Hallo zusammen,
kann mich gerade nicht entscheiden, ob ich mich mit Selbstmitleid überschütten soll oder die Zeichen meines Körpers als Hinweis nehmen soll.
Mir geht es körperlich seit ein paar Tagen wieder richtig schlecht. Magen/Darm, Kopf, Rücken, Kreislauf, alles spielt wieder auf einmal verrückt und dann suche ich natürlich nach logischen Erklärungen. Seit längerer Zeit schon schlafe ich auch nachts total schlecht in meinem Schlafzimmer, die Nase schwillt zu, der Hals kratzt und, obwohl man nichts an den Wänden sieht, habe ich total Angst, da ist Schimmel dahinter, der mich krank macht. Bisher hatte ich noch kein Glück, einen Baubiologen zu finden, der mir das mal untersucht. Ich habe zwei in meiner angemailt bzw. Nachrichten auf AB hinterlassen und sie haben sich nicht zurückgemeldet. Muss ich mir was anderes überlegen. Aber ich will sowieso im Laufe des Jahres umziehen. Die Wohnung, in der ich wohne, ist nicht mein Nest, in dem ich mich auf Dauer wohlfühlen kann.
Aber kommt das überhaupt vom Schimmel? Ich war ja Fr/Sa bei meinem Freund und da ging es mir zeitweise echt richtig besser. Gestern dann , als ich noch bei ihm war, gingen meine Gedanken dann wieder im Kreis, ich überlegte ständig, ob ich mich ihm gegenüber richtig verhielt, das richtige sagte, usw. Als es dann ans Nachhausefahren ging, war mir davor richtig schwindlig und übel, aber ich sagte meinem Freund nichts und trank stattdessen noch mal richtig Kräutertee und danach ging es schon.
Kaum zur Tür zuhause hereingekommen, rief meine Mutter an und ich hatte ein schlechtes Gewissen, ihr zu sagen, sie solle später nochmal anrufen. Stattdessen telefonierten wir und das tat mir nicht gut.
Sie erzählte mir, dass es meinem Bruder wieder sehr schlecht geht und er wieder ständig Selbstmordabsichten äußert. Er hat privat und beruflich schon lange grosse Probleme, lehnt aber sowohl eine Psychotherapie ab als auch in eine EKA-SHG zu gehen. Im Gegenteil, mein Bruder hat wohl meinen Vater wohl gebeten, ihm geschäftlich einen Gefallen zu tun. Meine Mutter lehnt das strikt ab und ich bin auch entsetzt. Mein Bruder verleugnet, dass er ein EKA ist. Ich habe meinem Bruder das alles ja schon erzählt, was es an Hilfen für EKAs gibt und wie es mir hilft, um ihm zu motivieren. Aber er ist erwachsen und muss das selbst entscheiden. Das muss ich einfach begreifen.
Meine Mutter hat auch wieder gejammert, wie schwer das mit dem Geschäft ist und sie möchte unbedingt aus der Situation rauskommen. Aber auch sie lehnt es ab, sich professionelle Hilfe zu suchen. Was mich so wütend machte
Sie meinte, meine Situation, in der ich mich im Moment befinde, dass ich mein Leben endlich so leben will, wie es mir entspricht, wäre ein Mid-Life-Crisis. Sie hätte das schon so oft in Zeitschriften gelesen, dass das öfter vorkommt. So als ob das ja gaaaar nichts mit früher zu tun hat, Neeeeiiin, überhaupt nicht.
Versteht ihr, was ich meine?
Ich merke mittlerweile, was da abgeht, klar. Soweit bin ich gekommen. Aber es macht mich immer noch soo wütend. Ich fühle mich manipuliert und als Kind abgewertet!!!
Dann fragte ich sie, ob mein Vater überhaupt noch trinken würde. Er ist ja ziemlich krank mittlerweile, kann kaum noch Laufen, weil seine Füsse kaputt sind. Da erzählte sie mir, dass sie erfahren hat, dass mein Vater Riesenmengen von Kreislaufmittel (mit schön viel Alkohol) in der Apotheke kauft und dort erzählt, er würde das für andere Leute kaufen. Na da haben wir es doch. Also ist er wieder voll drauf in seiner Sucht. Und meine Mutter - sie leiht ihm noch ihr Auto
Verrückte Welt!!
Ich glaube, ich freue mich auf die Kontaktsperre in der Klinik. Mal drei Wochen überhaupt keinen Kontakt zu Leuten zu haben, die ich kenne, egal ob positiv oder negativ. Einfach mal nur um mich kümmern, keine Chance mich wieder neu über Leute zu ärgern oder herausfinden zu wollen, wie ich die anderen wieder glücklich machen kann.
In dem Buch, das ich derzeit über Co-Abhängigkeit lese, steht das alles drin. Auf dem Weg der Heilung werden die kranken Strukturen und Beziehungen sichtbar und man kann sie auflösen. Schmerzen können auch wesentlich stärker werden, weil man sich spüren lernt und dadurch alle Gefühle verstärkt werden. Aber die Autorin macht auch Mut, dass es besser wird und hier in dem Forum sind ja auch einige Menschen, die solche Fortschritte bereits erlebt haben und erleben. Das macht sehr viel Mut!!
Aber manchmal ist es einfach so schwer, jeden Tag wieder Schmerzen zu haben und Angst, und das Gefühl der Verzweiflung, weil alle Strukturen, die man kennt, sich auflösen.
Ich bin trotzdem froh, mich auf den Weg gemacht zu haben und ich freue mich auf jeden Schritt hin zu MEINEM Leben!!
Gestern bin ich mit meinem Freund Spazieren gegangen und dann habe ich wieder ein Haus gesehen, das mich total in den Bann geschlossen hat. Es war älter, mit einem schönen Garten außenrum, die Fenster geschmückt. Das Haus machte einen gemütlichen, Geborgenheit spendenden Eindruck. Es war nichts Besonderes, aber ich konnte meine Augen fast nicht mehr lösen von dem Haus. Es hat mich glücklich gemacht, es nur anzusehen. Da habe ich wieder mal gemerkt, was der Unterschied ist zu den Gefühlen der "Macht" und "Wichtigkeit", die ich im Beruf gefühlt habe, Das war künstlich. Das Gefühl, das ich gestern hatte, war echt und kam aus mir selbst. Das kann ich nicht so beschreiben, aber ich spüre den Unterschied.
Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag und einen guten Wochenstart!
Liebe Grüße,
Sonnenstrahl