Guten Morgen ihr Lieben,
nach längerer Zeit des Nicht-schreibens will ich euch jetzt mal eine Zusammenfassung meiner letzten Wochen geben: Es hat sich schon einiges getan, wenn auch nicht alles positiv. Mir geht es zu Zeit leider nicht ganz so gut und ich bin gerade wieder dabei mich aus einem tiefen Loch zu buddeln. In den letzten Wochen habe ich einige Gespräche mit meinem Mann geführt, die mir in gewisser Hinsicht die Augen geöffnet haben, aber auch sehr verletzt haben. Er ist jetzt auf dem Standpunkt, dass er nun doch nicht zu einer Beratungsstelle gehen will und auch weiterhin trinken will, denn er hat ja kein Problem. Dass er weiter trinken will, hat er mir an den letzten Wochen auch wunderbar demonstriert und mir auch gleichzeitig wieder aufgezeigt, dass ich das so nicht mehr will und kann. Denn ich kann mit niemandem leben vor dem ich mich Ekel und der auch nichts dagegen tun möchte und glaubt ich könne das per Knopfdruck ausschalten. Es zerreißt mich daran zu denken, dass sich wieder jemand gegen mich und für den Alkohol entschieden hat, aber es kann für mich nur besser werden. Nach dem Auszug bei meiner Mutter ging es mir dann auch stetig immer besser, bis ich eine gute Distanz zu ihr aufgebaut hatte.
Er fühlt sich in die Ecke gedrängt und reagiert mir gegenüber jetzt nunmehr mit Druck und versucht mich wie es nur geht zu verletzten. Letztes Wochenende hat er mich in seinem Brausebrand z. B. aus unserer gemeinsamen Wohnung ausgesperrt, als ich nachts von einer Freundin kam. Er beschimpft mich haltlos am Telefon und am nächsten Tag tut er so als wenn nicht geschehen wäre und wundert sich dann auch noch, wenn ich maulig bin. Er kommt jetzt auch mit Aussagen, wie ich solle mir doch schon mal Gedanken machen, wie wir unsere Möbel aufteilen und wer die Wohnung behält. Natürlich ist er auch verletzt, aber warum überspringt er denn so viele Schritte und will scheinbar gar nicht versuchen unsere Ehe zu retten. Für ihn gibt es auch keine räumliche Trennung auf Zeit. Wenn ich ausziehen sollte oder er, dann ist es vorbei für ihn, denn es ist ja wichtiger was die Nachbarn denken, als unsere Ehe zu retten.
Ich mein, einerseits will ich auch die räumliche Trennung, aber andererseits geht es jetzt so schnell. Wobei ich das Gefühl habe, dass mein Mann jetzt so einen Druck macht, weil er nicht der Verlassene sein will, sondern den Spieß umdrehen will. Ist vielleicht auch eine Sache der Ehre und des Stolzes bei Männern, ich weiß es nicht. Es ist nur immer wieder erstaunlich wie sehr man sich in einem Menschen täuschen kann.
Bei seiner Familie und bei seinen Freunden bin ich auch unten durch, denn wir waren doch immer das Traumpaar, warum kann ich denn jetzt nicht weiter die Augen vor den Problemen verschließen und einfach so weitermachen, damit deren Weltbild nicht gestört wird. Ich bin nur sehr traurig darüber, dass es Menschen gibt, die so kleinkariert und engstirnig sind und sich nicht beide Seiten der Geschichte anhören. Geht euch das auch so, dass ihr auf Unverständnis stoßt?
Tja, jetzt bin ich wieder mal an einem Punkt angelangt, wo ich nicht weiter weiß. Gespräche helfen uns nicht, denn wir drehen uns eh nur im Kreis. Hilfsangebote von meiner Familie und meinen Freunden nimmt er nicht an und auch von einem Außenstehenden (Beratungsstelle) will er nicht annehmen. Jetzt muss ich wohl rausfinden, ob ich schon so weit unten bin, dass ich ihn ziehen lassen muss, damit es mir wieder besser geht.
Liebe Grüße
Finchen