Beiträge von Doro

    Hallo nochmal,

    eine Entschuldigung ist das natürlich trotzdem nicht!

    Niemand muss sich Gewalt bieten lassen.

    Und, was noch wichtig ist: Wenn einmal Gewalt da war, wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder auftreten.

    Aber all das andere, scheinbar harmlosere, muss sich auch niemand bieten lassen.
    Wenn jemand z.B., weil er trinkt, nicht mehr in der Lage ist, sich um den Partner oder die Partnerin zu kümmern, sondern die Wochenenden verschläft. Auch das muss sich keiner bieten lassen.
    Es fängt doch nicht erst beim Schlagen an, will ich damit sagen.
    Es ist doch nur die Spitze des Eisbergs.

    Es spielt doch auch gar keine Rolle, WARUM er so handelt. Ob es der Alkohol war oder ob er von Vorneherein einen Knacks in er Psyche hat (wofür dann vielleicht die Kindheit oder sonstwas verantwortlich ist).
    Er handelt so, er ist gefährlich, das reicht.
    Warum er so handelt, Empty, ist nicht mehr deine Baustelle.

    Schöne Grüße
    Doro

    Hallo Kaleu,

    ich versteh deine Aufregung nicht ganz:
    Du hättest nie die Hand erhoben, Respekt dafür.

    Mein Mann ist, glaub ich, noch nie besoffen Auto gefahren.
    Respekt!
    Und echte Körperverletzung hat er auch nicht begangen bisher.
    Danke!

    Na, toll.
    Dafür hat er mich mit edit - schimpfwort entfernt - edit beschimpft und Gegenstände durch die Gegend geschmissen und Geld, das ihm nicht gehört, mit vollen Händen zum FEnster rausgeschmissen und seine Kinder im Stich gelassen und sämtliche Verpflichtungen und erzählte meinen Eltern, sie mögen verrecken.

    Ich weiß nicht, ich bin mittlerweile da an einem Punkt, wo ich das Gefühl hab: Mit Alkohol ist so ziemlich alles möglich, wenn die Krankheit weit genug fortgeschritten ist. Ich halte nichts mehr von der These, dass der Alkohol nur Hemmungen abbaut. Im fortgeschrittenen Stadium kommt irgendwann unter Umständen (sicher nicht bei allen) die Wesensveränderung dazu, und die kann man nicht vorher kalkulieren.
    Ich kann jedenfalls immer nur staunen, was mein Mann jetzt so alles tut, was er früher nie getan hätte.

    Alkohol ist mächtiger und kann - im fortgeschrittenen Stadium - dazu führen, dass Menschen wirklich jegliche Kontrolle verlieren. Kann - muss nicht. Du kannst nicht wirklich wissen, ob du dann "aufwachen" würdest, wenn es dir passieren würde, dass du jemand schlägst. Das glaubst du jetzt.
    Glaubst du, mein Mann hätte geglaubt, dass er sich so weit runtersäuft, dass er buchstäblich auf der Straße landet und seine Kinder überhaupt nicht mehr sieht? Glaubst du, er hätte sich selbst das zugetraut, als er das kleine neugeborene Baby in HÄnden hielt, den Jungen, den er jetzt im Suff total im Stich lässt.
    Er hätte sich selbst das nie zugetraut und ich ihm auch nicht. Und alle, die ihn kennen, hätten ihm das ebenfalls nicht zugetraut. Passieren tut es trotzdem.

    Schönen Gruß
    Doro

    Hallo Empty,

    am liebsten würd ich dich in den Arm nehmen und festhalten - für die Sache mit dem Ohr. Das ist sehr schlimm.

    Liebe Empty, kümmer dich um dich, bitte. Geh zum Arzt, es ist wichtig.
    Und sorge dafür, dass sowas nie wieder passieren kann.

    Scham entsteht meistens bei den Opfern von Gewalt.
    Ich hab das damals auch erlebt. Mein Freund/Mann damals hat mich zwar nie so schlimm geschlagen, dass ich richtig verletzt war, aber es wurde schon handgreiflich und vor allem war er verbal sehr aggressiv. Man fühlt sich beschmutzt, beschämt.
    Weil die eigene Würde mit Füßen getreten wurde.
    Weil natürlich die Frage im Raum steht: Wieso lässt du dir das gefallen?
    Weil man trotzdem noch bei diesem Mann bleibt oder geblieben ist.

    MIr hat es enorm geholfen zu verstehen, dass diese Mechanismen in Missbrauchsbeziehungen typisch sind. Es ist nicht deine Schuld. (Obwohl nur DU dich selbst wieder rausziehen kannst, das ist auch klar, aber du kannst dir helfen lassen.)
    Wenn man in so einer Missbrauchsbeziehung steckt, verschieben sich mit der Zeit die Maßstäbe. Es fängt vielleicht mit verbalen DIngen an - Beschimpfungen usw. Und irgendwann wird es handgreiflich und immer schlimmer. Ja, und dass ER versucht es runterzuspielen, das ist auch absolut typisch. Er will dir deine eigene Wahrnehmung nehmen und ein Stück weit schafft er es auch. Ich hab das auch so erlebt, wenn auch nicht mit Schlägen, aber in anderen Dingen. Ich habe Sachen mitgemacht, über die ich heute den Kopf schüttele.

    Isolation ist ein Teil des Problems. Man spinnt sich zusammen mit dem Partner einen Raum, in dem eigene GEsetze gelten. Und man traut sich nicht, außen davon zu erzählen. Denn wenn man mit anderen davon erzählt, bekommt man ganz schnell gesagt, dass das ziemlicher Irrsinn ist, was da abgeht.

    Bei mir wars so: Zur Trennung mit meinem Mann kam es, als er mich mit "Hurenvotze" beschimpfte und drohte, mich umzubringen, und dazu noch meinen Laptop hochhob und drohte, ihn kaputtzuschlagen. Ich hatte Angst. Ich lief in Strümpfen mitten im Winter auf die STraße, weil ich Angst vor ihm hatte, und rief die Polizei. Da war die Öffentlichkeit plötzlich da, da sprach ich darüber auch mit meinen Verwandten. Und als ich erwähnte, dass er schon in all den Wochen vorher fast täglich "blöde Kuh" oder "fette Kuh" zu mir gesagt hatte, sagte mein Bruder: Hallo, das ist auch nicht in Ordnung, das tut man in einer normalen Beziehung nicht, auch nicht bei Streit.
    (Ich bin übrigens, nachdem die Polizei weg war und ihn des Hauses verwiesen hatte, erstmal total zusammengebrochen. Ich hatte unendliche Schuldgefühle ihm gegenüber!!!! Aber es war wichtig, dass ich diese Grenze gezogen hatte, denn ab da hatte er zum ersten Mal tatsächlich Respekt vor mir. Die Beziehung war allerdings beendet, von seiner Seite auch. Gut so.)
    Mich hatte das zwar verletzt, aber ich hatte "nur" wegen dieser Beleidigungen nie an Trennung gedacht.

    Die Maßstäbe verschieben sich, die Wahrnehmung verschiebt sich.

    Und an der Stelle möcht ich Kaleu nur halb zustimmen: richtig, da stimmt was nicht mehr, wenn sich jemand das gefallen lässt. Aber es ist nicht unbedingt ein psychischer Schaden, der von vorneherein bei dem Opfer da war, sondern es sind, wie gesagt, Wahrnehmungsveränderungen, die durch diese Beziehung auch erst entstehen können. Ob man ohne Profi da wieder rausfindet, ist natürlich die Frage, muss jede/r selbst sehen.

    Empty, was du meiner Meinung nach brauchst:
    - erstmal ärztliche Versorgung für dein Ohr!!!!
    - zweitens: Reden! Such dir Leute zum Reden, rück deine Wahrnehmung wieder gerade.
    - drittens: keine Hemmung: Wenn das nochmal passiert: Polizei rufen!!!

    Eigentlich solltest du ihn jetzt schon anzeigen, das mit dem Ohr find ich nicht mehr witzig. Zeig ihn an. (Ich nehme an, du wirst es nicht tun, kann es auch verstehen, aber EIGENTLICH gehört das angezeigt, ganz klar.)

    Mir hat auch geholfen: Kontakt zur Beratungsstelle gegen häusliche Gewalt und Gespräche mit der Suchtberatung (in Sachen Co-Abhängigkeit).

    Empty, durchbrich den TEufelskreis, kümmer dich nicht mehr um ihn, nur noch um dich!!!

    Ganz liebe Grüße
    Doro

    Hallo DesperateS,

    ich finds wirklich toll, dass du mit dem Umzug selbst auf gute Ideen kommst.
    Ich würd ihn wirklich absolut nicht zum Schleppen einplanen. Wenn ihr da mit mehreren Leuten aufkreuzt und du ihm das vorher ankündigst (am besten schriftlich), dann hält er sich vielleicht von ganz alleine fern. Möglicherweise, war jedenfalls bei meinem Ex so bei der ersten Trennung. Erst hat er Riesen-Rabatz gemacht, dass er meinen Auszug nicht zulässt usw. und wir dachten, er lässt uns vielleicht gar nicht in die Wohnung oder wird gewalttätig oder so, aber dann war er einfach gar nicht da und hinerließ noch einen Kostenbeitrag von 50 Euro für den Umzug. :lol: (Die ich, glaube ich, damals aus Mitleid liegen ließ. Heute würd ich sie mitnehmen. :evil: ).

    Und auch, dass du den Telefonanruf einfach so beendet hast, ist doch schon was. Kannst ein bisschen stolz sein.

    Doro

    Aber auch zu deiner Sicherheit würd ich das nicht alleine machen. Wer weiß...

    Hallo DesperateS,

    na, hier wird ja fleißig geschrieben. Ich war ein paar Tage weg und jetzt sind da so viele Seiten gefüllt auf einmal, dass ich mit dem Lesen gar nicht nachkomme.

    Einen Gedanken wollt ich dir noch hierlassen:
    Als die Trennung mit meinem Mann in vollem Gange war, hab ich jeden Morgen geheult. Und im Auto auf dem Weg zur Arbeit auch nochmal. Monatelang konnte ich keine Musik im Radio hören...
    Eine gute Freundin hat mir sehr geholfen, sie hat gesagt: Du trauerst :!: , das ist normal. Jede Trennung - egal wie schlecht die Beziehung war - ist so ähnlich wie ein Tod. Man trauert.

    Also: Trauer gehört auch dazu, aber das geht vorüber.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Waldliebende,

    als ich das mit der Frauen-WG gelesen habe, war ich ganz begeistert. Das klingt wirklich nach einer sehr schönen Lösung.
    Ich könnte mir sowas für mein Alter auch vorstellen, ich hab ja auch ein Haus, wenn die Kinder mal eines Tages weg sind. Okay, sind noch ein paar Jahrzehnte, aber man kann ja mal die Phantasie spielen lassen.
    Dass es noch zwei Jahre sind - nun gut, ist eigentlich aus meiner Sicht nicht so das Problem.
    Allerdings wäre es natürlich schlimm, wenn du dich jetzt zwei Jahre lang drauf einstellst und deine Freundin dann plötzlich nicht mehr will. Eine Garantie gibts natürlich nie, aber Vielleicht suchst du doch noch mal das Gespräch, was das mit dem Rauchen soll. Vielleicht sucht sie wirklich einen Vorwand, weil sie nicht mehr richtig will.

    Ich stell mir das auch gar nicht so einfach vor, so ne WG. Da gibts ne Menge mögliche Konfliktpunkte, aber trotzdem, die Idee fasziniert mich.

    Liebe Grüße
    Doro

    Boah, desperateS,
    das klingt sehr sehr gut!

    Dass du dich geöffnet hast, um Hilfe gebeten hast, das ist doch ein großer Schritt. Und das mit deinen SAchen hast du schon mal eingerührt, gut so.

    Also bei mir war es damals auch so, dass diese ganze kranke Beziehung eigentlich nur funktioniert hat, weil ich nach außen nicht all das Kranke weitererzählt hab. In dem Moment, als ich total verzweifelt war, hab ich auch meinen Eltern und Geschwistern gebeichtet, was eigentlich da noch alles schief lag, womit ich sie nicht sonderlich überrascht, sie hatten sowas schon geahnt. Und sie haben mir gerne geholfen, so weit es möglich war. Ich glaube, ganz ohne Hilfe ist es wirklich sehr sehr schwer, aus so einer Beziehung auszusteigen

    Und du hast es geschafft, deinen Geburtstag trotzdem noch für dich schön zu machen.

    Schritt für Schritt, Hauptsache, die Richtung stimmt.

    Glückwunsch,
    Doro

    Hallo desperateS,

    na ja, irgendwie doch logisch, dass da noch Gefühle sind.
    Klar, es gibt ne Ebene, da versteht ihr euch eben gut, da empfindest du zärtlich für ihn.
    Klar, ihr wart ein Paar, ist doch nur natürlich, dass da noch was ist.

    Das sind die Gefühle.
    Aber dein Kopf weiß, dass dieser Weg in die Sackgasse führt.
    Lass mal den Kopf machen, solange, bis du genügend Abstand hast. Deine Gefühle sind zurzeit ein ganz schlechter Ratgeber.

    Mir hat es mal sehr geholfen, als ich mir alles aufgeschrieben haben, was für die Trennung sprach. Ich hatte das ausformuliert und auf dem PC geschrieben. Diesen Zettel trug ich die ganze Zeit mit mir rum und las ihn immer wieder. Das hat sehr geholfen, mich selbst zu disziplinieren.
    Es ist in dieser Phase ein Kraftakt, ganz klar. Aber er lohnt sich. Und wenn genug Abstand da ist, braucht man keine Kraft mehr, dann spürt man, wie viel besser es ist. Dann muss man nur noch aufpassen, dass man nicht aus Versehen zurückdriftet.


    Gruß
    Doro

    Hallo desperateS,

    ich denke, es sind zwei Prozesse, die ne Rolle spielen beim Ablösungsprozess. (PROZESS = es dauert!)
    Auf der einen Seite macht Frau Co es sich natürlich irgendwie sehr schwer, wenn Kontakt immer wieder zugelassen wird, weil die alten Gefühle dann auch wieder anspringen und man Gefahr läuft, sich dann doch wieder zu kümmern.
    Auf der anderen Seite geht es mir auch so, dass es mir leichter fällt, ihn fallen zu lassen, wenn ich es vor mir selbst rechtfertigen kann, nach dem Motto: Nun hab ich ja wirklich alles versucht.
    Oder wenn ich dann eben so meine Negativerfahrungen mache, wie z.B. Zombie-Tag nach Nacht mit sinnlosen Telefonaten.

    Aber irgendwann muss der Punkt kommen, an dem du dich endlich ernst genug nimmst, dass auch deine Freizeit dir gehört und nicht einer Person, die dir nichts gibt und der du auch gar nicht helfen kannst.

    Ich glaube, den radikalen Schnitt von heute auf morgen schaffen die wenigsten. Für mich wäre das auch kein Weg gewesen. Ja, ich denke, Ausschleichen geht schon, es muss aber das Ziel klar sein.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo,

    bei mir war es so, dass meine Hilfe durch Nichthilfe leider nicht dazu geführt hat, dass bei meinem Partner ein Umschwenken erfolgt ist.
    Ich hatte keinen Einfluss auf sein Trinken, auch nicht durch die Trennung oder durch den völligen Rückzug aus seinen Angelegenheiten.
    Hoffnungslos? - Na ja, die Hoffnung stirbt ja zuletzt. Grundsätzlich denke ich schon, dass - solange der Körper noch nicht zu stark irreversibel geschädigt ist - der Weg aus der Sucht für jeden jederzeit noch möglich ist.

    Suchtkranke, die durch eine Trennung an den Tiefpunkt kommen, sind sicherlich noch lange keine hoffnungslosen Fälle. Die meisten kommen ja nach der Trennung erstmal nicht an ihren Tiefpunkt.

    Viele Grüße
    Doro

    Hallo DesperateS,

    Das mit dem Alkohol und dem Rauchen sehe ich ganz genauso. Rauchen ist wirklich lächerlich harmlos dagegen. Klar, man kann daran sterben, aber man hat nicht vorher jahrzehntelang seine Umwelt tyrannisiert...

    Ich glaube, es ist einfach so, dass Alkohol in unserer Gesellschaft und Kultur einen sehr hohen Stellenwert hat. Denk mal allein an die Weinberge in Süd-West-Deutschland. Stell dir vor, die Leute würden keinen Wein mehr kaufen!
    Und die Brauereien...
    Und die edlen Weine, die in Restaurants verkauft werden.
    Da hängen einfach riesige Wirtschaftszweige dran. Und wer damit klarkommt, nur gelegentlich etwas zu trinken, dagegen ist ja gar nichts zu sagen.

    Aber wenn ich Gesetzgeber wäre, würde ich trotzdem versuchen, das eine oder andere Gesetz zu erlassen, das zumindest das Sich-Besaufen unter Strafe stellt. Besoffen AUtofahren ist ja schon strafbar, wenn was passiert. Genauso könnte man ja sagen, dass es verboten ist, sich bis zum Rausch zu betrinken. Und wer es dennoch tut und es passiert was wie z.B. Körperverletzung oder Sachbeschädigung, dann müsste es strafverschärfend wirken und nicht strafmildernd. GEnauso wie beim Autofahren. Wenn jemand im Rausch stürzt und sich was tut, sollte er zumindest symbolisch einen Teil der Arztkosten tragen.

    Ich mein das auch gar nicht gegen die Alkoholiker. Im Gegenteil, vielleicht würde dann mancher eher die Finger vom Alkohol lassen. Heutzutage gehört es für einen ordentlichen Jugendlichen ja geradezu dazu, sich ab und zu mal ordentlich die Kante zu geben...

    Na ja, tolle Ideen, aber leider fragt mich keiner.
    Vielleicht verfasse ich mal einen Brief an einen Politiker.

    Doro

    Hallo DesperateS,

    ja, meiner ist auch so ein Riesenbaby, leider ein ziemlich aggressives. (Oder zum Glück, erleichtert den Abstand).

    Du, diesen Punkt mit der Zurechnungsfähigkeit, darüber hab ich mir auch oft den Kopf zerbrochen. Mein Mann müsste eigentlich einen Betreuer haben, er kann sich offenbar nicht selbst versorgen. Bloß rechtlich geht sowas nicht so einfach. Und er würde sich mit Händen und Füßen dagegen wehren.

    Ich denk dann auch immer: Die Gesellschaft oder irgendjemand müsste sich kümmern. Und da dies niemand tut, bleibe ich als einzige.
    Aber das funktioniert nicht. Ich bin zum Beispiel aus diesem Grund mit meinem Mann - damals Freund - in eine Wohnung gezogen, weil ich auf ihn aufpassen wollte. Ich dachte, er trinkt dann nicht mehr oder weniger, wenn ich ja immer da bin und ihm außerdem noch ein liebevolles Heim biete. Er hat trotzdem getrunken und er hat mich total mit runtergezogen, auch was so äußere Dinge angeht.
    Und außerdem stimmt es nicht: Unsere Gesellschaft hat einen Haufen Hilfsmöglichkeiten, die aber alle nix bringen, wenn die Person sie nicht haben will. Und Zwangsmaßnahmen kann man rechtlich nicht durchsetzen und sie würden wohl auch nichts bringen.

    Ach, irgendwann ist auch genug.
    Wir wissen auch nicht, wie lange wir leben, wieviel Lebenszeit wollen wir noch verplempern?

    Schöne Grüße
    Doro

    Hallo DesperateS,

    eigentlich hält dich doch gar nichts bei ihm. Es ist nur eben diese Verstrickung, das Gefühl, es ihm irgendwie schuldig zu sein, sich um ihn zu kümmern. Irgendwie sowas.

    Ich glaube, je weiter du dich von ihm entfernst, desto schwächer wird das Gefühl, dass dich noch irgendwas zu ihm hinzieht.
    Und sobald da wieder Kontakt entsteht, kommen die alten Gefühle schnell wieder.

    Du brauchst ihn nicht. Trotzdem ist da eben so eine Struktur entstanden, eine Art Abhängigkeit, die aber in dem Moment weg ist, wo du wirklich mal Abstand einhältst. Sie ist vielleicht nicht von heute auf morgen weg, aber wenn du es mal schaffen würdest, ein paar Wochen KEINEN Kontakt zu haben, würdest du es spüren. Du hast es ja schon gespürt.

    Ich hatte wirklich Monate, in denen ich gar nichts von ihm gehört habe. Da hab ich ihn fast vergessen.
    Das zeigt mir, dass ich ihn überhaupt nicht brauche.
    Gefährlich wirds für mich immer dann, wenn er sich aus irgendeinem Grund wieder nähert.

    Ich glaub nicht, dass man erst rausfinden muss, was die Person einem "gibt", sie gibt nix, sie verwickelt einen in eine ungesunde Abhängigkeit.
    (Vielleicht hat sie dir mal was gegeben, aber jetzt nicht mir.)

    Halte dir vor Augen, wie du die Leere, die er hinterlässt füllen willst.
    Du hast deinen Beruf angesprochen!! Das ist doch eine Super-Motivation.
    Halte dir vor Augen, dass du all die Energie, die du ihm gibst, dich wieder von deinem Beruf abhält. Du vernachlässigt dann etwas anderes. Und die Energie, die du ihm gibst, ist total verschwendet. Er bekommt es ja noch nicht mal mit.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo desperateS,

    ich kann dich sehr gut verstehen und finde deine Gefühle normal.

    Trotzdem ist die Frage, ob er nicht genau das erreicht, was er wollte, mit seiner Drohung, wenn du jetzt wieder den Kontakt suchst. Insbesondere, wenn du mit ihm "drüber reden" willst, da wird überhaupt nichts bei rauskommen.

    Ich bin jetzt seit über eineinhalb Jahren von meinem Mann getrennt und immer wieder gibt es eine etwas andere Konstellation und immer wieder neuen Grund, sich Sorgen um ihn zu machen.
    Am Anfang hab ich täglich mit ihm telefoniert, weil ich das alles doch nicht so stehen lassen konnte, wollte auch "drüber reden", und rechtliche Dinge klären. Viele viele total sinnlose Telefonate hab ich geführt. Gut, sie hatten für mich den Sinn, dass ich langsam begriffen habe, dass er mir im nassen Zustand NICHTS geben kann und dass er sich meistens noch nicht mal daran erinnert, was wir geredet haben.
    Später machte ich mir Sorgen, weil er obdachlos war (während ich hier in einem riesigen Haus wohne - was meinste, was ich da für ein schlechtes Gewissen hatte), im Winter dachte ich, er erfriert vielleicht, dann waren wieder Phasen, in denen er Wohnung hatte und man aber ewig nichts von ihm gehört und gesehen hat, da dachte ich, er liegt da vielleicht tot in der Wohnung. Jetzt ist er oft im Krankenhaus und da hab ich natürlich auch wieder irgendwie Mitleid.

    Ich finde, das Mitleid an sich ist ja auch berechtigt, aber wohin führt das Ganze?
    Mir ist es zum Glück gelungen, nach der Trennung trotzdem mein Leben zu leben. Alles, was ihn betrifft, habe ich zwar mitbekommen, aber es beherrscht mich nicht mehr so.

    Du musst einfach sehr vorsichtig sein, dass er dich nicht wieder in sein Leben mit hineinzieht!!
    Pass einfach gut auf und schreib hier weiter. Das Forum ist doch die beste Rückfallversicherung.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Xelos,

    mir hat mal eine befreundete Sozialarbeiterin gesagt: Es gibt wohl kaum etwas negativ Prägenderes als das Zusammenleben mit einem alkoholabhängigen Elternteil.

    Ob das so stimmt, weiß ich natürlich nicht genau. Aber mir war das eigentlich fast die Hauptmotivation bei meiner Trennung: meinen Kindern einen stabilen, fröhlichen Alltag zu ermöglichen und keinen Horrortrip, der niemals endet.
    Bei mir hat es zum Glück hingehauen, die Kinder blühten sehr auf und ich hab jetzt den Eindruck, dass sie in ihrer Kinderwelt leben dürfen, ohne ständig in so eine traurige Erwachsenenproblematik verwickelt zu sein, bei der sie eigentlich total hinten runterfallen, denn dabei geht es überhaupt nicht um sie und ihre Bedürfnisse.
    Natürlich fragen meine Kinder nach Papa und es ist ein Thema ab und zu, aber es steht nicht so im Zentrum ihres Alltags. Und wir können frei drüber sprechen, es gibt keine Rede- oder Denkverbote.

    Hängt natürlich alles davon ab, wie alt die Kinder sind, welche Beziehung sie zu dem kranken Elternteil haben und so weiter.

    Ich wünsch dir einen klaren Kopf,
    Doro

    Hallo,

    also mein Partner hat mich eigentlich ständig im Stich gelassen. Es war sehr selten, dass ich das Gefühl habe, er nimmt mir jetzt wirklich was ab.
    Eigentlich hat er meistens alles nur schwerer gemacht.

    Sicher, das eine oder andere fiel auch in seinen AUfgabenbereich, aber nicht selten wurde daraus trotzdem oft wieder etwas Seltsames.

    Gefühlsmäßig hatte ich schon irgendwie einen Rückhalt. Er hat mir Bestätigung gegeben.
    Andererseits hat er perfiderweise dann auch gleich wieder dieses Selbstbewusstsein zerstört, wenn er mich so beschimpft hat.

    Sicher, ich wünsche mir auch manchmal einen (gesunden) Partner, der für mich dann aber idealerweise eine echte Hilfe sein sollte. Dann gerne.
    Sonst nicht.

    Doro

    Hallo Lukan.

    Was spricht dagegen, jedes Mal wieder die Polizei zu rufen?
    Irgendwann wirds ihr wohl zu dumm werden...
    Du kannst auch den sozialpsychiatrischen Dienst verständigen.

    Ich meine: Letztlich kannst du es eigentlich überhaupt nicht beurteilen, ob es ernst gemeint ist oder nicht.
    Aber wenn jemand das ernsthaft durchziehen möchte, kann die Außenwelt auch nichts machen.
    Wenn es passiert, dann ist es nicht deine Schuld.

    Im Großen und Ganzen glaube ich aber, dass es sehr sehr häufig angedroht wird und zum Glück meistens dann doch nicht ganz ernst gemeint ist. Ich selbst habe auch schon manchmal gedacht: Jezt mach ich Schluss. Wenn der seelische Schmerz einfach so groß wird, dass man es nicht mehr länger aushalten möchte. Aber von der Stimmung, dass man Schluss machen möchte, bis zum tatsächlichen Suizid ist es doch noch ein weiter Schritt.

    Es ist natürlich schlimm, wenn du das schon mal erlebt hast. Ich hab das auch schon öfter gehört, dass die Leute, die sich selbst umbringen, das ziemlich heimlich gemacht haben. Das zeigt doch aber einmal mehr, wie hilflos da die Umgebung im Grunde ist.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Melanie,

    also, das mit dem Mobbing sehe ich im Grunde genauso. Da kommt man nicht hinterher, alles so zu machen, dass man ja keinen Anstoß erregt. Das ist ja auch nicht das, was wir wollen.

    Und dass die Lehrer oft einfach bequem sind (oder auch vielleicht überfordert), da stimme ich dir voll zu. Sind halt Menschen. Deshalb: ruhig Mund aufmachen, ist doch ok.

    Meine Erfahrung ist: Die meisten Kinder und Jugendlichen sind besessen darauf, dass eine Gleichbehandlung aller stattfinden soll. Wenn da ein Schüler z.B. zu Hause PRobleme hat und man gestattet ihm irgendwo mehr Freiraum oder verzeiht ihm oder ihr mehr, kommen garantiert fünf andere Schüler an und sagen: Wieso darf DER das? Das ist ungerecht!
    Also, was das Befolgen von Regeln angeht, ist es äußerst schwierig, individuelle Freiräume zu gewähren.

    Aber bei Kleidung und dem Äußeren - da natürlich.

    Aber ehrlich gesagt, war das in meiner Jugendzeit auch schon so, dass alle dieselben Sachen anhatten und alle einen bestimmter Haarschnitt hatte. Ich selbst bin auch so erzogen, dass ich mich wenig danach gerichtet habe und immer so ein bisschen verächtlich über die gedacht habe, die dem allgemeinen Trend folgten. Ich hatte auch keine Markenturnschuhe, bin dann aber auch aus dem Sportverein wieder ausgetreten, weil ich einfach nicht in die Gruppe reinpasste. Ich hatte auch keinen chicen Scout-Ranzen. Irgendwie war sowas meinen Eltern total egal, die haben da gar nicht drauf geachtet, was so Mode ist. Und ich hab mich auch nicht so dafür interessiert...
    Akzeptiert hat man mich trotzdem, denke ich.
    Aber manchmal ist das Leben vielleicht leichter, wenn man in er Lage ist, mit dem Trend zu gehen. Ich renne immer noch rum und checke oft nicht, was eigentlich "normal" ist.

    Na ja, so weit meine GEdanken dazu,
    und ich wünsch euch, dass ihr da einen Weg findet.
    (In Berlin gibts ja so Gegenden mit extrem hohem Ausländeranteil in Schulen. Glaub nicht, dass die aufs Äußere weniger Wert legen, da ist das viermal so wichtig und das Handy muss auch noch richtig cool sein. Nicht alle natürlich, aber ist so ein Trend.)

    Machs jut,
    Doro