Hallo zusammen!
Ich habe schon vor einem Jahr hier begonnen zu schreiben. Habe mich vorgestellt, meinen Partner vorgestellt und von Euch ANtworten erhalten, die ich damals nicht hören wollte.
Und heute weiß ich, was ich damals auch schon wusste:
Ihr hattet Recht!!!
Ein Jahr lang habe ich auf die selbe Tour gearbeitet:
Mit meinem Partner über den Alkohol gesprochen, ihn positiv motiviert, es endlich dranzugeben, ihm mit Trennung gedroht, seinen Alkoholkonsum mehrere Male stetig steigen sehen, bis es im Exzess endete, ihm am "Tag danach" gesagt: SO gehts nicht weiter!, ihm immer geglaubt, wenn er nach so einem Absturz versprochen hat, dass er aufhört... nur um 3 Monate später wieder am selben Punkt angelangt zu sein.
Ich habe versucht, seine Trinkerei zu ignorieren, habe sooo oft ein Ultimatum gestellt, bin lächerliche Kompromisse eingegangen (nur noch am Wochenende trinken, erst ab 19 Uhr trinken, nur noch 2 Liter am Tag, jeden 2. Tag nüchtern...), und als er im Januar wegen zu hohem Blutdrucks bei Arzt war und das Thema Alkohol (angeblich!!!) offen angesprochen hat, hatte ich tatsächlich die Hoffnung, er könnte es begriffen haben.
Am Sonntag war dann wieder so ein Höhepunkt. Er kam betrunken nach Hause, hat mich grundlos beschimpft und ich habe ihm wieder mal gesagt: Ändere etwas oder ich gehe.
Er hat das erste Mal tatsächlich geweint, darum gebettelt, dass ich ihn nicht verlasse. Und natürlich versprochen, dass er nur noch am Wochenende trinkt.
Und tatsächlich: Am Montag und Dienstag kein Tropfen.
Aber seit Mittwoch wird wieder geflutet. Und zwar exzessiv.
Er hat seit Donnerstag jeden Tag mit seinem ebenfalls alkoholkranken Freund gesoffen (in der Tat: Mein Partner hat ausschließlich Freunde, die ein Alkoholproblem haben!)
Ich bekomme zu hören, dass ich mit daran schuld bin, dass er es doch nicht bis zum Wochenende durchgehalten hat.
Ich hätte durch meine Vorwürfe alles schlimmer gemacht.
Das mag sein, aber ich bin der Meinung, er ist alt genug und muss seine Entscheidung FÜR das Trinken nicht auf mich abwälzen...
Am Freitag Abend saß er, nachdem er um 14 Uhr schon angefangen hatte zu trinken, mit seinem "Freund" auf unserem Sofa und fing plötzlich vor unserem Besuch an, mich zu beschimpfen.
Plötzlich wollte er, dass ich ausziehe, war furchtbar kalt und gemein zu mir.
"Ich komme erst am Sonntag wieder nach Hause, und es wäre schön, wenn Du dann nicht mehr hier bist."
Daraufhin ist er gegangen und ich war verzweifelt.
Ich wusste nicht mal, warum er plötzlich so zu mir war.
Und dann habe ich etwas getan, was mir bis heute ein schlechtes Gewissen bereitet, und vor dessen Konsequenzen ich große ANgst habe:
Ich habe seine Eltern angerufen.
Dazu muss ich sagen: Seinen Eltern gehört das Haus, in dem wir wohnen, und seine Eltern geben ihm regelmäßig Geld, das wir nur deshalb benötigen, weil er schon am Anfang des Monats sein und MEIN Geld versäuft.
Und selbst wenn es am Ende des Monats so knapp ist mit dem Geld, dass wir nichts mehr zu essen haben, auch unsere Haustiere hungern müssen, und er dann von seinen Eltern Geld bekommt:
Das erste, was gekauft wird, ist ein Kasten Bier.
Egal, wie groß der Hunger ist, oder ob ich davon dringend tanken muss, um am nächsten Tag zur Arbeit zu kommen...
Ich habe also seinen Eltern alles erzählt.
Die waren geschockt, weil sie nicht wussten, wie groß sein Alkoholproblem ist und dass er IHR Geld für Sauftouren und Bierkästen ausgibt.
Wir haben lange geredet, und sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir ihn nicht mehr bei der Trinkerei unterstützen werden.
Er wird kein Geld mehr von seinen Eltern bekommen, und wenn er es nicht schafft, das Geld für die Miete aufzubringen etc., muss er ausziehen.
Ich darf dann solange hier wohnen bleiben, bis ich eine neue Bleibe gefunden habe.
Mir tat es schon gut, von seinen Eltern zu hören, dass mein Freund mich nicht aus dem Haus werfen kann, und dass ich immer zu ihnen kommen kann, wenn ich Angst habe, es könnte eskalieren.
Morgen werde ich bei der hiesigen Suchtberatung anrufen und einen Termin für mich und seine Eltern machen.
Wir wollen uns erst beraten lassen, bevor wir etwas tun.
Meine riesengroße Befürchtung ist, dass er mich für immer hassen wird, wenn er erfährt, dass ich ihn quasi "verraten" habe.
Zumal während des Gesprächs mit seinen Eltern herauskam, dass er sowohl sie als auch mich immer wieder belogen hat. Meist, um an Geld zu kommen.
Wie gesagt: Er weiß von all dem noch nichts.
Und es fällt mir schwer, ihn zu belügen. Andererseits sehe ich, dass es anders nicht mehr geht. Er muss endlich fallen, um zu merken, dass es mit Alkohol schwieriger ist als ohne.
Und: Ich bin deshalb am Sonntag Morgen schon wach, weil ich ihn um 6:20 Uhr von seiner Sauftour abgeholt habe. Angeblich die letzte für die nächsten Wochen. Das hat er mir gestern versprochen. Aber mittlerweile weiß ich ja, was diese Versprechen wert sind.
Er will ab Montag wieder nichts trinken. Bis zum Wochenende. Und ich weiß, dass er es nicht durchhalten wird. Eine Therapie kommt für ihn aber nicht in Frage. Noch nicht.
Ich habe große ANgst, dass er nun völlig versackt und immer noch nicht merkt, wie krank er ist.
Dass ich ihn dann für immer verliere, er sich erstrecht in die Arme seiner "immer lustigen" Sauf-Freunde flüchtet, und ich in gewisser Weise sein Leben ruiniert habe.
Wir waren immer ehrlich zu einander. Zumindest habe ich das bis Freitag noch geglaubt. Und obwohl ich nun weiß, dass er mich so oft belogen hat, habe ich ein riesengroßes schlechtes Gewissen, weil ich hinter seinem Rücken seine Eltern mit einbezogen habe...
Obwohl ich glaube, dass das richtig war.
Es tut mir so leid um diesen Mann, weil er wirklich etwas Besonderes ist. Aber ich kann einfach nicht mehr mit dieser Bürde leben!