Hallo ihr Lieben,
ich bin erst seit kurzem in diesem Forum hier unterwegs und lese hier eigentlich nur, was schon mal hilfreich ist. Jetzt wird es an der Zeit meine Geschichte zu.
Ich bin auf dieses Forum aufmerksam geworden, weil ich ein erwachsenes Kind (33) von Alkoholiker bin. Bei mir sind es Mutter und Vater. Noch dazu bin ich Einzelkind. Seit ich denken kann, trinken meine Eltern. Es gab hässliche Szenen in meiner Kindheit, die aber nur nach und nach ans Tageslicht kommen. An vieles in meiner Kindheit kann ich mich einfach nicht erinnern. Meine Freundin aus Kindertagen frischt ab und an mal meine Erinnerung auf. Von alleine komme ich auf sowas gar nicht.
Meine Eltern haben stets ihr Leben nach Außen gemeistert. Nach außen hin, waren wir eine fast perfekte Familie. Tja allerdings sah es innen ganz anders aus. Beide nach der Arbeit getrunken bis der Pegel erreicht war, dann öfters heftige Auseinandersetzungen zwischen beiden Eltern. Oft gingen sie soweit, das sie in körperlichen Attacken endeten. Manches Mal wurde ich von meiner Mutter herbeigeholt, damit ich ich ihr helfe, da mein Vater sie umbringen wolle (O-Ton meine Mutter). Naja so ging es eigentlich bis zum meinem 16 Lebensjahr. Da verließ meine Mutter meinen Vater. Ich blieb bei meinem Vater und drohte ihn ihn auch zu verlassen, falls er nicht aufhört zu trinken. Er hörte auf. Bis meine Mutter wieder zurückkam. Mein Vater trank zwar keinen Schnaps mehr, alllerdings Bier. Die Auseinandersetzungen waren auch "nur" noch verbaler Natur. Es wurde ein kleines bisschen ruhiger, aber nicht besser.
Irgendwie waren meine Eltern stets bemüht um mich und für mich da, aber auf der anderen Seite waren sie auch in einer anderen Welt für mich. Eine Welt die ich hasste und verabscheute.
Vor zwei Jahren musste meine Mutter ins Krankenhaus. Sie lag fünf Tage auf der Intensivstation - Bauchspeicheldrüse. Der Arzt meinte nur, einen Tage später ins Krankenhaus und sie wäre tot gewesen. Nach Gesprächen mit dem Arzt (nachdem er von mir erfuhr, dass meine Mutter Alkoholikerin ist) wurde deutlich, dass wenn sie weiter trinke nicht mehr lange zu leben hat.
Nachdem sie aus dem Khs heraus war, war es herrlich. So wollte ich meine Mutter nüchtern. Mein Vater trank weiter. Tja und nach nich allzu langer Zeit meine Mutter auch wieder. Der Teufelskreis begann wieder. Und ich habe keine Lust mehr.
Nun geht es seit Wochen meinem Vater zusehends schlechter. ER baut förmlich ab. Gespräche alleine sind fast nicht möglich. Nach einem kurzen Telefongespräch gab er zu sich aufgegeben zu haben und wir sollen ihn doch alle einfach nur in Ruhe lassen.
Ich sehe zu, wie mein Vater sich langsam umbringt.
Die Ehe meiner Eltern war schon von jeher Problem geladen und alles andere als glücklich. Meine Mutter kann eine Furie sein und meinem Vater schwer zusetzen. Sie ist kein einfacher Mensch. Hinzu kommt, dass mein Vater im September im Ruhestand geht. Was passiert dann?
Beide gehen nur arbeiten, nach Hause, trinken. Mehr passiert nicht. Ich wohne ca. 30 km von ihnen entfernt, besuchen kamen sie ich das letzte mal letztes Jahr im August. Da hatte ihr Enkelkind Geburtstag. Sonst fahre ich immer zu ihnen.
Meine Eltern unterstützen mich teilweise finanziell. Da ich alleinerziehende Mutter bin, bin ich für diese Hilfe sehr dankbar. Allerdings mehr als finanzielle Unterstützung bekomme ich nicht. Emotionale Unterstützung bekomme ich nicht. Denke mal sie sind zu sehr mit sich selber beschäftigt.
Seit Wochen merke ich wie ich niedergeschlagen bin, öfters an meinem Vater denke, Angst davor habe dass er sterben wird. Ich weiß nicht was ich machen kann. Ich merke, dass nun der Druck wohl der letzten Jahre stärker wird. Körperlich scheint es sich auch bemerkbar zu machen. In letzter Zeit habe ich sehr oft wahnsinnige Kopfschmerzen und bin nur noch müde. Ob es da einen Zusammenhang gibt, werde ich wohl noch herausbekommen.
Ich glaube ich bin an dem Punkt wo ich mir Hilfe holen muss und auch werde. Habe am Montag einen Termin bei der Suchtberatung vor Ort.
Natürlich habe ich Angst vor dem was noch an unterdrückten Erinnerungen in mir steckt. Welche Erklärungen es für meinen momentan depressiven Zustand gibt.
Ich danke euch erst einmal für zuhören, und würde mich freuen, wenn man sich austauscht.
Ich hoffe es kann mir helfen, mit der Situation zurecht zu kommen.
Viele liebe
Simone