihr Bösen, guckt, was ihr mit mir gemacht habt. Jetzt geht es mir schlecht und ihr seid schuld.

    Hallo zusammen,
    ich schleiche schon länger um diesen Thread herum, lese ihn immer wieder und versuche herauszufinden, wie ich meine eigene Wut bzw. meinen Umgang damit erkennen und benennen kann. Ich kann damit nicht umgehen, das ist leider bisher die einzige Erkenntnis, die ich gewonnen habe. Der Beitrag von Ette spricht mich maßlos an, denn genau so empfinde ich auch.
    Ebenso der Ansatz von Linde, zwischen ALTER und AKTUELLER Wut zu unterscheiden - einfach genial! Aber im Moment weiß ich einfach nicht, wie ich damit umgehen soll. :(
    Mir geht es weniger um konkrete Maßnahmen, wie z.B. in den Wald fahren und ordentlich brüllen oder auf einen Sandsack einprügeln, auch glaube ich nicht, dass nur sachliches Reflektieren und Analysieren mich weiterbrächte. Ich möchte nur endlich lernen, angestauten Ärger aus der Vergangenheit so zu verarbeiten, dass ich auf eventuelle Ärgernisse jetzt, hier und heute angemessen reagieren kann.
    Es sind die berühmten "Stellvertreterkriege", die ich führe, und die machen mich so mürbe.

    LG
    espoir

    Liebe Julchen,

    eigentlich wollte ich mich nur bei dir für deine lieben Wünsche zu meinem Urlaub bedanken - und dann lese ich das mit deinem Fräulein Tochter! :D Einfach nur köstlich!!!
    Da musst du Arme ja wohl schon froh sein, dass sie nicht noch laut überlegt hat, von wem sie diese "schlechten Gene" wohl hat... :wink:

    Na jedenfalls möchte ich dir einen schönen Dienstagabend wünschen und freue mich mit dir, wenn's gesundheitlich wieder ein Stückchen bergauf geht! (Und dass du nicht übermütig wirst, dafür sorgen die "lieben Kleinen" schon, gell? :wink: )

    Alles Liebe dir
    espoir

    Liebe Susi,

    jetzt melde ich mich auch mal wieder bei dir zu Wort! :D
    Letzten Donnerstag war ich in Salzburg, da habe ich fei ganz arg an dich gedacht! :wink: Aber vermutlich wohnst du genau am anderen Ende von Österreich - von daher... Aber egal, ich habe jedenfalls an dich gedacht!

    Zu deiner Frage: Alkoholfreies Bier ist nicht deshalb so gefährlich, weil es oftmals noch 0,05% Alkohol enthält (laut Hersteller ist das vonnöten, um noch annähernd einen bierähnlichen Geschmack zu erhalten), sondern weil es den Trinker gleich dreifach anspricht:
    1. es sieht aus wie Bier
    2. es riecht wie Bier
    3. es schmeckt wie Bier.
    Damit wird dein Suchtgedächtnis gleich auf dreifache Art stimuliert und es besteht halt einfach die Gefahr, dass du irgendwann mal sagst: "Ach geh zu, ein einziges richtiges dazwischen macht schon nichts!"
    Demzufolge ist alkoholfreies Bier bei Suchtdruck ungefähr so sinnvoll, als wolltest du ein Feuer mit Öl löschen - also brandgefährlich!

    Weißt du, ich selber hatte erst neulich eine ganz schlimme Phase von Suchtdruck erlebt, das war nicht einmal und ganz heftig, sondern über mehrere Tage, ganz subtil und unterschwellig. Das beste Mittel zumindest für mich war da Wasser, Kaffee und Schokolade. Klingt blöd, hat mir aber in den akuten Phasen geholfen. Daneben war ich viel hier und habe mich darüber hinaus noch an meine SHG und meinen Therapeuten gewandt.

    LG
    espoir

    Haaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaalt! Stopp!

    Ich muss doch auch noch "tschüss" sagen!!! :(

    Liebe Schattenspringerin,
    ich wünsche dir von Herzen alles erdenklich Gute für deinen Urlaub!
    Genieße die Zeit und die Eindrücke von Land und Leuten!
    Ich freue mich jetzt schon, wenn wir hier wieder teilhaben dürfen an deinen Gedanken!

    LG
    espoir :P

    Liebe Backmaus,

    ja, du verstehst, was ich meine, gell?
    Mir ist in letzter Zeit so oft dieser Uralt-Witz vom Autofahrer in den Sinn gekommen, der im Radio die Warnung vor einem Geisterfahrer hört und sich dabei denkt: "Einer? HUNDERTE!" :roll:
    Alle doof, außer ich!
    Von wegen!

    Zitat

    Schätze,Dein Mann sieht gar keine Probleme und "alles ist gut,so wie es ist" ?


    Bingo.
    Aber ich will nicht unnötig auf ihm herumhacken - die Zeit wird zeigen, ob ein bisschen was bei ihm angekommen ist oder nicht. Und nu' wieder das pöse Wort Geduld! :wink:

    LG
    espoir

    Hallo ihr Lieben :D ,

    der Urlaub ist rum und der Alltag hat mich wieder...
    Das war ein wirklich ganz merkwürdiger Urlaub.
    Der erste richtige, den ich nüchtern verbracht habe. Vorher gab es ja schon öfters Tagesausflüge oder Kurztrips von maximal zwei bis drei Tagen, aber nun war ich eine ganze Woche weg und darüber hinaus auch noch in einer etwas anderen Umgebung. Der Chiemsee hat mich völlig verzaubert. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, ob überhaupt, und wenn ja, wann ich eine derartige Beruhigung beim bloßen Anblick einer Wasserfläche erlebt habe. Doch. Am Rhein. Ich bin ja gebürtige Westfälin und schon als Kind empfand ich das Tuckern der Frachter auf dem Rhein als beruhigend. Aber das ist schon so lange her, ich lebe ja seit ziemlich exakt 30 Jahren in Franken.
    Frühere Urlaube habe ich ja gerne am Mittelmeer verbracht, bevorzugt auf Inseln (eben wegen des Meeres), Aber Meer ist eben was andres als See. Und das vor dem Hintergrund des dramatischen Chiemgauer Voralpenlandes - traumhaft! So kam es denn auch, dass mir meine bloße Anwesenheit dort gut getan hat.
    Die Beziehung zu meinem Mann ist in einen seltsamen „Stand-By“-Modus übergegangen. Wir haben wohl viel miteinander geredet, aber ich werde den Eindruck nicht los, dass es nicht wirklich etwas gebracht hat. Vielleicht bin ich da ja auch einfach nur zu ungeduldig, denn auch die Schattenspringerin hat mich ja zur Geduld „ermahnt“, da hat sich in den vergangenen Jahren einfach zuviel angesammelt, als dass das in nur 14 Tagen wieder aufgearbeitet werden könnte. Meine Probleme mit dem Internet hatte ich euch ja schon geschildert, dieser Webstick ist als Notnagel natürlich sehr hilfreich, kommt aber an mein gewohntes Tempo hier zu Hause nicht ran. Freitag z.B. war ich offiziell ewig lange eingeloggt, habe aber nur einige wenige Seiten lesen können, weil alles so unglaublich lange gedauert hat. Irgendwann wurde es mir dann auch zu blöd, weil ich mich noch nicht einmal getraut habe, wenigstens hier und da mal ´ne Antwort zu schreiben, es hätte ja sein können, dass ich rausfliege (trotz Häkchens!), und dann wäre alles für die Katz´ gewesen und wer weiß, wie lange es dann wieder gedauert hätte, bis ich wieder reinkomme... :roll:

    Ich habe aber trotzdem sehr viel an euch und das Forum gedacht, besonders an einige Beiträge, die mich schon hier zu Hause sehr zum Nachdenken bewegt haben. Allen voran wäre da Caros Thread „Und wenn Sie das alles mal lassen?“ zu nennen. Sie beschreibt in ihrem Eingangsposting ganz eindringlich genau die Situation, die ich gerade durchlebe - bis hin zu dem (sicherlich problematischen) Vorwurf, dass sie zum Schluss nicht einmal Lust gehabt hätte zu lächeln. Liebe Caro, ich habe deinen Thread dann nicht mehr weiterverfolgt, aber ich kann jetzt schon „Danke“ sagen, denn Stoff zum Nachdenken und Sich-selber-überprüfen bietet dein Thema schon mit dem ersten Beitrag!
    Ebenso habe ich viel über Lütze nachgedacht, in dessen Thread ich noch kein einziges Mal geschrieben habe, aber doch immer wieder mitlese. Seine Gedanken, dass er den Eindruck nicht loswird, einige Menschen wollen ihn immer noch nicht so haben, wie er nun einmal mittlerweile ist, haben mich auch sehr angesprochen. :?
    Und last not least meine Backmaus :D . Du hast einen Beitrag dagelassen, auf den ich - aus Gott weiß was für Gründen - nie richtig eingegangen bin, ich glaube, es war damals so, dass ich nur kurz Bescheid sagen wollte, dass er nun heimgekommen ist und ich deshalb rausgehe. Und dann bin ich dir die Antwort schuldig geblieben. Das tut mir Leid, Backmaus, aber vielleicht war der Zeitpunkt irgendwie nicht der richtige. Du hast geendet mit den Worten, ich sei nun wohl dort, wo du mit deinem Mann schon gewesen seiest - und wir mögen am Ball bleiben.

    Nun, das habe ich ja auch vor.
    Aber ich weiß, dass es so wie bisher nicht mehr weitergehen wird.
    Ich liebe meinen Mann nach wie vor, aber es hat offensichtlich eine Art Rollenverteilung stattgefunden, die mir so nicht mehr behagt. Ich kann mittlerweile sehr gut alleine klarkommen, alleine mit mir selber, meine ich. Egal, ob ich mich als Alkoholikerin sehe, die sich im Forum aufhält, zur SHG geht oder Gespräche mit ihrem Therapeuten führt - ich komme klar. Ob ich mich als Mitarbeiterin sehe, die ihren Job nach bestem Wissen und Gewissen ausführt, einen freundlichen Kontakt zum Chef, den Kollegen oder Kunden hält - ich komme klar. Oder als Privatmensch, der mal aktiv und mal herrlich faul und antriebslos ist - ich komme klar.

    Deshalb muss ich nicht unbedingt eine hochdramatische Scheidung einreichen, um auch nach außen hin eine klare Trennlinie zu ziehen zwischen „meinem“ und „seinem“ Leben. Vorerst reicht es mir, dass ich mein Leben, das noch vor drei Wochen auf ganz beängstigende Art und Weise ins Wanken gekommen ist, wieder in ruhiges Fahrwasser gebracht habe. Ich, und nur ich, musste diesen mächtigen Suchtdruck bezwingen, der doch so schnell alles, was ich mir bisher aufgebaut habe, wieder hätte zerstören können. Und es ist mir gelungen. Das ist alles, was zählt.
    Solange ich mitansehen muss, dass er „sein“ Leben nicht so recht in den Griff kriegt, solange kann ich auch nicht davon ausgehen, dass „unser“ Leben wieder super-harmonisch und toll wird. Ich kann und darf nicht mehr tun, als beobachtend an seiner Seite zu bleiben und dann zu helfen, wenn er es denn wünscht. Vorher nicht. Und das habe ich aber getan, also ich meine, helfend eingreifend, und sei es nur durch Gespräche über seinen Job. Wirklich interessiert hatte mich das gar nicht, aber in meiner Verzweiflung habe ich das als einzige Möglichkeit gesehen, überhaupt noch mit ihm ins Gespräch zu kommen.

    Stichwort Paargespräche. Ein Paargespräch, soviel habe ich mittlerweile gemerkt, ist noch lange kein Paargespräch, bloß weil möglichst oft „ich“ und „wir“ darin vorkommen. „Du“-Botschaften zu vermeiden lernen wir Trinker ja schon zu Beginn der Therapie, und ganz abgesehen davon ist dieser kleine rhetorische Trick ja auch ansonsten im Alltagsleben recht nützlich. Aber wenn vor lauter „ich“ und „wir“ auf der Formalebene die eigentliche Botschaft auf der Inhaltsebene flöten geht, ist das sicherlich auch nicht im Sinne des Erfinders. „Wir müssen dringend das Arbeitszimmer renovieren!“ Nur eines von unzähligen typischen Beispielen.

    Jaja, der Chiemsee.
    Der fördert so einiges zutage. :?
    Ich habe mir einiges aus dieser Woche mitnehmen können. Dinge, die mir dort schon durch den Kopf gegangen sind und über die ich heute noch nachdenke bzw. an deren Umsetzung ich mich nun machen werde. Ich weiß jetzt schon, dass das nicht immer nur erfreulich werden wird. Ich kenne meine wunden Punkte. Und die tun z.T. scheußlich weh. Ich weiß sehr genau, wo ich arg verletzbar bin, wo ich noch Altlasten aus meiner Vergangenheit mit mir herumschleppe. Nicht unbedingt nur aus meiner Trinkerzeit, sondern schon vorher. Charakterschwächen, Eigenarten, Ecken und Kanten. Naja, mal schauen. Fehler erkennen und benennen kann jeder. Sie beheben ist eine ganz andere Sache...

    In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen sonnigen Montag!
    Vielen Dank fürs Lesen, bis heute Abend!

    Alles Liebe
    espoir

    PS: Ach und Backmaus - lieben Dank dir fürs Entstauben! :wink: *drückdichmal*

    Sodala, ein kleines Lebenszeichen von mir: Ich sitze hier bei - mittlerweile empfindlicher Kälte - auf meinem Balkon und habe in aller Ruhe zugesehen, wie der Chiemsee mitsamt den Alpen dahinter vor lauter Sonnenuntergang farbexplodiert ist. Unglaublich! *schwärm*

    Ich hätte nie gedacht, dass das reine Beobachten der Segelboote eine derart "entschleunigende" Wirkung hätte. Dasitzen und glotzen. Einfach nur aufs Wasser glotzen. Mit ein bisschen Phantasie höre ich auch noch Christopher Cross' "Sailing" (finde ich schöner als jenes von Rod Stuart... :wink: )

    A pro pos langsam: Das Internet ist hier auch recht beschaulich, deshalb gehe ich jetzt auch wieder. Ich wollte halt nur eben "servus" sagen! :D

    Euch allen einen guten Start in die neue Woche!
    Alles Liebe
    espoir