Beiträge von espoir

    Oh, dann habe ich dich falsch verstanden, denn ich bin ja nur bis Montag in Berlin (das Eagles-Konzert ist am Sonntag). Und wenn du erst am Samstag darauf fährst, dann treffe ich dich ja doch nochmal, bevor meine Backmauslose Trauerphase beginnt... :wink:

    Hallo zusammen, da bin ich wieder! :D
    Sorry, dass ich vergessen hatte, mich auszuloggen... :?

    @Backmaus:
    Ooops, da scheine ich aber schnell wieder zu Kräften gekommen zu sein, wenn ich dir beim Radeln förmlich die Luft abgedrückt habe, herrje, das wollte ich natürlich nicht! :wink: Pläne für dieses Wochenende habe ich in dem Sinne nicht, dazu war ich tatsächlich viel zu kaputt, aber ich glaube, dass mir einfaches "Rumlungern" auch mal ganz gut tut. Ansonsten habe ich ja jetzt Urlaub und da werde ich natürlich schon ein bisschen aktiv. Für diese Woche ist noch nichts Großartiges geplant, am Dienstag gehe ich zur SHG, Mittwoch mal wieder zum Friseur, Donnerstag habe ich wieder ein Einzelgespräch bei meinem Therapeuten, und Freitag muss ich die Hütte putzen, weil ich am Samstag nach Berlin fliege. Mein Mann und ich haben uns die Tickets für die EAGLES gegönnt, naja, und ein bisschen Touri-Rumgucken ist natürlich auch geplant. Für die zweite Woche weiß ich noch nicht so genau, aber da werden wir es vermutlich so handhaben wie letztes Jahr im August - viele nette kleine Tagesausflüge.

    Und du? Ich meine mich erinnern zu können, dass du an anderer Stelle ebenfalls Urlaub erwähnt hast, war das nicht die Nord- oder Ostsee, auf jeden Fall Meer? Und wann war das nochmal genau?

    rowi
    Keine Angst, ich habe das nicht falsch verstanden! :wink:
    Dass ich auf den einen oder anderen Leser vielleicht fast schon sowas wie "abgeklärt" wirke, hat schlicht zwei Gründe. Zum einen mag ich es, mich schriftlich auszudrücken, ich war schon als Kind ein rechter Bücherwurm, auch jetzt lese ich noch sehr gerne, und wer gerne liest, schreibt meistens auch recht gut. Und zweitens lasse ich mir bei solchen umfangreichen Beiträgen gerne auch etwas Zeit und überlege genau, was und wie ich schreibe. Wenn dann z.B. da steht 15.06 Uhr oder so, weiß ja keiner, dass ich bereits um 13.30 Uhr begonnen hatte... :wink:

    Nun aber zu deiner eigentlichen Frage.
    Ich kenne diese Berührungsängste mit einem AD nur zu gut, denn ich habe früher auch so gedacht. Diese Zurückhaltung ist aber m.E. falsch, weil unbegründet. Ich dachte stets, ein AD sei so etwas wie ein Aufputschmittel, es würde mich künstlich in gute Laune versetzen, und davor hatte ich Angst. Ich fürchtete sowas wie 'ne Suchtverlagerung, von der Pulle zur Pille sozusagen. Das stimmt aber nicht.
    Das AD wirkt nicht euphorisierend, sondern es gleicht lediglich unerwünschte dumpfe Stimmungen aus. Worauf die nun beruhen, kann ich dir auch nicht sagen, ich bin schließlich keine Neurologin, Tatsache ist jedoch, dass eine einwandfreie Hirnchemie vonnöten ist, um ausgeglichen zu sein. Wir reden hier auch nicht von "normalen" Stimmungsschwankungen, die jeder kennt und jeder mal hat, diese Niedergeschlagenheit, die auch wieder vergeht (meist nach ein paar Tagen). Wir reden hier von Lebensunlust bis -müdigkeit, der Unfähigkeit, dem Alltag zu begegnen, dem ewigen Trübsinn, der sich gerne auch in körperlichen Beschwerden äußert. Solche Phasen können länger anhalten oder sogar zum Dauerbegleiter werden, und da muss man einfach aufmerksam werden.
    In meinem Fall war es ja besonders krass, weil nicht nur meine Umgebung, sondern besonders ich selber darauf gewartet habe, "dass nun alles besser wird", jetzt, nach der Entgiftung. Ich habe Fachbücher gelesen, dankbar alle Tipps geprüft, wie ich mein Leben umgestalten kann, aber es wurde und wurde nicht besser. Natürlich versuchte ich mich in Geduld zu üben, aber Monat für Monat ging ins Land, und der Wunsch, endlich nicht mehr zu grübeln, wurde übermächtig. Spätestens da ist meine Hausärztin aufmerksam geworden. Sie glaubte mir - ebenso wie mein Mann und mein Therapeut - dass es mir eben nicht darum ging, krampfhaft gut drauf zu sein (das hätte ich mit Alkohol ja jederzeit wieder haben können), sondern dass es mir darum ging, endlich normal zu sein. Deswegen überwies sie mich zu einer Neurologin, die machte ein EEG und verschrieb mir dann das AD.

    Die ersten fünf Tage war ich noch doof genug, das AD mit Alkohol einzunehmen, aber als ich dann endlich soweit war, es noch ein letztes Mal ernsthaft zu versuchen, meiner Sucht zu entkommen, da schlug es an - und zwar schlagartig! Ich will wirklich nicht übertreiben, aber als das AD endlich in Ruhe wirken konnte, ohne Störfeuer durch den Alkohol, ging es sofort besser. In den ersten Tagen spürte ich zunächst eine beruhigende Wirkung, da stimmte die Dosierung auch noch nicht so richtig, ich vertrug keine ganze Tablette auf einen Schlag. Aber ich hielt ja stets (notfalls täglich) Kontakt mit den Ärzten, also nahm ich ab dann eine halbe morgens und die andere halbe am späten Nachmittag. Und so passt es denn auch für mich. Ich komme gut damit klar, habe keinerlei Nebenwirkungen, nehme das nun schon fast seit einem Jahr und möchte es erst auch einmal beibehalten, denn absetzen sollte man es auf gar keinen Fall so ohne Weiteres.

    Deine Angst vor einer möglichen Abhängigkeit ist übrigens unbegründet. Ein AD hat kein Abhängigkeitspotential, d.h. wenn es vielleicht noch nicht so richtig wirkt, kann es daran liegen, dass die Dosis noch nicht stimmt oder der Einnahmerythmus verändert werden muss. Aber man wird nicht abhängig davon - das hat zumindest mein Therapeut gemeint, und meine Neurologin auch. Und beide wissen ja nun, dass ich eine Alkoholikerin bin und keine neue Abhängigkeit will.
    rowi, lies dir den Beipackzettel in Ruhe durch, beobachte dich, wie du auf das Präparat ansprichst, und notfalls frage deinen Arzt noch einmal. In solchen Dingen darf man einfach nicht schüchtern sein, da musst du ganz ehrlich sagen, dass du dir Sorgen machst und vielleicht nicht genug darüber weißt und es jetzt wissen willst. Frei nach der Sesamstraße: "Wer nicht fragt, bleibt dumm!" :wink: Ich kenne keinen Arzt, der das Interesse seines Patienten gerade bei solchen Fragen als lästig empfunden hätte!

    Hm. Schon wieder ein bisschen länger geworden... :roll:
    Ich wünsche euch und mir einen schönen Abend!
    Wir lesen uns!
    espoir

    Liebe Lobanshee (und natürlich alle anderen :wink: ),
    oh ja, ich habe lange nichts mehr geschrieben, das fällt mir jetzt auch auf. Aber wie ich schon einmal erzählt habe, ich bin trotzdem fast täglich da, einfach nur um zu gucken, wie es meinen Lieben denn so geht... :D

    Vergangenes Wochenende war ich ab Samstagmittag Strohwitwe, weil der GöGa auf Dienstreise war, da habe ich mich eher in anderen Threads herumgetrieben. Ich fand manche Diskussionen superspannend und vor allem sehr wichtig, so z.B. der Rückfall-Thread von Karsten, die Frage nach der "Stärke" oder auch Hartmuts Thread, in dem es um die oft zitierten "Schlagworte" geht, die ich bekanntlich auch nicht so mag - jedenfalls nicht, wenn sie stereotyp heruntergebetet werden. Ich finde es total klasse zu lesen, wie da die unterschiedlichen Ansätze diskutiert wurden, ein weiterer Beweis für mich, wie hilfreich dieses Forum für mich ist, selbst wenn ich nur lese (anschließendes Nachdenken natürlich vorausgesetzt! :wink: )

    Zur vergangenen Arbeitswoche brauche ich nicht viel sagen: Arbeit, Arbeit und... ach ja: Arbeit! :evil: Ich habe meine letzten Kräfte mobilisiert und stoisch eine Sache nach der anderen abgehakt, bis ich Mittwochabend am Schreibtisch fast eingenickt wäre. Ich hatte mir tatsächlich Arbeit mit nach Hause genommen und gehofft, manches noch in den späten Abendstunden fertigstellen zu können, geriet aber schlicht und ergreifend an meine körperlichen und geistigen Grenzen. Die Akkus sind halt einfach leer. Punkt.
    Mit dem Endergebnis, dass ich schon am Donnerstag einen Gang zurückgeschaltet habe und am Freitag verkündet habe, dass eine letzte bestimmte Sache vor meinem Pfingsturlaub nicht mehr zu schaffen sei. Das - für mich - merkwürdige Ergebnis war, dass das allgemein entspannt aufgenommen wurde, kein Nachfragen, kein Nörgeln, nein, die anderen waren wohl genauso erschöpft, und da es sich um keine Pflicht, sondern nur um eine Kür handelte, es also mit meiner persönlichen Eitelkeit zu tun hat, wenn ich das noch vor Pfingsten schaffe, ja also deswegen fügte ich mich in mein "Schicksal" und akzeptierte es so, wie es ist. Ich musste in diesen Tagen auch öfters an das denken, was mir Backmaus vor noch gar nicht so langer Zeit schrieb, nämlich dass es wohl viel mit schlechtem Gewissen zu tun habe, wenn ich nun bis zum Umfallen arbeite. Sozusagen als "Wiedergutmachung" und "Spurenverwischerei", bloß davon ablenken, wie miserabel ich noch vor zwei Jahren gearbeitet hatte. Liebe Backmaus, an dieser Stelle möchte ich ganz kurz danke sagen für diesen wertvollen Gedankenschubser! *drückdichmal* :wink:

    Ja, vor zwei Jahren...
    Am Dienstag nach Pfingsten 2007 bin ich in die Entgiftung gegangen.
    Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde, und das war auch gut so. Ich wurde gebeten, am Freitag vorher nochmal kurz anzurufen, um letzte Feinheiten zur Aufnahme abzuklären, wann ich da sein soll, was ich mitbringen soll etc. Die junge Frau am anderen Ende meinte, dass ich nicht vor 9 Uhr kommen bräuchte, weil davor alle Ärzte beim Blutabnehmen wären. Im Geiste sah ich dieses Procedere mit der Nadel am Arm und erinnerte mich daran, dass man davor ja nichts essen und trinken dürfe, also fragte ich treuherzig: "Äh... muss ich dann also nüchtern sein, wenn ich komme?" Erst später begriff ich, warum die Frau am anderen Ende eine Sekunde stutzte, ehe sie freundlich antwortete: "Nein, das wird nicht nötig sein!" Da rufe ich allen Ernstes auf der Entgiftungstation an, wo täglich Menschen mit mehreren Promille im Blut aufschlagen und frage, ob ich nüchtern kommen soll! So blöd kann auch nur ich sein! :wink:

    An das Pfingstfest selber kann ich mich nicht mehr erinnern.
    Es war wohl, wie bis dahin alle Feiertage - dauerbreit.
    Sektfrühstück, dann Frühschoppen, bereits nachmittags schwer angeschlagen, irgendwie durch den Tag vegetiert, vielleicht ein kurzes Nickerchen, dann auf die "blaue Stunde" gewartet, die ich gerne auch mal früher begonnen habe, bis dann der Abend im Totalabsturz endete. Bei schönem Wetter wurde das Trinkgelage gerne auf dem Balkon abgehalten, denn man muss doch auch mal an die frische Luft... Richtig raus aus der Bude, geschweige denn, etwas Schönes unternehmen? Undenkbar! Zu Hause gibt es genau das, was ich mag, es ist billiger, und mein Bett nicht so weit.

    Dienstagmorgen stand ich pünktlich auf und wollte mir noch ein paar Blusen bügeln. Schließlich würde ich ja nicht bettlägerig sein und wollte "ganz normal" rumlaufen. Während des Bügelns bekam ich einen leichten Flattermann, den ich als "Lampenfieber" deutete (ich war so naiv und wusste nicht, dass ich wieder entzügig war), also gönnte ich mir noch die letzten anderthalb Gläser Sekt, die noch vom Vorabend übrig waren. Eine neue Flasche traute ich mich nicht mehr zu öffnen, ich wollte schließlich nicht hackestramm da ankommen. Mein Mann fuhr mit mir in die Klinik, auf dem Weg zum entsprechenden Gebäude ging ein wolkenbruchartiger Regen runter, trotz Regenschirms war ich nahezu vollständig durchnässt. Auf der Station angekommen, nahm uns ein großer, fast schon bulliger Pfleger mit langem Pferdeschwanz in Empfang und grinste freundlich: "Naaa, regnet's draußen?" Jeder, der schon einmal in einer extrem angespannten Situation war, weiß, wie erleichternd so ein Lachen dann wirken kann. Ich war sooo dankbar, dass ich mit Humor empfangen wurde!

    Die erste "heilige Handlung" war, dass ich pusten musste. 0,06. Mei, es gibt Schlimmeres. Dann die erste D. , ein Psychopharmakum, das verabreicht wird, um die Entzugserscheinungen zu lindern. Es dauerte eine Viertelstunde, bis ich ein unangenehmes Kribbeln in den Nasenflügeln verspürte, eine weitere, bis mein Kopf fast auf den Tisch knallte. Junge, Junge, das Zeug macht müde! Es dauerte noch bis mittags, bis endlich das Bett für mich frei war, dann folgte ein einstündiges Aufnahmegespräch mit dem Stationsarzt. Das war zeitweise fast schon Comedy. Ich wurde gefragt, ob ich Stimmen hörte oder ob ich manchmal Dinge sehe, die nicht da sind. "Au weia", dachte ich, "wo biste denn hier gelandet?" Eine kleine Fliege hatte sich ins Zimmer verirrt und schwirrte mir hartnäckig ums Gesicht, also versuchte ich sie ärgerlich zu verscheuchen. Der Arzt musterte mich schweigend und ich erklärte unsicher, dass da eine Fliege im Zimmer sei. Er schwieg weiter und schrieb. Endlich setzte sich die doofe Fliege auf seinen blütenweißen Ärmel, er bemerkte sie und meinte trocken: "Sie haben Recht. Da ist wirklich eine Fliege im Zimmer!" HUUUUUUUAAAAAAH! HILFE! :shock:

    Die darauffolgenden Tage verliefen unspektakulär.
    Es gab ein regelmäßiges Tagesprogramm, das akribisch eingehalten wurde, dazu die Medikamentenausgabe unter Aufsicht, da habe ich es manchmal bereut, dass ich so oft "Einer flog übers Kuckucksnest" geguckt habe, es fehlte also der nötige Ernst... Aber das ist mir wirklich in Erinnerung geblieben, dass wir viel gelacht haben. War die Situation wirklich so urkomisch? War es Galgenhumor? Ich glaube, es war einfach das Bewusstsein, nun endlich wirklich was gegen die Sauferei zu unternehmen und es nicht bei halbherzigen Lippenbekenntnissen zu belassen. Ich persönlich habe den Kontext "Klinik" gebraucht, um mir über die Ernsthaftigkeit meines Vorhabens bewusst zu werden. Hier zu Hause hätte ich vermutlich nur eine weitere Runde des Rumeierns eingeläutet. Und ich hatte einfach auch ein bisschen Glück. Als ich dort war, war zufälligerweise gerade eine Truppe von Mitpatienten da, zu denen ich gerade gut gepasst habe (z.B. altersmäßig) Die "Chemie" hat sozusagen gestimmt. Freilich nicht mit allen, aber mit den meisten. Das führt dazu, dass ich heute noch gerne an diese Zeit zurückdenke und mir sage "Jawoll, das haste richtig gemacht!"

    Als ich von der geschlossenen auf die offene Station kam, ging's mir nicht mehr so gut. Ich bekam ein bisschen mehr Abstand und konntes manches kritischer betrachten. Da sind mir zum ersten Mal die Dummschwätzer aufgefallen, die für alles eine Erklärung oder einen Schuldigen finden - aber nie bei sich hinschauen. Auf der offenen gab's auch kein D. mehr, ich konnte mich also nicht mehr trösten mit dem Gedanken, dass der entweder einfach noch blau war oder bereits D. genommen hatte - der war tatsächlich so! Das hat mich ziemlich runtergezogen und das war auch die Zeit, in der ich öfters geweint habe und raus wollte. Naja, nach einer knappen Woche war das dann auch geschafft.

    Wenn ich heute so zurückdenke, stellt sich bei mir ein eigenartiges Gefühl ein. Einerseits ist das alles schon zwei Jahre her, und doch sind die Bilder so plastisch vor meinem geistigen Auge. Kennt ihr das? Die Erinnerung an etwas, das ja nun doch schon ein Weilchen zurückliegt, aber dennoch so klar erscheint, als war's erst neulich gewesen? Ja sicher kennt ihr das. Warum sollte das nur bei mir so sein... :?

    Falls das hier jemand liest, der sich noch nicht so sicher ist, ob er's wirklich wagen soll, dem kann ich nur sagen: Mach' es! Du wirst es nicht bereuen! In einer Suchtklinik stehen dir Menschen zur Verfügung, die ihr Handwerk beherrschen, die auf unsere Krankheit spezialisiert sind und wissen, was zu tun ist. Löse dich von der Vorstellung, dass dort die Hölle auf dich wartet, das stimmt halt einfach nicht! Du wirst nicht ans Bett festgebunden, da ist niemand, der dir ungerührt zuguckt, wie du schwitzt und zappelst. Das ist bullshit, und sowas sieht man nur in irgendwelchen reißerischen Filmen. Die Realität ist viel unspektakulärer. Und das ist gut so.

    Ich bin dankbar und froh, dass ich diesen Weg gegangen bin. Ich habe es nicht auf Anhieb geschafft, ab dem Zeitpunkt keinen Alkohol mehr zu trinken. Es folgten noch 13 elende Monate, in denen ich mal mehr, mal weniger (meistens aber mehr) getrunken habe. Ende Juni letzten Jahres war es dann mal wieder soweit - entweder erneute Entgiftung oder aber endgültig das Ruder herumreißen. Ich ging zu den Ärzten und erneut wurde mir geholfen - ich bekam ein Antidepressivum. Ich weiß, dass die Vergabe eines ADs nicht ganz unumstritten ist. Es gibt so viele Depressionserkrankte, die ihre Depressionen mit Hilfe des Alkohols wegspülen, und gleichzeitig ist es bekannt, dass jahrelanger Alkoholmissbrauch Depressionen überhaupt erst entstehen lassen. Es ist wie die Frage nach der Henne und dem Ei, was war zuerst da? Für mich hat es irgendwann keine Rolle mehr gespielt, ob erst die Depressionen oder erst der Alkohol da war. Nächsten Sonntag lebe ich 11 Monate konsequent abstinent und habe auch nicht im Geringsten vor, daran noch etwas zu ändern.

    Euch allen vielen Dank fürs Lesen und einen wunderbaren sonnigen Pfingstsonntag!

    Alles Liebe
    espoir

    Hallo Flo,
    schade, dass du wieder trinkst.

    Zitat von Glücksbärchjen

    Und nein Alkohol brauch ich jetzt sicher keinen mehr ich hab da eine bessere Droge gefunden nämlich sie und dass reicht mir.


    Na, so ganz hat es wohl nicht gereicht.
    Wie soll es jetzt weitergehen?
    Lies doch mal den "Rückfall"-Thread von Karsten unter "Sonstiges".
    Auch wenn Karstens Ausgangsfrage weniger auf den Rückfall an sich, sondern eher auf die Reaktionen darauf abzielt, finde ich die Antworten vieler Teilnehmer sehr interessant. Vielleicht erkennst du dich ja in der einen oder anderen geschilderten Situation wieder und kannst was Hilfreiches für dich rausziehen!?

    Dir weiterhin viel Glück!
    espoir

    Hallo almi,
    ich habe schon oft überlegt, in deinem Thread mal zu antworten, denn der Titel "Wo ist die Wärme?" erinnert mich immer an dieses Lied "Where is the love?" von den den Blackeyed Peas... :wink:
    Was mir ziemlich deutlich auffällt, ist, dass bestimmte Begriffe immer wieder in deinen Beiträgen auftauchen, z.B. das Wort "warten". Du wartest ab, was passiert, ob jemand antwortet, wie es weitergeht. Für mich hört sich das so an, als ob du deinen Beitrag tippselst und dich dann gespannt zurücklehnst um zu gucken, was sich - hier in deinem Thread - tut. Was soll sich denn tun?
    Denn wenn du ehrlich bist, wirst du zugeben, dass du ja auch nicht konstant bei der Stange bleibst, also regelmäßig ein feedback über deine Befindlichkeiten abgibst, sondern dass schon mal 'ne ganze Weile vergehen kann, bis du dich wieder meldest. Also, so kam es mir zumindest vor, da teilweise doch einige Zeit zwischen zwei Beiträgen vergangen war.
    Und das dritte, was mir auffällt, ist, dass ich diese Unzufriedenheit über deine private Situation herauslese. Du sprichst häufig vom fehlenden Partner, und wenn der da wäre, ja dann wäre alles anders. Dann wäre auch das Leben an sich viel schöner. Das hast du schon ziemlich am Anfang deines Threads (etwa ein Jahr her) geschrieben:

    Zitat von almi

    Oft fühle ich mich alleine, ausgebrannt , aber auch nicht in der Lage , neue Kontakte zu knüpfen. vielleicht bräuchte ich auch einfach eine gut funktionierende Partnerschaft, in der ich gehalten und aufgefangen werden würde.


    Versteh' mich bitte nicht falsch, almi, ich würde hier nicht schreiben, wenn du nicht an verschiedenen Stellen die Einladung ausgesprochen hättest, dass sich hier ruhig mehrere verschiedene Leute beteiligen dürfen... :wink:
    Ich finde halt nur, dass du relativ passiv wirkst.
    Wenn du im RL ähnlich abwartend durch dein Leben gehst, dann wirst du tatsächlich Schwierigkeiten haben, nicht nur neue Leute kennenzulernen, sondern auch richtige Freunde zu finden, geschweige denn einen zu dir passenden Partner. Vielleicht wäre es ja mal eine Möglichkeit dir zu überlegen, wie du dir dein Leben eigentlich vorstellst, so mit Freundeskreis und Partner. Was würdest du gerne mit diesen Leuten unternehmen? Wenn du da eine ungefähre Vorstellung hast, ist sicher der Weg nicht mehr weit dorthin, wo du genau solche Leute treffen kannst, egal, ob du nun Sport magst, Musik, kulturelle Veranstaltungen oder sowas.

    Naja, und noch ein Gedanke kann vielleicht hilfreich sein: Bis es endlich soweit ist, kannst du ja versuchen, das Alleinsein mit dir selber gut zu finden. Und wenn das im Moment noch nicht so ist, dass du es gut findest, dann überlege dir, was du verändern müsstest, damit es für dich ok ist, mit dir alleine zu sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen dann am attraktivsten wirken, wenn sie in sich ruhen und mich lediglich einladen, in ihrer Nähe zu sein. Nicht, wenn sie das fordern...

    In diesem Sinne, almi, viel Spaß bei der Fortbildung und vielleicht bis bald!
    LG
    espoir

    Liebe lobanshee,
    ja, du hast Recht, ich habe heute Mittag auch viel nachgedacht.
    Aber ich komme zu keiner Antwort.
    Genauso unbegreiflich, wie es für einen gesunden Menschen sein muss, eine nasse Alkoholikerin zu verstehen, genauso unbegreiflich erscheint es mir, eine äh... aktive (?) Co zu verstehen.
    Ich habe vor kurzem eine Dokumentation vom NDR gesehen, die lief offensichtlich schon vor längerem im Fernsehen, ich glaube, die hieß "Trocken oder tot". Ich habe sie übers Internet gefunden, und da ging es auch um einen Hardcore-Trinker und dessen Verfall. Stets bejammert von Mutter und Lebensgefährtin, aber beide Frauen waren nicht in der Lage, die richtigen Schritte zu unternehmen (er selber ohnehin nicht). Ein Pfleger, der den Trinker schon seit Jahren kannte, sprach von "jahrelanger Sterbebegleitung". :shock: Einfach grauenhaft.
    Deshalb muss es für dich unsäglich schmerzhaft sein, deine Freundin so verfallen zu sehen. Ich kann da leider nicht mitreden, als ich dem Verfall meines Vaters zuschauen musste, war ich ein Teenager, ich hätte keine Möglichkeiten gehabt, mich oder gar meine Mutter zu schützen. Aber wenn man auf Augenhöhe ist und einander freundschaftlich verbunden, ja, das kann ich mir gut vorstellen, dass das weh tut. Ich finde es echt bewundernswert, dass du dich so tapfer durch das Spannungsfeld Zuneigung oder Selbstschutz kämpfst und abwägst, ob sie dir noch gut tut oder eben mittlerweile nimmer - und dich nun für dich entschieden hast! Chapeau!

    Ansonsten habe ich es dir heute gleichgetan und den ganzen lieben langen Tag nur gechillt.
    Ich habe in den letzten Tagen ständig von heute geträumt, entsprechend viel vorgearbeitet und sah mich schon im Bikini und Hirschhausens "Glücksbuch" aufm Balkon - und was ist? Nüscht. Grauer Himmel, den ganzen Tag, nur kurz unterbrochen von einigen sommerlich leichten Nieselregenschauern... :evil: Aber egal, es hat trotzdem was Gemütliches, mein GöGa und ich haben z.B. wie in unserer Anfangszeit aufm Sofa gekuschelt und miteinander einen herrlichen Familien-Eisbecher (fast) leergelöffelt. Sorte "Crème brulée", besteht nur aus Cholesterin und Kalorien und ein bisschen Karamell oben drauf, abba legga... :wink:

    Heute Abend werden die Nachrichten wieder voll sein mit Berichten von verunglückten Vatertagsausflügen, mei, ohne Kinder war uns des ja schon immer wurscht, aber mittlerweile sehe ich solche Berichte nicht einmal mehr amüsiert, sondern kopfschüttelnd. Im Fernsehen zeigen sie ja immer nur gut gelaunte, schlimmstensfalls leicht angesäuselte Gesellen, aber ich möchte nicht wissen, in wie vielen Familien heute wieder geprügelt, vergewaltigt und herzzerreißend geweint wird. Kalendarisch verordneter Wahnsinn! :evil:

    So, und nun mag ich aber keine trüben Gedanken mehr haben und wünsche dir und mir und allen anderen, die vielleicht hier vorbeischauen, noch einen schönen restlichen Abend!

    Vielleicht treffen wir uns ja noch in dem einen oder anderen Thread!
    Alles Liebe
    espoir

    Zitat von Lothlorien


    - ich wäre gerne wieder selbstbewusster und offener
    - ich habe meine Erkrankung zwar erkannt, aber glaube ich, noch nicht so richtig akzeptiert. Noch immer erwische ich mich dabei, wie ich traurig darüber bin, dass es SO mit mir kommen musste.
    [...]
    Lieber denke ich hundertmal über etwas nach - anstatt es einfach anzugehen und zu "machen"! (Ich war immer schon eher "Grübler" statt "Macher", aber zur Zeit ist es extrem!

    Hallo Lothlorien,
    wenn du wüsstest, was dein Beitrag gerade bei mir auslöst!
    Ein Feuerwerk an Gedanken, Erinnerungen und Gefühlen...
    GENAUSO habe ich auch gedacht und gefühlt.

    Stichwort Selbstbewusstsein:
    Da war ich noch nie so die große Meisterin, ich kam mir schon als Schulkind immer dümmer, hässlicher und irgendwie weniger wert als die anderen vor. Der Alkohol half mir, mich mir selber "schönzusaufen".
    Stichwort Enttäuschung:
    Es hat tasächlich seeehr lange gedauert, bis ich mit Hilfe meines Therapeuten und der SHG kapiert habe, dass sich die Frage nach dem Warum nur bedingt stellt und einer erfolgreichen Trockenheitsarbeit massiv im Wege stehen kann.
    Stichwort Grübeleien:
    Ich wollte auch immer sicher sein, alles gegeneinander abgewägt zu haben, ehe ich mich zu einer Entscheidung durchringe - mit dem Ergebnis, dass ich dann gar nicht reagiert habe. Und aus Frust darüber (verpatzte Chancen, passendes Contra o.ä.) habe ich natürlich wieder weiter gesoffen. Merke: Too much analysis leads to paralysis...

    Na jedenfalls sprichst du mich sehr an und ich freue mich schon darauf, auch weiterhin von dir zu lesen!

    LG
    espoir

    Hallo Lothlorien,
    auch ich will dich erst einmal herzlich Willkommen heißen hier im Forum!
    Nun biste ja schon ein paar Tage hier und hast sicherlich in die ersten Threads hineingeschnuppert, das finde ich persönlich gerade am Anfang ganz wichtig. Sich einen Überblick verschaffen und sich selber fragen, was denn künftig anders laufen soll.

    Zitat von Lothlorien

    An meiner Persönlichkeit muss ich eben arbeiten, das geht nicht von heute auf Morgen.


    Da haste dir aber 'ne ganze Menge vorgenommen, gell?
    Was genau möchtest du denn ändern?
    Was gefällt dir denn an dir nicht so gut?

    Deine Unruhe wegen einer echten SHG kann ich leider nur in gewissen Grenzen nachvollziehen, da bin ich völlig anders. Ich habe es als tröstlich empfunden, eine Gruppe von Menschen kennenzulernen, die dasselbe mitgemacht haben wie ich. Natürlich hatte ich ein bisschen Lampenfieber, war ein bisschen befangen, aber Angst? Nein, sicher nicht. Das muss aber wie gesagt nichts heißen, da sind die Menschen eben verschieden.

    Vielleicht hilft es dir ja, dir vorzustellen, dass eine SHG im RL eine unglaubliche Bereicherung für den Alltag ist. Du hast ja geschrieben, dass du eine LZT gemacht hast, aber da warste natürlich auch weg von zu Hause und in einem sehr speziellen Kontext ("Käseglocke"). Da laufen lauter Trinker rum und nahezu alles, was gesprochen oder gemacht wird, steht immer im Zeichen unserer Krankheit.

    In der freien Wildbahn sieht das natürlich anders aus.
    Hier könntest du ansetzen und bei der Gelegenheit auch gleich mal "üben", wie du auf fremde Menschen zugehen kannst. Denn du hast ja auch geschrieben, dass dir ein bisschen (?) die menschliche Ansprache fehlt, die Kontakte. Ich wünsche dir jedenfalls von Herzen viel Erfolg bei deinen ersten Gehversuchen in die richtige Richtung!

    LG
    espoir

    Mein lieber Erdbeerbernd,
    jetzt kriege ich richtig Herzklopfen: Du hast was getrunken?
    Och menno!

    Ich kann mir gut vorstellen, wie du dich jetzt fühlst.
    Bist wahrscheinlich g'scheit sauer auf dich, gell?

    Aber Gotti hat Recht - bleib' hier und schreib'!
    Alle, die wir hier sind, empfinden doch gerade das Schreiben als die größte Hilfe, oder?
    Sich mitteilen zu dürfen, auf feedback zu hoffen und hier und da 'n Gedankenschubser zu kriegen!

    LG
    espoir

    Liebe RoteLampe,

    deine neuen Pläne klingen wirklich spannend, das wird bestimmt eine ordentliche Herausforderung, oder? In deinem Eingangs-Posting hast du geschrieben:

    Zitat

    Ich war 16 Jahre lang mit einem gewalttätigen Alkoholiker aus einem anderen Kulturkreis verheiratet und konnte mich im Jahre 2003 endlich trennen.


    Wow.
    Gewalt, Alkohol, andere Kultur.
    Jedes für sich schon eine echte Aufgabe.
    Aber zusammen?

    Wie dem auch sei, du hast ja geschrieben, dass du erst einmal eine Nacht darüber schlafen möchtest. Ich wünsche dir von Herzen die richtige Eingebung und vor allem - jetzt, hier und heute - eine schönen Abend!

    Alles Liebe
    espoir

    Hallo rowi,

    na das sind doch mal gute Nachrichten!
    Ich freue mich für dich, dass der Tag so schön für dich gelaufen ist! :D
    Und den Gedanken, den wir gerne heimlich haben "Oh Mann, früher hätte ich sofort was getrunken!" :roll: , den kenne ich nur zu gut.
    Während ich darüber früher fast schon erschrocken war, kann ich mir heute manchmal ein schiefes Grinsen nicht verkneifen.
    Wie glücklich können wir sein, nicht mehr trinken zu müssen!
    Also, ich bin es jedenfalls! :wink:

    Dir alles Liebe und einen schönen Abend!
    espoir

    Hi Zhig,

    ich kann mich skybird und der kawi nur anschliessen - hier gibt es sehr wohl genug Leute, die auf dich aufmerksam werden und deine Threads lesen. Ich persönlich finde es nur schwierig, ellenlange Beiträge zu formulieren, wenn ich so gar nichts vom Threaderöffner weiß.

    Vielleicht magst du ja einfach mal erzählen, wie es dir mittlerweile ergangen ist und welches Problem bzw. welche Frage du denn nun genau hast?!

    Gruß
    espoir