Liebe Evelin,
ich komme mal zu Dir rüber, um etwas zu diesem Satz von Dir bei Meks zu sagen 
weil ein solches Verhalten hier so „abgeurteilt“ wird, ich aber doch eigentlich offen hier schreiben will…
Ich finde es gut, ehrlich dazu zu stehen, wenn man etwas tut, was nicht unbedingt der Anfangsempfehlung der Trockenheit entspricht - aber wenn man mal ganz ehrlich mit sich ins Gericht geht: dient diese Ehrlichkeit nicht auch dazu, dass die Sucht sich dadurch eine Absolution erteilen will?
Ich würde Dir gerne noch ein paar Gedanken zur Risikominimierung dalassen.
Am Anfang der Abstinenz ist ein Bereich unseres Hirns immer noch vom Alkohol "durchtränkt" und es geht rein darum, Ruhe vom Alkohol ins Hirn zu bekommen, oder besser noch, den Alkohol zu elemenieren, soweit das möglich ist. Unser Hirn ist wie eine Festplatte im Computer, die neu bespielt wird, dafür muss bloß das Alte erstmal raus, damit Platz für Neues da sein kann.
Als Beispiel: Wenn Du schreibst, dass Du in der Skihütte mit 10 Menschen warst und davon 9 Bier getrunken haben und einer Wasser, dann kontrollierst Du den Alkohol der Anderen. Du trinkst ihn zwar nicht selber - Du nimmst ihn aber wahr - Das PRO Alkoholhirn ist voll aktiv. Menschen mit einem normalen Alkoholverhalten achten weder darauf, was wer trinkt, noch wieviel und sie sprechen auch nicht darüber. Wenn ich heute mit Menschen weggehe, dann achte ich nicht mehr darauf, wieviel und was sie trinken, aber ich trinke jetzt auch seit 13 Jahren nicht mehr. Es hat bei mir ca. 1,5 -2 Jahre gedauert, bis ich den Alkholkonsum der anderen nicht mehr kontrolliert habe.
Und nun kannst Du Dich nach so einem wunderbaren Tag beruhigt und glücklich ins Bett legen, dass alles gut gegangen ist´. Dein Suchtgedächtnis ist nicht angesprungen und Du warst sogar so ehrlich und hast es Deiner Gruppe gesagt. Das wird wahrscheinlich das nächste und vielleicht auch das übernächste Mal gut gehen und genau darauf lauert die Sucht in Dir und Du kannst anfangen, übermütig zu werden - kannst Du dann stand halten? Glaub mir, das Suchtgedächtnis ist eloquent, perfide und tricky und kann eine wahrer Satan werden 
Ich bin der tiefen Überzeugung, je weniger ich mein Hirn im ersten Jahr der Abstinenz mit Alkohol konfrontiere, desto besser kann ich meine Festplatte in meinem Hirn neu überschreiben und mit der Zeit unterscheiden lernen, ob ich selber an meinem Ruder sitze oder Sucht.
Herzliche Grüße Martha