Und die Reise geht weiter...

  • Guten Morgen, ihr Lieben, und vor allen EIN FROHES UND GESUNDES NEUES JAHR 2009 wünscht euch espoir! :D

    Die Betonung liegt für mich auf "gesund", denn ich habe das grauenhafteste Silvester meines Lebens verbracht - nämlich im Bett und mit Wärmflasche und Kräutertee bewaffnet, um einer gepflegten Lebensmittelunverträglichkeit Paroli zu bieten.
    Wir hatten zum Abendessen Jakobsmuscheln, Rinder-Filet und Mousse au chocolat geplant... und auch gegessen. Nun weiß ich seit frühester Jugend, dass ich keine Tintenfischringe vertrage und entsprechend reagiere. Aber Jakobsmuscheln? Hm, scheint dasselbe Enzym oder Protein oder wasweißich drinne zu sein, na jedenfalls war ich von 22 bis 2 Uhr mit Bauchkrämpfen der wirklich übelsten Sorte und den hilflosen Versuchen, mich zu erbrechen beschäftigt. Einfach fürchterlich!

    Naja, heute Morgen sieht die Welt natürlich schon wieder anders aus, ich spüre noch leichte Verspannungen im Torso, wohl wegen der Krämpfe in der Nacht, aber es geht schon wieder halbwegs.

    Also, Kopf hoch und lächeln! :wink:

    Alles Liebe
    espoir

  • Phu,Espoir!

    Das ist übel!!--War es zumindest!
    Vielleicht hast Du eine Allergie auf Meeresfrüchte?
    Probiere es besser nicht mehr aus!!

    Gut,dass es Dir besser geht.
    Und trotz allem gut,dass es Neujahr ist,so kannst Du dich erholen.

    Ich wünsche Dir einen geruhsamen,erholsamen Tag.
    Und fürs neue Jahr Gesundheit und Freude!

    Liebe Grüsse
    Yvonne

    ichbinda123

  • Hallo espoir


    Besonders Dir wünsche ich ein GESUNDES neuesJahr!!!!
    --da bist Du stolz auf Dich dass Du den Silvesterabend trocken angehst-u.dann sowas.Aber wie ich Dich einschätze-Du hörst Dich immer so positiv!? an-lässt Du Dir davon nicht die Laune verderben.
    ha---und keine Gewichtszunahme über Neujahr!!

    Ich weiss "wer den Schaden nicht hat...."
    Gute Besserung

    Backmaus

  • Hallo Backmaus - oder sollte ich lieber sagen: Hallo Frechdachs?

    Ich habe echt gelacht, als ich dich gelesen habe, weil es ja stimmt: Ich stand heute Morgen auf der Waage und habe dank der Muschel-Geschichte tasächlich ein komplettes Kilo verloren *gröhl* :D

    Und zum Trost habe ich mir als verspätetes Frühstück zwei Nutella-Toasts gegönnt, weißt schon, so richtig dick druff, mei, da war aber auch sooo viel am Löffel dran, das kann ich doch unmöglich ins Glas zurückschmieren, sowas Blödes aber aber auch... *pruuust* :D

    Ja, das mit dem positiven, das stimmt tatsächlich.
    Das ist etwas, für das ich sehr dankbar bin und von dem ich weiß, dass es nur durch meine Abstinenz möglich wurde. Als ich noch getrunken habe, habe ich zwar nach außen hin recht fröhlich und unbeschwert gewirkt, bin aber, sobald ich alleine war, erst recht in dumpfes Brüten versunken. Und dieses Hin-und-Her zwischen Trauerkloß und Hurra-Tüte wurde im Laufe der Jahre immer anstrengender - ein willkommener Anlass, noch mehr zu trinken.
    Seit ich konsequent abstinent bin, hat sich meine Stimmungslage auf ein normales, gesundes Durchschnittsmaß eingependelt. Und diese Durchschnittlichkeit - so negativ sich das Wort auch anhören mag - lässt mich mein Leben entspannt angehen. Weder sorglos noch gramgebeugt. Deshalb lasse ich mir meine Vorfreude auf ein gesundes und schönes 2009 auch nicht durch das Drama heute Nacht kaputtmachen. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen heute Nacht auf der Intensivstation irgendeines Krankenhauses um ihr Leben gekämpft haben - da sind so ein paar blöde Muscheln, so schmerzhaft ihr Aufenthalt bei mir drin auch gewesen sein mag, doch 'ne Klackssache...

    In diesem Sinne, Backmaus, wünsche ich dir einen schönen ruhigen Feiertag und hoffe, dass wir uns heute noch lesen!

    Alles Liebe
    espoir

  • Hallo espoir

    Danke für Deinen guten Wünsche!!

    bin heute ziemlich relaxt;ausser einem kurzen Spaziergang kann ich mich zu nix motivieren.Gott-sei-dank ist der Fitnesstempel morgen wieder auf.Muss dringend noch ein paar Keks-u.Stollenreste den garaus machen.Hab' die Sporttasche schon gepackt u. mich für morgen schon letzte Woche verabredet.

    ess bloss keine Muscheln mehr!!
    Ich hatte das Prozedere mal in NL im Urlaub.Es gibt Dinge ,die braucht man nicht nochmal!
    Aber "kater"wäre schlimmer!!!

    L.G.

    Backmaus

  • Hallo espoir

    Habe bei Dir nochmal von Anfang an gelesen u. einige weitere Parallelen festgestellt.Keine Arbeitsstelle,Führerschein,Haus u.Hof und vor allen Dingen nicht die Ehe "versoffen".D.h.im grunde genommen ist uns nicht so viel passiert,wie anderen Forenteilnehmern.Doch für mich war es schlimm genug u.ich habe ultralange gebraucht endlich die Flaschen stehen zu lassen.Wie gesagt-"nur"quartalsmässig getrunken aber meinem Umfeld grossen Kummer bereitet.Sämtliche Drohungen von meinem geduldigen,hilflosen Mann haben mich nicht abhalten können---ich musste erst meinen persönlichen Tiefpunkt erleben.
    Ich bin froh ,dass diese Zeit hinter mir liegt;bin nicht mehr so launig,viel geduldiger,neugieriger u.offener meinen Mitmenschen gegenüber.
    Ich geniesse mein Leben u.bin glücklich dass ich trocken bin.
    L.G.

    Backmaus

  • Zitat von Backmaus

    Sämtliche Drohungen von meinem geduldigen,hilflosen Mann haben mich nicht abhalten können


    Guten Morgen, Backmaus,

    also Drohungen oder Ultimaten habe ich gar nicht erst erlebt - und das war auch gut so.
    Mein Mann ist das, was man gerne als "Fels in der Brandung" bezeichnet, riesengroß und kräftig und von nahezu unerschütterlicher Gemütsruhe, ich dagegen das hyperaktive Rumpelstilzchen. Obwohl wir uns auf den ersten Blick so unähnlich sind, ergänzen wir uns ideal. Wo er vor lauter Phlegmatismus nicht aus dem Quark kommt, mache ich ihm Feuer unter dem Hintern, und wo ich zu übertreiben drohe, da holt er mich wieder runter.
    Daneben gibt es noch Bereiche, in denen wir uns doch recht gleichen, von daher freue ich mich sehr über diese gelunge Mischung aus Gegensätze ziehen sich an und Gleich und Gleich gesellt sich gern.

    Während meiner Hardcore-Jahre hat er sich zunehmend zurückgezogen und sich in die Arbeit gestürzt, oftmals bis 21 Uhr im Büro gesessen. Was sollte er auch zu Hause? Dort erwartete ihn doch nur eine stets betrunkene Ehefrau, die wahlweise im Bett, auf dem Sofa oder gleich direkt auf dem Boden ihren Rausch ausgeschlafen hat. Und wenn ich doch noch halbwegs ansprechbar war, habe ich ihm versalzenes und/oder verbranntes Essen vorgesetzt und ihm leidenschaftlich das aktuelle politische Tagesgeschehen erklärt. Uaaah! Wi-der-lich!

    Nach der Entgiftung war er wohl ähnlich blauäugig wie die meisten Menschen, die sich mit der Krankheit nicht auskennen, und meinte, dass jetzt wohl alles "wieder in Ordnung" sei. Er hatte wohl auch ein blödes Gefühl in der Magengegend, als wir im Urlaub gut gekühlten Weißwein tranken, gab sich aber auch der Hoffnung hin, dass es eben dabei bliebe. Den Rest habe ich dir ja schon geschildert.

    Ich kann aus meiner heutigen Sicht nur sagen, dass es das einzig Richtige war, mir nicht mit Scheidung zu drohen, sonst hätte ich mich totgesoffen. Ich war der einsamste Mensch auf der Welt, ich habe beim Trinken stets nur an mich gedacht, Sätze wie: "Ja liebst du denn den xxx gar nicht?" haben mich völlig kirre gemacht, mir lag stets auf der Zunge zurückzufragen: "Was hat das denn mit xxx zu tun?", habe ich aber nicht, ich bin statt dessen ausgewichen: "Doch, schooooon, aber naja, ich weiß doch auch nicht..."

    Das möchte ich an dieser Stelle wirklich einmal betonen - auch für den Fall, dass das hier ein Angehöriger liest: Trennt euch von der Vorstellung, dass der Trinker an euch denkt, wenn er trinkt! Er trinkt nicht, um euch eventuell zu bestrafen, er trinkt auch nicht, um die Tatsache zu feiern, dass er euch hat, er trinkt einfach nur, weil er sonst nicht den Tag übersteht. Punkt. Nicht mehr und nicht weniger.

    Was mir persönlich geholfen hat, war die oben schon erwähnte Stoik meines Mannes. Er hat das Ganze förmlich "ausgesessen", einfach mal abgewartet, nach dem Motto: "Abhauen kann ich immer noch, ich muss ja nicht bleiben!" Ich nehme an, er hat mich beobachtet und sehr genau hingehört, wenn ich ihm erzählt habe, wie ich fühle und denke. Als ich vor kurzem meine 24 Wochen rum hatte und ich das zum Anlass nahm, ausgiebig mit ihm zu sprechen, habe ich ihn gezielt gefragt, wie die Zeit für ihn, besonders die 13 Monate Rumgeeiere, gewesen sei. Da hat er geantwortet, dass er ja gesehen habe, was ich alles für meine Abstinenz getan habe, dass ich nichts unversucht gelassen habe, und je mehr Rückschläge ich einstecken musste, desto unglücklicher sei ich geworden. Er hätte gesehen, dass ich keine Krokodilstränen weine, sondern wirklich Tränen der Verzweiflung und der Hilflosigkeit. Und das hätte ihm dabei geholfen, auch weiterhin an mich zu glauben.
    Boah, Kinners, das war für mich die Liebeserklärung des Jahrhunderts! :D
    Und heute?
    Ich kann die Vergangenheit nicht ungeschehen machen.
    Warum auch? Ich wurde, was ich bin, auch durch diese Zeiten.
    Ich gehe heute viel bewusster mit mir, meinen Gedanken und Gefühlen und auch den Menschen in meiner Umgebung um. Ich habe gelernt, genau hinzuschauen und sofort aufmerksam zu werden, wenn irgendwas nicht passt oder auch nur "irgendwie komisch" ist. Das ist etwas, das so viele Menschen nicht erfahren. Die leben einfach nur so vor sich hin.

    Im Chinesischen soll ja angeblich das Wort für "Krise" dasselbe sein wie das für "Chance". Mei, ich glaube, jetzt weiß ich auch langsam, warum.

    In diesem Sinne, liebe Backmaus, wünsche ich dir - und natürlich auch den anderen :wink: - einen schönen sonnigen Samstag! Genießt den Tag und macht was draus, morgen soll ja wettertechnisch gesehen schon wieder eher ein fröhliches Grau auf uns warten... :roll:

    Alles Liebe
    espoir

  • Hallo espoir

    Bin immer wieder geplättet,wie Du so anschaulich von Dir berichten kannst.
    Ich glaube,wenn uns jemand kennt ,dann unsere Männer;und sie haben im Endeffekt den jeweils "richtigen Knopf gedrückt".Irgendwie ist in unseren versoffenen Köpfen doch noch etwas angekommen-u.hat uns vor Schlimmeren bewahrt.

    Ich will da nie wieder hin!!!

    Liebe Grüsse

    Backmaus

  • Liebe Espoir!

    Dein Bericht spricht direkt in mein Herz hinein.Warum könnte ich Dir nicht einmal sagen.

    Es ist,alles in allem eine wunderschöne Geschichte.

    Ich wünscher Dir einen ganz guten,trockenen Weg durch das neue Jahr,alle 24h wieder von Neuem.

    Liebe Grüsse
    Yvonne

    ichbinda123

  • Hallo Espoir,
    ich habe bereits in meinem Beitrag auf das geantwortet was du geschrieben hast.
    Ich wollte dich nicht angreifen, aber du weisst ja wie empfindlich wir auf Kritik reagieren wenn wir noch ganz am Anfang stehen.
    Also bitte nimm es nicht persönlich, denn ich freue mich über jeden Eintrag und Vorschlag den ich bekomme.
    Liebe Grüße
    Cora

    Es war ein Donnerstag und ich habe entschieden: Mein Leben muss sich ändern!

  • Hallo Cora,

    nein nein, keine Sorge, ich trage dir nichts nach!

    Der Punkt ist halt einfach der: Trockengestreichelt ist noch niemand worden.
    Sich seine Freiheit Stück für Stück zurückzuerobern, ist nunmal kein Kindergeburtstag.
    Ich glaube, auch Wasser hat mir mittlerweile verziehen, also von daher steht einem regen Austausch auch heute Abend nichts im Wege! :D

    Dir - und natürlich auch allen anderen - alles Liebe!
    espoir

  • Hallo zusammen,

    heute melde ich mich mal wieder in meinem eigenen Thread.
    Ich fühle mich momentan so uninspiriert.
    Ich logge mich täglich ein, freue mich auf neue Beiträge, lese das meiste recht aufmerksam... und dann weiß ich nicht, ob und was ich antworten soll.
    Vielleicht ist es ja auch nur eine zeitlich begrenzte Schreibblockade. :roll:

    LG
    espoir

  • Hallo espoir

    Das geht mir genauso.Habe sowieso den Eindruck dass ich zuviel Zeit am P.C.verbracht habe.
    Ich habe mir da in den letzten Tagen mehr Zurückhaltung auferlegt.Ich habe kaum noch meinem Hobby lesen gefrönt.
    Ich lese auch viel hier im Forum u. ob ich antworte,entscheide ich immer aus dem "Bauch heraus".Ich muss manchmal auch best.Eintragungen erst mal sacken lassen.Oft war dann jemand mit seiner Antwort schneller u. ich freue mich dann,wenn jemand meine Meinung in seine Worte gefasst hat.Obwohl ich schon mit meinen 2 J. u.5 Monaten Trockenheit mich als ziemlich gefestigt sehe,kann u. will ich auf verschiedene Beiträge nicht antworten,weil ich mich in einige Leben nicht hineinversetzen kann.Da sind dann andere Forenteilnehmer mit ihren Erfahrungen halt näher dran.
    L.G.
    Backmaus

  • Huhu Backmaus,

    wie schön, dich zu lesen!
    Na siehste, da ist die Blockade doch gleich mal - zumindest ein bisschen - aufgehoben! :wink:

    Ja, es geht mir ähnlich wie dir, auch ich lasse den einen oder anderen neuen Eingangsbeitrag erst einmal sacken, weil es oft ein Weilchen dauert, bis derjenige noch ein paar weitere Details erzählt, so dass ich mir ein Bild machen kann.
    Auf deine zweieinhalb Jahre kannst du wahrlich stolz sein - da werde ich dich wohl nicht mehr einholen... 8) Aber ich freue mich auch über mein halbes Jahr und sehe im Moment keinerlei Veranlassung, daraus nicht mehr werden zu lassen. Ein Mitglied meiner SHG (der selber schon 3 Jahre trocken ist) hatte es letzte Woche so schön formuliert, er sagte nämlich, dass jetzt langsam die schöne Zeit der Abstinenz anfange. Er meinte, dass er sich zu diesem Zeitpunkt langsam aber sicher entspannt habe und er sich in seinem abstinenten Leben eingerichtet habe, und dass die Zählerei der Wochen oder Monate etwas in den Hintergrund getreten sei. Er hätte ab dem Zeitpunkt einfach angefangen, die Abstinenz zu genießen, weil Alkohol definitiv keine Option gewesen sei.
    Das hat mir gut getan. Seit Mittwoch bin ich nämlich nicht nur wochenmäßig, sondern auch kalendarisch ein halbes Jahr abstinent. Ein halbes Jahr... klingt gut, finde ich. Vielleicht hat das einfach alles mit den letzten vier Wochen zu tun, die Zeit um Weihnachten, der Jahreswechsel, also so viel wie zu der Zeit habe ich mich schon lange nicht mehr mit mir beschäftigt, und ich meine das jetzt nicht im quantitativen Sinne, sondern im qualitativen. Und nun bin ich schön entspannt und kann einfach mal schauen, wie es so weitergeht.

    Na sei's drum, vielleicht lesen wir uns ja heute Abend noch?
    Ich würde mich freuen!

    Alles Liebe
    espoir

  • Gratulation!!!

    Zum halbjährigen!!!!

    Hättest Du vor einem halben Jahr Dir vorstellen können dass es Dir heute so gut geht??
    Ich weiss garnicht genau meinen letzten Sufftag.Ich hatte die ersten Monate Tagebuch geführt;ich hatte einfach das Bedürfnis aufzuschreiben wie es mir geht u. was auf Gruppenabenden besprochen wurde.Das "Buch" war ein ganz normaler B.-Kalender(Werbung verboten),den ich mir oft wieder zu Gemüte geführt habe.Ein Kalender fängt ja bekanntlich am 1.1. an(lachen!!)und da standen schon einige vergebliche Versuche trocken zu werden schön schwarz auf weiss niedergeschrieben.Mein Gott,was für Gefühlsausbrüche ich aufgeschrieben hatte u.schön säuberlich dokumentiert was ich wann u.wieviel getrunken hatte.Halt immer wieder gescheiterte Versuche kontrolliert zu trinken.

    Leider habe ich diese Aufzeichnungen mit unseren Umzug entsorgt.Leider deswegen ,weil ich heute manchmal gerne d'rin lesen würde ,wie Sch...es mir damals ging u. mal wieder zwischendurch die "Sinne zu schärfen",nicht übermütig zu werden u. aufmerksam zu bleiben.
    Auch die aktuellen Suchtprobleme in meiner SHG zeigen:Vorsicht-trotz jahrelanger Abstinenz.

    In diesem Sinne:weitermachen!!!!

    Liebe Grüsse
    bis später

    Backmaus

  • Huhu, ihr beiden - grüß dich, Yvonne! Ich freue mich riesig, dass auch du an mich denkst! Lieben Dank dir!

    Ja, Backmaus, der letzte Tag im Suff...
    Es war ein Sonntag, ich war bereits krank geschrieben, hatte meinem Chef aber telefonisch zugesichert, dass ich eine bestimmte ultra-wichtige Terminsache von zu Hause aus fertigmachen würde. Ich weiß, dass das arbeitsrechtlich sowohl für ihn als auch für mich problematisch hätte werden können, aber ich habe dir ja erzählt, dass damals die Luft brannte und ich mir so ziemlich den ungünstigsten Zeitpunkt ausgesucht hatte, um schlapp zu machen. Und als ob ich nicht schon genug gelitten hätte - morgens um 10 demonstrierte mein Rechner Solidarität mit mir und stürzte ebenfalls ab. Aber so richtig: Festplatte tot!

    Wer das jemals erlebt hat, was es bedeutet, wenn die Festplatte abstürzt, kann sich ausmalen, wie schlimm das ist. Nun bin ich auch noch ein ziemlicher Computer-Autist, ich kann dat Dingen wohl bedienen, weiß aber nicht notwendigerweise, was los ist, wenn mal was nicht geht. Also noch zusätzlich diese zügellose Panik! Mit dem Laptop meines Mannes konnte ich wenigstens die Arbeit des Vortages nochmal machen :roll: , alles andere war so gut wie weg. Eine einzige Katastrophe! Jeder andere hätte wohl gesagt, mei, shit happens! Aber ich drehte ja eh schon hochtourig. Und wen wundert's, dass ich in dieser Situation dann allen Ernstes noch den letzen Rotwein, den ich noch zu Hause hatte, getrunken habe? Es ging ja nur noch ums nackte Überleben, sowohl körperlich als auch beruflich.

    Kurz und gut, mein Mann legte allen Ernstes eine Nachtschicht ein, um so viele Dateien wie möglich zu rekonstruieren, damit ich wenigstens ein bisschen weiterarbeiten konnte. Der Montag - also der Halbjahrestag! - war dann geprägt von hypnotisiertem, verbissenem Kampf um jede weitere Seite einerseits und ordentlichen Begleiterscheinungen des Kalten Entzuges andererseits. Purer Wahnsinn! Da hätte Gott weiß was passieren können!

    Aber am Ende stand der Triumph: Die Arbeit war von winzigen Kleinigkeiten, die noch nachgebessert werden mussten, im Kasten, und ich hatte den ersten Tag komplett nüchtern verbracht. Und ab dann ging es - ohne Witz - schlagartig bergauf. Die erste Woche vollständiger Abstinenz verging wohl nicht im Fluge, aber es kam mir tatsächlich so vor, als sei der Knoten geplatzt. Das AD, was ich da ja eingenommen habe, konnte endlich ohne Störfeuer durch den Alkohol wirken. Steht auch im Beipackzettel, dass es u.a. Trinkern zur Bewältigung "leichter" Entzugerscheinungen verordnet wird.

    Was dein Tagebuch angeht, kann ich dir nur bestätigen, dass ich etwas Vergleichbares auch geführt habe, allerdings nur unregelmäßig. Das hatten die mir in der Klinik schon angeraten, aus genau dem Grunde, den du schilderst: später mal nachlesen können, was man gemacht hat, wie man gefühlt und gedacht hat und vor allem, was und wieviel man getrunken hat. Aber selbst diese unregelmäßigen Einträge reichen mir, um mich immer wieder an diesen Höllentrip meiner Seele zu erinnern. DAS ist, was ich echt unglücklich nenne! :(

    Ehrlich wahr, Backmaus, es ist wirklich so, dass ich diese 13 Monate zwischen der Entgiftung und dem 1. Tag meines neuen, freien Lebens als "zwischen den Welten" bezeichne. In die Welt des Suffs gehörte ich nicht mehr, in der Welt der Gesundheit war ich aber noch nicht angekommen. Wie eine Untote, sozusagen.

    Heimatland, da will ich nie wieder hin!!!

    Du fragst mich, ob ich mir das alles, was ich heute erreicht habe, damals hätte vorstellen können? Nein, das hätte ich nicht.
    Ich hab' halt davon geträumt...
    Ich hab' mein Leben geträumt, und heute ist es umgekehrt! :D

    Alles Liebe
    espoir

  • LEEENAAA!!!
    Du bist ja auch da! Wie schön! :D

    Wie geht's dir?
    Ich habe mitgekriegt, dass du wohl vermehrt im geschlossenen Bereich schreibst, deshalb freue ich mich so, dich hier anzutreffen!

    Alles Liebe
    espoir

  • Liebe Lena,

    ich habe mich riesig über deinen langen Beitrag gefreut - lieben Dank dir!

    Zitat

    Jetzt lese ich viel im geschlossenen.


    Ja, der geschlossene Bereich...
    Der zieht mir dauernd die Leute ab! :wink:
    Nee, mal im Ernst, ich habe ja auch kurz überlegt, ob ich mich dort anmelde, aber ich muss ehrlich zugeben, dass ich für mich die Notwendigkeit nicht unbedingt sehe. Ich halte es für überaus sinnvoll, einen geschützten Bereich zu haben, in dem man nach Herzenslust plaudern kann, ohne Angst haben zu müssen, dass einen jemand aus dem RL erkennen könnte, aber ich persönlich brauche den einfach nicht. Alles, was ich erzähle, ist bewusst so allgemein gehalten, dass es auf jede x-beliebige Trinkerin meines Alters passen könnte. Und es hat fast schon einen erzieherischen Effekt und zwingt mich zur Konzentration aufs Thema, denn ich reflektiere sehr genau und versuche Dinge auf den Punkt zu bringen, eben damit ich nicht so viel drumherum erzähle und mich dann am End' in Details verliere, die schon wieder verräterisch sein könnten...

    Zitat

    Das bringe ich jetzt sogar alles ohne Anfälle hin.


    Ja, das kenne ich auch.
    Für mich war mit dem Beginn der Abstinenz vor allem eins ganz signifikant: Die Bereitschaft sich auf Neues einzulassen. Das kannte ich so gar nicht mehr an mir. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich während meiner nassen Zeit vieles nicht wollte, mochte oder doof fand. Und um nicht gar so grob rüberzukommen, bin ich immer in so Floskeln ausgewichen: "Ist nicht so meins!" oder "Ich bin halt langsam in dem Alter, ..." oder "Ach weißt du, ich bin ja schon froh, wenn ich einfach meine Ruhe habe..." Jesus, wenn man mir zugehört hat, musste man echt denken, dass ich Gott weiß was um die Ohren habe und dringend ruhebedürftig bin. :roll:
    Das waren echt so Kleinigkeiten wie abends selber kochen, und zwar richtig kochen, mit echten Lebensmitteln. Kartoffeln schälen? Och nööö. Gemüse putzen? Oh bitte, nicht wirklich! Kuchen backen? Geh mir weg! Seit einem halben Jahr mache ich sowas gerne, kann aber auch dazu stehen, wenn ich einmal wirklich nicht mag.
    Das musste ich ja auch erst lernen, dass ich als stillgelegte Trinkerin durchaus auch einfach mal faul sein darf oder schlecht gelaunt oder enttäuscht oder genervt und ungeduldig. Nicht jede schlechte Stimmung ist immer nur auf den Alkohol zurückzuführen.

    Zitat

    Wie sieht denn Dein Notfallplan für den Karnevall aus.


    Gott sei Dank brauche ich den nicht, denn ich mache mir nichts aus Karneval. Ich bin zwar gebürtige Westfälin, lebe aber schon seit fast 30 Jahren in einem kleinen Bereich Bayerns, der allergrößten Wert darauf legt, nicht Bayern zu sein. :wink: Um den Karneval mit einer solchen Verve zu feiern, muss man wohl tatsächlich in Köln oder Mainz leben. Ich gönne es den Menschen dort von Herzen, habe es aber auch in meiner aktiven Trinkzeit nicht nachvollziehen können. Dasselbe gilt fürs Skifahren. Wer damit nicht groß geworden ist, kann das wohl nicht verstehen, wie toll das sein muss - wenn man es als echten Sport betreibt, wohlgemerkt. Ich glaube fast, dass das Skifahren für manche Bayern dasselbe ist wie das Kegeln für manche Rheinländer...

    Zitat

    Werde ich jetzt auch noch belohnt für den Bockmist den ich jahrelang gebaut habe?


    Nein, Lena, das glaube ich nicht.
    Es treffen nur zwei Dinge aufeinander: Wir nehmen wieder aktiv und bewusst am Leben teil und schaffen plötzlich wieder so einiges, was uns in unserem alkoholbedingten Stumpfsinn niemals gelungen wäre. Und dazu kommt Nr. 2: Die bewusste Wahrnehmung desselben und die aufrichtige Freude darüber. Vielleicht ging es dir ja ähnlich wie mir: Wenn ich aus irgendeinem Grund dann doch mal den Hintern in Schwung gebracht habe und tatsächlich etwas geschafft hatte, egal, was das war, konnte ich mich häufig gar nicht richtig darüber freuen, weil es ja so anstrengend war.

    Tja, was mache ich eigentlich so in meiner Freizeit?
    Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich eigentlich gar kein Hobby im klassischen Sinne. Es ist eher so, dass ich mich - wenn ich etwas interessant finde - sehr hingebungsvoll damit beschäftige, ob das nun dieses Forum ist, meine Zimmerpflanzen, eine Frauenzeitschrift, ein Buch, meine Haustiere, ein Telefonat, oder was auch immer. Ich bin dann ganz bei der Sache, das kann auch schonmal Stunden dauern. Aber ich würde das dann nicht gleich als Hobby bezeichnen.
    Am Wochenende versuche ich, mit meinem Mann gemeinsam Pläne zu schmieden, meistens schon am Freitagabend. Aber das sehen wir beide nicht so dogmatisch. Heute z.B. hat ja wieder einmal so herzergreifend schön die Sonne geschienen - aber es war uns allen Ernstes zu kalt, um einen schönen Spaziergang zu machen. Also waren wir einfach so zu Hause. Im Wohnzimmer der Fernseher, hier im Arbeitszimmer der Rechner - mei, solche Tage gibt's halt einfach.
    Mal schauen, wie's morgen wird.

    Liebe Lena, jetzt ist das doch wieder etwas länger geworden...
    Von wegen Schreibblockade, Backmaus wird sich totlachen, aber naja. Wenn die richtigen Mädels da sind, dann geht es ja auch. Ich werde jetzt mal gucken, ob ich Backmaus und Yvonne irgendwo finde. Ich wünsche dir noch ein super-schönes Wochenende, lass es dir gut gehen und melde dich mal wieder!

    Alles Liebe
    espoir

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