Beiträge von Doro

    Zitat

    ICh meine, wenn ich in seinen Augen eine so schlimme Frau bin, warum meldet er sich dann ständig?
    Kann das jemand verstehen?

    Hallo fliegender Stern,

    verstehen tue ich es inzwischen ein bisschen. Mein Mann macht das nämlich auch. Allerdings lege ich ja inzwischen meistens auf und nachts, wenn er auf Hochtouren läuft, schlafe ich und gehe nicht ran.
    Aber er ruft Verwandte von mir auch regelmäßig an, nur um sie zu beschimpfen und um ihnen immer wieder zu erklären, sie würden sich zu sehr einmischen. :shock: Dabei zieht er sie natürlich ständig mit rein, indem er unsere Beziehung vor ihnen ausbreitet. Ich muss dann hinterher den Stuss, den er erzählt hat, wieder geraderücken. :evil:

    Also, warum tut er das?
    Ich denke, er braucht dieses Schuldabschieben und Beschimpfen als Ventil, um sich nicht so mies zu fühlen.
    Schau mal, wahrscheinlich hat er Schuld- oder Schamgefühle, weil er wieder trinkt. Er fühlt sich wahrscheinlich als der totale Versager - kein schönes Gefühl, wie ich vermute - und das fühlt sich doch besser an, wenn er gar keine Schuld hat, sondern nur Opfer ist.
    So erkläre ich mir dieses Verhalten.

    Außerdem scheinen das ja viele nasse Alkoholiker zu tun, wie man hier so liest.

    So ein "Rückfall", wie du ihn gestern hattest, kommt schon mal vor.
    Machs das nächste Mal anders. Ganz einfach.
    Sei lieb zu dir!

    Schöne Grüße
    Doro

    Hallo Asketin,

    also zu deiner Situation hab ich keine Erfahrung.

    Aber guck mal, es gibt so viele Konstellationen, die eine Trennung extrem erschweren, aber möglich sein muss sie doch immer.
    Wenn es nicht mehr geht, gehts nicht mehr.

    Ich hab mich getrennt, trennen müssen, obwohl wir ein gemeinsames Haus besitzen und obwohl wir gemeinsame kleine Kinder haben und obwohl ich mit ihm in eine GEgend gezogen bin, in der ich niemanden kenne.
    Aber es ging nicht mehr. Es war nicht mehr zu ertragen.
    Also hab ich darauf gedrungen, dass er auszieht, die Kinder hab ich alleine (neben voller Berufstätigkeit) und meine Freunde und Verwandte kommen hier regelmäßig zu Besuch. Es ist alles etwas kompliziert, aber ich fühl mich nicht schlecht dabei.
    Und der Rest wird sich noch finden.

    Ich wünsch dir, dass du einen Weg findest.
    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo NINO,

    mein Mann hat genauso gehandelt und tut es - ein Jahr nach der Trennung - immer noch.
    Total primitiv, aber scheint Symptom der Krankheit zu sein.
    Erst, als wir noch zusammen waren, diese Demütigungen.
    Blöde Kuh und Schlimmeres. Unterstellungen, ich sei faul, obwohl ich ständig am Schuften war.
    Es war sehr kränkend.
    Auch ich hatte zeitweise Suizidgedanken.

    Mittlerweile bin ich abgestumpft und leb mein Leben.
    Nachts stöpsel ich das Telefon raus, wenn er tagsüber anruft und so anfängt, lege ich sofort auf. Und das tut er eigentlich immer früher oder später, also lege ich eigentlich immer ziemlich schnell auf.
    Es ist längst nicht mehr so massiv wie am Anfang. Ich denke, weil ich nicht großartig reagiere, hat er keine Lust mehr und macht das ganze Spiel stattdessen mit meinen Eltern und ruft da an und beschimpft sie.
    Es ist für mich schon bestürzend, dass er seit einem Jahr immer denselben Mist redet. Da entwickelt sich nichts.
    Aber die Vorwürfe sind im Großen und Ganzen total absurd.

    Du hast die Trennung vollzogen, das ist schon mal der wichtigste Schritt, um dich seinem Machtkreis zu entziehen. Jetzt kannst du den Kontakt selbst bestimmen. Du musst am Telefon nicht verfügbar sein. Wenn er mit dir reden will, soll er gefälligst höflich bleiben. Wenn er dazu nicht in er Lage ist, dann auflegen. So halte ich es.
    Von anderen Leuten würde man sich ja auch nicht so behandeln lassen.

    Aber bis ich zu dieser Einsicht in der Lage war, hat es einige Monate gedauert. Erst als ich von den nächtlichen Psychoterroranrufen ein paar Mal total übermüdet meinen Arbeitstag durchstehen musste, hatte ich irgendwann die Nase voll und hab meinen Schlaf über seine blöden Anrufe gestellt. Und so gings Stück für Stück voran.

    Ich wünsch dir gute Nerven,
    deine Doro

    Hallo Sandy,

    ich hab, nachdem mein Mann trocken wurde, alles dafür getan, um ihn zu unterstützen. Hab ihm dabei auch viel Verantwortung quasi abgenommen. Er wollte das so, ich hab mich nicht aufgedrängt. Und ohne mich hätte er sehr viel mehr Probleme gehabt, finanzielle z.B.
    Ich hab ihm alles Mögliche abgenommen und versucht, ihm den schweren Weg ein bisschen zu ebnen.
    Aber letztlich ist er, sind wir gescheitert und er ist wieder heftigst rückfällig und ganz "der Alte". Und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als es so aussah, dass wir endlich ein bisschen zur Ruhe kommen könnten. Das war für mich natürlich besonders enttäuschend, weil ich so viel für uns "geopfert" hatte.

    Ich denke heute, genau dieses Mit-Tragen ist nicht gut.
    Es schwächt ihn ja in gewisser Weise.
    Ich kanns nicht genau erklären, aber ich glaube, es hängt damit zusammen, dass Suchtkranke sich ja sowieso immer in der Opferrolle sehen und letztlich für ihr Handeln nicht richtig geradestehen.
    Ich trinke, weil dies oder jenes nicht in Ordnung ist.
    Ich höre auf, wenn dies oder jenes passiert -
    ist nur die Kehrseite der Medaille.
    Er muss begreifen, dass er derjenige ist, der ganz allein entscheidet, ob er weiter trinkt.
    Du hast darauf in Wirklichkeit gar keinen Einfluss. Es sieht nur so aus.
    Ihr müsst das nicht zusammen schaffen. Er muss es schaffen.
    Und du musst was anderes schaffen: Dich um deine eigenen Sachen kümmern.
    Ob dafür ne Trennung nötig ist, musst du selbst entscheiden.
    Ich persönlich konnte es nur so.

    Ich wünsch dir alles Gute,
    Doro

    Ich erklärs noch mal kurz:
    Ich meine das so: DAs ist für mich, als ob man rausfindet, dass der Partner einen mit einer anderen jahrelang betrogen hat. Wenn man dann später, nach der Trennung, erfährt, dass es noch ne zweite Geliebte gab, dann ist das zwar interessant zu wissen, ändert aber an dem Betrug nicht wirklich etwas, oder?

    Also, bleib trotzdem bei dir
    Doro

    Ach so, eins hatte er dir schon mal verschwiegen?
    Na ja, dann ist es irgendwann auch egal, finde ich.
    Das mein ich jetzt nicht ironisch, Kinder zu verschweigen ist in jedem Fall mies, ob nun eins oder zwei.
    Übrigens: Wenn er sich die Kinderfreibeträge mit einer Frau teilt, könnte "2" auch 4 Kinder bedeuten. Nur mal so als GEdankenspiel, wird ja wohl nicht so sein.
    Ich hoffe, ich mach dich jetzt nicht verrückt.

    Manche Dinge sind so traurig, dass es fast schon wieder komisch wird.

    Eine gute Nacht
    Doro

    Hallo Fliegender Stern,

    also, wenn er wirklich Kinder hat, die er dir verschwiegen hat, dann finde ich es das Normalste von der Welt, dass das in dir irgendwas auslöst.
    Und dass du da Gewissheit haben willst.
    Vielleicht kennst du irgendjemanden, der sich mit diesen Formularen auskennt, nur damit du wirklich weißt, ob du das richtig verstanden hast.

    Sicher macht es keinen Sinn, das Nachforschen in seinem Leben zu deinem Hobby zu machen. Konzentrier dich auf dich, das finde ich auch. Aber es gibt Sachverhalte, das haut einen einfach um.

    Falls es so ist, dass er verschwiegene Kinder hat:
    Du siehst, dass du dir sämtliche Schuldgefühle ihm gegenüber sparen kannst!

    Ganz liebe Grüße
    Doro

    Hallo Fliegender Stern,

    du kannst aber auch alte Kontakte aufwärmen. Es reicht erstmal einfach ein Lebenszeichen von dir, dann kann die Freundin drauf einsteigen oder es lassen.
    Hab ich auch gemacht. Und diese Kontakte lagen schon länger brach als nur ein paar Monate.

    Liebe Grüße
    Doro

    Liebe Elke,

    bei dir kommts ja grad echt dicke.
    Aber es bringt dich in Bewegung: Tagesklinik, Anwalt, Bank (jawohl, du kannst nicht mehr zahlen, ist richtig. Jetzt geht eure Gesundheit vor, die Bank muss warten oder sich eben an ihn wenden).
    Du wirst da irgendwie durchkommen, auch wenn jeder einzelne Tag so aussieht, als könnte man ihn nicht überstehen.
    Du wirst diese Tage überstehen, diese Tage voll Trauer, Wut, Verzweiflung, Druck, Im-Stich-Gelassen-Fühlen, Angst.
    Und Schritt für Schritt geht es raus.

    Du wirst für dich und deine Tochter etwas Neues finden, wo ihr euch etwas Neues aufbauen könnt und die Tage nicht von Psychoterror dominiert werden, sondern ihr einfach nur euer Leben leben könnt.
    Die finanzielle Seite wird sich irgendwie regeln lassen.

    Aber jetzt ist es erstmal sehr schwer. Hauptsache, du bewegst dich langsam da raus.

    Ganz liebe Grüße
    Doro

    Zitat

    Aber weißt du was mir dabei bewußt wird? Es war für mich auch ein Reiz und Ansporn zu hören, dass ich was besonderes bin, WEIL ich bei ihm geblieben bin trotz dieser ganzen furchtbaren Sachen.

    Das ist ein guter Gedanke, wie ich finde.
    Ich hab für mich auch das Gefühl, dass ich diese Wahnsinns-Beziehung so lange geführt habe, weil ich mich als was Besonderes gefühlt habe. Besonders belastbar irgendwie.
    Ich hab mir im Leben schon häufig den schwierigen Weg gewählt, als wenn ich das brauche, um mich gut zu fühlen.
    Blöd eigentlich. Ganz schön blöd.

    Also, jetzt aber gute Nacht,
    Doro

    Hallo Fliegender Stern,

    ich hab auch ewig darum gerungen, von ihm sowas wie Verständnis und Einfühlung zu bekommen.
    Eine Anerkennung, dass ich gelitten habe unter ihm.
    Oder Dank.
    Oder einfach eine anständige Entschuldigung. Eine aufrichtige.
    Reue.
    Irgendwas in der Art wäre wie ein Pflaster auf meiner SEele gewesen.

    Ich hatte mich ja schon mal getrennt und dann wurde er trocken und danach hab ich ihm das irgendwie abgerungen, aber ich denke, er hat mir nur erzählt, was ich hören wollte, in Wirklichkeit hat ihn meine Seite an der Geschichte nie wirklich interessiert.

    Es hat mich lange Zeit irritiert und wütend gemacht.
    Ich hab gelernt, dass ich nichts von ihm erwarten kann, wenn er betrunken ist. Aber wieso er im "trockenen" (oder Trinkpausen-)Zustand nicht dazu in der Lage war: Ich weiß es nicht. Er hat einfach die Opferrolle gepachtet, da lässt er nichts anderes zu.
    "Ich bin ja nicht der einzige, der Fehler gemacht hat" - diesen Satz hab ich auch zu hören bekommen.

    Mittlerweile erwarte ich es auch nicht mehr wirklich von ihm. Ich habe es akzeptiert, dass er so ist.
    Das geht aber wohl auch nur deshalb, weil ich nicht mehr so verzweifelt bin. Deshalb kann ich quasi großzügig sein und sagen: Nun gut, du bist eben so.

    Und dann ist ja noch dieses Problem: Alkoholismus ist eine Krankheit. Inwieweit ist er überhaupt verantwortlich zu machen für seine Handlungen, die im Rahmen der Sucht geschehen?
    DA hab ich mir schon manch einen Knoten ins HIrn gegrübelt und bin zu keinem rechten Ergebnis gekommen.

    So, jetzt aber ins Bett,
    schöne Grüße
    Doro

    Hallo Fliegender Stern,

    also, ich muss ja zugeben, dass ich selbst bisher noch keine Therapie gemacht habe und vielleicht nicht genug weiß.
    Ich will aber trotzdem mal meine laienhaften GEdanken zu deiner Kindheitsgeschichte im Zusammenhang mit der Co-Abhängigkeit beisteuern. Glaubst du wirklich, dass du das Leiden deiner Mutter aufgenommen hast, ohne es bewusst zu registrieren, an irgendeinem Punkt? Hast du keine Erinnerungen daran, dass sie irgendwie unter der Situation gelitten hat und trotzdem bei ihm geblieben ist?

    Meine Eltern sind auch immer zusammengeblieben, obwohl es keine besonders gute Ehe war. Ich habe das aber als Kind sehr wohl gewusst, dass es so war. Vielleicht hab ich da bestimmte Werte übernommen, vielleicht auch bestimmte Verhaltensmuster meiner Mutter, ganz sicher.
    Aber meiner Meinung nach ist der entscheidende Punkt, warum ich in der Beziehung zu lange geblieben bin, der: die Co-Abhängigkeit entwickelt eine Eigendynamik. Der suchtkranke Partner versteht es doch meisterhaft, einen an sich zu binden mit allen möglichen MItteln und Manipulationen bis hin zur Gewaltandrohung.
    "Wir zwei gegen den Rest der Welt" - das hab ich nicht von meinen Eltern, das hat er mir eingetrichtert und ich fand es romantisch.
    Später war es dann seine vermeintliche HIlflosigkeit, die mich immer mehr in diese Rolle der vermeintlichen Retterin brachte.
    Klar, eine gewisse psychische Disposition gehört wohl dazu, das mitzumachen. Aber, wie gesagt, diese Eigendynamik ist eben auch da.
    Das erkenne ich auch daran, dass ja mein gesamtes Umfeld, bis auf wenige Ausnahmen, auch so reagiert, dass sie ihn irgendwie retten wollen.

    Du beschreibst es ja selbst: Du bist wie unter GEhirnwäsche gewesen, kannst nicht mehr klar denken, weil er dir immer und immer wieder solches Zeug eintrichtert: Dass du Schuld seist, dass sein Schicksal irgendwie von deinem Verhalten abhängt usw.
    Er schiebt dir da eine Macht zu, die du gar nicht hast. Hättest du sie, hättest du ihn längst "trocken", indem du dich einfach richtig verhalten hättest. Und dieses GEfühl, das Schicksal des Partners vielleicht in der Hand zu haben, das fühlt sich am Anfang ja auch irgendwie toll an. Wir können einen Menschen retten, wow! Können wir aber nicht! Wir haben keinen Einfluss auf den Suchtverlauf, das ist mittlerweile meine feste Überzeugung.

    Manipulation durch penetrantes Erzählen von Schwachsinn, darin sind sie scheinbar alle ganz groß.
    Wenn du ne Weile Abstand hast, wirst du sicherer in deinem Urteil, vermute ich mal. Insofern ist der Vorschlag deiner Therapeutin, wenn du es denn durchziehen kannst, wirklich gut.

    Schöne Grüße
    Doro

    Elke,

    während der Trennung gibt es vielleicht Momente, die fühlen sich schlimmer an als alles, was du in seiner nassen Zeit erlebt hast. Aber es sind nur Stationen während der Trennung, wenn du das hinter dir hast, wird es dir viel besser gehen als während seiner nassen Zeit.

    Man sagt ja: lieber Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende
    so in etwa

    Und genau wie Fliegender Stern wollt ich dir auch sagen: Irgendeinen Ausweg muss es ja geben, einfach, weil es nicht ewig so bleiben kann wie jetzt.

    Aber ich habs auch erlebt, dass ich um Hilfe gerufen hab und dann das Gefühl hatte: Mir kann gar keiner helfen.
    Aber Hilfe kam dann doch irgendwann. Puh, aber es war schon ne Durststrecke, bis sich alles so ergeben hat.

    Na ja, es geht immer nur in winzigen Schritten vorwärts. Und irgendwann platzt irgendein Knoten und dann gehts einen Riesenschritt voran plötzlich.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Fliegender Stern,

    das mit deinem Vater tut mir sehr leid.

    Ich wollte mit meinem Beitrag dir auch nur Mut machen, ich wollte damit nicht sagen, dass man nicht aufarbeiten soll.
    Ich kann nur von mir sprechen. Ich sehe bei mir auch, dass ich noch einen langen Weg vor mir habe, aber trotzdem: Ich fühle mich eben jetzt schon frei und bei mir selbst.
    Ich hab jetzt die Energie, um mich auf mich selbst zu konzentrieren und das anzupacken, was bei mir selbst im Argen liegt. Vorher war ich in GEdanken ja sehr viel bei ihm, meine Energien waren bei ihm, nicht bei mir.

    Und Trauer und Mitleid haben mich auch erstmal ne Weile begleitet. Und wenn ich jetzt wieder in Kontakt käme zu meinem Mann, dann wären die alten Gefühle ganz schnell wieder da, da bin ich mir sicher. Allein seine Stimme reicht schon und ich fange an, mich wieder in ihn hineinzufühlen.

    Na ja, ich will dir einfach Mut machen. Mir hat das damals geholfen: der Glaube daran, dass es mir bald besser gehen wird. Und so wars dann auch.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo angie,

    leider treibt die Sucht die Menschen zu extrem irrationalem Verhalten.
    Ich meine, bei manchen ist die Sucht einfach wichtiger als alles andere.
    Warum das so ist, weiß ich auch nicht so genau. Es gibt ja auch Leute, die rauchen weiter, obwohl schon ein Bein amputiert wurde. Ich meine, das ist ja wohl auch eine extreme Form des Wegschmeißens, würd ich mal sagen.

    Klar, es macht einen als Partnerin total traurig, dass man scheinbar nicht wertvoll genug ist, als dass der Partner aufhört damit, aus Liebe oder um einfach die Beziehung zu retten. Ich hab früher das auch so empfunden. Und dann hab ich gesehen, was mein Mann noch so alles weggeschmissen hat außer mir, um seine Sucht weiter zu leben. Es ging bis zur Obdachlosigkeit. Erst, als es wirklich um Leben und Tod ging, war er bereit, aufzuhören.
    Das war bei der letzten Trennung.
    Dieses Mal hat er noch mehr verloren an die Sucht. Und ich fürchte, er wird weitermachen, bis es wieder um Leben und Tod geht. Und hoffentlich hat er dann wieder Glück und landet auf der Leben-Seite und bekommt nochmal ne Chance.

    Nun, natürlich sind nicht alle Alkoholiker so extrem wie mein Mann. Manchen reicht schon die Drohung der Partnerin, sich zu trennen, damit sich was bewegt.
    Es ist eben unterschiedlich, wo genau bei jedem der Tiefpunkt liegt.

    Wenn du dir das alles klar machst, dass es nicht wirklich was mit dir zu tun hat, dass er für dich nicht aufhört. DAss es eben seine Sucht ist, die im Weg steht, seine Krankheit. Dann nagt es vielleicht weniger an deinem Selbstwertgefühl.
    Es ist immer noch schlimm, aber es ist eben eine Erkrankung.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo angi,

    ich bin seit einem Jahr von meinem alkoholkranken Mann getrennt.
    Ich kenne ihn seit 16 Jahren, erst 7 Jahre Beziehung, dann 3 Jahre Trennung, dann war er trocken und ich hab wieder mit ihm angefangen, geheiratet, Kinder, und jetzt ist er wieder "nass" und es war einfach unerträglich mit ihm.
    Ich schreib hauptsächlich im geschlossenen Bereich.

    Also, ich denke, es bringt nicht viel, wenn du jetzt drüber grübelst, was wäre, wenn er ne Therapie machen würde.
    Ob und wann er das macht, weiß doch kein Mensch.
    Und: Ob er dann als trockener Mensch dir überhaupt gefällt, weißt du auch noch nicht. Du weißt nicht, wie du dich dabei fühlen wirst, ob du noch Vertrauen fassen kannst. Du weißt nicht, wie er sein wird, ob er vielleicht bestimmte Eigenschaften dann immer noch hat.

    Solange er nur Dinge ankündigt: Vergiss es!
    Erst wenn er mit klarem Blick und trocken vor dir steht und du den Eindruck haben kannst, dass er ein neues Leben begonnen hat, kannst du anfangen zu überlegen, ob du ihn noch willst.
    Und da du nicht weißt, wann das sein wird, musst/sollst und darfst du dich jetzt voll auf dein Leben konzentrieren. Das lohnt sich nämlich viel mehr.
    Alleinsein ist es nicht, es gibt noch andere Menschen außer Partnern. Du kannst alleine wohnen, du kannst dir auch ne WG suchen, du kannst Freundinnen treffen, du kannst dies und jenes tun, dich mit anderen Müttern treffen oder sonstwas.
    Allein bist du nicht.
    Nur single, das ist nicht dasselbe.
    Traurigkeit gehört dazu, wenn man sich trennt, ohne das wird es nicht gehen.
    Aber die Traurigkeit muss einen nicht auffressen, die kann man rausheulen und dann gehts wieder besser.

    Schöne Grüße
    von
    Doro

    Guten MOrgen, Fliegender Stern,

    du hast irgendwo weiter oben geschrieben, dass du früher viel Freude empfinden konntest über alles Mögliche.
    Wenn du vor dieser kranken Beziehung bei dir selbst warst und dich nur diese Beziehung dir selbst entfremdet hat, dann wirst du auch bald wieder zu dir finden, glaube ich.
    Manche haben ja das Problem, dass sie von Kindheit an schon immer sich selbst entfremdet waren, durch die Eltern oder so. Dann ist es natürlich viel schwierige, sich selbst zu finden, weil da nichts ist, woran sie anknüpfen können.

    Ich selbst sehe das jedenfalls für mich so, dass ich nur "zurückfinden" musste. Ich bin eigentlich ein "sonniges Gemüt", ein gut mit mir im Einklang stehender Mensch.
    Klar, irgendwelche destruktiven Prägungen hab ich auch, es ist nicht alles nur gut, aber insgesamt bin ich schon in Ordnung.
    Diese Beziehung hat mich reingezogen in was total Ver-Rücktes, weggerückt von mir selbst. Und sobald der Abstand zu ihm groß genug war, hat es sich ganz schnell wieder zurechtgerückt. Wachsen an dieser Krise will ich schon auch, aber erstmal bin ich wieder bei mir selbst, das ist das Entscheidende.
    Schreiben hat mir dabei sehr geholfen.
    Die LEbensenergie fließt wieder.
    Es war leicht, es war nichts zu "schaffen".
    (Du hast geschrieben, ich hätte schon so viel "geschafft")

    Schwierig war und ist eigentlich nur: Sich nicht wieder in diesen Sog ziehen lassen, den sein Schicksal auf mich ausübt. Das ist Knochenarbeit, das ist wie Schwimmen gegen die Strömung. Aber irgendwann ist man raus aus dem Sog und dann kann man sich ganz entspannt treiben lassen.
    Bloß nicht wieder aus Versehen hineingeraten...
    Dann geht es von vorne los.

    Ob er Schuld hat oder nicht, ob er zu bedauern ist oder nicht, all das spielt für dein weiteres LEben überhaupt keine Rolle. Er macht dich kaputt, warum auch immer.
    Wende dich ab von ihm und finde dich.
    (Heut werd ich hier ja fast poetisch. :wink: )

    Also, machs gut und hau rein,
    deine Doro

    Hallo Fliegender Stern,

    ich hab das auch mit Berührung gelesen, was du geschrieben hast.

    Viele Parallelen...

    Vor allem: die Isolation, in die man sich bringen lässt, der Kokon, in den man sich einspinnt mit dem Partner, bis man nicht mehr weiß, was richtig und was falsch ist.

    Er behauptet immer noch, ich sei von meiner Familie manipuliert.
    Wenn die nicht wären, wären wir noch ein Paar. Absurd.
    ER hat mich manipuliert.
    MIt meiner Familie habe ich nur noch ganz selten telefoniert am Ende und wenn, dann immer nur kurz.

    Und das schlechte Gewissen, als ich das Schweigen durchbrach und mich in höchster seelischer Not nach außen wandte.
    Das war in seinen Augen der große Verrat.

    Ja, viele Parallelen.
    Erschütternd, das so zu lesen.
    Und gleichzeitig tut es mir unendlich gut, immer wieder zu spüren, wie gut es mir jetzt geht.
    Wie frei, wie sehr bei mir selbst, es ist einfach nur großartig.

    Krisen hab ich auch, so wie jeder Mensch. Fühle mich mal überfordert, hab vielleicht mal Angst oder bin wütend oder traurig.
    Aber nicht dieses Fremdgesteuerte, dieser Wahnsinn.

    Schöne Grüße
    Doro