Beiträge von Wuschel65

    Guten Morgen Annastasia,
    wie kam es zu der Situation? Wusste die Bekannte Deiner Freundin um Deine Situation? Während meiner letzten Trockenheit (vor dem RF) bin ich sehr offen mit meiner Sucht umgegangen. Ich dachte irgendwie, jedem erzählen zu müssen, trockener Alkoholiker zu sein. Offenbar erwartete ich von jedem Verständnis und wollte mir sicher auch unbewusst meine Belohnung in Form von Anerkennung und Lob abholen. Denn ich war überzeugt, intelligente Menschen sind aufgeklärt und bereit, für mein Outing.

    Im Nachhinein war das teilweise ein Fehler. Auch bei mir erkannten einige den Hobbypsychologen in sich und wollten mich missionieren. Ich vergesse nie, einen potentiellen Auftraggeber. Eine Schule für die ich tätig werden wollte. Ich saß drei höheren Herren gegenüber, einer war der Schulleiter. Nachdem wir die Details besprochen hatten erwähnte ich beiläufig, trockener Alkoholiker zu sein. Keine Ahnung, warum. Mich sahen drei verdutzte Gesichter an. Der Schulleiter „lobte“ mich dann und meinte, es wäre besser, das am Anfang zu sagen, bevor sie es selbst herausgefunden hätten (Hallo?).
    Als ich mich verabschiedete lobte er noch meine außerordentlich sauber geputzten Schuhe :? Das war so das schrägste, was mir passiert ist. Den Auftrag bekam ich nicht, war aber auch nicht unglücklich darüber :wink:

    Heute weiß ich, ich muss es nicht jedem auf die Nase binden. Gerade in der heutigen Zeit, wo jeder Angst um seinen Job hat, muss man leider ein möglichst perfektes Bild abliefern. Sonst wird man schnell angreifbar. Und in der Gerüchteküche wird dann beim trockenen Alkoholiker das Trocken auch mal weggelassen und das war´s schon.

    Beim nächten Magen-Darm Infekt läuft die Spekulationsmaschine dann an.
    Die Aufklärung ist noch lange nicht so weit, wie man es sich wünschen würde. Deswegen bleibe ich heute eher bei mir und den Menschen, von denen ich weiß, dass sie damit umgehen können.

    Ich wünsche Dir, dass Du den Schreck bald verdaust und einen trotzdem wunderschönen Sonntag.

    Liebe Grüße

    Wuschel :D

    Guten Morgen Annastasia,

    schön zu Lesen, dass Du den ersten Arbeitstag gut überstanden hast.
    Mein Wellnesswochenende war sehr erholsam. Schwimmen, Sauna, Solarium. Und alles für den Preis, der einem Bruchteil eines Vollrausches entspricht. Es gibt wieder so viel zu entdecken. Wunderbar.
    Alles Dinge, die man zum Beispiel nach einem anstrengenden Arbeitstag mit Meetings und Seminaren noch ins Programm packen könnte.
    Wie sieht es mit Deinem Notfallkoffer aus? Du schreibst, der Druck wächst. Druck erzeugt Druck – Saufdruck. Auf diese Situation solltest Du Dich jetzt vorbereiten.
    Erster Anlauf könnte natürlich das Forum sein. Welche Möglichkeiten siehst Du noch, den Druck abzubauen?
    :?:
    Die Leere, die Du auf Dich zukommen siehst, gilt es zu füllen. Das wird Dir nicht immer gelingen. Ist aber auch normal. Die jungen Leute nennen das wohl chillen. Also irgenwie nichts tun. Auch damit gilt es umzugehn. Sich dann die Lampen auszublasen ist sicher die schlechteste aller Optionen. Innehalten und in die Stille lauschen gehört für mich zu meiner Reise ins Ich dazu. In meinen über 40 Jahren habe ich das viel zu selten getan. Flüstert die Stille doch manchmal auch Wahrheiten, die man nicht so gerne hört. Aber auch das ist sicher ein Teil des Aufarbeitungsprozesses.

    Ob Du Dich dafür schon bereit fühlst, kannst aber nur Du entscheiden. Auf jeden Fall ist alles besser, als die Lügen die der Alkohol uns erzählt.
    Genau wie Du, habe ich viele Abende mit Alkohol betäubt. Da ich mit 18 begonnen habe, unkontrolliert zu trinken, wurden aus den Abenden Wochen. Aus den Wochen Monate und aus den Monaten Jahre. Wenn ich heute zusammen zähle, habe ich wirklich Jahre meines Lebens im Rausch verbracht. Nicht bewusst gelebt. Ein sehr schmerzliches Gefühl. Verlorene Lebenszeit die ich nicht mehr wieder bekommen werde. So entspricht mein körperliches Alter nicht meinem gefühlten. Ich fühle mich jünger, da ich ja viele Jahre wie im Koma verbracht habe. Während andere ihre Familien aufbauten und sich ein sicheres, soziales Umfeld erschufen, klammerte ich mich an die Arbeit und den Alkohol.
    Diese Tür ist zu. Ich kann es nicht mehr ändern. Aber meine Zukunft habe ich in der Hand. Genau wie Du.
    Lass uns dafür sorgen, dass die nächsten Jahre unseres einzigartigen Lebens die Würdigung erfahren, die sie verdient haben. Nüchtern und bei vollem Bewusstsein. (man, wie philosophisch..hihi)

    Gegenüber den "Normalen" haben wir sogar einen Vorteil. Den Entdeckergeist eines Kindes. Da wir vieles nicht kennen, was für die anderen Normal ist, können wir uns wie ein Kind darüber freuen. Begeistern uns auch über vermeintliche Kleinigkeiten.
    Lass uns beginnen, unser Leben zu entdecken. Wir haben ja nur dieses eine :roll:

    Jetzt wünsche ich Dir einen wunderschönen Tag mit vielen, positiven Momenten und Entdeckungen. Und denke immer dran, den Wein und den Rausch hast Du schon zur Genüge entdeckt. Mehr hat er nicht zu bieten. Es gibt aber so viel mehr… :wink:

    Liebe Grüße
    Wuschel :D

    PS Überlege Dir, in die geschlossenen einzuziehen. In der geschlossenen haben wir auch einen Notfallchat. Für den Fall der Fälle.

    Guten Morgen Annastasia,

    ich hoffe, du hattest eine entspannte Nacht.
    Das Thema Gefühle ist wohl eins der schwierigsten für viele Frauen und Männer. In dem Moment in dem man auf die Welt kommt, ist es das normalste Gefühle zu zeigen und zu äußern. Durch weinen, schreien, lachen usw. Wie sollte sich ein Baby sonst äußern.

    Erstaunlicherweise wird das dann oftmals weg konditioniert um uns der Gesellschaft und den Regeln anzupassen. Besonders uns Männern haftet ja der Ruf an, mehr oder minder gefühlskalt zu sein und oft wird genau das ja auch erwartet.
    Ich glaube, hier muss man mit gesundem Menschenverstand trennen, wann Gefühlsäußerungen angezeigt sind und wann nicht.
    Sicher würde ein Vorstand der auf der Aktionärsversammlung in Tränen ausbricht weil ihn seine Frau verlassen hat befremdlich wirken :shock: Und eine S-Bahn voller weinender Fahrgäste stelle ich mir auch nicht wirklich prickelnd vor :?
    "Die Menschen" haben nun mal Spielregeln aufgestellt. Wobei die Grenzen meines Erachtens fließend sind. Mir persönlich fällt es nicht schwer, auch mal relativ fremden Menschen meine Gefühle mitzuteilen. Getreu meinem Lebensmotto: Blamiere dich jeden Tag 8)

    Klar wirkt das besonders auf die perfekt konditionierten Gefühlsverdränger befremdlich. Aber andere fühlen sich motiviert einzusteigen und da habe ich schon sehr schöne Erlebnisse gehabt.

    Ich kam vor einigen Jahren in dieses Forum und wurde hier trocken. Dann habe ich das Forum verlassen und irgendwann meine Suchtarbeit an mir eingestellt. Der Gedanke, mich ein ganzes Leben lang damit beschäftigen zu müssen, machte mir irgendwie Angst, passte er doch nicht in mein Listendenken und dem Wunsch abzuhaken (abzuhacken?)

    Nach 2,5 Jahren kam der Rückfall im letzten Jahr.

    Heute bin ich wieder hier und sehe alles entspannter. Der Rückfall hat mir einige Dinge eröffnet und auch in meinem Leben haben sich einige Dinge die mir schwer auf der Seele lagen geKLÄRT.

    Ich denke heute, Suchtarbeit ist nur am Anfang Arbeit solange sie noch sehr schwer fällt (die Hardcore-Suchtarbeiter mögen mir diese Äußerung verzeihen).
    Später wird Sie zur Beschäftigung mit der Sucht und sich selbst. Und das ist nicht immer Arbeit sondern kann durchaus ein Vergnügen sein. Denn wer sagt, Arbeit kann keine Freude machen.
    Jeder sollte sich doch eigentlich bis zum Ende seines Lebens mit sich selbst beschäftigen. Schauen, wo es drückt und was anders sein kann um die persönliche Lebensqualität zu erhöhen. Ob Alkoholkrank (ich mag das Wort ja nicht) oder nicht.

    Die anfängliche Euphorie des trocken werdens wird irgendwann nachlassen und es wird Alltag, nicht zu trinken. Die positiven Zusprüche des Umfeldes lassen nach und es wird NORMALität. Eigentlich ein wünschenswerter Zustand, denn man fühlt sich genau dort, wo man hin wollte.

    Warum sollte man jetzt noch Suchtarbeit an sich leisten? Es läuft doch alles :?:

    Leider ist das oftmals der Moment, auf den unser Flaschengeist (nenne ihn wie Du willst) gewartet hat. Denn er hat ja eine Engelsgeduld.

    Hier im Forum finden sich immer Menschen die zuhören und Zuspruch geben. Auch wenn das nicht trinken für andere schon NORMALität geworden ist.

    Und das wunderbare, unsere Geschichten helfen anderen, die den Wunsch haben ihr Leben in eine andere Richtung zu bewegen oder reflektieren möchten, ob ihre Richtung noch stimmt.
    Hm, ich wollte eigentlich nur ein paar Zeilen schreiben und jetzt haue ich Dir Deinen Thread voll. Hihi, naja..

    Ich persönlich schreibe übrigens überwiegend in der internen Abteilung. Denn alles möchte ich der Öffentlichkeit doch nicht zumuten.

    So, jetzt wünsche ich Dir und allen die das lesen einen wunderschönen Sonntag. Ich werde heute in unser neues Schwimmbad gehen. Mit Ausschwimmbecken. Genial bei Schnee.
    Und eine Runde Sauna werde ich mir auch gönnen. Ich liebe es, danach ins kalte Wasser zu hüpfen und mich dann zu wärmen.

    Viele Grüße :D
    Wuschel

    Hallo Annastasia,

    Deine Liste ist eine schöne Idee. Auch von mir herzlich Willkommen in der Zuflucht.
    Mir hilft es ungemein zu Wissen, dass meine Gedanken und Gefühle wahrgenommen werden.
    Im übrigen bin ich auch ein Listenschreiber 8)
    Manchmal schreibe ich sogar auf meine Liste, eine Liste zu schreiben :lol:
    Das abhacken wenns dann getan ist macht mir am meißten Freude.

    Jetzt komme gut an, ruh dich aus und richte Dich gemütlich ein. Ich wünsche dir viele, positive Gespräche auf Deiner Reise zum Ich.

    Liebe Grüße
    Wuschel
    :D