hallo simone,
spät zwar, aber trotzdem begrüße ich dich auch noch ganz herzlich hier im forum.
zwei dinge möchte ich noch bemerken. zum einen schreibst du:
Zitat
Mir persönlich bringt es nichts, wenn ich in einem Kreis sitze wo hauptsächlich Partner oder Freunde des Alkoholkranken sitzen. Es sind in meinen Augen andere Voraussetzungen. Als Partner und Freund habe ich die Wahl ob ich den Weg mit dem Kranken gehe oder nicht.
jein. nein zu ersterem, dass es dir nichts bringt, mit partnern in solch einem kreis zu sitzen. ich glaube schon, dass auch dir das was bringen würde. ich hab längere zeit auch eine selbsthilfegruppe besucht, vom kreuzbund. das war theoretisch eine gemischte gruppe, angehörige und alkis, praktisch war ich die einzige angehörige. anlass war mein exfreund, der trinkt/trank. aber ich komme auch aus einem alki-haushalt, beide eltern trinken/tranken, seit ich denken kann, mein vater hat sich totgetrunken, klassisch mit leberzirrhose, meine mutter trinkt weiter. weisst du, was mir diese gruppe in erster linie gebracht hat (abgesehen von der trennung von meinem freund)? ich habe eine art "verständnis" für alkoholiker entwickelt, und manche hab ich nachher echt gemocht. was wiederum das verhältnis zu meiner mutter für mich ein stückckchen mehr entspannt hat. naja, und die partner werden trotzdem ganz ähnliche gefühle wie du haben. bisschen wirr, ich versuche mal es zu erklären.
bis zu meinen besuchen in der gruppe waren für mich gefühlsmäßig
alkis hassenswerte menschen. mit dem kopf wusste ich natürlich, dass es eine krankheit ist uswusw., aber meine gefühle waren anders. ich hab in erster linie gesehen, was meine eltern mir angetan haben, worunter ich gelitten habe und mit welchen macken ich immer noch zu kämpfen habe. mit meiner mutter konnte ich nie darüber reden. plötzlich hatte ich 10 erwachsene (trockene) alkis vor der nase, die für mich "unbeleckt" waren, die hatten mir erstens nie was getan, und zweitens konnten sie ganz nüchtern und oft auch mit einem lachen über die krankheit reden und mir vieles nochmal aus ihrer sicht erklären. zum beispiel, wie sehr sie sich alle geschämt haben vor ihren kindern, wie sie sich gefühlt haben, warum sie nicht anders konnten, warum sie wie gehandelt und geredet haben - und das war für mich natürlich viel leichter zu ertragen, weil es eben "fremde" waren für mich. danach hab ich ganz erstaunt hier in mein tagebuch geschrieben, dass ich das erste mal in meinem leben alkis mag. für mich war das gut, weil sich damit für mich (in mir!) meine beziehung zu meiner mutter entspannt hat. ich hab mir ihr nicht drüber geredet, hat auch keinen sinn, aber MIR hats geholfen. vielleicht wäre sowas was für dich, ne gemischte gruppe? ausserdem haben die aas - glaube ich, weiss ich aber nicht - gruppen für erwachsene kinder. und ansonsten haste uns
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Als Partner und Freund habe ich die Wahl ob ich den Weg mit dem Kranken gehe oder nicht. Als Kind hat man diese Wahl niemals gehabt. Hat sie auch nicht wirklich wenn man auszieht und weit weg von den Eltern ist. Eltern bleiben Eltern, und Kind bleibt man sein Lebenlang.
hierzu ein klares ja. zumindest dazu, dass man sich seine eltern nicht aussuchen kann. du bleibst auch ihr (biologisches) kind. mein pastor hat mir mal gesagt, als ich genau mit diesem zwiespalt kam, dass eltern ja immer eltern sind (was für mich implizierte, dass ich sie lieben muss und ihnen dankbar sein), dass eltern dann eltern sind, wenn sie sich wie eltern verhalten, und dass meine das ja wohl nicht getan hätten. auch das hat mir viel von meinem inneren druck genommen. das dauert alles, wenn ich das jetzt so aufschreibe hört sich das ganz gerade an, war es aber natürlich nicht. ich denke, ich hab nach meinem auszug mit 18 etwa sieben jahre gebraucht, um mich wirklich komplett abzugrenzen und einen inneren frieden zu finden. aber immerhin, jetzt lebe ich schon länger ziemlich unbeschwert
. es lohnt sich also.
und nochmal zu der suchtberatung: ich denke, du bist einfach schon zu weit für sowas. du weisst zuviel. die meisten kommen sicher völlig entgeistert dorthin und fragen verzweifelt, wie sie ihre liebsten retten können. dass die leute schon wissen, dass sie es nicht können, und sich um sich selbst kümmern müssen, hat bis dahin wohl kaum einer verstanden, denke ich. deshalb wundert mich der verlauf des gesprächs auch nicht wirklich.
uff, jetzt hab ich einen roman geschrieben :?, hoffe du steigst so halbwegs durch?!
lieben gruß
lavendel