Beiträge von espoir

    Zitat von Backmaus

    Sämtliche Drohungen von meinem geduldigen,hilflosen Mann haben mich nicht abhalten können


    Guten Morgen, Backmaus,

    also Drohungen oder Ultimaten habe ich gar nicht erst erlebt - und das war auch gut so.
    Mein Mann ist das, was man gerne als "Fels in der Brandung" bezeichnet, riesengroß und kräftig und von nahezu unerschütterlicher Gemütsruhe, ich dagegen das hyperaktive Rumpelstilzchen. Obwohl wir uns auf den ersten Blick so unähnlich sind, ergänzen wir uns ideal. Wo er vor lauter Phlegmatismus nicht aus dem Quark kommt, mache ich ihm Feuer unter dem Hintern, und wo ich zu übertreiben drohe, da holt er mich wieder runter.
    Daneben gibt es noch Bereiche, in denen wir uns doch recht gleichen, von daher freue ich mich sehr über diese gelunge Mischung aus Gegensätze ziehen sich an und Gleich und Gleich gesellt sich gern.

    Während meiner Hardcore-Jahre hat er sich zunehmend zurückgezogen und sich in die Arbeit gestürzt, oftmals bis 21 Uhr im Büro gesessen. Was sollte er auch zu Hause? Dort erwartete ihn doch nur eine stets betrunkene Ehefrau, die wahlweise im Bett, auf dem Sofa oder gleich direkt auf dem Boden ihren Rausch ausgeschlafen hat. Und wenn ich doch noch halbwegs ansprechbar war, habe ich ihm versalzenes und/oder verbranntes Essen vorgesetzt und ihm leidenschaftlich das aktuelle politische Tagesgeschehen erklärt. Uaaah! Wi-der-lich!

    Nach der Entgiftung war er wohl ähnlich blauäugig wie die meisten Menschen, die sich mit der Krankheit nicht auskennen, und meinte, dass jetzt wohl alles "wieder in Ordnung" sei. Er hatte wohl auch ein blödes Gefühl in der Magengegend, als wir im Urlaub gut gekühlten Weißwein tranken, gab sich aber auch der Hoffnung hin, dass es eben dabei bliebe. Den Rest habe ich dir ja schon geschildert.

    Ich kann aus meiner heutigen Sicht nur sagen, dass es das einzig Richtige war, mir nicht mit Scheidung zu drohen, sonst hätte ich mich totgesoffen. Ich war der einsamste Mensch auf der Welt, ich habe beim Trinken stets nur an mich gedacht, Sätze wie: "Ja liebst du denn den xxx gar nicht?" haben mich völlig kirre gemacht, mir lag stets auf der Zunge zurückzufragen: "Was hat das denn mit xxx zu tun?", habe ich aber nicht, ich bin statt dessen ausgewichen: "Doch, schooooon, aber naja, ich weiß doch auch nicht..."

    Das möchte ich an dieser Stelle wirklich einmal betonen - auch für den Fall, dass das hier ein Angehöriger liest: Trennt euch von der Vorstellung, dass der Trinker an euch denkt, wenn er trinkt! Er trinkt nicht, um euch eventuell zu bestrafen, er trinkt auch nicht, um die Tatsache zu feiern, dass er euch hat, er trinkt einfach nur, weil er sonst nicht den Tag übersteht. Punkt. Nicht mehr und nicht weniger.

    Was mir persönlich geholfen hat, war die oben schon erwähnte Stoik meines Mannes. Er hat das Ganze förmlich "ausgesessen", einfach mal abgewartet, nach dem Motto: "Abhauen kann ich immer noch, ich muss ja nicht bleiben!" Ich nehme an, er hat mich beobachtet und sehr genau hingehört, wenn ich ihm erzählt habe, wie ich fühle und denke. Als ich vor kurzem meine 24 Wochen rum hatte und ich das zum Anlass nahm, ausgiebig mit ihm zu sprechen, habe ich ihn gezielt gefragt, wie die Zeit für ihn, besonders die 13 Monate Rumgeeiere, gewesen sei. Da hat er geantwortet, dass er ja gesehen habe, was ich alles für meine Abstinenz getan habe, dass ich nichts unversucht gelassen habe, und je mehr Rückschläge ich einstecken musste, desto unglücklicher sei ich geworden. Er hätte gesehen, dass ich keine Krokodilstränen weine, sondern wirklich Tränen der Verzweiflung und der Hilflosigkeit. Und das hätte ihm dabei geholfen, auch weiterhin an mich zu glauben.
    Boah, Kinners, das war für mich die Liebeserklärung des Jahrhunderts! :D
    Und heute?
    Ich kann die Vergangenheit nicht ungeschehen machen.
    Warum auch? Ich wurde, was ich bin, auch durch diese Zeiten.
    Ich gehe heute viel bewusster mit mir, meinen Gedanken und Gefühlen und auch den Menschen in meiner Umgebung um. Ich habe gelernt, genau hinzuschauen und sofort aufmerksam zu werden, wenn irgendwas nicht passt oder auch nur "irgendwie komisch" ist. Das ist etwas, das so viele Menschen nicht erfahren. Die leben einfach nur so vor sich hin.

    Im Chinesischen soll ja angeblich das Wort für "Krise" dasselbe sein wie das für "Chance". Mei, ich glaube, jetzt weiß ich auch langsam, warum.

    In diesem Sinne, liebe Backmaus, wünsche ich dir - und natürlich auch den anderen :wink: - einen schönen sonnigen Samstag! Genießt den Tag und macht was draus, morgen soll ja wettertechnisch gesehen schon wieder eher ein fröhliches Grau auf uns warten... :roll:

    Alles Liebe
    espoir

    Guten Morgen, Wasser!

    Zunächst einmal möchte ich dich herzlich Willkommen heißen!
    Gut, dass du hergefunden hast! :)


    Was willst du denn künftig in deinem Leben ändern, damit das hier:

    Zitat

    Später aber hat er mir geholfen den Kopf in den Sand zu stecken.


    nicht mehr passiert?

    LG
    espoir

    Ach iwo *lach*

    Ich habe damit auf meine Ananas-Torte angespielt, bei der ich mir doch sooo viel Mühe gegeben habe, aber Mühe allein genügt eben nicht...

    Mach' dir keine Sorgen, liebe Backmaus, mir geht's ja seit gestern wieder besser - und der Appetit ist auch seit gestern Abend wieder da. Da habe ich sogar wieder richtig zugelangt, bei Frikadellen, Kartoffeln und Rotkohl, und dass damit mein mühsam erbrochenes Kilo ruckizucki wieder auf den Rippen war... mei, des ist mir jetzt einfach mal wurscht! :wink:

    Zitat von 7lives

    .. ich bin gekippt und schäme mich so!!!

    Wofür?
    Bitte halte mich nicht für doof, aber ich verstehe immer noch nicht so ganz, worum es geht!
    Bist du lesbisch und hast trotzdem mit 'nem Mann rumgemacht?
    Oder wolltest du abstinent leben und hast trotzdem was getrunken?
    Hilf mir, dich zu verstehen!

    LG
    espoir

    Liebe Cora,

    ich möchte mich Backmaus' Glückwunschen anschließen und dir zu deinem trockenen Silvester gratulieren!
    Für mich war es auch das erste richtig trockene Silvester, an dem ich - anders als noch im Jahr zuvor - nicht nur nichts getrunken habe, sondern darüber hinaus auch nicht einen einzigen Gedanken an Alkohol verschwendet habe (kein Wunder, ich hatte ja auch andere Sorgen... :roll: )

    Möge uns allen die aufrichtige Freude darüber noch lange erhalten bleiben!

    LG
    espoir

    Hallo Backmaus - oder sollte ich lieber sagen: Hallo Frechdachs?

    Ich habe echt gelacht, als ich dich gelesen habe, weil es ja stimmt: Ich stand heute Morgen auf der Waage und habe dank der Muschel-Geschichte tasächlich ein komplettes Kilo verloren *gröhl* :D

    Und zum Trost habe ich mir als verspätetes Frühstück zwei Nutella-Toasts gegönnt, weißt schon, so richtig dick druff, mei, da war aber auch sooo viel am Löffel dran, das kann ich doch unmöglich ins Glas zurückschmieren, sowas Blödes aber aber auch... *pruuust* :D

    Ja, das mit dem positiven, das stimmt tatsächlich.
    Das ist etwas, für das ich sehr dankbar bin und von dem ich weiß, dass es nur durch meine Abstinenz möglich wurde. Als ich noch getrunken habe, habe ich zwar nach außen hin recht fröhlich und unbeschwert gewirkt, bin aber, sobald ich alleine war, erst recht in dumpfes Brüten versunken. Und dieses Hin-und-Her zwischen Trauerkloß und Hurra-Tüte wurde im Laufe der Jahre immer anstrengender - ein willkommener Anlass, noch mehr zu trinken.
    Seit ich konsequent abstinent bin, hat sich meine Stimmungslage auf ein normales, gesundes Durchschnittsmaß eingependelt. Und diese Durchschnittlichkeit - so negativ sich das Wort auch anhören mag - lässt mich mein Leben entspannt angehen. Weder sorglos noch gramgebeugt. Deshalb lasse ich mir meine Vorfreude auf ein gesundes und schönes 2009 auch nicht durch das Drama heute Nacht kaputtmachen. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen heute Nacht auf der Intensivstation irgendeines Krankenhauses um ihr Leben gekämpft haben - da sind so ein paar blöde Muscheln, so schmerzhaft ihr Aufenthalt bei mir drin auch gewesen sein mag, doch 'ne Klackssache...

    In diesem Sinne, Backmaus, wünsche ich dir einen schönen ruhigen Feiertag und hoffe, dass wir uns heute noch lesen!

    Alles Liebe
    espoir

    Guten Morgen, ihr Lieben, und vor allen EIN FROHES UND GESUNDES NEUES JAHR 2009 wünscht euch espoir! :D

    Die Betonung liegt für mich auf "gesund", denn ich habe das grauenhafteste Silvester meines Lebens verbracht - nämlich im Bett und mit Wärmflasche und Kräutertee bewaffnet, um einer gepflegten Lebensmittelunverträglichkeit Paroli zu bieten.
    Wir hatten zum Abendessen Jakobsmuscheln, Rinder-Filet und Mousse au chocolat geplant... und auch gegessen. Nun weiß ich seit frühester Jugend, dass ich keine Tintenfischringe vertrage und entsprechend reagiere. Aber Jakobsmuscheln? Hm, scheint dasselbe Enzym oder Protein oder wasweißich drinne zu sein, na jedenfalls war ich von 22 bis 2 Uhr mit Bauchkrämpfen der wirklich übelsten Sorte und den hilflosen Versuchen, mich zu erbrechen beschäftigt. Einfach fürchterlich!

    Naja, heute Morgen sieht die Welt natürlich schon wieder anders aus, ich spüre noch leichte Verspannungen im Torso, wohl wegen der Krämpfe in der Nacht, aber es geht schon wieder halbwegs.

    Also, Kopf hoch und lächeln! :wink:

    Alles Liebe
    espoir

    Liebe Yvonne,

    ich möchte die kurze Pause zwischen den Jakobsmuscheln und dem Rinder-Filet :wink: nutzen, um dir jetzt schon einmal alles Liebe und Gute für den bevorstehenden Rutsch zu wünschen!
    Ich bin heute Abend mit meinem Mann alleine zu Hause (na halt wie Heiligabend auch...) und wenn ich auch nicht permanent vor dem Rechner sitze, so spitze ich doch immer wieder mal rein.

    Wir lesen uns noch vor Mitternacht, gell?

    Alles Liebe
    espoir

    Liebe Backmaus,

    endlich komme ich dazu, dir meine Meinung zu schildern, die übrigens mit der meiner Vorposter übereinstimmt - um deiner selbst Willen: Grenze dich ab!
    Fällt dir nicht auf, dass du nicht mehr von "SHG-Mitglied" sprichst, sondern von einer "Person" und von "belästigen"? Das zeigt mir ganz deutlich, dass du einen ordentlichen Groll in dir trägst, weil du bewusst oder unbewusst spürst, dass hier ein bisschen Zuhören und vor allem das Appellieren an das kleine Einmaleins der Abstinenz nicht mehr fruchtet. Ich gehe ja gar nicht einmal davon aus, dass sie dir tatsächlich ernsthaft gefährlich werden könnte, aber alleine ein Genervt-Sein ist m.E. schon zuviel.
    Und wenn dann noch ein - wie ich finde - völlig unangebrachtes schlechtes Gewissen dazu kommt, dann sind das ein bisschen zu viele schlechte Gefühle, die du hast, weil jemand anderes säuft. Besinne dich auf die positiven Dinge - deine Abstinenz, deine Familie und dein Silvester! :wink:

    LG
    espoir

    PS: Hast du ein Telefon mit Display? Wenn ja, Nummer eiskalt ignorieren, denn wenn du erst einmal dran bist, haste schon verloren!

    Guten Morgen, Backmaus,

    ich wollte mich nur kurz bedanken, dass du hier warst!
    Leider muss ich ausgerechnet heute noch ein paar Kleinigkeiten kaufen, weißt schon, frisches Brot und so, und ich bin mir im Klaren, dass das heute - und vor allem um diese Uhrzeit - das reinste Kamikaze-Unterfangen wird, aber mei, wat mutt, dat mutt, ne?

    Ich melde mich heute Nochmittag noch einmal, OK?

    Ach ja, und liebe Grüße natürlich auch an alle anderen, gell! :wink:

    espoir

    Und seitdem geht es stetig bergauf.

    Seitdem kann ich wie von Geisterhand das umsetzen, was ich schon damals gelernt habe, kann an meiner Nüchternheit und an meiner Abstinenz arbeiten, bin offen für alles, probiere viel aus, verwerfe auch wieder, finde einfach für mich raus, was mir gut tut und was nicht.

    Und ja, um mal wieder auf deine Anfangsfrage zurückzukommen - ich habe das alles noch niemandem erzählt. Ich dachte damals, ich sei feige, weil ich meine Krankheit nicht öffentlich gemacht habe. Heute weiß ich, dass ich den harten Weg gegangen bin.

    Aber wie sagte Bohlen einst so schön: "Nur die Harten kommen in den Garten!" :wink:

    Puuh, und jetzt muss ich erst einmal gucken, ob du überhaupt noch da bist. Wenn ja, möchte ich mich ganz herzlich für deine Geduld bedanken, wenn nicht, dann magst du meine Zeilen ja vielleicht morgen lesen...

    Alles Liebe
    espoir

    Bitte verstehe mich nicht falsch, ich versinke nicht in dem so vielbeschworenen Trinker-Selbstmitleid, es ist nur so, dass diese letzten Monate, bevor endlich die Wendung zum Guten kam, wieder so plastisch vor mir stehen...

    Kurz nach Pfingsten brach ich zumindest vorübergehend den Kontakt zur Gruppe und zum Therapeuten ab, obwohl die mir gerade jetzt doch so fehlten. Aber was soll ich da, wenn ich so nass bin?
    Ich entschied mich immer weiter für die Isolation und focht meinen Kampf mit mir selber aus. Ich redete endlos mit meinem Mann, versuchte ihm klar zu machen, dass es mir nicht wurscht ist, dass ich nicht wieder trinke, weil ich eine doofe Kuh bin oder nicht wüsste, was ich mir einbrocke, und dass ich sehr wohl sehe, dass er leidet und enttäuscht ist und, und, und... ABER ICH KANN NICHT!!! ICH KANN NICHT AUFHÖREN!!!

    Mitte Juni verschärfte sich die Lage auch im Job, die Luft brannte, Hektik pur an allen Ecken und Kanten, die Kollegen genau wie ich im Hamsterrad, funktionieren, jetzt bloß nicht schlapp machen, und ich konnte mit niemandem reden, weil ich ja nichts gesagt hatte, und so konnte ich mir auch keinen Trost oder ein bisschen Aufmunterung holen. Naja, und dann habe ich eben schlapp gemacht.

    Nicht etwa vor allen Leuten, nein nein, ich hatte einen kleinen Kollaps morgens direkt nach dem Duschen zu Hause. Mein Mann erkannte wohl den Ernst der Lage, meldete erst mich krank und sich selber dann im Büro ab und brachte mich zu meiner Hausärztin, die mich schon seit Jahren kennt, mich auch zur Entgiftung eingewiesen hat und die nicht lange fackelte und mich für 14 Tage aus dem Verkehr zog. Anschließend überwies sie mich zum Neurologen, EEG, Gott sei Dank zumindest organisch alles OK da oben, aber ab jetzt bitte mit AD!

    Und was soll ich dir sagen?
    Das war das Beste, was mir in meinem ganzen Leben passiert ist! Es wirkte schon nach wenigen Tagen, vor allem, nachdem ich die Tabletten ohne Wein einnahm :roll: , und so kann ich heute sagen, Montag, der 07.07. war mein erster komplett nüchterner Tag, an dem hatte ich zwar noch heftige Entzugserscheinungen, aber egal jetzt, ich habe das durchgestanden und bin seit diesem Tag konsequent abstinent! :D

    Huhu Backmaus, sehe du bist da!
    Keine Angst, kommt nicht mehr soo viel!

    Der Kontakt zur SHG und zum Therapeuten wurde immer schwieriger. Vereinzelt bin ich alkoholisiert in der Gruppe aufgetaucht, sogar zum Einzelgespräch konnte ich manchemal nicht einmal auf wenigstens ein Glas Sekt verzichten. Ich hoffte, dass Zähne putzen und ein teures schweres Parfüm mir helfen würde. Und ich hoffte, dass ich "es" nicht so ausdünsten würde, weil nämlich, ich hatte ja die Entgiftung, jahaaaaa...

    Die für mich grauenhafteste Zeit meines Lebens brach dann an, etwa Ostern. Ich kapitulierte sowohl vor meinem Mann als auch vor meinem Therapeuten, heulte Rotz und Wasser - und beide konnten mir nicht helfen. Je mehr ich zappelte, desto enger zog sich der Strick um meinen Hals. Ich hatte alles beherzigt, Entgiftung, Therapie, SHG, Fachliteratur, ich wusste alles - aber ich konnte es nicht umsetzen. Unmöglich. Wie Fahren mit angezogener Handbremse, nämlich gar nicht. Und dann fing ich an, mir selber unheimlich zu werden. alle meine Dämonen waren wieder da, das Schwitzen in der Nacht, die üblen Träume, das Würgen morgens beim Zähneputzen, das Händezitter, das Fahrige, Unkonzentrierte, das leicht Reizbare, die Vergesslichkeit, die unausgewogenen Emotionen, von super-gelaunt bis cholerisch- austickend.

    Und ich stellte mich dem Trinken. Obwohl ich es nicht wollte. Ich kaufte wieder die großen Flaschen und lebte mein Leben wieder so beschissen, wie damals, vor der Entgiftung. Ich war nur noch müde, meines Lebens müde geworden. Ich fühlte mich wie eine Ertrinkende, die hilflos im Meer treibt und sich an einer Schiffsplanke festhält und nicht weiß, ob sich das Festhalten noch lohnt oder ob es nicht an der Zeit wäre, die Planke endlich lozulassen und nach unten zu sinken. Ruhe. Endlich Ruhe. Stille in meinem kranken Hirn.

    Bäh, jetzt muss ich heulen. Kurze Pause, sorry.

    Ich fing an, wieder jeden Tag zu trinken - und das heimlich. Das kannte ich noch nicht. Vorher hatte ich die Sektflaschen immer offen auf dem Tisch stehen - oder den Weißwein, oder den Cognac - , aber das ging ja nun nicht mehr. Ich hatte doch entzogen, und gut is'. Ich wollte doch niemanden unnötig Kopfschmerzen bereiten, warum fällt es denn der xxx so schwer, abstinent zu bleiben? Also tat ich so, als sei ich wirklich abstinent.
    Ich änderte die Einheit von "Flasche" auf "Piccolo", die konnte ich so gut in meinem Arbeitszimmer verstecken, hatte bloß meine liebe Not, die Dinger dann zu entsorgen, die klimpern nämlich genauso verräterisch im Jute-Beutel wie große Flaschen.
    Früher habe ich die Berge von leeren Flaschen ganz offen entsorgt, nun musste ich einen richtigen Altglascontainer-Tourismus veranstalten, denn genau wie die Angst im Supermarkt, man könne auf mich aufmerksam werden, hatte ich nun Angst, man könne mich beim Entsorgen beobachten. Mei, so lernst wenigstens deine Stadt a weng kennen... :roll:

    Geht's noch? Noch mal Pause? :D